Willkommen auf meinem Star Trek-Blog! Seit ungefähr Anfang der 90er bin ich ein großer Star Trek-Fan, und irgendwann fing ich auch mal an, die Romane zu lesen. Dies soll ein Versuch sein, alle von mir geschriebenen Star Trek-Roman-Rezensionen einigermaßen kompakt zu präsentieren. Es würde mich freuen, wenn sich der eine oder andere bei meinen Bewertungen einen Tipp abholen kann. Wie man sehen kann, habe ich unter jede Rezension auch einzelne Aspekte wie Humor oder Spannung extra bewertet. Auch fehlte mir bei anderen Rezensionen immer der Hinweis, ob ein Star Trek-Roman auch für Nicht-Trekkies oder Neulinge geeignet ist oder nicht, deshalb gehe ich auch auf diesen Punkt ein.

Ich habe versucht, nicht allzuviel zu spoilern, aber absolute Spoiler-Allergiker möchte ich gleich darauf hinweisen, dass ich in fast jeder Rezi auch ein wenig auf den Inhalt des Buches eingehe. Ich finde es immer witzlos, wenn man rein gar nichts über das Thema eines Buches erfährt.

Ein Wort noch zu den verwendeten Fotos: Ich hätte die Cover auch einscannen können, fand aber die Idee mit den Fotos irgendwie schöner, gerade weil sie so dilettantisch aussehen ;-)
Kommentare, Tipps oder auch Rezensionswünsche sind jederzeit willkommen!

Und nun viel Spaß beim Stöbern!
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Mittwoch, 17. August 2011

The Captains Table: Gebranntes Kind

Peter David

New Frontier, erschienen bei Cross Cult

(251 S, Original:  Once Burned)

"The Captains Table" ist eine Bar der besonderen Art: Sie ist nur für Captains oder vergleichbare Anführer aller Zeiten geöffnet. Es gibt keinen bestimmten Ort für diese Bar; von Zeit zu Zeit erscheint sie einfach irgendwo, so auch für Mackenzie Calhoun. Weil es im "Captain's Table" üblich ist, eine persönliche Geschichte zu erzählen, berichtet Calhoun, warum er vor Jahren seine Sternenflottenuniform an den Nagel hängte.

Viel mehr möchte ich vom Inhalt gar nicht verraten, weil man in dieser Geschichte schon recht früh erahnen kann, wie sie ausgeht. Schon in den ersten "New Frontier"-Romanen wurde erwähnt, dass Calhouns Kündigung irgendwie mit einem Vorfall während seiner Zeit als Erster Offizier auf der U.S.S Grissom zu tun hatte; worum es dabei genau ging, blieb allerdings unklar. Hier erfahren wir endlich alles über dieses Ereignis, und zwar aus Calhouns Sicht. Es ist eine sehr bedrückende, tragische Geschichte um Loyalität, innere Zerrissenheit und menschliche Abgründe, die wirklich an die Nieren geht. Als Peter-David-Roman ist dieses Buch zwar trotzdem nicht hundertprozentig bierernst, aber weit entfernt von den typischen Gute-Laune-Geschichten des Autors.

Dieses Werk bringt uns Mackenzie Calhoun weit näher als die bisher erschienenen "New Frontier"-Romane. Bislang wirkte er auf mich wie eine Art Superhelden-Captain, dessen Instinkte unfehlbar sind, der keinerlei Respekt vor seinen Vorgesetzten hat und der in jeder Hinsicht ein Macher ist. Hier lernen wir mal eine ganz andere Seite seiner Persönlichkeit kennen: Zunächst als jungen Rebell auf seinem Heimatplaneten Xenex, der zum ersten Mal jemanden getötet hat und dies nur schwer verarbeiten kann. Später erleben wir Calhoun als jungen Commander auf der Grissom, der sich mit seiner schroffen Art nicht überall beliebt macht, der sich Dinge schönredet, anstatt sie zu hinterfragen, der Befehle ausführt, obwohl er spürt, dass sie falsch sind. Auch die Crew der Grissom erscheint tief gespalten. Die Offiziere beäugen sich misstrauisch, es bilden sich Verbündete und Gegner - ganz anders als die üblichen Sternenflottencrews, die fast stets tadellos wie eine gut geölte Maschinerie funktionieren.

Wie schon erwähnt, ist die Handlung ziemlich vorhersehbar. Dies wurde aber vom Autor bewusst so angelegt, denn viele Kapitel enden mit einer Andeutung, dass sich etwas Schlimmes anbahnen wird. Gerade dieses Wissen ist es aber, was die Spannung gewaltig ansteigen lässt. Man zittert regelrecht vor dem, was da kommen mag. Für Action ist ebenfalls gesorgt, und vor allem das Kapitel "Der Schacht" ist mit das Spannendste, was ich jemals in ST-Romanen gelesen habe! Aber es sind vor allem die nachdenklichen Momente, die diesen Roman so stark machen: Die moralische Zwickmühle in der Calhoun steckt, ist so greifbar, dass sie schon allein vom bloßen Lesen kaum zu ertragen ist. Erfreulicherweise verzichtet Peter David hier gänzlich auf die für ihn typischen Übertreibungen, die hier einfach fehl am Platze wären. Die beklemmende Atmosphäre wird allein durch die ironischen Dialoge etwas aufgelockert, die mir beim Lesen trotz des ernsten Themas ab und zu ein Schmunzeln entlocken konnten.

Neben Calhoun sind auch die anderen Figuren wunderbar gelungen. Jede einzelne von ihnen wird so bildhaft zum Leben erweckt, dass man sie regelrecht vor sich sieht. Als erstes muss ich natürlich sagen, dass es mich freut, dass mit Katerina Müller endlich mal ein wiederkehrender deutscher Charakter einen Platz im (inoffiziellen) Star Trek-Universum gefunden hat. Zwar ist Frau Müller als typische Deutsche natürlich ein Ausbund an Förmlichkeit, Disziplin und Humorlosigkeit (man stelle sich jetzt mein genervtes Augenrollen vor), aber wirklich eine sehr coole, starke Person mit dem Herz auf dem richtigen Fleck. Gut finde ich auch, dass ihr Nachname, im Gegensatz zum Original, mit "ü" statt mit "ue" geschrieben wird.
Romeo Takahashi hingegen ist ein echter Sympathiebolzen, genau wie Mick Gold. Ich war aber schon einigermaßen überrascht zu erfahren, dass Müller, Takahashi und Gold zur Stammbesetzung der Excalibur gehören. Entweder habe ich das in den Vorgängerromanen überlesen, oder die drei wurden bisher noch nicht erwähnt. Jedenfalls würde ich mich sehr über ein Wiedersehen freuen. Am eindrucksvollsten ist aber Norman Kenyon geschildert, der Captain der Grissom. Ich würde zuviel von der Handlung vorwegnehmen, wenn ich genauer auf ihn eingehen würde, deshalb verrate ich nur, dass die Szenen mit ihm die eindringlichsten und besten im ganzen Buch sind.

Das Konzept mit dieser Bar, die sich, wenn überhaupt, nur für Captains öffnet, wirkt im Star Trek-Universum freilich ein wenig deplaziert. Ich finde ja, dass diese wunderbare Kneipe eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Haus der Familie Black oder dem Raum der Wünsche aus den "Harry Potter"-Romanen hat. Tatsächlich wäre die Bar dort besser aufgehoben als bei Star Trek, aber wenn sie als Aufhänger für solche tollen Geschichten wie "Gebranntes Kind" dient, soll es mir nur recht sein.


Fazit: "Gebranntes Kind" gehört zu den besten Peter-David-Romanen, und wenn man die fast durchweg hohe Qualität seiner Werke betrachtet, will das wirklich etwas heißen. Auf verhältnismäßig wenigen Seiten entfaltet sich eine beklemmende Geschichte mit Tiefgang und von einer beeindruckenden Intensität. Dies ist keiner der unzähligen ST-Romane, die man durchliest und abhakt, sondern der noch lange nachwirkt. Ich jedenfalls werde Mackenzie Calhoun von nun an mit ganz anderen Augen sehen.
 
P.S. Ich persönlich finde ja diese große Ameise auf dem Cover toll! - Wie bitte? Habe ich da Xindi-Insektoid gehört?

5/5

Charaktere getroffen? *****
Spannung: *****
Humor: **
Action: ****
Gefühl: *****
originelle Handlung? ****
Anspruch: ***

Vorwissen nötig?
Ich schätze, damit kommen auch Leser ohne Vorkenntnisse klar.

Mittwoch, 6. Juli 2011

Spiel auf Zeit

Peter David, Michael Collins, David Roach

Star Trek Prestige Nr. 6 (Die neue Grenze), erschienen bei Dino

(52 S., Original: Double Time)

Für Carlito, der mich zum Glück auf diesen Comic aufmerksam gemacht hat.

Die Redeemer (oder "Erlöser", siehe "Märtyrer") sind zum Planeten Haresh unterwegs, um deren Bevölkerung zu missionieren. Da Captain Calhoun aus Erfahrung weiß, dass dies für die Bewohner durchaus auch tödlich enden kann, lässt er Kurs auf Haresh nehmen, um dort als Vermittler nach einer friedlichen Lösung zu suchen. Unterwegs rettet die Excalibur-Crew die Bevölkerung eines anderen Planeten vor einem verheerenden Magnetsturm. Diese Rettungsaktion hat aber fatale Folgen: Als die Excalibur endlich Haresh erreicht, sind sämtliche Bewohner dieser Welt tot - ermordet durch die Redeemer. Captain Calhoun macht sich schwere Vorwürf, sieht aber einen Ausweg aus dem Dilemma. Zu Shelbys Entsetzen lässt er einen Zeitsprung durchführen, der die Excalibur vier Tage in die Vergangenheit befördert. Der Eingriff in die Zeitlinie bleibt nicht unbemerkt, und Calhoun bekommt es mit einem Gegenspieler aus der Zukunft zu tun: Captain Braxton vom Zeitschiff Relativity!

"Spiel auf Zeit", der erste und bisher einzige New-Frontier-Comic auf Deutsch, bedient sich eines allseits beliebten Standardthemas in der Science Fiction, nämlich der Zeitreise. Eine gute Entscheidung, immerhin gehören die Zeitreisefolgen immer zu den absoluten Highlights bei Star Trek, und zwar quer durch alle Serien und Filme. Wieder einmal gilt es, in der Vergangenheit eine Fehlentscheidung zu verhindern. Die Frage ist allerdings, ob die neu erschaffene Zeitlinie tatsächlich eine Verbesserung darstellt oder sich im Endeffekt als ein noch größeres Fiasko erweist. Mit diesem Problem muss sich Mackenzie Calhoun auseinandersetzen, leider aber reichlich spät. Denn auch hier im Comic agiert Mac so, wie wir es in der Zwischenzeit von ihm gewohnt sind: erst handeln, dann denken.

Auch Shelby steckt in der Zwickmühle: Während Calhoun nach dem Zeitsprung gerade mit den Haresh verhandelt, verlangt Braxton von ihr, den Captain des Kommandos zu entheben. Und so fühlt sich Shelby hin- und hergerissen zwischen ihrer Loyalität zu Calhoun und der Pflicht, die Zeitlinie zu bewahren - eine Entscheidung, mit der sich die mustergültige Sternenflottenoffizierin sichtlich schwer tut. Und damit wären wir bei der wahren Stärke des Comics angelangt: Bei aller Dramatik, spannenden Actionszenen und verzwickten Fragen, die sich nach dem Eingriff in die Zeitlinie aufdrängen, ist es doch in allererster Linie das Zusammenspiel der Charaktere, das den Comic so großartig macht. Hervorzuheben sind vor allem die herrlichen Dialoge zwischen Calhoun und Shelby, die mal emotional sind (besonders bei der Szene, als die beiden noch ein Paar waren), an anderen Stellen allerdings auch urkomisch. Wenn der Captain nach einer seiner umstrittenen Entscheidungen zu "Eppy" sagt: "Commander, ich bin im Bereitschaftsraum und erwarte Sie zur obligatorischen "Captain-wissen-Sie-auch-was-Sie-da-tun"-Nachbesprechung", bleibt kein Auge trocken. Auch der grummelige Sicherheitschef Zak Kebron, der ungefähr über so viel Sozialkompetenz wie Bernd das Brot verfügt, ist mit seinen trockenen Sprüchen immer wieder für Lacher gut. Der Humor wird wohl dosiert eingesetzt und bildet ein perfektes Gegengewicht zur eigentlich ziemlich dramatischen Handlung, wo es immerhin für ein ganzes Volk um Leben oder Tod geht.

Zum Zeitpunkt dieser Rezension waren mir nur die ersten vier New-Frontier-Romane bekannt, und ich stellte fest, dass die Handlung dieses Comics zu einem späteren Zeitpunkt angesiedelt ist. Genauer gesagt findet die Geschichte zwischen "Captain's Table: Once Burned"/"Gebranntes Kind" und "Double or Nothing" aus der "Double Helix"-Reihe statt. So habe ich im Moment keine Ahnung, wer genau Katerina Mueller sein soll, noch worauf der rätselhafte Schluss anspielt. Außerdem fiel mir auf, dass aus irgendeinem Grund das Gesicht von Morgan Primus stets verdeckt blieb, warum auch immer.

Die Zeichnungen sind sehr gut gelungen, zumal in diesem speziellen Comic natürlich ein zusätzlicher Reiz entsteht, weil man die meisten Figuren nicht vom Bildschirm kennt. Im Großen und Ganzen decken sie sich mit dem Bild, dass ich in meinem Kopf von den Figuren entwickelt hatte, mit Ausnahme von Soleta, die ich mir weniger rassig vorgestellt hätte. Auch bekannte Gesichter wie Shelby und Braxton erkennt man sofort wieder. Die Farben sind weder zu düster noch zu knallig. Es lohnt sich auch, ganauer auf die Details zu achten, dann kann man z.B. auch auf einem Bild den Mugato Janos entdecken. Das einzige, was ich an den Zeichnungen auszusetzen hätte, sind die meist fehlenden Schatten.
Leider war man in der deutschen Übersetzung etwas zu geizig mit den Kommata, und zumindest der erste Satz eines Klappentextes sollte eigentlich frei von Grammatikfehlern sein...

Fazit: "Spiel auf Zeit" ist ein Comic, an dem es bis auf ein paar Kleinigkeiten kaum etwas auszusetzen gibt. Peter Davids Gespür für packende Storys, erfrischende Dialoge, eine extrem unterhaltsame Erzählweise und überraschende Wendungen kommt auch in Comicform wunderbar zum Ausdruck. Darüberhinaus besticht das Werk durch die tollen Zeichnungen und natürlich dem denkwürdigen Auftritt des Zeitschiffes Relativity aus der gleichnamigen Voyager-Folge. Wer etwas für Comics übrig hat, sollte auf alle Fälle mal einen Blick riskieren!

5/5

Zeichnungen: ****
Charaktere getroffen? *****
Spannung: ****
Humor: ***
Action: ***
Gefühl: **
originelle Handlung? ***
Anspruch: ***

Vorwissen nötig?
Dieser Comic sollte auch ohne Vorwissen zu packen sein, aber wie fast immer ist es reizvoller, wenn man die Crew schon kennt. Es wäre auch schön, die (sehr gelungene) Voyager-Folge "Zeitschiff Relativity" zu kennen.

Donnerstag, 30. Juni 2011

Worfs erstes Abenteuer

Peter David

Starfleet Kadetten Nr. 2, erschienen bei Heyne

(141 S., Original: Worf's First Adventure)

Kadett Worf wird an der Sternenflottenakademie aufgenommen, und gleich an seinem ersten Tag hat er Ärger. Die meisten anderen Kadetten beäugen ihn mit Misstrauen, immerhin ist Worf der allererste Klingone an der Akademie. Einer seiner Kommolitonen, ein Brikar namens Zak Kebron, provoziert ihn sogar zu einer Prügelei, so dass sich beide fortan zur Strafe ein Quartier teilen müssen. Obwohl Worf auch einige Freunde hat und sein Adoptivbruder ebenfalls gerade an der Akademie zugelassen wurde, sieht sich Worf in der darauffolgenden Zeit immer stärker mit den Feindseligkeiten seiner Mitstudenten konfrontiert, und ist dicht davor, alles hinzuschmeißen...

Irgendwie sind die Kadettenbüchlein immer ein bisschen die Stiefkinder innerhalb der Star Trek-Romane. So richtig begeistern kann sich wohl kaum jemand dafür, und das aus gutem Grund: Die Sprache ist grundsätzlich sehr einfach gehalten, die kleinen Abenteuer sind eher harmloser Natur und die Handlung vorhersehbar, da immer nach dem gleichen Schema aufgebaut: Kadett XY ist neu an der Akademie, irgendein Mitschüler kann ihn nicht leiden, es folgt eine schwierige Prüfung, und am Ende versöhnt sich XY mit seinem Rivalen. Und welch eine Überraschung - "Worfs erstes Abenteuer" funktioniert ganz genauso. Hier ist es also Zak Kebron, mit dem sich der junge Worf herumärgern muss, und bei diesem Namen dürften Leser der "New Frontier"- bzw. "Die neue Grenze"-Romane aufhorchen: Immerhin bekleidet der kampflustige Brikar das Amt des Sicherheitschef an Bord der U.S.S. Excalibur. Und noch zwei andere Personen, die später zu Captain Calhouns Stammbesatzung gehören werden, haben in diesem Kadettenroman ihren ersten Auftritt, nämlich der schrullige Mark McHenry und die Vulkanierin Soleta. Das macht den Roman um einiges reizvoller, als wenn er sich ausschließlich um Worf drehen würde. Wie man zum Beispiel feststellen kann, hat sich Zak tatsächlich weiterentwickelt: Sein Charakter erscheint hier wesentlich reizbarer als später in "New Frontier", wo er ein ausgesprochen stoisches Naturell besitzt.

Wie es bei Peter-David-Romanen üblich ist, gibt es eine Menge Anspielungen auf die Serien. So trifft Worf beispielsweise auf einen Nachfahren der Nervensäge Finnigan aus der TOS-Folge "Landurlaub", muss sich mit dem Picard-Manöver auseinandersetzen und klärt auf, warum er immer mit "Mr. Worf" statt mit "Mr. Rozhenko" angesprochen wird. Natürlich fällt dem aufmerksamen TNG-Zuschauer sofort auf, dass Worfs Adoptivbruder in diesem Roman nicht Nikolai, sondern Simon heißt, was aber verzeihlich ist. Schließlich entstand die TNG-Folge mit Nikolai Rozhenko erst nach dem Erscheinen des Buches. Weit ärgerlicher ist da schon das intrigenhafte Verhalten der anderen Kadetten in diesem Roman. Gut, Kebron kann Klingonen inklusive Worf nicht leiden, aber dass sich fast alle Kadetten seines Jahrganges verschworen haben, um Worf einzig auf Grund seiner klingonischen Herkunft bloßzustellen und zu demütigen, erscheint mir sehr weit hergeholt. Soll die Zukunft der Sternenflotte etwa in den Händen derart unreifer, hämischer Arschloch-Kadetten liegen?

Abgesehen von diesem Makel macht "Worfs erstes Abenteuer" einen recht ordentlichen Eindruck, wenn man ihn mit den anderen Werken innerhalb der Kadettenreihe vergleicht. Was die anfangs erwähnte vorhersehbare Handlung nach Schema F betrifft, kann man hier ein Auge zudrücken, da dies der allererste Kadettenroman war. Auch die Illustrationen gehören eindeutig zu den besseren der Reihe. Darüber hinaus bieten Kadettenromane auch Vorteile: Man kann sie innerhalb weniger Stunden durchlesen und so wunderbar seinen SuB (Stapel ungelesener Bücher) abbauen. Zudem ist der simple Schreibstil ganz gut geeignet, wenn man mal eine Erholung nach einem anstrengenden Roman braucht, so wie es bei mir der Fall war (nach "Der verwundete Himmel" - puh!)

Fazit: Ein kurzweiliges und unterhaltsames Büchlein, das mit der Einführung dreier "New Frontier"-Charaktere ein echtes Ass im Ärmel aufweisen kann.

3,5/5

Charaktere getroffen? ****
Spannung: *
Humor: **
 Action: **
Gefühl: ***
originelle Handlung? **
Anspruch: *

Vorwissen nötig?
Obwohl ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal die Hälfte aller Kadettenromane kenne, behaupte ich mal ganz pauschal, dass man jeden von ihnen auch ohne Vorwissen lesen kann. Man sollte aber zumindest schon mal etwas von Klingonen gehört haben.

Sonntag, 26. Juni 2011

Die Waffe

 Peter David

New Frontier Nr. 4, erschienen bei Cross Cult

(263 S., Original: Fire on High)

Schock für Lieutenant Robin Lefler: Zehn Jahre lang hielt sie ihre Mutter für tot, und nun stellt sich heraus, dass Morgan Primus, ehemals Lefler, in einem momidianischen Gefängnis sitzt. Im Austausch gegen ein Bewässerungssystem und Medikamente kommt Morgan frei und wird von der Excalibur abgeholt. Das Wiedersehen zwischen Mutter und Tochter fällt sehr frostig aus, nicht zuletzt weil Morgan partout nicht ihre Beweggründe erklären will.

Leflers Mutter ist allerdings nicht das größte Problem auf der Excalibur: Im Warpkern hat sich ein mächtiges Wesen eingenistet, das dem Schiff Energie entzieht und über kurz oder lang "schlüpfen" wird. Wenn man bedenkt, welche Auswirkungen ein ganz ähnliches Ereignis im zweiten Band hatte, ist die Lage auf der Excalibur verständlicherweise höchst angespannt. Da bietet die erst so unkooperative Morgan plötzlich ihre Hilfe an: Ihrer Meinung nach ist die Ursache für dieses seltsame Ereignis auf dem Planeten Ahmista zu finden. Wie man feststellen muss, ist dort sämtliches Leben von einer verheerenden Waffe ausgelöscht worden, mit Ausnahme einer einzigen Frau...

Der Handlungsstrang um Robins Mutter wurde am Ende des Vorgängerromans "Märtyrer" aufgebaut und konnte bei mir nur mäßige Begeistung wecken: Robin Lefler trifft ihre totgeglaubte Mutter wieder - wie interessant kann das schon sein? Tatsächlich ist genau dies aber dies eine der großen Stärken des vierten New-Frontier-Bandes. Morgan Primus stellt nämlich eine sehr interessante und undurchsichtige Figur dar, die bis zum Schluss Rätsel aufgibt und trotz ihrer unterkühlten Art gar nicht mal so unsympathisch ist. Bei der Gelegenheit erhält die in den Vorgängerromanen arg vernachlässigte Robin Lefler endlich mal etwas mehr Profil, als dem Leser klar wird, dass sich hinter ihrer unbeschwerten Fassade eine höchst verletztliche Seele verbirgt. Außerdem wird ihr klar, dass sie romantische Gefühle für Si Cwan entwickelt.

Überhaupt machen die privaten Freuden und Leiden der Excalibur-Besatzung einen Großteil des Romans aus. Da wäre beispielsweise die auf den ersten Blick so unerschütterliche Elizabeth Shelby, die sich ihres Rufes als notorische Spaßbremse durchaus bewusst ist und das Gefühl hat, ein wenig "außen vor" zu sein. Dr. Selar hat ihr Pon Farr hinter sich gebracht und stellt fest, dass sie von Burgoyne schwanger ist. Trotzdem trennen sich die beiden, müssen sich aber insgeheim eingestehen, dass sie ihre Beziehung doch nicht so einfach abhaken können. Die eigentlich völlig unbeteiligte Wissenschaftsoffizierin Soleta muss ungewollt als Schiffcounselor herhalten (die lustigsten Szenen im gesamten Roman!) Zak Kebron und Si Cwan hingegen pflegen ihre zur Schau getragene gegenseitige Antipathie, obwohl jeder den jeweils anderen heimlich ganz gerne mag.

Eigentlich ist es erstaunlich, dass den Charakteren so viel Raum gegeben wird, wenn man bedenkt, dass in diesem relativ dünnen Roman eine ganze Menge passiert. Die geheimnisvolle Frau mit ihrer furchteinflößenden Waffe auf Ahmista, Soletas abenteuerliche Forschungsmission, das gefährliche Energiewesen im Warpkern - all das will irgendwie auf gerade mal 263 Seiten verteilt werden.
"Die Waffe" ist einer der wenigen Star Trek-Romane, die von mir aus gerne etwas umfangreicher hätten ausfallen können. Hinzu kommt, dass der Autor bei aller Erzählkunst mal wieder zu Storyelementen neigt, die man eher im Reich der Fantasy vermuten würde als in der Science Fiction (Highlander lässt grüßen). Sowohl das Energiewesen selbst, Soletas wundersame Erlebnisse in Ontears Höhle und die Begegnung mit den Prometheanern, bei denen wohl nicht nur ich automatisch an Q denken musste, strapazieren die Glaubwürdigkeit der Handlung. All dies wird aber so herrlich spannend, rätselhaft, tragisch, komisch, leichtfüßig und äußerst unterhaltsam präsentiert, dass das Lesen dieses Buches wieder mal ein reines Vergnügen ist. Dies ist ein weiterer Peter-David-Roman, den man als echten Page-Turner bezeichnen kann und der an keiner Stelle Langeweile aufkommen lässt. Am Ende bleiben noch einige Fragen offen, die dann aber hoffentlich (!) in den weiteren Werken der Reihe geklärt werden.

Fazit: Zwar ist "Die Waffe" nicht der tiefschürfendste Star Trek-Roman aller Zeiten, aber der enorme Unterhaltungswert, die hochinteressanten Beziehungskisten und die herrlichen Dialoge kaschieren die unbedeutenden Schwächen der Geschichte mühelos. Für mich ist dieser Roman noch einen Tick besser als "Zweifrontenkrieg" und damit bisher der stärkste Teil der Reihe. Ein Roman, der von vorn bis hinten einfach nur Spaß macht - was will man mehr?

P.S.: Das Cover von Cross Cult gefällt mir um Längen besser als das einfallslose Gruppenbildchen von Heyne, allerdings frage ich mich, was das eigentlich für ein Gegenstand sein soll, den Soleta da betrachtet. Im Buch ist von einer in den Fels eingelassenen Scheibe mit einem Durchmesser von ca. 15 cm die Rede. Auf dem Bild hingegen ist diese Scheibe mindestens einen halben Meter groß und sieht aus, als gehöre sie zu irgendeiner unterirdischen Apperatur.

 4,5/5

Charaktere getroffen? ****
Spannung: ***
Humor: ***
Action: ***
Gefühl: ***
originelle Handlung? ****
Anspruch: **

Vorwissen nötig?
Es ist mit ein wenig gutem Willen sicher auch möglich, das Buch einzeln für sich zu lesen, aber viel schöner wäre es doch, die Vorgängerromane zu kennen. 

Sonntag, 20. Februar 2011

Märtyrer

Peter David

New Frontier Nr. 3, erschienen bei Cross Cult

(301 S., Original: Martyr)

Der Große Vogel der Galaxis ist aus seinem "Ei" geschlüpft! Auf dem Planeten Zondar ist alles in heller Aufregung, denn laut einer 500 Jahre alten Prophezeihung kündigt ein Flammenvogel die Ankunft eines Messias an. Dieser Messias soll ein großer Anführer sein und eine Narbe tragen, und voilà! - Captain Calhoun erscheint auf der Bildfläche. Klar, dass nur er dieser Messias sein kann, der dem vom Bürgerkrieg gebeutelten Planeten Zondar endlich Frieden bringen wird. Die Anführer der beiden verfeindeten Völker nehmen darauf Kontakt mit der Excalibur auf, und Calhoun schlüpft bereitwillig in die Rolle des Heilands. Die alte Prophezeihung sagte allerdings auch den Tod des Messias voraus, und kurz nach seiner Ankunft auf Zondar verschwindet Calhoun spurlos...

Oha, jetzt wird es also religiös bei "New Frontier". Wie ich schon in einigen anderen Rezensionen schrieb, zählen religiöse bzw. spirituelle Szenarien nicht gerade zu meinen liebsten Themen. Aus der Feder eines weniger fähigen Autors als Peter David hätte dieser Roman leicht zu einer staubtrockenen Angelegenheit geraten können. Glücklicherweise kommt dank Peter Davids leichtem und unterhaltsamen Stils nie Langeweile auf, und stellenweise regt die Handlung um religiöse Fanatiker, die ganze Völker auf gnadenlose Weise missionieren, zum Nachdenken an.

Im Vergleich zum rasanten Vorgänger "Zweifrontenkrieg" kommt die Handlung eher langsam ins Rollen und spinnt die Beziehungen zwischen den Charakteren weiter: Kaum hat sich Selar endlich dazu durchgerungen, sich von Burgoyne durch das Pon Farr "helfen" zu lassen, erwischt sie den Chefingenier beim innigen Knutschen mit Mark McHenry. Daraufhin wendet sich die Vulkanierin an den Captain persönlich, und dieser stimmt zu! Seine Stellvertreterin und Ex-Verlobte Shelby fällt bald aus allen Wolken, als sie erfährt, dass dies keineswegs Calhouns erste Dienstleistung dieser Art wäre...

Auch wenn der amouröse Ringelreihen an Bord der Excalibur stark nach Telenovela riecht, muss ich gestehen, dass ich diese Beziehungskisten mit Abstand am interessantesten an diesem Roman fand. Kaum kommt die Handlung nach ca. 180 Seiten nämlich endlich in Fahrt, wird das Buch zwar deutlich spannender, aber leider wird jegliche Glaubwürdigkeit zugunsten billiger Effektheischerei geopfert. Zugegeben, auch in den ersten beiden Teilen war Peter David nicht gerade ein Kind von Traurigkeit, was Gewaltszenen anging, aber hier war es mir eindeutig zuviel. Ich meine, ausgerenkte Unterkiefer sind eine Sache, abgerissene eine völlig andere... Und wieder mal stirbt ein ganzes Volk einen grausamen Tod.

Weil das neue Cross-Cult-Cover sowieso schon die Überraschung verdirbt, kann ich ja verraten, dass hier auch ein Mugato-Fähnrich zum Einsatz kommt, allerdings nur, um die Handlung noch ein bisschen mit Action aufzumotzen und den TOS-Fans ein kleines Leckerli vor die Füße zu werfen. Ansonsten war sein Auftritt überflüssig und an den Haaren herbeigezogen. Witzig ist allerdings die gestelzte Sprechweise des Mugatos, die man ihm bei seinem furchterregenden Äußeren nicht zugetraut hätte. Außerdem ist es beileibe kein Zufall, dass er ausgerechnet auf den Namen Janos hört - immerhin schlüpfte in der Classic-Serie der Schauspieler Janos Prohaska in das weiße Zottelkostüm.

Die weitestgehende Abstinenz des Captains hätte den übrigen Crewmitgliedern ausreichend Raum geben müssen, auf ihre Weise zu glänzen. Doch kaum ist Calhoun nicht mehr da, mutieren die Excalibur-Leute zu Comicfiguren. Shelby, die vorher durch herrliche Wortgefechte mit Calhoun Sympathiepunkte sammeln konnte, scheint auf einmal eine Überdosis Testosteron abbekommen zu haben. Soleta hingegen erhält ebenfalls die Gelegenheit, das Schiff zu kommandieren, und zeichnet sich in erster Linie durch Hilflosigkeit aus. Die größte Rolle kommt Burgoyne zu, und ich muss sagen: Er/Sie nervt gewaltig! Naja, eigentlich nicht Burgy selbst, sondern diese Holzhammer-Botschaft à la "Burgoyne ist ein Zwitter mit lockerem Liebesleben, und das ist gut so!" Es wirkt, als wolle Peter David permanent die Toleranzgrenze der Leser auf die Probe stellen. Ach ja, und als es in der Prophezeihung heißt, weder Mann noch Frau würde dem Messias zu Hilfe eilen, dürfte jedem sofort klar werden, wer da noch übrigbleibt.

Leider bleiben die Bewohner Zondars in diesem Roman weitestgehend farblos, was in besonderem Maße für den titelgebenden Märtyrer zutrifft. Wesentlich interessanter waren da schon die "Erlöser" mit ihren außergewöhnlichen pyramidenförmigen Schiffen, wie schade, dass sie viel zu kurz kamen! Sowieso war das Ende viel zu überhastet, so als hätte der Autor nach (zu) vielen Seiten voller Zweikampfszenen plötzlich bemerkt, dass er eine vorgegebene Seitenanzahl zu überschreiten drohte. Jedenfalls ist plötzlich alles vorbei, es wird schnell noch ein neuer Handlungsfaden für den nächsten Roman aufgebaut, und fertig.

Fazit: Nach den beiden vielversprechenden Vorgängern stellt "Märtyrer" nur einen 08/15-Roman dar. Der lockere Schreibstil sowie die turbulenten Beziehungskisten können einiges retten, trotzdem stellte sich bei mir als verwöhnten Peter-David-Leser eine große Portion Ernüchterung ein. Die wenigen reizvollen Ansätze werden leider durch ein Übermaß an Actionszenen begraben. Interessant sind lediglich die New-Frontier-typischen romanübergreifenden Handlungsstränge, so dass beim Leser trotz der schwächelnden Handlung genug Interesse für den vierten Teil geweckt wird.

2,5/5

Charaktere getroffen? **
Spannung: ***
Humor: ***
Action: ****
Gefühl: **
originelle Handlung? **
Anspruch: **

Vorwissen nötig?
Weil "Zweifrontenkrieg" nur mit einem mäßigen Cliffhanger endete und einige Ereignisse aus den Vorgängerromanen kurz erklärt werden, könnte "Märtyrer" auch als eigenständiger Roman funktionieren.

Mittwoch, 16. Februar 2011

Zweifrontenkrieg

Peter David

New Frontier Nr. 2, erschienen bei Cross Cult

(314 S., Original: The Two-Front War, End Game)

"Ich würde diese Schweinehunde gerne aus dem Weltraum pusten!"

Der allererste Satz dieses Buches, gesprochen natürlich von Haudrauf-Captain Mackenzie Calhoun, lässt bereits die ungefähre Richtung der Handlung erahnen. Der zweite "New Frontier"-Band legt nämlich gegenüber dem Vorgänger enorm an Action zu, und dank des Cliffhanger-Endes wird der Leser ohne Umschweife mitten ins Geschehen geworfen.

Die Excalibur, die kurz zuvor die Passagiere eines flugunfähigen Flüchtingsschiffs aufgenommen hatte, wird von einem nelkaritischen Raumschiff bedroht. Die heikle Situation erhält eine überraschende Kehrtwendung, als die sich die Kommandantin und Sprecherin der Nelkariten nach ihrer Kapitulation bereit erklärt, den Flüchtlingen Exil zu gewähren. Calhoun traut dem Frieden nicht, die überglücklichen Flüchtlinge jedoch nehmen das Angebot an und lassen sich auf den nahen Heimatplaneten der Nelkariten beamen. Natürlich war das Misstrauen des Captains gerechtfertigt, denn das angebliche Exil entpuppt sich als Falle. Die Nelkariten fordern Sternenflottentechnologie gegen das Leben ihrer Geiseln, und Calhoun muss erkennen, dass sie es todernst meinen.
Unterdessen sind der ehemalige thallonianische Thronfolger Si Cwan und der Sicherheitschef Zak Kebron in Gefangenschaft geraten. Beide werden nach Thallon gebracht, wo Cwan wegen Mordes der Prozess gemacht werden soll. Allerdings hat nicht er den Mord begannen, sondern Calhoun...

Alter Schwede, geht es hier zur Sache! Diesem Werk kann man bestimmt nicht vorwerfen, an irgendeiner Stelle zäh oder langatmig zu sein. Zugegeben, Peter David Zutaten sind sowohl bewährt als auch vergleichsweise simpel: Viel Action, hier und da ein paar blutige Szenen, reichlich Humor, ein bisschen Sex und der klassische Showdown. Aber hey - es funktioniert bestens! Bestes Beispiel hierfür ist der Handlungsstrang, der sich mit Cwans und Kebrons Gefangennahme beschäftigt. Unzählige Male haben wir so etwas schon gesehen oder gelesen: Man schicke zwei völlig verschiedene Typen auf eine gemeinsame Mission, lasse sie nach Herzenslust streiten, bis irgendwann der Moment kommt, an dem sie sich gegenseitig den Hintern retten müssen. Nein, originell ist die unfreiwillige Zusammenarbeit zwischen Si Cwan und der Ein-Mann-Armee Kebron nicht unbedingt, macht aber ungeheuren Spaß zu lesen.

Während bei den Cwan/Kebron-Szenen der Humor überwiegt, geht es im Calhoun-Handlungsstrang deutlich düsterer und spannender zu. Der Captain muss hier seine erste große Bewährungsprobe als Kommandant der Excelsior bestehen und trifft mit der Nelkaritin Laheera auf eine Gegnerin, die mindestens genauso kaltschnäuzig ist wie er selbst. Schließlich darf Mac Calhoun am Ende noch mal voll und ganz M'k'n'zy sein und in einem Zweikampf auf Leben und Tod eine alte Rechnung begleichen. Seltsamerweise läuft er nie Gefahr, unsympathisch rüberzukommen, obwohl er sich (jedenfalls im zweiten New-Frontier-Roman) als eine Art Supercaptain erweist, dem einfach alles gelingt. Als perfektes Gegengewicht zum unkonventionellen Raubein Calhoun erweist sich die Musteroffizierin Shelby, und die Dialoge zwischen den beiden sprühen nur so vor Wortwitz und Sarkasmus. Man darf gespannt sein, wie sich das Verhältnis zwischen den beiden weiterentwickelt!

Erfreulicherweise erweist sich der Roman nicht ausschließlich als literarisches Popkornkino, sondern gibt dem Leser die Möglichkeit, das Seelenleben der Hauptpersonen genauer kennenzulernen. In "Zweifrontenkrieg" konzentriert sich Peter David vor allem auf die vulkanische Ärztin Dr. Selar. Diese hat ein kleines Problem: Unerwartet und fünf Jahre zu früh kündigt sich ihr Pon Farr an. Weil die gute Selar normalerweise selbst nach vulkanischen Maßstäben ein Musterbeispiel an Logik und Selbstdisziplin ist, stellt es für den Leser ein fast schon voyeuristisches Vergnügen dar, wie sich ihre emotionslose Fassade langsam in Luft auflöst und Selar widerwillig erkennen muss, dass es zwischen ihr und Burgoyne 172 gewaltig knistert. Der Autor beweist großes Einfühlungsvermögen an der Stelle, als Selar bewusst wird, dass sie nicht nur einen Liebhaber braucht, sondern auch eine gute Freundin. Die unbeholfene Art und Weise, wie die Ärztin sich zu diesem Zweck ihrer halbvulkanischen Kollegin Soleta anvertraut, lässt sie wesentlich verletzlicher erscheinen als ihr bloßes Bedürfnis nach Sex. Dieser leise Moment ist für mich die stärkste Szene inmitten des Actionspektakels!

Die Seiten vergingen wie im Flug und ich war mir schon sicher, dass ich dem Roman die volle Punktzahl geben würde - und dann kam das Ende. Okay, in Peter-David-Romanen gab es schon einige haarsträubende Dinge zu lesen, sei es der mampfende Borgkubus aus "Heldentod", der Zweikampf zwischen Picard und Locutus auf einem fahrenden Güterzug in "Ich, Q" oder die zombiehafte Klon-Armee in "Die Tochter des Captain". Aber DAS hier übertrifft an Absurdität wirklich alles. Wer es gelesen hat, wird wissen, was ich meine. Und ja, ich habe natürlich die Anspielung auf Gene Roddenberry verstanden -  ich find's trotzdem albern. Aus diesem Grund ging der sicher geglaubte fünfte Punkt leider flöten.

Fazit: "Zweifrontenkrieg" ist der unterhaltsamste und temporeichste Star Trek-Roman, den ich in den letzten Monaten gelesen habe. Ich brauchte nur einen Tag dafür, und das soll bei meinem üblicherweise eher langsamen Lesetempo wirklich etwas heißen. Wenn der lächerliche Schluss nicht wäre, hätte der Roman leicht einer meiner absoluten Favoriten sein können. Mein Tipp: Einen Tag lang alle Termine sausen lassen, Füße hoch, etwas zum Knabbern in Reichweite und das Buch genießen - und nach 300 Seiten aufhören zu lesen.

4/5


Charaktere getroffen? ***
Spannung: *****
Humor: ***
Action: *****
Gefühl: ***
originelle Handlung? **
Anspruch: **

Vorwissen nötig? Klar, dass Band 1 Pflicht ist.

Montag, 7. Februar 2011

Kartenhaus

Peter David

New Frontier Nr. 1, erschienen bei Cross Cult

(310 S., Original: House of Cards / Into the Void)

Auf dem Planeten Xenex kann sich die einheimische Bevölkerung unter der Führung des erst 19jährigen M'k'n'zy von Calhoun aus der Knechtschaft durch die technisch überlegenen Danteri befreien. Kurz darauf macht M'k'n'zy Bekanntschaft mit dem damaligen Stargazer-Captain Picard, der sofort das Potenzial des jungen Mannes erkennt und ihn überredet, in die Sternenflotte einzutreten.
20 Jahre später: Das Thallonianische Imperium kontrollierte einst den gesamten Sektor 221-G, aber seit seiner Zerschlagung herrschen dort chaotische Zustände. Die Sternenflotte beschließt, ein Raumschiff in dieses Gebiet zu entsenden, um sich ein Bild über die Lage zu verschaffen und humanitäre Hilfe zu leisten. Bei der Wahl nach einem geeigneten Captain wirft Picard seinen ehemaligen Schützling ins Rennen. Dieser nennt sich in der Zwischenzeit Mackenzie Calhoun und ist einigermaßen mit dem Sektor 221-G vertraut, da sich sein Heimatplanet Xenex an dessen Grenze befindet. Picards Vorschlag stößt vor allem bei Admiral Jellico auf wenig Gegenliebe, entspricht der raubeinige Haudegen Calhoun so gar nicht dem Idealtyp eines mustergültigen Sternenflottenoffiziers. Auch wenn sich Jellico geschlagen geben muss, kann er dennoch einen kleinen Triumph feiern, indem er seine eigene Favoritin Elizabeth Shelby als Ersten Offizier einsetzt. Nachdem sich die, wie Calhoun es ausdrückt, "zusammengewürfelte" Crew eingefunden hat, kann die Reise der Excalibur beginnen, aber der Start gestaltet sich von Anfang an holprig...

Da ist sie also, die Cross-Cult-Variante jener Romanreihe, die ich bisher mehr oder weniger ignoriert habe. "New Frontier" war völliges Neuland für mich, denn die Heyne-Ausgaben habe ich nie gelesen, und die Originale schon gar nicht. Beim Lesen stellte ich dann zu meinem Erstaunen fest, dass die wenigsten Figuren in diesem Roman wirklich neu waren. Wie es für einen Star Trek-Ableger fast schon Tradition ist, erhält die neue Serie im ersten Teil Starthilfe von vertrauten Charakteren wie der TNG-Crew, Spock, Jellico und Nechayev. Abgesehen von diesen "Gaststars" finden sich auch innerhalb der Excalibur-Stammbesetzung mit Elizabeth Shelby, Dr. Selar und Robin Lefler gleich drei bekannte Gesichter aus The Next Generation. Angenehm überrascht war ich von der Tatsache, dass zur Crew auch drei Mitglieder gehören, die schon in Peter Davids Kadetten-Dreiteiler "Worfs erstes Abenteuer", "Mission auf Dantar" und "Überleben" mit von der Partie waren. Da soll noch einer behaupten, die Kadettenromane würden sich nicht lohnen!

Der erste Teil des Romans, "Kartenhaus", widmet sich in erster Linie den Charakteren. Wie es für viele seiner Romane typisch ist, entführt Peter David den Leser in die Vergangenheit, um die Vorgeschichte des zukünftigen Excalibur-Captains und einiger anderer Charaktere zu erzählen. Diese Geschichten sind so spannend geschrieben, dass man sich nur schwer vom Roman losreißen kann. Sehr unterhaltsam liest sich auch die Debatte über das Pro und Contra der Ernennung Calhouns zum Captain der Excalibur.

Auch im zweiten Teil, als das eigentliche Abenteuer beginnt, besteht die größte Stärke des Romans aus dem Konfliktpotenzial, das die Figuren mitbringen. Am interessantesten ist sicherlich die Beziehung zwischen dem ruppigen Calhoun, der meistens auf die Regeln pfeift, und der ehrgeizigen und extrem "sternenflottigen" Shelby. Diese Konstellation wird sicher in der Zukunft noch für reichlich Zündstoff sorgen! Auch eine echte Buddy-Story darf nicht fehlen, als ausgerechnet der stoische Sicherheitschef Zak Kebron und der blinde Passagier Si Cwan auf eine gemeinsame Mission geschickt werden, obwohl sie sich nicht ausstehen können. Als krassen Kontrast dazu kann man eine witzige Szene mit der TNG-Crew erleben, die noch mal die typisch familiäre Atmosphäre der Serie aufkommen lässt. Diese Charaktermomente sind weit interessanter als die eigentliche Haupthandlung, die sich um die Begegnung mit einem abgeschossenen Flüchtlingsschiff dreht.

Bei Peter Davids Romanen kann man eigentlich immer bedenkenlos zugreifen, da kaum ein anderer Star Trek-Autor so unterhaltsame Geschichten liefert wie er, ohne in irgendeiner Form die Charaktere zu vernachlässigen. Auch in ruhigen Momenten kommen eigentlich nie Längen auf. Manchmal jedoch erscheinen einige Dinge ein wenig hanebüchen.
 Erstens: Xenex gehört nicht gerade zu den Planeten, die häufig Besuch von der Sternenflotte erhalten. Welch ein grandioser Zufall, dass es ausgerechnet Picard hierher verschlägt, der in dem jungen M'k'n'zy den geborenen Sternenflottenoffizier erkennt, obwohl dieser ihm von der Art her kein bisschen ähnelt.

 Zweitens: So sehr ich Spock auch mag, dient sein Auftritt ein wenig zu auffällig dem Zweck, den Roman zu "veredeln". Zur Handlung trägt er jedenfalls nicht unbedingt bei.

 Drittens: Wieso müssen Calhoun und Shelby unbedingt ein ehemaliges Liebespaar sein? Ihre völlig unterschiedlichen Auffassungen von Sternenflottenregeln, gepaart mit ihren egozentrischen Persönlichkeiten, bieten eigentlich genug Konfliktstoff. Dass sie beide auch noch verlobt waren, wirkt ein wenig an den Haaren herbeigezogen.

 Fazit: Trotz der angesprochenen kleinen Schwächen ist "Kartenhaus" ein packender Roman, den ich mit dem größten Vergnügen gelesen habe. Auch wenn die Geschichte im zweiten Teil ein wenig abfällt, ist die Handlung mit all ihren interessanten Charakteren so vielversprechend, dass man eigentlich nichts lieber tun möchte, als sofort den nächsten Band zu lesen - dem Cliffhanger-Ende sei Dank!

4,5/5

Charaktere getroffen? ****
Spannung: **
Humor: ***
Action: **
Gefühl: ***
originelle Handlung? ***
Anspruch: ***

Vorwissen nötig?
Ich denke, trotz der vielen bekannten Figuren kann man sich als Neuling durchaus mal an der neuen Serie versuchen. Freilich sollte man dann am Ball bleiben und auch die Nachfolgeromane lesen...

Sonntag, 5. September 2010

Der Riss im Kontinuum

Peter David

TOS Nr. 64, erschienen bei Heyne

(282 S., Original: The Rift)
 
Im Jahre 2369 entdeckten Benjamin Sisko und Jadzia Dax ein stabiles Wurmloch, das eine schnelle Verbindung in den Gamma-Quadranten ermöglichte. Aber die ersten Besucher aus dem Alpha-Quadranten waren sie nicht - die Crew der guten, alten Enterprise NCC-1701 war ebenfalls schon da, sogar gleich zweimal!

Die Enterprise traf unter dem Kommando von Christopher Pike auf  einen Riss im Raum-Zeit-Gefüge, der sich als Passage in den Gamma-Quadranten herausstellte. Über diesen Riss konnte man einen Kontakt mit den hochentwickelten, aber isoliert lebenden Calligariern aufnehmen und ihnen sogar einen Besuch abstatten. Leider konnte man die Beziehung nicht weiter ausbauen, da sich der Riss nur alle 33 Jahre für drei Tage öffnete, so dass man rechtzeitig wieder zurück in den Alpha-Quadranten fliegen musste. Immerhin fand der Navigator José Tyler noch genügend Zeit für einen One-Night-Stand mit der Calligarierin Ecma.

33 Jahre später: Wieder ist die Enterprise zur Stelle, um sich die erneute Chance für einen Kontakt mit den Calligariern nicht entgehen zu lassen. Mit an Bord befinden sich einige Diplomaten der Föderation, der Computerspezialist Dr. Richard Daystrom, und auch José Tyler ist wieder mit von der Partie. Während Spock, die Diplomaten und Daystrom mit einem Shuttle in den Riss fliegen, stattet Ecma, die in der Zwischenzeit den hohen Titel des Baumeisters innehat, Kirk auf der Enterprise einen Besuch ab. Kaum dort angekommen, bittet sie ihn um Asyl, was wiederum die anderen Calligarier verärgert: Um Ecma wieder zu bekommen, werden Spock und seine Begleiter als Geiseln genommen. Kirk muss schnell handeln, ehe sich der Riss wieder schließt...

Der erste Classic-Roman von Peter David hat einige interessante Ansätze. Ein großes Plus ist auf jeden Fall die Tatsache, dass man endlich mal mehr über die Enterprise-Crew unter dem Kommando Captain Pikes erleben kann, was in deutschsprachigen Romanen sehr selten der Fall war (außer "Vulkans Ruhm" fällt mir nichts ein). Pikes Führungsstil unterscheidet sich gänzlich von dem seines Nachfolgers Kirk, was man hier direkt vergleichen kann. Spock ist in seinen Anfangsjahren auf der Enterprise noch dabei, sich selbst zu finden. Hier stellt er gerade fest, dass er seine emotionale Kontrolle nicht richtig im Griff hat, woran er in Zukunft arbeiten will (eine schöne Anspielung auf sein breites Grinsen in "Der Käfig"!) Man kann sich beim Lesen ebenfalls ein Grinsen nicht verkneifen, wenn Spock gerade das schöne Wörtchen "Faszinierend" aufschnappt oder sich heimlich schon auf die bevorstehende Pensionierung von Dr. Boyce freut, fest davon überzeugt, dass kein anderer Schiffsarzt den Vulkanier so nerven würde wie er. Ein weiteres Highlight sind die Szenen mit Nummer Eins, die teilweise wirklich witzig sind, zum Beispiel die verblüffend banale Erklärung dafür, warum niemand die erste Offizierin beim Namen nennt.

Leider kann der Rest des Romans weniger überzeugen, was vor allem am fehlenden Spannungsaufbau und dem flapsigen Schreibstil liegt. Letzterer ist wahrscheinlich zum großen Teil dem Übersetzer Ronald M. Hahn zuzuschreiben, dessen lockeren Stil ich meist sehr angenehm finde, manchmal jedoch des Guten zuviel. Die Handlung versackt in einer Fülle von Dialogen, die auf Dauer ermüdend wirken und jegliches Tempo aus der Geschichte nehmen. Ein zentrales Thema ist zum Beispiel die Auseinandersetzung mit dem Älterwerden (der Hauptteil der Handlung findet kurz nach dem fünften Film statt), aber irgendwann nerven die ständigen Anspielungen auf das Alter. Übrigens trägt ironischerweise einer der Calligarier den Namen Alt!

Peter David wagt sich außerdem noch an zwei Tabuthemen heran: Zum einen betrifft es die "Verringerung", womit der Zeitpunkt des Sterbens gemeint ist, wenn jemand seinen Zenit überschritten hat. Noch heikler ist das Thema Inzest, welches vorher bei Star Trek weiß Gott noch nie behandelt wurde. Beides geht allerdings im albernen Gezänk zwischen den Diplomaten unter, das sich über viele Seiten hinwegzieht. Die Charaktere sind meiner Meinung nach nicht besonders gut getroffen und machen oft einen regelrecht comichaften Eindruck. Die Gaststars aus der Serie, Daystrom, Tyler und Robert Fox, bleiben allesamt blass und tragen nicht sonderlich zur Handlung bei. Hier und da blitzt jedoch Peter Davids Talent auf, vor allem als Kirk in einem surrealen Szenario mit seinem verstorbenen Sohn David Marcus konfrontiert wird.

Fazit: Nach einem gelungenen Start entpuppt sich "Der Riss im Kontinuum" als überraschend unoriginelles und belangloses Abenteuer, das keinen bleibenden Eindruck hinterlässt. Das Buch ist zwar recht unterhaltsam und angenehm zu lesen, aber für Peter Davids Verhältnisse leider nur eine müde Show.


 3/5

Charaktere getroffen? **
Spannung: *
Humor: ***
Action: **
Gefühl: **
originelle Handlung? **
Anspruch: **



Vorwissen nötig?
Es geht sicher auch ohne große Vorkenntnisse, aber gerade für Star Trek-Kenner hält der Roman ein paar Leckerlis bereit. Schön wäre es, den Pilotfilm "The Cage" oder zumindest den TOS-Zweiteiler "Talos IV - Tabu" zu kennen, außerdem noch "Krieg der Computer", "Computer M5" und "Der verirrte Planet".

Samstag, 10. Juli 2010

Imzadi II


Peter David

TNG Nr. 67, erschienen bei Heyne

(472 S., Original: Triangle: Imzadi II)

Armer Will Riker: Nicht genug, dass die stolze Enterprise D beim Absturz auf Veridian III zerstört wurde. Gerade als ihm klar wird, dass er nach all den Jahren immer noch Deanna Troi liebt, gibt sie ihre Verlobung mit Worf bekannt! Das glückliche Paar nutzt die Zwangspause für einen Familienbesuch, zuerst bei Worfs Adoptiveltern, dann bei Lwaxana Troi. Kurzentschlossen beschließt Riker, die letzte Gelegenheit zu nutzen, um Deanna doch noch umzustimmen, und reist auf eigene Faust nach Betazed. Dort findet er eine haarsträubende Situation vor: Deanna und Worfs Sohn Alexander wurden entführt, und die Halbromulanerin Sela plant einen Vernichtungsschlag gegen die Klingonen. Als Instrument für ihren finsteren Plan soll Wills Doppelgänger Thomas Riker dienen...

Nicht kleckern, sondern klotzen war wieder einmal Peter Davids Devise bei diesem Roman. Und so treffen hier mit den Romulanern, Klingonen und Cardassianern nicht nur einige der interessantesten Star Trek-Spezies aufeinander, "Imzadi II" kann auch mit einer Fülle von Gaststars wie Sela, Lwaxana Troi, Alexander, Gowron, Jellico und Odo aufwarten. Auch bei diesem Roman wird einmal mehr Davids Talent deutlich, komplizierte Situationen leichtfüßig und verständlich rüberzubringen. Es mangelt nicht an Humor, Spannung und Action, nur leider... irgendwie wollte, zumindest bei mir, der Funke nicht so recht überspringen. Wie der Titel bereits vermuten lässt, handelt es sich bei "Imzadi II" um eine Fortsetzung, nämlich von "Imzadi", der völlig zu Recht einer der beliebtesten Star Trek-Romane ist. Im ersten Teil können wir den Beginn der Beziehung von Will Riker und Deanna Troi erleben, die TROTZ ihrer Unterschiede füreinander geschaffen sind. Der Nachfolger dreht sich um Worf und Deanna, die AUF GRUND ihrer Unterschiede nicht zueinander passen. Klingt für mich eigentlich nicht sehr Star Trek-typisch...

Die Ausgangssituation ist im Grunde sehr interessant: Zwischen dem Absturz der Enterprise D und dem Film "Der erste Kontakt" klafft eine große Lücke, die hier zumindest teilweise geschlossen wird. Mich hat es sowieso schon lange interessiert, warum die Beziehung zwischen Worf und Deanna in den TNG-Filmen einfach unter den Tisch gekehrt wurde, auch wenn die beiden tatsächlich ein seltsames Paar waren. In diesem Roman wird uns immer und immer wieder vor Augen geführt, was man eigentlich auch selbst wusste, nämlich dass Worf und Deanna nicht das perfekte Paar sind. Während Deanna noch ganz gut wegkommt, macht Worf in diesem Roman leider keine gute Figur, so dass sich sogar sein Sohn Alexander von ihm abwendet (was aber wieder gut zum Kanon passt!) Die endlosen Dialoge drehen sich irgendwann nur noch im Kreis und gingen mir ziemlich auf die Nerven. Ein wenig Abwechslung verspricht die Nebengeschichte um Tom Riker, die zwar ganz nett zu lesen ist, aber zu konstruiert wirkt, um richtig zünden zu können. Mit der spannenden Zeitreisestory aus dem ersten Band kommt sie noch nicht mal annähernd heran. Auch Lwaxana nervt diesmal mit ihren albernen Prüfungen für Worf, so dass ich ganz froh war, als sie endlich ins Koma fiel. Die einzigen Szenen, die mich wirklich berühren konnten, waren der Anfang und das Ende, als Worf um seine wahre Liebe Jadzia Dax trauert. Mehr Glück hatten da Will und Deanna, die im Film "Der Aufstand" endlich wieder zusammenkamen, kurze Zeit nach dem Erscheinen des Romans. So bestätigte sich also auch offiziell, was sich in "Imzadi II" schon andeutete.

Fazit: "Imzadi II" ist ein Roman mit guten Ansätzen, aber das ist leider viel zu wenig, um mit dem tollen Vorgänger mithalten zu können.


3/5

Charaktere getroffen? **
Spannung: ***
Humor: ***
Action: ****
Gefühl: ***
originelle Handlung? ***
Anspruch: **


Vorwissen nötig?
"Imzadi II" ist ein typischer Peter David-Roman, und diese setzen meist ein solides Grundwissen in Sachen Star Trek voraus, hier natürlich vor allem aus dem Bereich TNG. Den ersten Teil muss man nicht unbedingt gelesen haben, aber empfehlenswert ist es doch. Des weiteren spielt David auf seine "Excalibur"-Serie an, aber die muss man nicht kennen, um diesen Roman verstehen zu können (ich kenne sie bisher jedenfalls noch nicht.)

Montag, 14. Juni 2010

Eine Lektion in Liebe


Peter David
TNG Nr. 21, erschienen bei Heyne
(267 S., Original: Q-in-Law)

Beim Lesen dieses Romans stellte ich wiederholt fest, dass mir das Gesicht wehtat - vom vielen Grinsen. Kein Witz, ich bekam das Grinsen einfach nicht mehr weg! Ich habe in der Zwischenzeit eine Menge Star Trek-Romane gelesen, und "Eine Lektion in Liebe" ist vielleicht der lustigste von allen. Wenn es zwei Personen gibt, die Jean-Luc Picard so richtig aus der Fassung bringen können, dann sind das Q und Lwaxana Troi. Leider waren das allmächtige Superwesen und Deannas überkandidelte Mutter nie in einer gemeinsamen TV-Episode zu sehen. Umso schöner also, dass es diesen Roman gibt!

Kurz zur Handlung: Zwischen zwei mächtigen Händlerfamilien besteht seit vielen Jahrzehnten eine erbitterte Rivalität. Diese soll nun endlich ein Ende finden, als der Sohn und die Tochter der beiden verfeindeten Patriarchen sich ineinander verlieben und heiraten wollen. Die Hochzeit soll an einem neutralen Ort gefeiert werden: der Enterprise. Es wurden verschiedene Föderationsbotschafter eingeladen, unter ihnen auch Lwaxana Troi von Betazed. Diese befindet sich nach wie vor in der "Phase", einem Zustand, den man salopp als "Notgeilheit" bezeichnen könnte. Natürlich ist sie sofort wieder hinter Picard her. Als wäre das für den armen Captain nicht schon schlimm genug, taucht plötzlich auch noch Q auf, woraufhin Lwaxana sofort ihr Interesse an Picard verliert: Nun ist Q das Objekt ihrer Begierde, und dieser scheint gar nicht mal abgeneigt zu sein. Deanna und Picard befürchten eine Katastrophe, und tatsächlich laufen die Hochzeitsvorbereitungen bald darauf völlig aus dem Ruder...

Dieser Roman ist von Anfang bis Ende eine reine Komödie und lebt von der wunderbaren Situationskomik und den herrlichen Dialogen. Einen Picard zu erleben, der der Situation eindeutig nicht gewachsen ist und dem die Zügel immer mehr aus den Händen gleiten, bereitet einfach ein enormes Vergnügen. Der arme Kerl kann einem hier schon leid tun. Eigentlich verspürte ich im Laufe der Geschichte mit jeder einzelnen Person hier Mitleid, aber trotzdem macht der Roman einfach nur Spaß. Das Duo Q/Lwaxana ist sowieso grandios, aber auch die anderen Figuren haben denkwürdige Auftritte. Die lustigste Nebengeschichte dreht sich um Wesley Crusher, der ein ganz besonderes Geschenk erhält.

Im Gegensatz zu vielen anderen Star Trek-Romanen braucht man hier kein besonders großes Vorwissen, was auch mal ganz angenehm ist. Die ganze Grundstimmung des Romans ist heiter, federleicht und...süß, irgendwie. Peter David wird seinem Ruf als wohl bester Autor von Star Trek-Romanen wieder mal gerecht.

Fazit: Jeder, der Star Trek auch nur ein bisschen abgewinnen kann, sollte sich diesen Roman nicht entgehen lassen! Wenn jetzt bloß das verdammte Grinsen verschwinden würde...

5/5

Charaktere getroffen? ***
Spannung: *
Humor: *****
Action: ***
Gefühl: ***
originelle Handlung? ****
Anspruch: *
.
 Vorwissen nötig?
Erstaunlich wenig für einen Peter David-Roman! Es ist noch nicht mal zwingend notwendig, Q und Lwaxana zu kennen, die kann man ja als Neuling hier kennenlernen.

Sonntag, 13. Juni 2010

Heldentod


Peter David

TNG-Relaunch Nr. 4, erschienen bei Cross Cult

(358 S., Original: Before Dishonor)

"Nicht schon wieder die Borg!" war mein erster Gedanke, als ich das Cover dieses Romans zum ersten Mal sah. Bis zum Film "Der erste Kontakt" waren die Borg spannende und bedrohliche Gegner, bis es bei Voyager zu einer wahren Inflation von Borg-Episoden kam. Glücklicherweise konnte mich dieser Roman wirklich positiv überraschen, denn die Bedrohung durch die Borg erhält hier ganz neue Maßstäbe.

Mit der Inhaltsangabe möchte ich mich diesmal zurückhalten, um nicht zuviel zu verraten, denn gleich das erste Kapitel hält eine Überraschung parat. Nur soviel: Die Borg haben sich in der Zwischenzeit technisch weiterentwickelt: Assimilieren oder gar einfach nur zerstören ist Schnee von gestern. Der neuartige Borgkubus, mit dem es die Föderationsschiffe hier zu tun bekommen, bringt für diese wirklich sehr unangenehme Konsequenzen mit sich. Und natürlich hält er direkt auf die Erde zu...

Das klingt vielleicht alles andere als originell und wie der x-te Aufguss alter Borg-Storys. Aber Peter David wäre nicht Peter David, wenn er scheinbar ausgelutschte Geschichten nicht spannend, phantasievoll und bei aller Dramatik auch humorvoll erzählen könnte. Obwohl die Handlung reichlich Potenzial für Raumschlachten epischen Ausmaßes gehabt hätten, halten sich die Actionszenen in Grenzen - zum Glück! Viel spannender sind die Konflikte zwischen den Charakteren untereinander. Im letzten Roman "Quintessenz" hatte ich ja noch den Eindruck, dass die familiäre Atmosphäre wieder zu spüren war, die TNG seinerzeit ausmachte. Nun gut - ich habe mich geirrt. In "Heldentod" kracht es ganz gewaltig zwischen den Crewmitgliedern der Enterprise, und eine tiefe Kluft zwischen den alteingesessenen und neuen Offizieren tut sich auf. Man darf gespannt sein, wie sich die Beziehungen untereinander in den späteren Romanen weiterentwickeln. Neben Seven of Nine haben noch weitere "Gaststars" ihren Auftritt, mit denen ich nun wirklich nicht gerechnet hätte. Dieser Roman beweist uns eindrucksvoll den großen Vorteil der Relaunch-Serie: Im Gegensatz zu den früheren Romanen muss nicht jedesmal am Ende die Ausgangssituation wieder hergestellt werden. So nimmt die Geschichte hier eine dramatische Entwicklung, die in den alten Star Trek-Romanen einfach nicht möglich gewesen wäre. Das Ende war für mich jedenfalls schwer zu verdauen.

Peter David hat mal wieder bewiesen, warum er zur absoluten Crème de la Crème unter den Star Trek-Romanautoren gehört. Kaum ein anderer Autor schreibt so packend, bildreich und unterhaltsam wie er. Wenn ich überhaupt etwas an diesem Roman auszusetzten hätte, dann war es ein Satz, den eine gewisse Person von sich gab und der mich wirklich auf die Palme brachte. Wer wissen will, was ich meine, kann ja mal unten auf Seite 168 nachschauen. Ansonsten ist der Roman wirklich grandios.

Die TNG-Relauchserie, die nicht sehr überzeugend begann, konnte sich mit jedem Roman steigern. "Heldentod" stellt den vorläufigen Höhepunkt der Reihe dar. Ich bin sehr gespannt, was uns Teil 5 bringt, die Messlatte liegt jedenfalls jetzt sehr hoch.

5/5

Charaktere getroffen? ****
Spannung: ****
Humor: **
Action: *****
Gefühl: **
originelle Handlung? ****
Anspruch: ***

Vorwissen nötig?
Neueinsteiger sind wahrscheinlich hoffnungslos überfordert. "Heldentod" erfordert Star Trek-Wissen quer durch alle Serien. Darüberhinaus wäre es wahrscheinlich von Vorteil, den David-Roman "Vendetta" gelesen zu haben (ich kenne diesen Roman noch nicht)

Edit: Laut dem, was Turon47 in seinen Kommentaren in seinem (http://trekromane.blogspot.com/2010/06/heldentod.html) und meinem Blog (siehe unten) schrieb, ist es vielleicht doch nicht vorteilhaft, den Roman "Vendetta" zu kennen, weil die Idee mit dem Planetenkiller aus "Vendetta" einfach noch mal in "Heldentod" recycelt wurde, was Kennern des erstgenannten Romans verständlicherweise sauer aufstoßen könnte.

Imzadi

Peter David

TNG Nr. 30, erschienen bei Heyne

(427 S., Original: Imzadi)

Auf einer unbedeutenden Sternenbasis fristet Admiral William T. Riker sein Dasein, lethargisch, desillusioniert und Lichtjahre entfernt von dem ehrgeizigen, lebensfrohen Mann, der er einst war. 40 Jahre zuvor musste er hilflos mit ansehen, wie seine ehemalige Geliebte Deanna Troi unter rätselhaften Umständen ums Leben kam. Seitdem geriet Rikers Leben völlig aus den Fugen. Als ihn die Nachricht vom nahenden Tod von Deannas Mutter Lwaxana erreicht, macht er sich auf den Weg nach Betazed, was bei ihm das Aufreißen alter Wunden zur Folge hat. Die Erinnerungen an Deanna überwältigen ihn derart, dass Riker einen wahnsinnigen Plan ins Auge fasst: Er möchte mit Hilfe des Wächters der Ewigkeit in die Vergangenheit zurückkehren, um Deanna zu retten. Data, Kommandant der Enterprise F, versucht den drohenden Eingriff in die Zeitlinie zu verhindern...

"Imzadi" gilt als ein absolutes Highlight unter den Star Trek-Romanen. Das war auch der Grund dafür, dass ich mir diesen Roman ausgesucht habe, um mein Jubiläum von 100 gelesenen Star Trek-Romanen gebührend zu feiern. Den Lobeshymnen kann ich mich nur anschließen: "Imzadi" ist tatsächlich ein herausragendes Buch und definitiv einer der besten TNG-Romane überhaupt. Mit seinem typisch leichtfüßigen Stil schafft es Peter David, eine anrührende Liebesgeschichte mit einer mitreißenden und spannenden Zeitreisestory zu verbinden. Dabei läuft er niemals Gefahr, die Lovestory zu schnulzig und die Zeitsprünge zu verwirrend werden zu lassen. Die Will/Deanna-Szenen sprühen nur so vor Witz, Charme, Romantik, tollen Dialogen und Erotik (für Star Trek-Verhältnisse jedenfalls.) Ich habe mich während der Serie nie besonders für die Beziehung zwischen Riker und Troi interessiert. Hier jedoch habe ich erstmals über die Schwierigkeiten nachgedacht, die sich bei einer Liebesbeziehung mit einem Telepathen bzw. Empathen ergeben könnten.

Gerade rechtzeitig, bevor die Geschichte im dialoglastigen Mittelteil ins Stocken gerät, kommt das Thema Zeitreise ins Spiel und bringt frischen Wind in die Handlung. Dass ausgerechnet Publikumsliebling Data als Rikers Gegenspieler agiert, ist eine sehr gelungene Idee, weil dadurch ein typisches Gut-Böse-Schema vermieden wird. Tatsächlich war ich mir beim Lesen nicht sicher, wem ich beim Duell Riker vs. Data die Daumen drücken wollte: Man gönnt dem verzweifelten Admiral zwar die erfolgreiche Rettung seiner "Imzadi", gleichzeitig riskiert er für Deannas und sein eigenes Wohl möglicherweise fatale Auswirkungen auf unzählige andere Leben. Auf jeden Fall sind Datas Versuche, Riker unter allen Umständen zu stoppen, absolut nachvollziehbar.

Die Charakterisierung der Figuren ist dem Autor ganz hervorragend gelungen. Das trifft vor allem auf William Riker zu, der den Hauptteil der Geschichte trägt. Sowohl als frisch verliebter Jungspund als auch als abgehalfterter Sternenbasiskommandant kommen alle Facetten seiner Persönlichkeit wunderbar rüber. Übrigens weist der alternde Admiral eine erstaunliche Ähnlichkeit mit jenem Riker auf, den man in der alternativen Zukunft im TNG-Finale "Gestern, heute, morgen"/"All Good Things" erleben konnte. Haben sich die Drehbuchautoren etwa von Peter Davids Roman inspirieren lassen?

Fazit: "Imzadi" ist in jeder Hinsicht gelungen und ein tolles Beispiel dafür, warum Peter David unter den Star Trek-Romanautoren seinen ausgezeichneten Ruf genießt. Auch wenn ich persönlich einige andere Romane aus der Feder des Autors noch einen Tick besser fand, kann ich jedem Star Trek-Fan nur ans Herz legen: Besorgt Euch das Buch und lasst Euch von Rikers verzweifelten Kampf um seine große Liebe mitreißen - ihr werdet es nicht bereuen!

5/5

Charaktere getroffen? ****
Spannung: ***
Humor: ****
Action: ****
Gefühl: ****
originelle Handlung? *****
Anspruch: ***
.

Vorwissen nötig?
Wie bei fast allen Peter David-Romanen sollte man ein solides Vorwissen mitbringen, hier natürlich aus dem Bereich TNG. Weiterhin wäre es schön, die TOS-Folge "Griff in die Geschichte" zu kennen (nicht nur, um "Imzadi" zu lesen!)

Planet des Untergangs


Carmen Carter, Michael Jan Friedman, Peter David, Robert Greenberger

TNG Nr. 14, erschienen bei Heyne

(283 S., Original: Doomsday World)

Auf diesen Roman war ich besonders neugierig, da nicht weniger als vier Autoren daran beteiligt waren. Der Synergieeffekt blieb bei diesem Roman allerdings aus: Das Gemeinschaftswerk ist mit "durchschnittlich" noch sehr wohlwollend umschrieben.

Es geht um einen künstlichen Planeten namens Kirlos, der vor Jahrtausenden von den Ariantu erschaffen wurde. Nach deren Verschwinden siedelten sich nach und nach andere Völker auf Kirlos an. Kaum treffen Data, LaForge und Worf auf dem Planeten ein, um bei der Erforschung mitzuhelfen, werden mehrere Anschläge verübt. Diese wecken das Misstrauen der Nicht-Föderationsmitglieder auf Kirlos, und das Landeteam gerät in Gefangenschaft. Nach einigen Irrungen und Wirrungen entdeckt man eine uralte Maschinerie, die noch aus der Zeit der Ariantu stammt und prompt in Gang gesetzt wird...

"Planet des Untergangs" konnte mich leider an keiner Stelle fesseln. Die Handlung plätschert ohne Höhepunkte dahin, es wird kaum Spannung aufgebaut, mehrere Handlungsfäden verlaufen einfach im Sand. Die viel zu große Anzahl an Charakteren ist ebenfalls ein dicker Schwachpunkt. Wenn man davon die Hälfte weggelassen hätte, wäre das kein Verlust - im Gegenteil - es hätte dem Roman sogar gut getan. Selbst Personen, die nur einen einzigen Satz sagten, wurden von den Autoren großzügig mit einem Namen bedacht. Von den vielen Charakteren kommt niemand überzeugend rüber oder wächst einem gar ans Herz. Auch das Außenteam sieht schwach aus: Data bei seinem ersten Kommando über eine Landegruppe wirkt unsicher, Geordi ist hier ein ausgesprochener Jammerlappen, und Worf ist zwar entschlossen und kämpferisch, wirkt aber dabei nicht sehr helle. Die Story ist voll von lauter kleinen Belanglosigkeiten, wodurch der eigentlichen Handlung immer wieder der Wind aus den Segeln genommen wird. An manchen Stellen hatte ich den Eindruck, es könnte endlich mal spannend werden, ein paar Seiten später jedoch zerplatzte diese Hoffnung wie eine Seifenblase. Ich war sogar froh, als die damals obligatorische Maggi-Werbung auftauchte - zwei Seiten weniger zu lesen. So wälzt sich die Geschichte langsam einem Ende entgegen, dass dann plötzlich viel zu überhastet daherkommt, als hätte man für den Schluss nur noch fünf Seiten zur Verfügung gehabt.

Um auch mal etwas Positives zu sagen: Die Handlung an sich ist nicht uninteressant. Vielleicht hätten die Autoren einzeln etwas daraus machen können, immerhin sind ja gestandene Star Trek-Romanautoren dabei. Zwischen Data, Geordi und Worf gab es weiterhin recht witzige Dialoge, die manchmal (leider viel zu selten) eine angenehme Leichtigkeit in diesen Roman brachten.

Fazit: "Planet des Untergangs" ist kein völlig schlechter TNG-Roman. Leider überwiegen die negativen Eindrücke derart, dass ich nur zwei Punkte geben kann.

2/5

Charaktere getroffen? **
Spannung: **
Humor: **
Action: **
Gefühl: *
originelle Handlung? *
Anspruch: *

Vorwissen nötig?

Dieser Roman sollte auch Nicht-Fans keine größeren Probleme bereiten.

Freitag, 11. Juni 2010


Peter David


TNG Nr. 45, erschienen bei Heyne


(409 S., Q Squared)

"Ich… bin… Q. Und Sie haben keine Ahnung wie… wie verdreht diese ganze Sache ist." Diese Worte richtet Q an Captain Crusher und Commander Picard, und als Leser kann man dies ruhig ernstnehmen: In diesem Roman geht es wirklich sehr verzwickt zu - also bitte von Anfang an gut aufpassen!

Das allmächtige Wesen Trelane tauchte in der TOS-Folge "Tödliche Spiele auf Gothos" auf und erinnerte an eine frühe Variante von Q, indem er seine Scherze mit der Enterprise-Crew trieb und Kirk später vor ein Gericht stellte. In "Q²" stellt sich heraus, dass Trelane tatsächlich dem Q-Kontinuum angehört, und Q ist für ihn eine Art Mentor. Auf zunächst unerklärliche Weise erhält der kindliche Trelane plötzlich eine ungeheure Macht, gegen die selbst Q nichts ausrichten kann. Trelane bringt verschiedene Zeitlinien völlig durcheinander und verursacht so ein gewaltiges Chaos...

Dieser Roman ist von verschiedenen Realitiäten bzw. "Fäden" geprägt: In Faden A ist Jack Crusher Captain der Enterprise D, sein bester Freund Picard ist sein 1. Offizier. Crushers Exfrau Beverly Howard kommt an Bord, was die beiden Herren völlig aus dem Häuschen bringt. Außerdem liefert der paranoide Klingonenkrieger Worf einen traumatisierten Riker an Bord ab, der jahrelang von den Romulanern gefangen und gefoltert wurde.

Faden B ist die Zeitlinie, die uns vertraut ist und spielt zur Zeit der 7. Staffel. Q kommt an Bord und ist schwer genervt von seinem Schützling Trelane. Er bittet Picard um Unterstützung, und dieser begreift, dass er diesmal mit Q kooperieren muss.

Diese beiden Fäden verlaufen zunächst parallel nebeneinander her, später kommt auch noch Faden C hinzu. Schon allein das verlangt dem Leser einiges ab - "Q²" ist kein Roman, den man diagonal lesen kann. Der Autor Peter David kennt sich bestens im Star Trek-Universum aus, und auch der Leser sollte mit TNG und TOS vertraut sein. Wer nur ab und zu ein paar Episoden gesehen hat, ist von diesem Roman höchstwahrscheinlich überfordert. Und später wird alles noch viel komplizierter! Obwohl man gut aufpassen muss, um die Story nachvollziehen zu können, ist das Lesen dieses Buches ein wahres Vergnügen. Peter David hat einfach ein tolles Händchen für verrückte, teilweise sogar urkomische Szenarien, rasante Handlungen und originelle Ideen, ohne dabei die Charaktere zu vernachlässigen. Im Gegenteil - gerade die Figuren stehen hier im Mittelpunkt. Besonders das Geschehen im Faden A ist sehr reizvoll, und auch vorher unbekannte Figuren wie der arg gebeutelte Jack Crusher und der vorlaute Knirps Tommy Riker wuchsen mir ans Herz.
Die gut 400 Seiten vergingen wie im Fluge, und ich war richtig traurig, als ich fertig war. Dieses Buch ist meiner Meinung nach eines der besten von TNG - von daher volle Punktzahl für diesen tollen Roman!

5/5

Charaktere getroffen? ****
Spannung: ****
Humor: ***
Action: ****
Gefühl: ***
originelle Handlung? *****
Anspruch: ****

Vorwissen nötig?

Ich denke schon. Auf jeden Fall sollte man regelmäßig TNG und möglichst auch die TOS-Folge "Tödliche Spiele of Gothos" gesehen haben.

Ich, Q


John DeLancie, Peter David

TNG Nr. 68, erschienen bei Heyne
.
(280 S., Original: I, Q)

Dieser leicht chaotische Roman ist definitiv nicht jedermanns Sache, aber bis dahin mein Favorit unter den TNG-Romanen! Wer Q nicht ausstehen kann, wird dieses Buch allerdings hassen...

Q ist gerade mit seiner Frau Lady Q und ihrem gemeinsamen Sohn q beim Tiefseeangeln. Plötzlich tut sich ein Loch im Meeresgrund auf, das alles in sich hineinsaugt - unter anderem auch Qs Familie. Natürlich macht sich Q sofort auf die Suche, und da ihm gerade Picard und Data in die Quere kommen, nimmt er sie kurzerhand mit ins Q-Kontinuum. Dort angekommen, muss das Trio feststellen, dass die anderen Q mit Vorfreude und Spannung den bevorstehenden Untergang des Universums erwarten, der ihrer Meinung nach endlich etwas Abwechslung in ihr langweiliges Leben bringt. Nur "unser" Q weigert sich, die Apokalypse hinzunehmen, und wird deshalb kurzerhand wieder seiner Kräfte beraubt...

"Ich, Q" habe ich an einem Tag durchgelesen, und so sehr ich die "üblichen" Star Trek-Romane liebe - ein wenig Abwechslung ist natürlich jederzeit willkommen. Und dieser Roman, den wir aus der Sicht von Q erleben dürfen, ist wirklich etwas ganz anderes und ähnelt vom Stil her - natürlich rein zufällig - eher dem Walter Moers-Kultroman "Die 13 1/2 Leben des Käpt´n Blaubär" als einem Star Trek-Roman. Wie in dem Zamonienroman haben wir hier einen sehr von sich eingenommenen Ich-Erzähler, verrückte Abenteuer in einer skurrilen Welt, nicht wirklich einen roten Faden, dafür umso mehr abgedrehten Humor, immer wieder mal kleine Abschweifungen, manchmal sogar nette kleine Spielereien mit verändertem Schriftsatz und dann auf einmal plötzlich Tiefgang und Dramatik, wenn man es am wenigsten erwartet.

Für mich ist der Roman natürlich ein Fest, weil mit Q, Picard und Data ausgerechnet meine Lieblingscharaktere von TNG die Hauptrolle spielen. Aber nein, die Hauptrolle spielt eigentlich nur Q; Picard und "sein Taschenrechner" Data sind halt auch irgendwie dabei und stolpern zusammen mit ihrem allmächtigen Begleiter von einer haarsträubenden Situation in die nächste. Das Beste ist aber Qs spezielle Sicht auf das Universum, die wir durch die Ich-Form mitbekommen können. Man merkt deutlich, dass die beiden Autoren wahre Experten sind: Zum einen Q-Darsteller John DeLancie, der natürlich seine Figur kennt wie kein zweiter, und zum anderen Peter David, der ohne Zweifel einer der besten Autoren von Star Trek-Romanen ist. Gemeinsam lassen sie in diesem Roman Q lebendig werden, wie wir ihn kennen und lieben: Sarkastisch, schlagfertig, egozentrisch, aber auch ein liebevoller Familienvater und (obwohl er natürlich immer das Gegenteil behauptet!) mit einem besonderen Faible für Menschen gesegnet.

Fazit: Dieser witzige Star Trek-Roman bietet keine Forschungsmissionen oder Raumschlachten, dafür aber einen abenteuerlichen Trip durch das Q-Kontinuum - sehr zu empfehlen!

P.S: In der Zwischenzeit habe ich das Buch zum zweiten Mal gelesen, und er hat mir sogar noch besser als beim ersten Mal gefallen! Ich liebe diesen Roman einfach! ^^

5,5/5

Charaktere getroffen? ***
Spannung: **
Humor: *****
Action: *****
Gefühl: ***
originelle Handlung? *****
Anspruch: ***

Vorwissen nötig?

Ja, ich glaube schon. Wer Star Trek nicht kennt, wird nicht allzuviel mit diesem Roman anfangen können. Und auch ein gewisses Faible für leicht abgedrehte Geschichten ist ganz hilfreich.

Die Tochter des Captain


Peter David

TOS Nr. 91, erschienen bei Heyne

(359 S., Original: The Captain's Daughter)

Also das war für mich damals eine dicke Überraschung. Nie hätte ich gedacht, dass gerade dieses Buch für lange Zeit meine Nr. 1 bei den Star Trek-Romanen sein würde - ausgerechnet mit Sulu in der Hauptrolle! Denn mit dem Captain ist keineswegs Kirk gemeint - nein, es ist Captain Sulu von der U.S.S. Excelsior.

Wir erinnern uns an den 7. Kinofilm: Ganz am Anfang des Films wurde uns Demora Sulu vorgestellt, Hikaru Sulus Tochter, die genau wie früher ihr Vater am Steuer der Enterprise (B) sitzt. Der Roman beginnt mit einer Tragödie: 5 Monate nach dem Start der Enterprise verwandelt sich Demora auf einer Außenmission urplötzlich in eine reißende Bestie und wird in Notwehr von ihrem Captain John Harriman erschossen. Der trauernde Sulu kann die rätselhaften Umstände von Demoras Tod nicht akzeptieren und macht sich mit der Excelsior verbotenerweise auf den Weg zu dem Planeten, auf dem seine Tochter ums Leben kam...

Das klingt jetzt alles sehr dramatisch und deprimierend, aber die meiste Zeit über ist der Roman von einer wunderbaren Leichtigkeit geprägt. Wir erfahren in Rückblenden, wie Hikaru überhaupt zu seiner Tochter kam, später erleben wir Demoras Kindheit und Jugend. Das ist alles so abgedreht, abenteuerlich und urkomisch beschrieben, dass ich beim Lesen nicht nur schmunzeln, sondern oft auch laut lachen musste. Der Autor Peter David versteht es hervorragend, die Ereignisse der Serien und der Filme nahtlos in den Roman einzufügen, so dass zumindest mir keine Ungereimtheiten auffielen (na gut, eine: Chekov ist kein Rechtshänder!)

 Wir erleben z.B. aus Demoras Sicht, wie es auf der Erde war, als die seltsame Sonde auf der Suche nach Buckelwalen für chaotische Zustände sorgte. Und wie es sich für einen guten Roman gehört, sind die Charaktere ganz wunderbar und sehr lebendig beschrieben, ich konnte mir alles so richtig gut vorstellen.
  Neben Sulu haben mit Chekov, Uhura und Janice Rand noch drei weitere "Stiefkinder" der Classic-Serie einen größeren Auftritt, während Kirk und Spock, die üblichen Helden, gar nicht dabei sind (okay, Kirk hat einen winzigen Auftritt, der sich in zwei Sätzen erschöpft). Und das Schöne ist, dass man die beiden auch überhaupt nicht vermisst, dafür gibt es in diesem Roman ganz eigene Highlights: Sulus ziemlich schräge Begegnung mit Demoras mysteriöser Mutter, seine für ihn vollkommen überraschende Vaterschaft, ein durchgeknallter Bösewicht, ein faschistisch anmutender Sternenflotten-Admiral, eine Horde mordlustiger Klone, die irgendwie an Szenen aus alten trashigen Zombiefilmen erinnern, und natürlich das denkwürdige Scharmützel zwischen der Excelsior und der Enterprise! Das Beste sind aber die tollen Dialoge und Charakterisierungen, allen voran natürlich die von Hikaru und Demora. Peter David bringt es aber sogar fertig, den schon im 7. Film nicht gerade souverän wirkenden Captain John "Das bekommen wir erst am Dienstag" Harriman am Ende noch sympathisch rüberzubringen, und das obwohl dieser Demora erschießt!

Fazit: Auch wenn "Die Tochter des Captain" in der Zwischenzeit vom Thron verdrängt wurde, ist dieser Roman immer noch ein ganz großer Favorit von mir. Ein ungewöhnlicher, toll geschriebener Star Trek-Roman voller überraschender Ideen und einer perfekten Mischung aus Tragik und Komik - große Klasse!

5,5/5


Charaktere getroffen? ****
Spannung: ***
Humor: ****
Action: ****
Gefühl: ***
originelle Handlung? *****
Anspruch: ***

Vorwissen nötig?
Auf Grund unzähliger Anspielungen: Ja. Mann muss auf jeden Fall die Filme 4 und 7 kennen, und auch sonst noch so einiges.