Willkommen auf meinem Star Trek-Blog! Seit ungefähr Anfang der 90er bin ich ein großer Star Trek-Fan, und irgendwann fing ich auch mal an, die Romane zu lesen. Dies soll ein Versuch sein, alle von mir geschriebenen Star Trek-Roman-Rezensionen einigermaßen kompakt zu präsentieren. Es würde mich freuen, wenn sich der eine oder andere bei meinen Bewertungen einen Tipp abholen kann. Wie man sehen kann, habe ich unter jede Rezension auch einzelne Aspekte wie Humor oder Spannung extra bewertet. Auch fehlte mir bei anderen Rezensionen immer der Hinweis, ob ein Star Trek-Roman auch für Nicht-Trekkies oder Neulinge geeignet ist oder nicht, deshalb gehe ich auch auf diesen Punkt ein.

Ich habe versucht, nicht allzuviel zu spoilern, aber absolute Spoiler-Allergiker möchte ich gleich darauf hinweisen, dass ich in fast jeder Rezi auch ein wenig auf den Inhalt des Buches eingehe. Ich finde es immer witzlos, wenn man rein gar nichts über das Thema eines Buches erfährt.

Ein Wort noch zu den verwendeten Fotos: Ich hätte die Cover auch einscannen können, fand aber die Idee mit den Fotos irgendwie schöner, gerade weil sie so dilettantisch aussehen ;-)
Kommentare, Tipps oder auch Rezensionswünsche sind jederzeit willkommen!

Und nun viel Spaß beim Stöbern!

Mittwoch, 6. Juli 2011

Spiel auf Zeit

Peter David, Michael Collins, David Roach

Star Trek Prestige Nr. 6 (Die neue Grenze), erschienen bei Dino

(52 S., Original: Double Time)

Für Carlito, der mich zum Glück auf diesen Comic aufmerksam gemacht hat.

Die Redeemer (oder "Erlöser", siehe "Märtyrer") sind zum Planeten Haresh unterwegs, um deren Bevölkerung zu missionieren. Da Captain Calhoun aus Erfahrung weiß, dass dies für die Bewohner durchaus auch tödlich enden kann, lässt er Kurs auf Haresh nehmen, um dort als Vermittler nach einer friedlichen Lösung zu suchen. Unterwegs rettet die Excalibur-Crew die Bevölkerung eines anderen Planeten vor einem verheerenden Magnetsturm. Diese Rettungsaktion hat aber fatale Folgen: Als die Excalibur endlich Haresh erreicht, sind sämtliche Bewohner dieser Welt tot - ermordet durch die Redeemer. Captain Calhoun macht sich schwere Vorwürf, sieht aber einen Ausweg aus dem Dilemma. Zu Shelbys Entsetzen lässt er einen Zeitsprung durchführen, der die Excalibur vier Tage in die Vergangenheit befördert. Der Eingriff in die Zeitlinie bleibt nicht unbemerkt, und Calhoun bekommt es mit einem Gegenspieler aus der Zukunft zu tun: Captain Braxton vom Zeitschiff Relativity!

"Spiel auf Zeit", der erste und bisher einzige New-Frontier-Comic auf Deutsch, bedient sich eines allseits beliebten Standardthemas in der Science Fiction, nämlich der Zeitreise. Eine gute Entscheidung, immerhin gehören die Zeitreisefolgen immer zu den absoluten Highlights bei Star Trek, und zwar quer durch alle Serien und Filme. Wieder einmal gilt es, in der Vergangenheit eine Fehlentscheidung zu verhindern. Die Frage ist allerdings, ob die neu erschaffene Zeitlinie tatsächlich eine Verbesserung darstellt oder sich im Endeffekt als ein noch größeres Fiasko erweist. Mit diesem Problem muss sich Mackenzie Calhoun auseinandersetzen, leider aber reichlich spät. Denn auch hier im Comic agiert Mac so, wie wir es in der Zwischenzeit von ihm gewohnt sind: erst handeln, dann denken.

Auch Shelby steckt in der Zwickmühle: Während Calhoun nach dem Zeitsprung gerade mit den Haresh verhandelt, verlangt Braxton von ihr, den Captain des Kommandos zu entheben. Und so fühlt sich Shelby hin- und hergerissen zwischen ihrer Loyalität zu Calhoun und der Pflicht, die Zeitlinie zu bewahren - eine Entscheidung, mit der sich die mustergültige Sternenflottenoffizierin sichtlich schwer tut. Und damit wären wir bei der wahren Stärke des Comics angelangt: Bei aller Dramatik, spannenden Actionszenen und verzwickten Fragen, die sich nach dem Eingriff in die Zeitlinie aufdrängen, ist es doch in allererster Linie das Zusammenspiel der Charaktere, das den Comic so großartig macht. Hervorzuheben sind vor allem die herrlichen Dialoge zwischen Calhoun und Shelby, die mal emotional sind (besonders bei der Szene, als die beiden noch ein Paar waren), an anderen Stellen allerdings auch urkomisch. Wenn der Captain nach einer seiner umstrittenen Entscheidungen zu "Eppy" sagt: "Commander, ich bin im Bereitschaftsraum und erwarte Sie zur obligatorischen "Captain-wissen-Sie-auch-was-Sie-da-tun"-Nachbesprechung", bleibt kein Auge trocken. Auch der grummelige Sicherheitschef Zak Kebron, der ungefähr über so viel Sozialkompetenz wie Bernd das Brot verfügt, ist mit seinen trockenen Sprüchen immer wieder für Lacher gut. Der Humor wird wohl dosiert eingesetzt und bildet ein perfektes Gegengewicht zur eigentlich ziemlich dramatischen Handlung, wo es immerhin für ein ganzes Volk um Leben oder Tod geht.

Zum Zeitpunkt dieser Rezension waren mir nur die ersten vier New-Frontier-Romane bekannt, und ich stellte fest, dass die Handlung dieses Comics zu einem späteren Zeitpunkt angesiedelt ist. Genauer gesagt findet die Geschichte zwischen "Captain's Table: Once Burned"/"Gebranntes Kind" und "Double or Nothing" aus der "Double Helix"-Reihe statt. So habe ich im Moment keine Ahnung, wer genau Katerina Mueller sein soll, noch worauf der rätselhafte Schluss anspielt. Außerdem fiel mir auf, dass aus irgendeinem Grund das Gesicht von Morgan Primus stets verdeckt blieb, warum auch immer.

Die Zeichnungen sind sehr gut gelungen, zumal in diesem speziellen Comic natürlich ein zusätzlicher Reiz entsteht, weil man die meisten Figuren nicht vom Bildschirm kennt. Im Großen und Ganzen decken sie sich mit dem Bild, dass ich in meinem Kopf von den Figuren entwickelt hatte, mit Ausnahme von Soleta, die ich mir weniger rassig vorgestellt hätte. Auch bekannte Gesichter wie Shelby und Braxton erkennt man sofort wieder. Die Farben sind weder zu düster noch zu knallig. Es lohnt sich auch, ganauer auf die Details zu achten, dann kann man z.B. auch auf einem Bild den Mugato Janos entdecken. Das einzige, was ich an den Zeichnungen auszusetzen hätte, sind die meist fehlenden Schatten.
Leider war man in der deutschen Übersetzung etwas zu geizig mit den Kommata, und zumindest der erste Satz eines Klappentextes sollte eigentlich frei von Grammatikfehlern sein...

Fazit: "Spiel auf Zeit" ist ein Comic, an dem es bis auf ein paar Kleinigkeiten kaum etwas auszusetzen gibt. Peter Davids Gespür für packende Storys, erfrischende Dialoge, eine extrem unterhaltsame Erzählweise und überraschende Wendungen kommt auch in Comicform wunderbar zum Ausdruck. Darüberhinaus besticht das Werk durch die tollen Zeichnungen und natürlich dem denkwürdigen Auftritt des Zeitschiffes Relativity aus der gleichnamigen Voyager-Folge. Wer etwas für Comics übrig hat, sollte auf alle Fälle mal einen Blick riskieren!

5/5

Zeichnungen: ****
Charaktere getroffen? *****
Spannung: ****
Humor: ***
Action: ***
Gefühl: **
originelle Handlung? ***
Anspruch: ***

Vorwissen nötig?
Dieser Comic sollte auch ohne Vorwissen zu packen sein, aber wie fast immer ist es reizvoller, wenn man die Crew schon kennt. Es wäre auch schön, die (sehr gelungene) Voyager-Folge "Zeitschiff Relativity" zu kennen.

Kommentare:

  1. Hallo Ameise,

    ich wusste gar nicht dass es einen DNG-Comic gibt.

    Das hört sich jetzt ja sehr interessant an,
    da hast du mich neugierig gemacht.

    Gruß, Frank

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  2. Hallo Frank,

    tja, genau so ging es mir auch. Ich stelle fest, dass New Frontier auf dem besten Weg ist, sich zu einer meiner Lieblingsserien zu entwickeln, was durchaus auch an diesem Comic liegt...

    LG Ameise

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  3. Hi Ameise!

    Das ist aber lieb, dass ich eine Widmung des Artikels erfahren habe! :) Vielen Dank! Jetzt konnte ich seinerzeit Turon zum Lesen von "Spocks Welt" inspirieren und dich durch Zufall auf diesen Comic aufmerksam machen, unglaublich wie man mit wenig Aufwand Gutes tun kann ;) - Ich habe jetzt auch mit dem ersten Band der New Frontier Reihe angefangen und bin mehr als positiv überrascht. Die ersten paar Kapitel lesen sich fast wie ein Sci Fi Roman der gar nichts mit Star Trek zu tun hat und erst nach und nach dringt man wieder in vertraute Gefilde vor. Das Ganze liest sich irgendwie erfrischend anders zumal die Charaktere auch wirklich hervorragend rüberkommen. Bald scheints auch mit der Erscheinung des "Crucible" Romans "McCoy" soweit zu sein auf den ich auch durch deinen Blog aufmerksam geworden bin. Da bin ich mal wirklich gespannt, der scheint sich nach allem was ich bisher über ihn gelesen habe um den Star Trek Roman zu handeln, auf den ich schon immer gewartet habe. :)

    Mal was Anderes, ich habe mich neulich mal ein bisschen durch die ganzen verlinkten Blogs von dir und Turon geklickt und habe gesehen, dass ihr mal diverse Ausflüge zur Fedcon und zur Austellung in Babelsberg gemacht habt. Jetzt weis ich nicht, ob du/ihr davon schonmal was gehört habt, aber es gibt im grob gesagt Raum Hannover, genauer in Bad Münder inzwischen eine ziemlich spassige Star Trek Austellung. Da gibts den Herrn Martin Netter, der vor einiger Zeit, ich glaube bei einer Christies Auktion in New York wirklich TONNENWEISE Star Trek Requisiten ersteigert hat, die er in einer Austellung zusammengefasst hat. Ich habe mir die vor einiger Zeit mal angesehen und war begeistert. Das war zwar noch zu seinen Anfangszeiten und die Austellung war noch nicht rieseig aber bereits beeindruckend. Soweit ich weis, ist er inzwischen ein paar Kilometer weiter gezogen, wo er mehr Platz hat und hat das Ganze wieder aufgemacht. Ich setz mal den Link zur Seite hier rein:

    http://www.filmwelt-center.com

    Ich hab ja nun keine Ahnung wo du und der Turon herkommt und ob das Ganze Distanztechnisch überhaupt in Frage kommt, aber lohnen tut sichs auf jeden Fall. Ich meine sogar bei der Austattung handelt es sich um die weltweit grösste Sammlung in privater Hand.

    So, in diesem Sinne bis die Tage! :)


    Beste Grüße

    Carlito

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  4. :) Hey Carlito, entschuldige bitte das ich mich da mal zu Wort melde, abba da der turon ein wesentlicher Bestandteil der ST Tafelrunde ist möchte ich Dich auf unseren Blogeintrag zu Herr Netters Ausstellung hinweisen, die wir uns natürlich schon angesehen haben! Und ja, Du hast Recht! Beeindruckende Sammlung! GRÜßE!
    http://star-trek-tafelrunde.blogspot.com/2010/02/lauenau-und-anderes.html

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  5. Hi K' olbasa, oh mein Gott, Blogs über Blogs und denne noch die ganzen Querverbindungen^^ ich denke da werde ich in nächster Zeit wohl noch ein bisschen tiefer stöbern, da scheine ich eine sehr kreative Ecke im WWW gefunden zu haben. Ihr macht euch wirklich Mühe und es macht echt tierischen Spass hier dauernd was Neus zu entdecken!:)) - Aber stimmt, leider schien Herr Netter seinerzeit noch nicht alles ausgepackt zu haben. Das fand ich auch ein wenig schade, aber der künstliche Porthos war auf jeden Fall ein Highlight! - Mal schaun, ich komme aus der Ecke und bin studien und fortbildungsmässig ziemlich oft in Hannover, leider meistens ohne die entsprechende Zeit, aber ich werde in näherer Zukunft wohl mal einen Abstecher zu seinem neuen Standort machen. Vielleicht ist da ja schon wieder einiges hinzugekommen.

    Beste Grüße!

    der Carlito :)

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