Willkommen auf meinem Star Trek-Blog! Seit ungefähr Anfang der 90er bin ich ein großer Star Trek-Fan, und irgendwann fing ich auch mal an, die Romane zu lesen. Dies soll ein Versuch sein, alle von mir geschriebenen Star Trek-Roman-Rezensionen einigermaßen kompakt zu präsentieren. Es würde mich freuen, wenn sich der eine oder andere bei meinen Bewertungen einen Tipp abholen kann. Wie man sehen kann, habe ich unter jede Rezension auch einzelne Aspekte wie Humor oder Spannung extra bewertet. Auch fehlte mir bei anderen Rezensionen immer der Hinweis, ob ein Star Trek-Roman auch für Nicht-Trekkies oder Neulinge geeignet ist oder nicht, deshalb gehe ich auch auf diesen Punkt ein.

Ich habe versucht, nicht allzuviel zu spoilern, aber absolute Spoiler-Allergiker möchte ich gleich darauf hinweisen, dass ich in fast jeder Rezi auch ein wenig auf den Inhalt des Buches eingehe. Ich finde es immer witzlos, wenn man rein gar nichts über das Thema eines Buches erfährt.

Ein Wort noch zu den verwendeten Fotos: Ich hätte die Cover auch einscannen können, fand aber die Idee mit den Fotos irgendwie schöner, gerade weil sie so dilettantisch aussehen ;-)
Kommentare, Tipps oder auch Rezensionswünsche sind jederzeit willkommen!

Und nun viel Spaß beim Stöbern!

Samstag, 21. August 2010

Die Gesetze der Föderation

Keith R. A. DeCandido

erschienen bei Cross Cult

(450 S., Original: Articles of the Federation)

Eine Sache gleich vorweg: "Die Gesetze der Föderation" ist ein Buch, an dem sich die Geister scheiden werden. Hier gibt es weder Forschungsmissionen noch Raumschiffschlachten, auch keine Charakterstudien. Statt dessen führt uns die Geschichte zu einem Ort, der nicht allzu häufig Schauplatz eines Star Trek-Romans ist: zur Erde - genauer gesagt, nach Paris, und zwar in die 15. Etage des Palais de la Concorde. Dort nämlich befindet sich das Büro von Nanietta "Nan" Bacco, der frisch gewählten Präsidentin der Vereinigten Föderation der Planeten. Ihr Vorgänger Min Zife ist unter zunächst schleierhaften Gründen zurückgetreten, oder besser gesagt, gegangen worden. Mit den schwerwiegenden Folgen seiner Amtszeit als Präsident muss sich Bacco nun herumschlagen, aber das ist längst nicht alles: Unter anderem wären da ein remanisches Schiff, das Kurs auf einen Föderationsaußenposten nimmt, Föderationsmitglieder, die den Wiederaufbau Cardassias nicht länger unterstützen wollen, ein diplomatischer Super-GAU und noch einiges mehr. Außerdem muss Nan Bacco erkennen, dass manche Wahrheiten besser nicht ans Licht der Öffentlichkeit gelangen dürfen...

"Und das soll spannend sein?" mag sich jetzt der ein oder andere besorgt fragen. Die Antwort lautet: "Nein". Spannend ist der Roman nun nicht gerade, jedenfalls nicht, wenn man diesen Roman mit dramatischen Actionkrachern vergleicht, die es unter den Star Trek-Romanen auch reichlich gibt. Statt mit Phasern und Photonentorpedos werden hier verbale Schlachten ausgetragen, deren Auswirkungen oft kaum weniger verheerend sind. Die Handlung ist eher - faszinierend, wie Spock sagen würde. Der hat hier übrigens ebenfalls einen kleinen Auftritt, und Präsidentin Bacco lässt es sich nicht nehmen, die "Heilige Kuh" des Star Trek-Universums mit deutlichen Worten zurechtzuweisen. Auch mit anderen aus den Serien bekannten Charakteren gibt es ein Wiedersehen, aber die Helden dieses Romans sind größtenteils Figuren, die man vorher nicht kannte: Baccos Mitarbeiterstab, Botschafter, Politiker, Journalisten. Sie alle kennenzulernen, macht das Lesen am Anfang ein bisschen anstrengend, so dass ein Personenregister bei diesem Buch ganz nützlich gewesen wäre. Aber wenn man sich erstmal auf die vollkommen ungewohnte Perspektive eingelassen hat, entfaltet die Geschichte ihren ganz eigenen Reiz. Bisher hatte ich nur eine vage Vorstellung von der Föderationspolitik, die in den Serien oder Romanen oft durch unsympathische Bürokraten oder selbstherrliche Botschafter repräsentiert wurde. Deshalb ist es sehr aufschlussreich, die Belange der Föderation mal aus dem Blickwinkel der Politiker zu betrachten.

Die Handlung steuert nicht, wie es in den meisten Romanen üblich ist, auf einen großen Höhepunkt zu, was manch einer vielleicht als belangloses Dahinplätschern empfinden mag. Hier sind die Highlights sehr viel subtiler, zum Beispiel immer dann, wenn wir das politische Geschehen aus der Sicht ganz normaler Bürger miterleben. Es ist irgendwie beruhigend zu erfahren, dass man Ende des 24. Jahrhunderts immer noch Polit-Talkshows guckt!  Auch Nan Bacco, die als Präsidentin in der Öffentlichkeit stets stark sein muss, gönnt sich mit ihrer Liebe zum Baseball einen Rückzug in die Normalität, was sie für den Leser menschlicher werden lässt. Allerdings muss ich hier die typisch US-amerikanische Sichtweise bekritteln. Schon wieder Baseball? Das hatten wir doch schon mit Sisko. Wieso kann es denn nicht der gute alte Fußball sein, der ja sehr viel mehr Menschen auf der ganzen Welt begeistert als Baseball, jedenfalls im 21. Jahrhundert?

Das ist aber auch das Einzige, was ich an diesem Roman auszusetzen habe. Ich war am Anfang sehr skeptisch und hätte als Politikmuffel nicht erwartet, dass mich diese Geschichte ansprechen könnte. DeCandidos lockerer Schreibstil und die hervorragenden Dialoge sorgen aber glücklicherweise dafür, dass sich das eigentlich trockene Thema sehr unterhaltsam lesen lässt. Wie ich eingangs erwähnt habe, wird das Buch nicht jedem Star Trek-Fan gefallen, da es doch ziemlich aus der Art schlägt. Mich jedenfalls hat der Roman sehr positiv überrascht, deshalb verteile ich gerne 5 Punkte.

Fazit: Ein Thema, das staubtrocken hätte werden können, gerät aus der Feder eines fähigen Autors zu einer hochinteressanten Lehrstunde in Politik. Absolut empfehlenswert!


5/5

Charaktere getroffen? ***
Spannung: **
Humor: **
Action: *
Gefühl: **
originelle Handlung? *****
Anspruch: *****

Vorwissen nötig?
Ich fürchte, wer sich nicht mit Star Trek auskennt, sowohl im TV als auch im Kino und in der Welt der Romane, ist hier hoffnungslos verloren.

Kommentare:

  1. Hey, ich sehe gerade, dass das meine 100. Star Trek-Rezension war! Dann öffne ich zur Feier des Tages mal eine Flasche romulanisches Ale! *plopp*

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  2. Gratulation! Einhundert hat noch nicht jeder auf dem Buckel! Schöne Rezension und falls wir uns mal irgerndwann treffen, spendier ich auch ein romulanisches Ale, um dem Ereignis in gebührender Weise Rechnung zu tragen!

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  3. Glückwunsch!
    Auf die nächsten 100!

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  4. Danke sehr! Bis zur 200 wird es noch ein Weilchen dauern, aber ich arbeite fleißig daran ;)

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  5. Herzlichen Glückwunsch zur 100. :-)
    Dein Blog gefällt mir richtig gut.

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  6. Vielen Dank, Babsy! Ich freue mich sehr, dass Dir der mein Blog gefällt! :-)

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