William Leisner
TNG-Relaunch Nr 6, erschienen bei Cross Cult
(319 S., Original: Losing the Peace)
Nach vielen, verlustreichen Jahren ist es der Föderation endlich gelungen, die Borg zu besiegen. Der Weg zurück in die Normalität ist allerdings noch sehr lang. Viele Planeten werden von Flüchtlingswellen überrollt; die Zustände sind teilweise katastrophal. Anders als sein ehemaliger Erster Offizier William Riker kommt Captain Picard nicht in den Genuss, auf Forschungsmission zu gehen. Die Enterprise soll eine Art intergalaktische Feuerwehr spielen, immer da, wo sie gebraucht wird. Während Dr. Crusher auf einer seperaten Mission zur Wasserwelt Pacifica geschickt wird, die zu einem Flüchtlingsasyl geworden ist, sieht sich die neue Enterprise-Sicherheitschefin Jasminder Choudhury mit der Möglichkeit konfrontiert, dass es doch noch Überlebende ihrer Heimat Deneva geben könnte...
Ähnlich wie der Roman "Einzelschicksale" hat dieses Buch die schwierige Situation nach den Ereignissen der "Destiny"-Trilogie zum Thema, diesmal jedoch aus der Sicht der Enterprise-Crew. Während der erstgenannte Roman einen eher distanzierten Blick aus Politikersicht auf die Nachwirkungen der Apokalypse warf, geht es in dieser Geschichte mehr um ganz persönliche Erlebnisse einzelner Crewmitglieder der Enterprise (der Titel "Einzelschicksale" hätte auch ganz prima gepasst!)
Der Autor William Leisner war mir bislang völlig unbekannt, und ich muss sagen, dass er seine Sache wirklich sehr gut gemacht hat. Er hat ein feines Gespür für die Charaktere und beleuchtet sie auf sehr behutsame Weise. Wunderbar ist schon allein die Idee, die Crew auf Landurlaub zur Erde zu schicken, genau wie es in der Folge "Familienbegegnung" nach der ersten schweren Schlacht gegen die Borg geschah. Ehe die nächste Mission beginnt, haben die Crewmitglieder ein wenig Zeit, das Erlebte zu verarbeiten. Jede Person geht dabei anders mit den Auswirkungen des Borgangriffs um, natürlich auch weil das Schicksal manche härter getroffen hat als andere. Während Picard seinen inneren Frieden wiedergefunden zu haben scheint, seit die Stimme der Borg in seinem Kopf verklungen ist, fühlt sich La Forge fast schuldig angesichts der Tatsache, im Gegensatz zu unzähligen anderen Personen überlebt zu haben. Beverly hingegen stürzt sich mit Elan auf ihre neue Aufgabe als Einsatzleiterin auf Pacifica, während Miranda Kodohata sich einmal mehr zwischen Familie und Karriere entscheiden muss.
Wie das Cover schon erahnen lässt, wird Choudhury hier besonders viel Platz eingeräumt. Die normalerweise so gelassene Sicherheitschefin musste durch die Zerstörung ihrer Heimatwelt einen besonders schweren Schicksalsschlag hinnehmen und handelt seitdem völlig paradox: Sie stürzt sich kopflos in eine leidenschaftliche Affäre mit Worf, und die Nachricht, ihre Familie vielleicht doch lebend wiederzusehen, löst bei ihr eher Panik statt Hoffnung aus. Der Autor versteht es hervorragend, Jasminders Gedanken und Gefühle nachvollziehbar zu machen und diese bislang noch relativ unbekannte Figur dem Leser näherzubringen.
Als heimlicher Star des Romans erweist sich aber wieder einmal T'Ryssa Chen, einer der sympathischsten Charaktere im ganzen Star Trek-Roman-Universum. Sieht es erst so aus, als wäre sie durch den Borgangriff nicht persönlich betroffen, muss sie doch noch mit einer bitteren Erfahrung fertigwerden. Die Trys-Szenen sind die eindrucksvollsten und berührendsten Passagen dieses Romans. Eine starke Leistung des Autors, der genau das richtige Maß gefunden hat, den Roman sehr gefühlsbetont, aber niemals kitschig werden zu lassen.
Neben den Charakteren dreht sich die Geschichte ausführlich über die Lage auf Pacifica, auf dessen ohnehin nicht gerade reichlich vorhandenen Landflächen sich jetzt Tausende Flüchtlinge drängen. Überbelegung, mangelnde hygienische Verhältnisse und das Wegsperren vor den Einheimischen, die der Lage nicht mehr Herr werden, lassen die Stimmung hochkochen. Ja, der Titel des Romans ist schon sehr gut gewählt: Es kann tatsächlich leichter sein, einen Krieg zu gewinnen, als den Frieden zu bewahren. Zusätzlich gewinnt der Roman auch deshalb an Tiefe, weil uns die Flüchtlingssituation gerade aus unserer heutigen Zeit unheimlich bekannt vorkommen dürfte.
Leider können weder die Charakterstudien noch das Flüchtlingsdilemma den Roman zu 100 % tragen. Gegen Ende lässt die Geschichte ein wenig nach, und der fehlende Spannungsbogen, den ich die meiste Zeit kaum vermisst habe, macht sich plötzlich doch noch bemerkbar. Vielleicht hätten ein paar Seiten weniger dem Roman ganz gut getan. Als störend erweist sich ausgerechnet der Handlungsstrang um Picard, der sich wieder mal untypisch verhält, Befehle missachtet und am Ende dafür sogar noch befördert werden soll. Ich hoffe, eines schönen Tages kommt ein Relaunch-Roman daher, in dem man endlich mal wieder den besonnenen, diplomatischen Serien-Picard erleben kann. Bisher jedenfalls ist er noch nicht aufgetaucht.
Fazit: Starke Charaktermomente und realistisch geschilderte Nachkriegs-Szenarien zeichnen dieses Buch aus. Die gegen Ende etwas dahindümpelnde Handlung lässt allerdings umso stärker hoffen, dass die Geschichte in den Typhoon-Pact-Romanen wieder deutlich an Fahrt aufnehmen wird.
4/5
Charaktere getroffen? ****
Spannung: **
Humor: *
Action: *
Gefühl: *****
originelle Handlung? ***
Anspruch: ****
Vorwissen nötig?
Ich halte es für unerlässlich, vorher die "Destiny"-Trilogie zu lesen, für die man wiederum diverse Romane gelesen haben sollte. Von Vorteil ist weiterhin die Lektüre des Romans "Einzelschicksale". Quereinsteigern könnte das mangelnde Vorwissen den Lesespaß gewaltig trüben.
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Mittwoch, 15. Juni 2011
Sonntag, 20. Juni 2010
Mehr als die Summe
Christopher L. Bennett
(TNG, erschienen bei Cross Cult)
(328 S., Original: Greater than the Sum)
In einem abgelegenen Sternhaufen untersucht ein Außenteam der U.S.S. Rhea gerade einen Kohlenstoffplaneten, von dem seltsame Energieemissionen ausgehen. Dabei stößt man auf fremdartige Lebensformen. Gerade als Lieutenant T'Ryssa Chen mit den Wesen einen vagen Kontakt aufnehmen kann, taucht auf einmal die U.S.S. Einstein auf, jenes Schiff, das man nach dem letzten Aufeinandertreffen mit den Borg verloren glaubte. Allerdings wurden sowohl das Schiff als auch deren Crew in der Zwischenzeit "borgifiziert". Auch die Besatzung der Rhea, einschließlich des Landeteams, wird im Handumdrehen überwältigt. Gerade als T'Ryssa das gleiche Schicksal droht, wird sie plötzlich per Slipstream-Technologie auf einen anderen Planeten transportiert, viele Lichtjahre vom Ort des Borgangriffs entfernt. Daraufhin erhält der frisch vermählte Picard den Auftrag, mit der Enterprise zu dem Sternhaufen zu fliegen, da man befürchtet, die Borg könnten die Slipstreamtechnik für eine schnelle Verbindung zum Deltaquadranten nutzen. Auch T'Ryssa Chen ist mit von der Partie, und als Einzige an Bord kann sie mit den Cluster-Wesen kommunizieren. Diese mächtigen, aber sanftmütigen Wesen dulden keine Gewalt und halten sowohl die Enterprise als auch die assimilierte Einstein (bzw. Frankenstein, wie sie getauft wird) davon ab, sich gegenseitig zu bekämpfen. Sie begreifen nicht, dass die Verhinderung eines Kampfes noch wesentlich mehr Leid zur Folge hätte, sollte den Borg die fortgeschrittene Technologie der Cluster-Wesen in die Hände fallen...
Zuerst die positiven Aspekte: "Mehr als die Summe" ist definitiv der inhaltlich anspruchsvollste Roman der neuen TNG-Reihe. Es ist mal eine angenehme Abwechslung, dass übermächtige Lebensformen nicht gefährlich oder zumindest ärgerlich sein müssen, auch wenn sich die Friedfertigkeit der Clusterwesen für die Enterprise-Crew ebenfalls als großes Problem erweist. Die Kommunikationsversuche mit diesen geheimnisvollen Kreaturen sind sehr phantasievoll und faszinierend beschrieben.
Ein weiteres großes Plus sind die Charakterbeschreibungen, für die der Autor Christopher L. Bennett ein sehr gutes Gespür hat. Fast alle Figuren, egal ob bekannt oder neu, sind wunderbar charakterisiert worden, mit Ausnahme von Worf, der ein bisschen unterbelichtet rüberkommt. Dafür erhalten wir endlich mal einen tieferen Einblick in Geordi LaForges Gefühlswelt, der bislang (wie leider fast immer bei TNG) viel zu kurz kam. Auch die Freuden und Leiden des frischgebackenen Ehepaares Picard und Dr. Crusher werden sehr ausführlich behandelt (vielleicht ein bisschen ZU ausführlich, siehe unten!) Außerdem gibt es noch ein unerwartetes Wiedersehen mit einem alten Bekannten aus der Serie.
Der eigentliche Star des Romans ist aber eindeutig T'Ryssa Chen, eine Halbvulkanierin, die aber mit ihrer vorlauten Klappe so unvulkanisch daherkommt, wie es nur geht. Sie hat von Anfang an alle Sympathien auf ihrer Seite - zwar nicht unbedingt bei den Sternenflottenoffizieren, wohl aber beim Leser. Ich jedenfalls hoffe inständig, dass sie einen Stammplatz unter der Enterprise-Crew bekommen wird. Überhaupt sollten die neuen Brückenoffziere endlich mal in dieser Konstellation zusammenbleiben, denn das ewige "Bäumchen-wechsle-dich" nervt irgendwann und macht es als Leser schwer, die neuen Mitglieder ins Herz zu schließen.
So weit so gut, aber jetzt kommt das dicke Minus: Dieser Roman enthält eine Botschaft, die einem unablässig um die Ohren gehauen wird: "Nur eine Familie macht ein Leben erst lebenswert!" Die ganze Geschichte dreht sich so ausgiebig um die Themen Familie, Kinder und Fortpflanzung, dass ich es irgendwann nur noch als penetrant empfand. Zwischen den Zeilen war herauszulesen, dass, wenn es schon Opfer geben müsste, es doch bitteschön jemand ohne Familie sein sollte. Vielleicht bin ich da ein bisschen empfindlich, aber so eine Aussage finde ich sehr fragwürdig und diskriminierend. So ziemlich alle Personen in diesem Buch dürfen hier ihre Ansichten zum Thema Familie zum Besten geben, ob es nun Geordi, T'Ryssa, Guinan, Kodohata und natürlich vor allem Picard und Beverly sind (die Menopause ist im 24. Jahrhundert anscheinend kein Thema mehr!) Und natürlich sind auch die Clusterwesen sehr stark am Thema Fortpflanzung interessiert. Ja, das ging mir irgendwann so richtig auf die Nerven. Auch sonst hat die Geschichte ein paar Längen, die mitunter zum Diagonallesen verlocken, wenn zum Beispiel seitenlang über den neuartigen Kampfstoff geschwafelt wird, den man gegen die Borg einzusetzen gedenkt.
Das Ende ist allerdings der Knaller und der absolute Höhepunkt dieses Buches. Mitten in eine süßliche Friede-Freude-Eierkuchen-Szene platzt auf einmal eine dramatische Wendung hinein, die die Wartezeit auf "Destiny 1" auf einmal sehr lang werden lässt!
Fazit: "Mehr als die Summe" ist im Großen und Ganzen ein gelungener Roman, der noch wesentlich besser wäre, hätte der Autor Christopher L. Bennett die Botschaft, dass die Familie über alles ginge, nicht so holzhammermäßig rübergebracht. Außerdem hat er mit seinen hervorragenden Romanen "Ex Machina" und "Titan 3" einen gewissen Standard gesetzt, an den "Mehr als die Summe" nicht heranreicht. Trotzdem ist das Buch ein lesenswerter Beitrag zum eigentlich schon längst ausgelutschten Borg-Thema.
3/5
Charaktere getroffen? ****
Spannung: ***
Humor: **
Action: **
Gefühl: ***
originelle Handlung? ***
Anspruch: ***
Vorwissen nötig?
Fortsetzungsromane machen den Einstieg für Neulinge generell schwierig, für Fans sind sie allerdings eine tolle Sache. Star Trek-Anfängern empfehle ich lieber ein Buch aus der Zeit, als Romane noch in sich abgeschlossen waren.
(TNG, erschienen bei Cross Cult)
(328 S., Original: Greater than the Sum)
In einem abgelegenen Sternhaufen untersucht ein Außenteam der U.S.S. Rhea gerade einen Kohlenstoffplaneten, von dem seltsame Energieemissionen ausgehen. Dabei stößt man auf fremdartige Lebensformen. Gerade als Lieutenant T'Ryssa Chen mit den Wesen einen vagen Kontakt aufnehmen kann, taucht auf einmal die U.S.S. Einstein auf, jenes Schiff, das man nach dem letzten Aufeinandertreffen mit den Borg verloren glaubte. Allerdings wurden sowohl das Schiff als auch deren Crew in der Zwischenzeit "borgifiziert". Auch die Besatzung der Rhea, einschließlich des Landeteams, wird im Handumdrehen überwältigt. Gerade als T'Ryssa das gleiche Schicksal droht, wird sie plötzlich per Slipstream-Technologie auf einen anderen Planeten transportiert, viele Lichtjahre vom Ort des Borgangriffs entfernt. Daraufhin erhält der frisch vermählte Picard den Auftrag, mit der Enterprise zu dem Sternhaufen zu fliegen, da man befürchtet, die Borg könnten die Slipstreamtechnik für eine schnelle Verbindung zum Deltaquadranten nutzen. Auch T'Ryssa Chen ist mit von der Partie, und als Einzige an Bord kann sie mit den Cluster-Wesen kommunizieren. Diese mächtigen, aber sanftmütigen Wesen dulden keine Gewalt und halten sowohl die Enterprise als auch die assimilierte Einstein (bzw. Frankenstein, wie sie getauft wird) davon ab, sich gegenseitig zu bekämpfen. Sie begreifen nicht, dass die Verhinderung eines Kampfes noch wesentlich mehr Leid zur Folge hätte, sollte den Borg die fortgeschrittene Technologie der Cluster-Wesen in die Hände fallen...
Zuerst die positiven Aspekte: "Mehr als die Summe" ist definitiv der inhaltlich anspruchsvollste Roman der neuen TNG-Reihe. Es ist mal eine angenehme Abwechslung, dass übermächtige Lebensformen nicht gefährlich oder zumindest ärgerlich sein müssen, auch wenn sich die Friedfertigkeit der Clusterwesen für die Enterprise-Crew ebenfalls als großes Problem erweist. Die Kommunikationsversuche mit diesen geheimnisvollen Kreaturen sind sehr phantasievoll und faszinierend beschrieben.
Ein weiteres großes Plus sind die Charakterbeschreibungen, für die der Autor Christopher L. Bennett ein sehr gutes Gespür hat. Fast alle Figuren, egal ob bekannt oder neu, sind wunderbar charakterisiert worden, mit Ausnahme von Worf, der ein bisschen unterbelichtet rüberkommt. Dafür erhalten wir endlich mal einen tieferen Einblick in Geordi LaForges Gefühlswelt, der bislang (wie leider fast immer bei TNG) viel zu kurz kam. Auch die Freuden und Leiden des frischgebackenen Ehepaares Picard und Dr. Crusher werden sehr ausführlich behandelt (vielleicht ein bisschen ZU ausführlich, siehe unten!) Außerdem gibt es noch ein unerwartetes Wiedersehen mit einem alten Bekannten aus der Serie.
Der eigentliche Star des Romans ist aber eindeutig T'Ryssa Chen, eine Halbvulkanierin, die aber mit ihrer vorlauten Klappe so unvulkanisch daherkommt, wie es nur geht. Sie hat von Anfang an alle Sympathien auf ihrer Seite - zwar nicht unbedingt bei den Sternenflottenoffizieren, wohl aber beim Leser. Ich jedenfalls hoffe inständig, dass sie einen Stammplatz unter der Enterprise-Crew bekommen wird. Überhaupt sollten die neuen Brückenoffziere endlich mal in dieser Konstellation zusammenbleiben, denn das ewige "Bäumchen-wechsle-dich" nervt irgendwann und macht es als Leser schwer, die neuen Mitglieder ins Herz zu schließen.
So weit so gut, aber jetzt kommt das dicke Minus: Dieser Roman enthält eine Botschaft, die einem unablässig um die Ohren gehauen wird: "Nur eine Familie macht ein Leben erst lebenswert!" Die ganze Geschichte dreht sich so ausgiebig um die Themen Familie, Kinder und Fortpflanzung, dass ich es irgendwann nur noch als penetrant empfand. Zwischen den Zeilen war herauszulesen, dass, wenn es schon Opfer geben müsste, es doch bitteschön jemand ohne Familie sein sollte. Vielleicht bin ich da ein bisschen empfindlich, aber so eine Aussage finde ich sehr fragwürdig und diskriminierend. So ziemlich alle Personen in diesem Buch dürfen hier ihre Ansichten zum Thema Familie zum Besten geben, ob es nun Geordi, T'Ryssa, Guinan, Kodohata und natürlich vor allem Picard und Beverly sind (die Menopause ist im 24. Jahrhundert anscheinend kein Thema mehr!) Und natürlich sind auch die Clusterwesen sehr stark am Thema Fortpflanzung interessiert. Ja, das ging mir irgendwann so richtig auf die Nerven. Auch sonst hat die Geschichte ein paar Längen, die mitunter zum Diagonallesen verlocken, wenn zum Beispiel seitenlang über den neuartigen Kampfstoff geschwafelt wird, den man gegen die Borg einzusetzen gedenkt.
Das Ende ist allerdings der Knaller und der absolute Höhepunkt dieses Buches. Mitten in eine süßliche Friede-Freude-Eierkuchen-Szene platzt auf einmal eine dramatische Wendung hinein, die die Wartezeit auf "Destiny 1" auf einmal sehr lang werden lässt!
Fazit: "Mehr als die Summe" ist im Großen und Ganzen ein gelungener Roman, der noch wesentlich besser wäre, hätte der Autor Christopher L. Bennett die Botschaft, dass die Familie über alles ginge, nicht so holzhammermäßig rübergebracht. Außerdem hat er mit seinen hervorragenden Romanen "Ex Machina" und "Titan 3" einen gewissen Standard gesetzt, an den "Mehr als die Summe" nicht heranreicht. Trotzdem ist das Buch ein lesenswerter Beitrag zum eigentlich schon längst ausgelutschten Borg-Thema.
3/5
Charaktere getroffen? ****
Spannung: ***
Humor: **
Action: **
Gefühl: ***
originelle Handlung? ***
Anspruch: ***
Vorwissen nötig?
Fortsetzungsromane machen den Einstieg für Neulinge generell schwierig, für Fans sind sie allerdings eine tolle Sache. Star Trek-Anfängern empfehle ich lieber ein Buch aus der Zeit, als Romane noch in sich abgeschlossen waren.
Sonntag, 13. Juni 2010
Heldentod
Peter David
TNG-Relaunch Nr. 4, erschienen bei Cross Cult
(358 S., Original: Before Dishonor)
"Nicht schon wieder die Borg!" war mein erster Gedanke, als ich das Cover dieses Romans zum ersten Mal sah. Bis zum Film "Der erste Kontakt" waren die Borg spannende und bedrohliche Gegner, bis es bei Voyager zu einer wahren Inflation von Borg-Episoden kam. Glücklicherweise konnte mich dieser Roman wirklich positiv überraschen, denn die Bedrohung durch die Borg erhält hier ganz neue Maßstäbe.
Mit der Inhaltsangabe möchte ich mich diesmal zurückhalten, um nicht zuviel zu verraten, denn gleich das erste Kapitel hält eine Überraschung parat. Nur soviel: Die Borg haben sich in der Zwischenzeit technisch weiterentwickelt: Assimilieren oder gar einfach nur zerstören ist Schnee von gestern. Der neuartige Borgkubus, mit dem es die Föderationsschiffe hier zu tun bekommen, bringt für diese wirklich sehr unangenehme Konsequenzen mit sich. Und natürlich hält er direkt auf die Erde zu...
Das klingt vielleicht alles andere als originell und wie der x-te Aufguss alter Borg-Storys. Aber Peter David wäre nicht Peter David, wenn er scheinbar ausgelutschte Geschichten nicht spannend, phantasievoll und bei aller Dramatik auch humorvoll erzählen könnte. Obwohl die Handlung reichlich Potenzial für Raumschlachten epischen Ausmaßes gehabt hätten, halten sich die Actionszenen in Grenzen - zum Glück! Viel spannender sind die Konflikte zwischen den Charakteren untereinander. Im letzten Roman "Quintessenz" hatte ich ja noch den Eindruck, dass die familiäre Atmosphäre wieder zu spüren war, die TNG seinerzeit ausmachte. Nun gut - ich habe mich geirrt. In "Heldentod" kracht es ganz gewaltig zwischen den Crewmitgliedern der Enterprise, und eine tiefe Kluft zwischen den alteingesessenen und neuen Offizieren tut sich auf. Man darf gespannt sein, wie sich die Beziehungen untereinander in den späteren Romanen weiterentwickeln. Neben Seven of Nine haben noch weitere "Gaststars" ihren Auftritt, mit denen ich nun wirklich nicht gerechnet hätte. Dieser Roman beweist uns eindrucksvoll den großen Vorteil der Relaunch-Serie: Im Gegensatz zu den früheren Romanen muss nicht jedesmal am Ende die Ausgangssituation wieder hergestellt werden. So nimmt die Geschichte hier eine dramatische Entwicklung, die in den alten Star Trek-Romanen einfach nicht möglich gewesen wäre. Das Ende war für mich jedenfalls schwer zu verdauen.
Peter David hat mal wieder bewiesen, warum er zur absoluten Crème de la Crème unter den Star Trek-Romanautoren gehört. Kaum ein anderer Autor schreibt so packend, bildreich und unterhaltsam wie er. Wenn ich überhaupt etwas an diesem Roman auszusetzten hätte, dann war es ein Satz, den eine gewisse Person von sich gab und der mich wirklich auf die Palme brachte. Wer wissen will, was ich meine, kann ja mal unten auf Seite 168 nachschauen. Ansonsten ist der Roman wirklich grandios.
Die TNG-Relauchserie, die nicht sehr überzeugend begann, konnte sich mit jedem Roman steigern. "Heldentod" stellt den vorläufigen Höhepunkt der Reihe dar. Ich bin sehr gespannt, was uns Teil 5 bringt, die Messlatte liegt jedenfalls jetzt sehr hoch.
5/5
Charaktere getroffen? ****
Spannung: ****
Humor: **
Action: *****
Gefühl: **
originelle Handlung? ****
Anspruch: ***
Vorwissen nötig?
TNG-Relaunch Nr. 4, erschienen bei Cross Cult
(358 S., Original: Before Dishonor)
"Nicht schon wieder die Borg!" war mein erster Gedanke, als ich das Cover dieses Romans zum ersten Mal sah. Bis zum Film "Der erste Kontakt" waren die Borg spannende und bedrohliche Gegner, bis es bei Voyager zu einer wahren Inflation von Borg-Episoden kam. Glücklicherweise konnte mich dieser Roman wirklich positiv überraschen, denn die Bedrohung durch die Borg erhält hier ganz neue Maßstäbe.
Mit der Inhaltsangabe möchte ich mich diesmal zurückhalten, um nicht zuviel zu verraten, denn gleich das erste Kapitel hält eine Überraschung parat. Nur soviel: Die Borg haben sich in der Zwischenzeit technisch weiterentwickelt: Assimilieren oder gar einfach nur zerstören ist Schnee von gestern. Der neuartige Borgkubus, mit dem es die Föderationsschiffe hier zu tun bekommen, bringt für diese wirklich sehr unangenehme Konsequenzen mit sich. Und natürlich hält er direkt auf die Erde zu...
Das klingt vielleicht alles andere als originell und wie der x-te Aufguss alter Borg-Storys. Aber Peter David wäre nicht Peter David, wenn er scheinbar ausgelutschte Geschichten nicht spannend, phantasievoll und bei aller Dramatik auch humorvoll erzählen könnte. Obwohl die Handlung reichlich Potenzial für Raumschlachten epischen Ausmaßes gehabt hätten, halten sich die Actionszenen in Grenzen - zum Glück! Viel spannender sind die Konflikte zwischen den Charakteren untereinander. Im letzten Roman "Quintessenz" hatte ich ja noch den Eindruck, dass die familiäre Atmosphäre wieder zu spüren war, die TNG seinerzeit ausmachte. Nun gut - ich habe mich geirrt. In "Heldentod" kracht es ganz gewaltig zwischen den Crewmitgliedern der Enterprise, und eine tiefe Kluft zwischen den alteingesessenen und neuen Offizieren tut sich auf. Man darf gespannt sein, wie sich die Beziehungen untereinander in den späteren Romanen weiterentwickeln. Neben Seven of Nine haben noch weitere "Gaststars" ihren Auftritt, mit denen ich nun wirklich nicht gerechnet hätte. Dieser Roman beweist uns eindrucksvoll den großen Vorteil der Relaunch-Serie: Im Gegensatz zu den früheren Romanen muss nicht jedesmal am Ende die Ausgangssituation wieder hergestellt werden. So nimmt die Geschichte hier eine dramatische Entwicklung, die in den alten Star Trek-Romanen einfach nicht möglich gewesen wäre. Das Ende war für mich jedenfalls schwer zu verdauen.
Peter David hat mal wieder bewiesen, warum er zur absoluten Crème de la Crème unter den Star Trek-Romanautoren gehört. Kaum ein anderer Autor schreibt so packend, bildreich und unterhaltsam wie er. Wenn ich überhaupt etwas an diesem Roman auszusetzten hätte, dann war es ein Satz, den eine gewisse Person von sich gab und der mich wirklich auf die Palme brachte. Wer wissen will, was ich meine, kann ja mal unten auf Seite 168 nachschauen. Ansonsten ist der Roman wirklich grandios.
Die TNG-Relauchserie, die nicht sehr überzeugend begann, konnte sich mit jedem Roman steigern. "Heldentod" stellt den vorläufigen Höhepunkt der Reihe dar. Ich bin sehr gespannt, was uns Teil 5 bringt, die Messlatte liegt jedenfalls jetzt sehr hoch.
5/5
Charaktere getroffen? ****
Spannung: ****
Humor: **
Action: *****
Gefühl: **
originelle Handlung? ****
Anspruch: ***
Vorwissen nötig?
Neueinsteiger sind wahrscheinlich hoffnungslos überfordert. "Heldentod" erfordert Star Trek-Wissen quer durch alle Serien. Darüberhinaus wäre es wahrscheinlich von Vorteil, den David-Roman "Vendetta" gelesen zu haben (ich kenne diesen Roman noch nicht)
Edit: Laut dem, was Turon47 in seinen Kommentaren in seinem (http://trekromane.blogspot.com/2010/06/heldentod.html) und meinem Blog (siehe unten) schrieb, ist es vielleicht doch nicht vorteilhaft, den Roman "Vendetta" zu kennen, weil die Idee mit dem Planetenkiller aus "Vendetta" einfach noch mal in "Heldentod" recycelt wurde, was Kennern des erstgenannten Romans verständlicherweise sauer aufstoßen könnte.
Edit: Laut dem, was Turon47 in seinen Kommentaren in seinem (http://trekromane.blogspot.com/2010/06/heldentod.html) und meinem Blog (siehe unten) schrieb, ist es vielleicht doch nicht vorteilhaft, den Roman "Vendetta" zu kennen, weil die Idee mit dem Planetenkiller aus "Vendetta" einfach noch mal in "Heldentod" recycelt wurde, was Kennern des erstgenannten Romans verständlicherweise sauer aufstoßen könnte.
Samstag, 12. Juni 2010
Quintessenz
Keith R. A. DeCandido
TNG, erschienen bei Cross Cult
(320 S., Original: Q & A)
Überall in der Galaxis tauchen seltsame Anomalien auf, die Raumschiffe und ganze Sternensysteme verschwinden lassen. Davon ahnt die Crew der Enterprise-E noch nichts, als sie bei einer scheinbar harmlosen Routinemission einen Planeten namens Gorsach IX auf Grund seiner hohen Topalin- und Dilithiumvorkommen untersucht. Dass sich die Umgebung dort als zu perfekt erweist, um natürlichen Ursprungs zu sein, mag ungewöhnlich erscheinen, bringt aber niemanden aus der Fassung. Das ändert sich jedoch bald, als ein Einsatzteam durch eine fremde Macht am Betreten einer Höhle gehindert wird und kurz darauf Q auf der Enterprise erscheint. Er behauptet, dass die Mission auf Gorsach IX das Universum entscheidend verändern könnte und dass er selbst nur ein Beobachter sei, was ihm natürlich niemand abnimmt. Picard muss aber bald darauf erfahren, dass nichts Geringeres als das Ende des Universums droht...
Meine Erwartungen an diesen Roman waren hoch, immerhin gehört Q zu meinen absoluten Lieblingsfiguren bei Star Trek. Die Q-Folgen sind für mich (fast) alle große Highlights, und auch die Romane mit ihm finde ich durch die Bank weg großartig. "Quintessenz" reiht sich nicht nur in die Liste der tollen Q-Romane ein, sondern beschert auch der TNG-Relaunch-Reihe endlich mal den Schwung, den ich mir eigentlich schon von "Tod im Winter" und "Widerstand' erhofft habe. Die Haupthandlung um die Enterprise-Crew wechselt sich mit kleinen Episoden an den verschiedensten Schauplätzen im Universum ab, hinzu kommen noch Zwischenspiele aus dem Q-Kontinuum. Dadurch ist der Roman von Anfang an abwechslungsreich, und natürlich fragt man sich, wie all die kleinen Geschichten am Ende miteinander verwoben werden. Nach einem eher ruhigen Beginn, in dem man Gelegenheit hat, die neuen Crewmitglieder besser kennenzulernen, nimmt die Story ab Qs Erscheinen auf der Enterprise gewaltig an Fahrt auf und ist später einfach nur genial. Ich sage nur: Paralleluniversen!
Keith R. A. DeCandido hat es wunderbar verstanden, Q so wiederzugeben, dass ich ihn in jeder Szene wiedererkenne. Es ist wie immer unglaublich unterhaltsam, ihn und sein Lieblingsopfer Picard zusammen zu erleben. Aber nicht nur die Q-Szenen überzeugen, sondern auch die alten und neuen Mitglieder der Enterprise-Crew, die trotz gelegentlicher Schwierigkeiten immer besser als Mannschaft zusammen funktionieren. Sogar die im letzten Roman noch so nervige Counselor T'Lana war mir hier fast schon sympathisch. Die neuen Mitglieder können die Lücke zwar (noch) nicht füllen, die Riker, Troi und vor allem Data hinterlassen haben, aber allmählich stellt sich wieder die TNG-typische familiäre Atmosphäre ein. Natürlich ist auch Admiral Janeway wieder mit von der Partie. Das entwickelt sich wohl langsam zu einem Running Gag, weil sie seit "Nemesis" bei jedem Abenteuer der TNG-Crew dabei war.
Mein persönliches Fazit: "Quintessenz" ist ein sehr gelungener Roman, der sich mit jeder Seite steigert und das richtige Maß an Witz und Spannung enthält. Darüberhinaus wirft er ein völlig neues Licht auf diverse TNG-Episoden und kann mit einem überraschenden Schluss aufwarten. Zwar wurde das Thema Q, kombiniert mit dem drohenden Ende des Universums, schon auf wesentlich originellere Weise im umwerfenden Roman "Ich, Q" behandelt, aber das macht nichts - von Q kann ich halt nicht genug bekommen!
4,5/5
Charaktere getroffen? ***
Spannung: ***
Humor: ****
Action: ****
Gefühl: *
originelle Handlung? **
Anspruch: ****
Vorwissen nötig?
Ohne Vorwissen geht hier gar nichts! Dieser Roman ist absolut nichts für Neulinge.
Widerstand
J.M. Dillard
TNG, erschienen bei Cross Cult
(310 S., Original: Resistance)
Captain Jean-Luc Picard wird wieder einmal von der Stimme des Borg-Kollektivs heimgesucht, zu dem er seit seiner Assimilierung immer noch eine Verbindung hat. Dadurch erfährt er, dass die Borg einen vernichtenden Gegenschlag gegen die Föderation planen. Dummerweise schenkt man Picards Warnungen bei der Sternenflotte keinen Glauben, da man ihn in Sachen Borg für traumatisiert hält und damit sein Urteilsvermögen in Frage stellt. Man ist der Ansicht, dass die Borg keine Gefahr mehr darstellen - ein fataler Irrtum, denn als die Enterprise bald darauf auf einen Borg-Kubus stößt, wird ein Einsatzteam im Handumdrehen von den Borg getötet bzw. assimiliert. Daraufhin beschließt Picard einen äußerst riskanten Plan: Dr. Crusher soll ihn wieder in einen Borg verwandeln, damit Picards Alter Ego Locutus von innen heraus das Borg-Kollektiv infiltrieren kann...
Die Borg waren eine der interessantesten Gegenspieler der Föderation, bis sie meiner Meinung nach in den späteren Staffeln von "Voyager" überstrapaziert wurden. Erstaunlicherweise gibt es aber nur wenige Star Trek-Romane, die sich mit den seelenlosen Maschinenwesen beschäftigen. Deshalb stellt "Widerstand" bei den Romanen eine willkommene Abwechslung dar. Der ruhige Anfang gibt dem Leser die Gelegenheit, sich erstmal mit der neuen Situation an Bord der Enterprise zurechtzufinden. Es gibt einige Neuzugänge an Bord, die sich mehr oder weniger gut in die Crew einfügen. Die Autorin hatte bei der Charakterisierung der Figuren größtenteils ein gutes Händchen. Die einzige Ausnahme stellt die Vulkanierin T'Lana dar, die neue Schiffscouncelor. Dieses "engelsgleiche" Wesen scheint nur positive Eigenschaften zu besitzen und war mir deshalb sofort unsympathisch. Mal ehrlich, wer interessiert sich schon für perfekte Charaktere? Da ist mir doch die alles andere als perfekte Vulkanierin T'Prynn aus den "Vanguard"-Romanen tausendmal lieber! Aber die nervige T'Lana ist nicht die einzige Schwäche des Roman, auch die Story hinkt teilweise gewaltig. Es wird zu wenig Neues geboten, man hat alles irgendwie schon einmal so ähnlich gesehen. Ärgerlich fand ich auch, dass das erste Außenteam der Enterprise in bester Redshirt-Manier ihr Leben lassen musste (Falls jemand mit dem Begriff nichts anfangen kann: In der Classic-Serie waren es bei Außenmissionen meistens die armen Kerle mit den roten Uniformen, die die Episode nicht überlebten.)
Nachdem ich mich nach ca. zwei Dritteln des Romans schon damit abfand, dass dieses Buch nicht gerade einer meiner Favoriten wird, wird es auf einmal so unglaublich spannend, dass ich es nicht mehr aus der Hand legen konnte. Die Szenen auf dem Borgschiff sind mit das Spannendste, was ich jemals bei Star Trek-Romanen gelesen habe. Deshalb reicht es bei meiner Bewertung am Ende doch noch für 3,5 Sterne, vor allem wenn man den Roman mit dem lahmen Vorgänger "Tod im Winter" vergleicht.
Fazit: Durch das furiose Finale ist "Widerstand" doch noch ein gelungenes Buch, wenn auch ein Neuaufguss alter Star Trek-Geschichten.
3,5/5
Charaktere getroffen? ***
Spannung: *****
Humor: **
Action: ****
Gefühl: ***
originelle Handlung? *
Anspruch: **
Vorwissen nötig?
Sofern man eine Ahnung hat, wer die Borg sind, kann man "Widerstand" auch so lesen. Vielleicht ist es sogar besser, wenn man TNG nicht rauf- und runtergesehen hat, das erspart einem beim Lesen so manches Déja-vu-Gefühl. Man muss auch nicht unbedingt den Vorgänger "Tod im Winter" kennen.
Freitag, 11. Juni 2010
Tod im Winter
Michael Jan Friedman
TNG, erschienen bei Cross Cult
TNG, erschienen bei Cross Cult
(352 S., Original: Death in Winter)
"Tod im Winter" wurde von Fans der Next Generation sehnsüchtig erwartet. Fünf lange Jahre wurde kein neuer TNG-Roman in Deutschland aufgelegt, nun war es endlich so weit. Entsprechend groß waren meine Erwartungen - und leider wurden sie enttäuscht.
Nach den Ereignissen von "Nemesis" ist auf der Enterprise E nichts mehr so, wie es vorher war. Auch die vertraute Stammbesatzung wurde reichlich dezimiert: Data ist tot, Will Riker, Deanna Troi und Beverly Crusher haben das Schiff verlassen. Kein Wunder also, dass Picard ziemlich melancholisch gestimmt ist - besonders der Weggang von Dr. Crusher macht ihm mehr zu schaffen als erwartet. Diese befindet sich derweil auf dem unwirtlichen Planeten Kevratas, dessen Bewohner von einer tödlichen Seuche befallen sind und zudem auch noch unter romulanischer Herrschaft stehen. Kaum ist Beverly auf dem Planeten angekommen, wird sie auch schon von einer alten Bekannten gefangengenommen: der Halbromulanerin Sela. Als Picard erfährt, dass Beverly vermisst wird, macht er sich mit zwei alten Freunden aus Stargazer-Tagen auf die Suche...
Meine Güte, was ist bloß mit Picard passiert? Er, der immer so souverän war, kühl, mit messerscharfen Verstand ausgestattet, ein brillianter Taktiker? Er, der schon so viel einstecken musste, und dennoch irgendwie damit fertig wurde und nur selten mal sein Innerstes preisgab? Alles vorbei. In diesem Buch jedenfalls ist er dermaßen gefühlsduselig, dass ich schon bald genervt die Augen verdrehte. In der Serie und den Filmen war schon ein gewisses Knistern zwischen Jean-Luc und Beverly zu spüren, aber ich hatte nie den Eindruck, dass die beiden sich vor Verlangen förmlich verzehren. Aus diesem Grund ist es schwer nachzuvollziehen, dass sich Picard plötzlich wie ein verknallter Teenager aufführt.
Der Autor kramt tief in der Mottenkiste und zaubert haufenweise bekannte Charaktere hervor (oder auch mir unbekannte Figuren, die man aber aus irgendwelchen anderen Romanen kennen soll), übertreibt damit aber gewaltig. Besonders der Auftritt eines gewissen Admirals trug überhaupt nicht zur Handlung bei und war somit eher ärgerlich als erfreulich. Von den vielen Figuren, die hier auftraten, kam nicht eine einzige halbwegs überzeugend rüber. Auch die vielen kleinen romulanischen Intrigen sind eher nervig als interessant und wurden in anderen Romanen schon viel spannender beschrieben. Insgesamt war mir der Schreibstil viel zu simpel. Die gesamte Story war dermaßen schnulzig, dass ich mich manchmal vor lauter Schwulst regelrecht schütteln musste. Besonders das Ende war eher etwas für die Fans von Cecilia Ahern als für Trekkies.
Um zumindest etwas Positives zu sagen: Es war ganz nett, ein paar Anekdoten aus Beverlys Jugend zu erfahren, und auch der vom Schnee bedeckte Planet Kevratas war recht reizvoll. Ansonsten gilt: Wer schon das Cover kitschig findet, der sollte gar nicht erst den Roman lesen.
Dann doch lieber einen der alten Romane lesen, von denen viele um Längen besser sind!
1,5/5
Charaktere getroffen? **
Spannung: *
Humor: **
Action: **
Gefühl: ****
originelle Handlung? *
Anspruch: **
Vorwissen nötig?
Ja, ohne Vorwissen geht es nicht. Man sollte fleißig TNG gesehen haben. Außerdem setzt Herr Friedman mal eben voraus, dass wir noch einige andere Romane aus seiner Feder kennen, wie z.B. "Wieder vereint" und die hierzulande nie erschienene Stargazer-Reihe.
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