Willkommen auf meinem Star Trek-Blog! Seit ungefähr Anfang der 90er bin ich ein großer Star Trek-Fan, und irgendwann fing ich auch mal an, die Romane zu lesen. Dies soll ein Versuch sein, alle von mir geschriebenen Star Trek-Roman-Rezensionen einigermaßen kompakt zu präsentieren. Es würde mich freuen, wenn sich der eine oder andere bei meinen Bewertungen einen Tipp abholen kann. Wie man sehen kann, habe ich unter jede Rezension auch einzelne Aspekte wie Humor oder Spannung extra bewertet. Auch fehlte mir bei anderen Rezensionen immer der Hinweis, ob ein Star Trek-Roman auch für Nicht-Trekkies oder Neulinge geeignet ist oder nicht, deshalb gehe ich auch auf diesen Punkt ein.

Ich habe versucht, nicht allzuviel zu spoilern, aber absolute Spoiler-Allergiker möchte ich gleich darauf hinweisen, dass ich in fast jeder Rezi auch ein wenig auf den Inhalt des Buches eingehe. Ich finde es immer witzlos, wenn man rein gar nichts über das Thema eines Buches erfährt.

Ein Wort noch zu den verwendeten Fotos: Ich hätte die Cover auch einscannen können, fand aber die Idee mit den Fotos irgendwie schöner, gerade weil sie so dilettantisch aussehen ;-)
Kommentare, Tipps oder auch Rezensionswünsche sind jederzeit willkommen!

Und nun viel Spaß beim Stöbern!
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Montag, 25. Oktober 2010

Destiny 3 - Verlorene Seelen

David Mack

Destiny, erschienen bei Cross Cult

(430 S., Original: Destiny: Lost Souls)

Und weiter geht's: Die Borg führen ihren unerbittlichen Vernichtungsfeldzug gegen die Föderation fort, dem ganze Welten zum Opfer fallen. Auch die Transphasentorpedos, die einstige Wunderwaffe der Sternenflotte, erweisen sich bald als nutzlos. Noch nicht einmal Erika Hernandez' Caeliar-Fähigkeiten reichen aus, um die Borg endgültig zu stoppen, aber dafür macht sie eine unglaubliche Entdeckung: den Ursprung der Borg! Wie aber soll man dieses Wissen einsetzen, um die Invasion der Borg aufzuhalten?

Wow - das nenne ich wirklich mal ein grandioses Finale! "Verlorene Seelen" ist nicht einfach nur eine weitere Geschichte über die Borg, sondern stellt den wohl wichtigsten Borgroman überhaupt dar. Und wer von den kybernetischen Bösewichtern so langsam die Nase voll hatte, und ich gebe zu, dass es mir auch so ging, der wird erstaunt sein, welche Überraschungen in Sachen Borg der Roman doch noch bereithält!

Waren die ersten beiden Romane noch längst nicht so borglastig, wie ich angenommen (bzw. befürchtet) hatte, sind die Borg im Abschlussband das Thema Nr. 1. Wie zu erwarten war, hagelt es hier Actionszenen, dass es nur so kracht. Glücklicherweise kommen die leisen Momente dennoch nicht zu kurz: Manche Figuren müssen mit schmerzlichen Verlusten fertigwerden, für andere hingegen hält das Schicksal bei aller Dramatik auch Momente des Glücks bereit. Auch im dritten Teil kann man einen Abstecher in die Vergangenheit erleben: Das Caeliar-Stadtschiff Mantilis hat es mitsamt den Mitgliedern der Columbia-Crew, die die Zerstörung der Caeliar-Heimatwelt Erigol verursachten, in das Jahr 4527 vor unserer Zeitrechnung verschlagen. Beide, Menschen und Caeliar, sind aufeinander angewiesen, statt dessen verweigern die Columbia-Mitglieder die Kooperation. Der verzweifelte Überlebenskampf der Menschen gegen Hunger und Kälte war für mich einer der Höhepunkte des Buches und ließ bei mir mitunter Erinnerungen an Jack Londons Kurzgeschichte "Die Liebe zum Leben" aufkommen (Kennt die jemand? Unbedingt lesen!) Die Reise in die Vergangenheit endet mit einer faustdicken Überraschung, und von dieser Stelle an mausert sich der Roman, den ich bis dahin als "ganz nett" empfand, plötzlich zu einer literarischen Treibsandfalle - einfach unmöglich, daraus zu entkommen!

Die Geschichte ist so packend, dass die störenden Dinge kaum ins Gewicht fallen, die ich aber dennoch nicht verschweigen möchte. Ganze Völker sterben hier wie die Fliegen - in keinem anderen mir bekannten Star Trek-Roman wird so viel gestorben wie hier! Ich finde es immer ein wenig schade und auch unnötig, die Dramatik durch eine unfassbar hohe Summe an Todesopfern steigern zu wollen.
 Ärgerlich war für mich auch die Sonderstellung, die die Menschen wieder einmal innerhalb der Föderation einnehmen (von der Klingonin Azetbur in "Star Trek VI" zu Recht als "Homo-Sapiens-Club" bezeichnet.) Da werden so bekannte Welten wie Vulkan, Andor oder Qo'noS von den Borg angegriffen, was zwar schon dramatisch ist, aber erst, ich zitiere, "wenn die Erde fällt, ist alles vorbei"! Klar doch, die vielen anderen Spezies sind ohne die Menschen nicht in der Lage, auf sich selbst aufzupassen.

"Wenn die Erde fällt, ist alles vorbei." Kleine Auswirkungen der Assimilierung terranischer Städte

Sicherlich ist es schwierig, bei dieser Vielzahl an Charakteren all die kleinen und großen persönlichen Dramen unter einen Hut zu bekommen. Erfreulicherweise wurde David Mack mit dieser Herausforderung im Großen und Ganzen sehr gut fertig, abgesehen von zwei Personen: Seven of Nine und vor allem Picard! Während Seven "nur" für eine radikale Lösung des Borg-Problems eintritt, tritt Picard ebenfalls für diese radikale Lösung ein UND macht dabei auch noch eine sehr schwache Figur! Nach diesem Roman muss man sich wirklich fragen, warum die beiden eigentlich die absoluten Borg-Experten bei der Föderation waren, wenn die wirkliche Lösung von ganz anderer Seite kam. Wenigstens lässt das Ende des Romans hoffen, dass sich Picard endlich wieder zu dem charismatischen Captain entwickelt, den ich in sieben Jahren TNG so bewundert habe.

Diese Kritikpunkte sollen aber nicht nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Trilogie zu einem wirklich würdigen Abschluss gebracht wird. Der Roman steigert sich von Seite zu Seite und lässt einen nicht mehr los, bis man das Buch ausgelesen hat. Besonders gut gefallen hat mir die Art und Weise, wie die Geschichte zu Ende geführt wurde. Vor allem freue ich mich schon auf alles, was nach diesem Roman kommt, denn nun kann wieder ein ganz neues Zeitalter für Star Trek beginnen!

Fazit: Epochal und bombastisch - ein wichtiges Kapitel im vielfältigen Romankosmos Star Treks!

4,5/5

Charaktere getroffen? ***
Spannung: *****
Humor: *
Action: *****
Gefühl: ****
originelle Handlung? *****
Anspruch:  ****

Vorwissen nötig?
Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Wie so viele neue ST-Romane ist die komplette Destiny-Trilogie eher etwas für Star Trek-Kenner.

Sonntag, 22. August 2010

Destiny 2 - Gewöhnliche Sterbliche

David Mack

Destiny, erschienen bei Cross Cult

(419 S., Original: Mere Mortals)

"Gewöhnliche Sterbliche" ist der zweite Teil der spektakulären Destiny-Trilogie, von der ich eigentlich annahm, sie würde sich hauptsächlich um die Borg drehen. Aber weit gefehlt, auch dieser Roman beschäftigt sich sehr wenig mit den kybernetischen Finsterlingen - was ich persönlich keineswegs als Nachteil empfinde.

Die Crews der Enterprise-E und der Avantine arbeiten zusammen, um herauszufinden, welches der kürzlich im Azur-Nebel entdeckten Subraumlöcher den Borg als Abkürzung in den Alpha-Quadranten dient. Leider wäre es viel zu gefährlich, diese Kanäle einfach zu zerstören. Deshalb ordert Picard eine riesige Flotte als Unterstützung zum Azur-Nebel, um direkt ins Territorium der Borg vorzustoßen.

Ein anderer Handlungsstrang berichtet von Erika Hernandez, die mit drei weiteren Mitgliedern ihrer Crew dazu verdammt ist, gemeinsam mit den Caeliar eine Reise in die Vergangenheit anzutreten. Während die Jahre verrinnen, gehen die vier Gefangenen ganz unterschiedlich mit ihrem Schicksal um. Hernandez entwickelt mehr als alle anderen eine gewisse Sympathie für die Caeliar und besonders für deren Chefwissenschaftler Inyx, was sie schließlich dazu bringt, sich auf einen verhängnisvollen Pakt einzulassen.

Ungefähr 800 Jahre später trifft auch die Titan-Crew auf die Caeliar, und ein Außenteam, dem unter anderem auch die schwangere Deanna Troi angehört, findet sich genau wie einst die Besatzung der Columbia als Gefangene der mächtigen Superwesen wieder. In all den Jahrhunderten hat Erika Hernandez viele Caeliar-Fähigkeiten entwickelt, und die Mitglieder des Landetrupps können sich nicht sicher sein, auf wessen Seite sie steht. Währenddessen verschlechtert sich Trois Gesundheitszustand rapide...

"Gewöhnliche Sterbliche" ist ein typischer Mittelroman, sowohl im guten als auch im schlechten Sinne. Der große Vorteil liegt darin, dass der Leser die Charaktere und Schauplätze schon aus dem ersten Teil kennt, so dass man sich eine große Einleitung sparen und die Handlung gleich Tempo aufnehmen kann. Erfreulicherweise verzichtet der Autor im Gegensatz zum Vorgänger darauf, unbedingt jede Figur in die Handlung einzubringen, und konzentriert sich statt dessen hauptsächlich auf eine Person: Erika Hernandez. Sie ist eindeutig die Hauptperson und tragische Heldin dieses Romans. Die Kapitel, die sich um sie und den kläglichen Rest ihrer einstigen Crew drehten, waren für mich die absoluten Highlights dieses Romans. Hier konnte David Mack zeigen, dass er nicht nur für Action und Spannung sorgen kann, sondern auch ein gutes Händchen für große Charaktermomente hat, die wirklich unter die Haut gehen. Solche Szenen haben mir im ersten Teil gefehlt. Vor allem die komplexe Beziehung zwischen Hernandez und Inyx ist sehr feinfühlig beschrieben, aber auch das Verhältnis der vier gefangenen Frauen untereinander. Überhaupt gefällt mir einfach alles an diesem Handlungsstrang; diese Kapitel sind ist wirklich originell, traurig, bedrückend, einfach toll.

Durch die starke Konzentration auf die Hernandez-Story geraten die anderen Figuren ein wenig in den Hintergrund. Die Titan-Crew kommt vergleichweise noch sehr gut weg. Auch zwischen ihnen gibt es gute Dialoge und viele ruhige Szenen, die zum Nachdenken anregen. Ein wenig schwach kommen die Enterprise/Avantine-Szenen daher. Hier bleiben die Charaktere blass, und die Erforschung der Subraumlöcher konnte mich nicht gerade fesseln. Da die Vernachlässigung einiger Figuren aber deutlich zugunsten der wesentlich interessanteren Caeliar-Handlung ging, konnte ich dieses kleine Manko locker verschmerzen. Sehr schön fand ich auch den Auftritt einiger liebgewonnener Charaktere aus dem gelungenen Roman "Die Gesetze der Föderation" .

Bis kurz vor Schluss fand ich "Gewöhnliche Sterbliche" einfach großartig und war mir fast sicher, die Höchtpunktzahl zu verteilen, aber dann kamen die letzten zwei Kapitel, durch die ich mich tatsächlich durchquälen musste. Der Nachteil von Mittelromanen in Trilogien ist nun mal, dass sie auf möglichst spektakuläre Weise enden müssen, um die Leser neugierig auf das große Finale zu machen. Hier ging diese Strategie meiner Meinung nach völlig daneben. Plötzlich tauchen alte Bekannte aus der Versenkung auf, die von mir aus gerne genau dort hätten bleiben können, und ein wahres Actionfeuerwerk wird entfesselt. Das wäre ja eigentlich gar nicht so schlimm, aber was mich richtig nervte, waren die Dialoge während der Zweikämpfe, so nach dem Motto: "Har har! Nimm das, du Bastard!" Übelster Military-Trash in meinen Augen, der eine völlig unpassende Komik hineinbringt! Jetzt, da ich auch den dritten Teil kenne, ist das Ganze rückblickend noch ärgerlicher, da es absolut nichts zur Handlung beiträgt. Dass der Roman wieder mal mit einem Cliffhanger endet, in dem alles noch ein bisschen größer und aussichtsloser ist als vorher, ist keine Überraschung.

Fazit: Ein wirklich grandioser Roman mit einem völlig verkorksten Schluss, der wohl Spannung aufbauen sollte, aber zumindest bei mir das genaue Gegenteil erzeugte. Die Caeliar-Geschichte allerdings ist Star Trek in Höchstform und macht diesen Roman absolut lesenswert.

4/5

Charaktere getroffen? ***
Spannung: ****
Humor: *
Action: ****
Gefühl: ****
originelle Handlung? *****
Anspruch: ****

Vorwissen nötig?
Unnötig zu erwähnen, dass man den ersten Teil gelesen haben muss, aber ich erwähne es trotzdem mal ;-)

Samstag, 24. Juli 2010

Destiny 1 - Götter der Nacht

David Mack

Destiny 1, erschienen bei Cross Cult

(419 S., Original: Destiny: Gods of Night)

Um ehrlich zu sein: Im Grunde bin ich kein Crossover-Fan. Zu oft ist die Handlung an den Haaren herbeigezogen, um die Helden der verschiedenen Serien aufeinandertreffen zu lassen. Ein anderer häufiger Schwachpunkt liegt darin, dass eine große Anzahl an Personen in der Geschichte untergebracht werden muss, von denen die meisten zu kurz kommen. Als ich erfuhr, dass "Destiny" ein Mega-Crossover der Serien Enterprise, TNG, DS9 und Titan darstellen würde, war meine erste Reaktion deshalb ein resigniertes "och nöööö...."
Teil 1 der "Destiny"-Trilogie bietet allerdings noch keine echten Überschneidungen der Serien, vielmehr laufen die einzelnen Handlungsstränge nebeneinander her, ohne dass ein Bezug zueinander auf den ersten Blick ersichtlich wäre.

Zum Inhalt: Bei einer Expedition auf einem Planeten im Gamma-Quadranten stößt die Defiant-Crew auf das Wrack der Columbia NX-02, die vor über 200 Jahren unter dem Kommando von Captain Erika Hernandez verscholl. Besonders Jadzia Dax ist als Wissenschaftsoffizier von dem Fund fasziniert, zumal es in dem Wrack spuken soll. Leider verhindert das Auftauchen zweier Jem'Hadar-Kriegsschiffe eine nähere Erforschung. Erst acht Jahre später erhält sie mit ihrem nächsten Wirt Ezri Dax eine zweite Chance, ihres Zeichens Captain des hochmodernen Forschungsschiffes Avantine. Wie sich herausstellt, ist der "Spuk" an Bord der Columbia noch nicht vorbei: Zwei Mitglieder der Avantine werden bei der Untersuchung des Wracks auf brutale Weise getötet.

Wie die Columbia überhaupt in den Gamma-Quadranten geriet, beschäftigt auch die Crew eines anderen Forschungsschiffes, nämlich der U.S.S. Titan unter dem Kommando von Captain William T. Riker. Des Rätsels Lösung könnten Transwarpkanäle sein, wie ihn auch die Borg für einen schnellen Transport in den Föderationsraum nutzen.

Das Schicksal der Columbia bleibt für die Mannschaft der Titan und Avantine zunächst ein Rätsel, im Gegensatz zum Leser, der in einem weiteren Handlungsstrang die Vorgeschichte des alten Erdenschiffes erfährt. Im Jahre 2156 konnte es sich in einem gewagten Manöver vor der drohenden Zerstörung durch die Romulaner retten. Durch den Verlust der Warpenergie dauerte es ganze 12 Jahre, bis man endlich den nächsten bewohnbaren Planeten erreichte. Dessen Bewohner, die Caeliar, erwiesen sich als pazifistisches und technisch sehr weit fortgeschrittenes, aber extrem xenophobisches Volk. Um ihre Existenz geheimzuhalten, hinderten die Caeliar die menschlichen Besucher am Verlassen des Planeten. Während sich Captain Hernandez mit der Situation abzufinden schien, beschlossen die MACO's an Bord der Columbia, sich mit allen Mitteln den Weg in die Freiheit zu erkämpfen.

Der vierte Handlungsstrang führt uns auf die Enterprise, wo Picard alles versucht, um sich den Borg entgegenzustellen. Diese haben sich in der Zwischenzeit völlig von ihrer Strategie des Assimilierens verabschiedet und führen nunmehr einen gnadenlosen Vernichtungskrieg gegen die Welten der Föderation. Da nur die Enterprise über Transphasentorpedos als einzig wirksame Waffe gegen die Borg verfügt, eilt die Enterprise von Schlacht zu Schlacht gegen die scheinbar übermächtigen Maschinenwesen. Manchmal kommt sie zu gerade noch rechtzeitig zu Hilfe, aber nicht immer kann sie die Vernichtung ganzer Zivilisationen verhindern. Picard droht bald unter dem Druck zu zerbrechen, da er nicht immer rechtzeitig die nächsten Angriffsziele der Borg vorhersehen kann...

Eines muss man David Mack lassen: Der Auftakt des Mega-Crossovers ist wirklich fulminant und spannend geraten. Die Geschichte zieht einen sofort in den Bann, und die Bedrohung durch die Borg erreicht einen neuen dramatischen Höhepunkt. Trotzdem stehen hier erfreulicherweise die Charaktere im Vordergrund, so dass man als Leser einen ausgiebigen Blick auf die vielen großen und kleinen persönlichen Dramen erhält. Da wären z.B. Riker und Troi, deren Traum vom gemeinsamen Nachwuchs scheinbar unerfüllt bleibt. Die werdenden Eltern Jean-Luc Picard und Beverly Crusher sind zwar schon einen Schritt weiter, haben sich aber angesichts des Krieges gegen die Borg den denkbar schlechtesten Zeitpunkt ausgesucht, um ein Kind in die Welt zu setzen. Captain Hernandez und ihe Crew verzweifeln bald an der Aussicht, nie wieder nach Hause zu kommen. Überhaupt ist die Stimmung in diesem Roman verständlicherweise sehr gedrückt, Leichtigkeit oder Humor sucht man vergebens.

Ich begrüße es grundsätzlich, wenn der Schwerpunkt auf die Figuren gelegt wird, aber so richtig nahe geht mir das Schicksal der Charaktere diesmal nicht. Meine Befürchtungen, die ich am Anfang hatte, trafen nämlich zu: Wenn gefühlte 150 Personen im Spiel sind, gehen die Einzelschicksale einfach in der Masse unter. Da taucht mal kurz Tom Paris auf, von dem ich gerne mehr erfahren hätte, dort hadert Tuvok mit seinen immer stärker werdenden Emotionen. T'Ryssa Chen, die sympathische Halbvulkanierin aus "Mehr als die Summe", darf gar nur drei kurze Sätze sagen und wird daraufhin sofort von Picard abgekanzelt. Klar ist mir bewusst, dass es noch zwei Fortsetzungen geben wird, aber trotzdem ist es unbefriedigend, wenn man sich den Auftritt seiner Lieblingscharaktere größer vorgestellt hat. Außerdem hat David Mack mit den Vanguard-Romanen 1, 3 und 5 bewiesen, dass er durchaus in der Lage ist, neben einer komplexen Handlung auch noch eine große Menge an Personen angemessen rüberzubringen.

Der Borg-Anteil an der Geschichte ist, zumindest im ersten Teil, glücklicherweise geringer ausgefallen als erwartet. Mal ehrlich, auch wenn uns immer wieder versichert wird, dass die neuen Borg NOCH gefährlicher sind als beim letzten Mal, sind sie in der Vergangenheit einfach zu oft besiegt worden, so dass man sie als Leser einfach nicht mehr so richtig ernst nehmen kann. Die eklatant hohe Summe an Opfern erhöht die Spannung auch nicht gerade. Wesentlich interessanter war für mich die Geschichte, die sich mit dem Schicksal der Columbia-Crew beschäftigte. David Mack schafft es, die Caeliar so lebendig zu beschreiben, dass ich sie förmlich vor mir sah. Vor allem ihre futuristische Hauptstadt Axion ist so reizvoll wie kaum eine andere Stadt, die jemals in Star Trek-Serien oder -romanen vorkam. So bestätigt sich wieder einmal:  "neue Welten zu entdecken, unbekannte Lebensformen und neue Zivilisationen" ist auch nach inzwischen 44 Jahren immer noch das Reizvollste an Star Trek, deshalb hoffe ich, dass sich auch in den Nachfolgeromanen die Kriegshandlungen in Grenzen halten, und man statt dessen mehr über die faszinierende Spezies der Caeliar erfährt.

Wie nicht anders zu erwarten, hinterlässt der Roman eine Vielzahl an losen Enden. Trotz meiner anfangs erwähnten Abneigung gegen Serien-Crossover hat mich der Roman doch genug gepackt, um den Fortsetzungen mit Spannung entgegenzufiebern. Wenn die Charaktere nicht so überraschend blass geblieben wären, hätte mich der Roman sogar regelrecht begeistern können. So aber lässt sich als Fazit zusammenfassen: Die Destiny-Trilogie legt mit "Götter der Nacht" einen recht ordentlichen Start hin, ist aber noch steigerungsfähig.


3,5/5

Charaktere getroffen? **
Spannung: ****
Humor: *
Action: *****
Gefühl: ***
originelle Handlung? ***
Anspruch: ****

Vorwissen nötig?

Wie fast alle Relaunch-Romane macht es auch "Götter der Nacht" für Neueinsteiger sehr schwer. Nicht nur, dass man fleißig die Star Trek-Serien gesehen haben muss (am besten alle!), man sollte zumindest auch noch die TNG-Relauch-Romane 1-5 und den ersten Titan-Band kennen.