Willkommen auf meinem Star Trek-Blog! Seit ungefähr Anfang der 90er bin ich ein großer Star Trek-Fan, und irgendwann fing ich auch mal an, die Romane zu lesen. Dies soll ein Versuch sein, alle von mir geschriebenen Star Trek-Roman-Rezensionen einigermaßen kompakt zu präsentieren. Es würde mich freuen, wenn sich der eine oder andere bei meinen Bewertungen einen Tipp abholen kann. Wie man sehen kann, habe ich unter jede Rezension auch einzelne Aspekte wie Humor oder Spannung extra bewertet. Auch fehlte mir bei anderen Rezensionen immer der Hinweis, ob ein Star Trek-Roman auch für Nicht-Trekkies oder Neulinge geeignet ist oder nicht, deshalb gehe ich auch auf diesen Punkt ein.

Ich habe versucht, nicht allzuviel zu spoilern, aber absolute Spoiler-Allergiker möchte ich gleich darauf hinweisen, dass ich in fast jeder Rezi auch ein wenig auf den Inhalt des Buches eingehe. Ich finde es immer witzlos, wenn man rein gar nichts über das Thema eines Buches erfährt.

Ein Wort noch zu den verwendeten Fotos: Ich hätte die Cover auch einscannen können, fand aber die Idee mit den Fotos irgendwie schöner, gerade weil sie so dilettantisch aussehen ;-)
Kommentare, Tipps oder auch Rezensionswünsche sind jederzeit willkommen!

Und nun viel Spaß beim Stöbern!
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Mittwoch, 17. August 2011

The Captains Table: Gebranntes Kind

Peter David

New Frontier, erschienen bei Cross Cult

(251 S, Original:  Once Burned)

"The Captains Table" ist eine Bar der besonderen Art: Sie ist nur für Captains oder vergleichbare Anführer aller Zeiten geöffnet. Es gibt keinen bestimmten Ort für diese Bar; von Zeit zu Zeit erscheint sie einfach irgendwo, so auch für Mackenzie Calhoun. Weil es im "Captain's Table" üblich ist, eine persönliche Geschichte zu erzählen, berichtet Calhoun, warum er vor Jahren seine Sternenflottenuniform an den Nagel hängte.

Viel mehr möchte ich vom Inhalt gar nicht verraten, weil man in dieser Geschichte schon recht früh erahnen kann, wie sie ausgeht. Schon in den ersten "New Frontier"-Romanen wurde erwähnt, dass Calhouns Kündigung irgendwie mit einem Vorfall während seiner Zeit als Erster Offizier auf der U.S.S Grissom zu tun hatte; worum es dabei genau ging, blieb allerdings unklar. Hier erfahren wir endlich alles über dieses Ereignis, und zwar aus Calhouns Sicht. Es ist eine sehr bedrückende, tragische Geschichte um Loyalität, innere Zerrissenheit und menschliche Abgründe, die wirklich an die Nieren geht. Als Peter-David-Roman ist dieses Buch zwar trotzdem nicht hundertprozentig bierernst, aber weit entfernt von den typischen Gute-Laune-Geschichten des Autors.

Dieses Werk bringt uns Mackenzie Calhoun weit näher als die bisher erschienenen "New Frontier"-Romane. Bislang wirkte er auf mich wie eine Art Superhelden-Captain, dessen Instinkte unfehlbar sind, der keinerlei Respekt vor seinen Vorgesetzten hat und der in jeder Hinsicht ein Macher ist. Hier lernen wir mal eine ganz andere Seite seiner Persönlichkeit kennen: Zunächst als jungen Rebell auf seinem Heimatplaneten Xenex, der zum ersten Mal jemanden getötet hat und dies nur schwer verarbeiten kann. Später erleben wir Calhoun als jungen Commander auf der Grissom, der sich mit seiner schroffen Art nicht überall beliebt macht, der sich Dinge schönredet, anstatt sie zu hinterfragen, der Befehle ausführt, obwohl er spürt, dass sie falsch sind. Auch die Crew der Grissom erscheint tief gespalten. Die Offiziere beäugen sich misstrauisch, es bilden sich Verbündete und Gegner - ganz anders als die üblichen Sternenflottencrews, die fast stets tadellos wie eine gut geölte Maschinerie funktionieren.

Wie schon erwähnt, ist die Handlung ziemlich vorhersehbar. Dies wurde aber vom Autor bewusst so angelegt, denn viele Kapitel enden mit einer Andeutung, dass sich etwas Schlimmes anbahnen wird. Gerade dieses Wissen ist es aber, was die Spannung gewaltig ansteigen lässt. Man zittert regelrecht vor dem, was da kommen mag. Für Action ist ebenfalls gesorgt, und vor allem das Kapitel "Der Schacht" ist mit das Spannendste, was ich jemals in ST-Romanen gelesen habe! Aber es sind vor allem die nachdenklichen Momente, die diesen Roman so stark machen: Die moralische Zwickmühle in der Calhoun steckt, ist so greifbar, dass sie schon allein vom bloßen Lesen kaum zu ertragen ist. Erfreulicherweise verzichtet Peter David hier gänzlich auf die für ihn typischen Übertreibungen, die hier einfach fehl am Platze wären. Die beklemmende Atmosphäre wird allein durch die ironischen Dialoge etwas aufgelockert, die mir beim Lesen trotz des ernsten Themas ab und zu ein Schmunzeln entlocken konnten.

Neben Calhoun sind auch die anderen Figuren wunderbar gelungen. Jede einzelne von ihnen wird so bildhaft zum Leben erweckt, dass man sie regelrecht vor sich sieht. Als erstes muss ich natürlich sagen, dass es mich freut, dass mit Katerina Müller endlich mal ein wiederkehrender deutscher Charakter einen Platz im (inoffiziellen) Star Trek-Universum gefunden hat. Zwar ist Frau Müller als typische Deutsche natürlich ein Ausbund an Förmlichkeit, Disziplin und Humorlosigkeit (man stelle sich jetzt mein genervtes Augenrollen vor), aber wirklich eine sehr coole, starke Person mit dem Herz auf dem richtigen Fleck. Gut finde ich auch, dass ihr Nachname, im Gegensatz zum Original, mit "ü" statt mit "ue" geschrieben wird.
Romeo Takahashi hingegen ist ein echter Sympathiebolzen, genau wie Mick Gold. Ich war aber schon einigermaßen überrascht zu erfahren, dass Müller, Takahashi und Gold zur Stammbesetzung der Excalibur gehören. Entweder habe ich das in den Vorgängerromanen überlesen, oder die drei wurden bisher noch nicht erwähnt. Jedenfalls würde ich mich sehr über ein Wiedersehen freuen. Am eindrucksvollsten ist aber Norman Kenyon geschildert, der Captain der Grissom. Ich würde zuviel von der Handlung vorwegnehmen, wenn ich genauer auf ihn eingehen würde, deshalb verrate ich nur, dass die Szenen mit ihm die eindringlichsten und besten im ganzen Buch sind.

Das Konzept mit dieser Bar, die sich, wenn überhaupt, nur für Captains öffnet, wirkt im Star Trek-Universum freilich ein wenig deplaziert. Ich finde ja, dass diese wunderbare Kneipe eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Haus der Familie Black oder dem Raum der Wünsche aus den "Harry Potter"-Romanen hat. Tatsächlich wäre die Bar dort besser aufgehoben als bei Star Trek, aber wenn sie als Aufhänger für solche tollen Geschichten wie "Gebranntes Kind" dient, soll es mir nur recht sein.


Fazit: "Gebranntes Kind" gehört zu den besten Peter-David-Romanen, und wenn man die fast durchweg hohe Qualität seiner Werke betrachtet, will das wirklich etwas heißen. Auf verhältnismäßig wenigen Seiten entfaltet sich eine beklemmende Geschichte mit Tiefgang und von einer beeindruckenden Intensität. Dies ist keiner der unzähligen ST-Romane, die man durchliest und abhakt, sondern der noch lange nachwirkt. Ich jedenfalls werde Mackenzie Calhoun von nun an mit ganz anderen Augen sehen.
 
P.S. Ich persönlich finde ja diese große Ameise auf dem Cover toll! - Wie bitte? Habe ich da Xindi-Insektoid gehört?

5/5

Charaktere getroffen? *****
Spannung: *****
Humor: **
Action: ****
Gefühl: *****
originelle Handlung? ****
Anspruch: ***

Vorwissen nötig?
Ich schätze, damit kommen auch Leser ohne Vorkenntnisse klar.

Sonntag, 26. Juni 2011

Die Waffe

 Peter David

New Frontier Nr. 4, erschienen bei Cross Cult

(263 S., Original: Fire on High)

Schock für Lieutenant Robin Lefler: Zehn Jahre lang hielt sie ihre Mutter für tot, und nun stellt sich heraus, dass Morgan Primus, ehemals Lefler, in einem momidianischen Gefängnis sitzt. Im Austausch gegen ein Bewässerungssystem und Medikamente kommt Morgan frei und wird von der Excalibur abgeholt. Das Wiedersehen zwischen Mutter und Tochter fällt sehr frostig aus, nicht zuletzt weil Morgan partout nicht ihre Beweggründe erklären will.

Leflers Mutter ist allerdings nicht das größte Problem auf der Excalibur: Im Warpkern hat sich ein mächtiges Wesen eingenistet, das dem Schiff Energie entzieht und über kurz oder lang "schlüpfen" wird. Wenn man bedenkt, welche Auswirkungen ein ganz ähnliches Ereignis im zweiten Band hatte, ist die Lage auf der Excalibur verständlicherweise höchst angespannt. Da bietet die erst so unkooperative Morgan plötzlich ihre Hilfe an: Ihrer Meinung nach ist die Ursache für dieses seltsame Ereignis auf dem Planeten Ahmista zu finden. Wie man feststellen muss, ist dort sämtliches Leben von einer verheerenden Waffe ausgelöscht worden, mit Ausnahme einer einzigen Frau...

Der Handlungsstrang um Robins Mutter wurde am Ende des Vorgängerromans "Märtyrer" aufgebaut und konnte bei mir nur mäßige Begeistung wecken: Robin Lefler trifft ihre totgeglaubte Mutter wieder - wie interessant kann das schon sein? Tatsächlich ist genau dies aber dies eine der großen Stärken des vierten New-Frontier-Bandes. Morgan Primus stellt nämlich eine sehr interessante und undurchsichtige Figur dar, die bis zum Schluss Rätsel aufgibt und trotz ihrer unterkühlten Art gar nicht mal so unsympathisch ist. Bei der Gelegenheit erhält die in den Vorgängerromanen arg vernachlässigte Robin Lefler endlich mal etwas mehr Profil, als dem Leser klar wird, dass sich hinter ihrer unbeschwerten Fassade eine höchst verletztliche Seele verbirgt. Außerdem wird ihr klar, dass sie romantische Gefühle für Si Cwan entwickelt.

Überhaupt machen die privaten Freuden und Leiden der Excalibur-Besatzung einen Großteil des Romans aus. Da wäre beispielsweise die auf den ersten Blick so unerschütterliche Elizabeth Shelby, die sich ihres Rufes als notorische Spaßbremse durchaus bewusst ist und das Gefühl hat, ein wenig "außen vor" zu sein. Dr. Selar hat ihr Pon Farr hinter sich gebracht und stellt fest, dass sie von Burgoyne schwanger ist. Trotzdem trennen sich die beiden, müssen sich aber insgeheim eingestehen, dass sie ihre Beziehung doch nicht so einfach abhaken können. Die eigentlich völlig unbeteiligte Wissenschaftsoffizierin Soleta muss ungewollt als Schiffcounselor herhalten (die lustigsten Szenen im gesamten Roman!) Zak Kebron und Si Cwan hingegen pflegen ihre zur Schau getragene gegenseitige Antipathie, obwohl jeder den jeweils anderen heimlich ganz gerne mag.

Eigentlich ist es erstaunlich, dass den Charakteren so viel Raum gegeben wird, wenn man bedenkt, dass in diesem relativ dünnen Roman eine ganze Menge passiert. Die geheimnisvolle Frau mit ihrer furchteinflößenden Waffe auf Ahmista, Soletas abenteuerliche Forschungsmission, das gefährliche Energiewesen im Warpkern - all das will irgendwie auf gerade mal 263 Seiten verteilt werden.
"Die Waffe" ist einer der wenigen Star Trek-Romane, die von mir aus gerne etwas umfangreicher hätten ausfallen können. Hinzu kommt, dass der Autor bei aller Erzählkunst mal wieder zu Storyelementen neigt, die man eher im Reich der Fantasy vermuten würde als in der Science Fiction (Highlander lässt grüßen). Sowohl das Energiewesen selbst, Soletas wundersame Erlebnisse in Ontears Höhle und die Begegnung mit den Prometheanern, bei denen wohl nicht nur ich automatisch an Q denken musste, strapazieren die Glaubwürdigkeit der Handlung. All dies wird aber so herrlich spannend, rätselhaft, tragisch, komisch, leichtfüßig und äußerst unterhaltsam präsentiert, dass das Lesen dieses Buches wieder mal ein reines Vergnügen ist. Dies ist ein weiterer Peter-David-Roman, den man als echten Page-Turner bezeichnen kann und der an keiner Stelle Langeweile aufkommen lässt. Am Ende bleiben noch einige Fragen offen, die dann aber hoffentlich (!) in den weiteren Werken der Reihe geklärt werden.

Fazit: Zwar ist "Die Waffe" nicht der tiefschürfendste Star Trek-Roman aller Zeiten, aber der enorme Unterhaltungswert, die hochinteressanten Beziehungskisten und die herrlichen Dialoge kaschieren die unbedeutenden Schwächen der Geschichte mühelos. Für mich ist dieser Roman noch einen Tick besser als "Zweifrontenkrieg" und damit bisher der stärkste Teil der Reihe. Ein Roman, der von vorn bis hinten einfach nur Spaß macht - was will man mehr?

P.S.: Das Cover von Cross Cult gefällt mir um Längen besser als das einfallslose Gruppenbildchen von Heyne, allerdings frage ich mich, was das eigentlich für ein Gegenstand sein soll, den Soleta da betrachtet. Im Buch ist von einer in den Fels eingelassenen Scheibe mit einem Durchmesser von ca. 15 cm die Rede. Auf dem Bild hingegen ist diese Scheibe mindestens einen halben Meter groß und sieht aus, als gehöre sie zu irgendeiner unterirdischen Apperatur.

 4,5/5

Charaktere getroffen? ****
Spannung: ***
Humor: ***
Action: ***
Gefühl: ***
originelle Handlung? ****
Anspruch: **

Vorwissen nötig?
Es ist mit ein wenig gutem Willen sicher auch möglich, das Buch einzeln für sich zu lesen, aber viel schöner wäre es doch, die Vorgängerromane zu kennen. 

Sonntag, 20. Februar 2011

Märtyrer

Peter David

New Frontier Nr. 3, erschienen bei Cross Cult

(301 S., Original: Martyr)

Der Große Vogel der Galaxis ist aus seinem "Ei" geschlüpft! Auf dem Planeten Zondar ist alles in heller Aufregung, denn laut einer 500 Jahre alten Prophezeihung kündigt ein Flammenvogel die Ankunft eines Messias an. Dieser Messias soll ein großer Anführer sein und eine Narbe tragen, und voilà! - Captain Calhoun erscheint auf der Bildfläche. Klar, dass nur er dieser Messias sein kann, der dem vom Bürgerkrieg gebeutelten Planeten Zondar endlich Frieden bringen wird. Die Anführer der beiden verfeindeten Völker nehmen darauf Kontakt mit der Excalibur auf, und Calhoun schlüpft bereitwillig in die Rolle des Heilands. Die alte Prophezeihung sagte allerdings auch den Tod des Messias voraus, und kurz nach seiner Ankunft auf Zondar verschwindet Calhoun spurlos...

Oha, jetzt wird es also religiös bei "New Frontier". Wie ich schon in einigen anderen Rezensionen schrieb, zählen religiöse bzw. spirituelle Szenarien nicht gerade zu meinen liebsten Themen. Aus der Feder eines weniger fähigen Autors als Peter David hätte dieser Roman leicht zu einer staubtrockenen Angelegenheit geraten können. Glücklicherweise kommt dank Peter Davids leichtem und unterhaltsamen Stils nie Langeweile auf, und stellenweise regt die Handlung um religiöse Fanatiker, die ganze Völker auf gnadenlose Weise missionieren, zum Nachdenken an.

Im Vergleich zum rasanten Vorgänger "Zweifrontenkrieg" kommt die Handlung eher langsam ins Rollen und spinnt die Beziehungen zwischen den Charakteren weiter: Kaum hat sich Selar endlich dazu durchgerungen, sich von Burgoyne durch das Pon Farr "helfen" zu lassen, erwischt sie den Chefingenier beim innigen Knutschen mit Mark McHenry. Daraufhin wendet sich die Vulkanierin an den Captain persönlich, und dieser stimmt zu! Seine Stellvertreterin und Ex-Verlobte Shelby fällt bald aus allen Wolken, als sie erfährt, dass dies keineswegs Calhouns erste Dienstleistung dieser Art wäre...

Auch wenn der amouröse Ringelreihen an Bord der Excalibur stark nach Telenovela riecht, muss ich gestehen, dass ich diese Beziehungskisten mit Abstand am interessantesten an diesem Roman fand. Kaum kommt die Handlung nach ca. 180 Seiten nämlich endlich in Fahrt, wird das Buch zwar deutlich spannender, aber leider wird jegliche Glaubwürdigkeit zugunsten billiger Effektheischerei geopfert. Zugegeben, auch in den ersten beiden Teilen war Peter David nicht gerade ein Kind von Traurigkeit, was Gewaltszenen anging, aber hier war es mir eindeutig zuviel. Ich meine, ausgerenkte Unterkiefer sind eine Sache, abgerissene eine völlig andere... Und wieder mal stirbt ein ganzes Volk einen grausamen Tod.

Weil das neue Cross-Cult-Cover sowieso schon die Überraschung verdirbt, kann ich ja verraten, dass hier auch ein Mugato-Fähnrich zum Einsatz kommt, allerdings nur, um die Handlung noch ein bisschen mit Action aufzumotzen und den TOS-Fans ein kleines Leckerli vor die Füße zu werfen. Ansonsten war sein Auftritt überflüssig und an den Haaren herbeigezogen. Witzig ist allerdings die gestelzte Sprechweise des Mugatos, die man ihm bei seinem furchterregenden Äußeren nicht zugetraut hätte. Außerdem ist es beileibe kein Zufall, dass er ausgerechnet auf den Namen Janos hört - immerhin schlüpfte in der Classic-Serie der Schauspieler Janos Prohaska in das weiße Zottelkostüm.

Die weitestgehende Abstinenz des Captains hätte den übrigen Crewmitgliedern ausreichend Raum geben müssen, auf ihre Weise zu glänzen. Doch kaum ist Calhoun nicht mehr da, mutieren die Excalibur-Leute zu Comicfiguren. Shelby, die vorher durch herrliche Wortgefechte mit Calhoun Sympathiepunkte sammeln konnte, scheint auf einmal eine Überdosis Testosteron abbekommen zu haben. Soleta hingegen erhält ebenfalls die Gelegenheit, das Schiff zu kommandieren, und zeichnet sich in erster Linie durch Hilflosigkeit aus. Die größte Rolle kommt Burgoyne zu, und ich muss sagen: Er/Sie nervt gewaltig! Naja, eigentlich nicht Burgy selbst, sondern diese Holzhammer-Botschaft à la "Burgoyne ist ein Zwitter mit lockerem Liebesleben, und das ist gut so!" Es wirkt, als wolle Peter David permanent die Toleranzgrenze der Leser auf die Probe stellen. Ach ja, und als es in der Prophezeihung heißt, weder Mann noch Frau würde dem Messias zu Hilfe eilen, dürfte jedem sofort klar werden, wer da noch übrigbleibt.

Leider bleiben die Bewohner Zondars in diesem Roman weitestgehend farblos, was in besonderem Maße für den titelgebenden Märtyrer zutrifft. Wesentlich interessanter waren da schon die "Erlöser" mit ihren außergewöhnlichen pyramidenförmigen Schiffen, wie schade, dass sie viel zu kurz kamen! Sowieso war das Ende viel zu überhastet, so als hätte der Autor nach (zu) vielen Seiten voller Zweikampfszenen plötzlich bemerkt, dass er eine vorgegebene Seitenanzahl zu überschreiten drohte. Jedenfalls ist plötzlich alles vorbei, es wird schnell noch ein neuer Handlungsfaden für den nächsten Roman aufgebaut, und fertig.

Fazit: Nach den beiden vielversprechenden Vorgängern stellt "Märtyrer" nur einen 08/15-Roman dar. Der lockere Schreibstil sowie die turbulenten Beziehungskisten können einiges retten, trotzdem stellte sich bei mir als verwöhnten Peter-David-Leser eine große Portion Ernüchterung ein. Die wenigen reizvollen Ansätze werden leider durch ein Übermaß an Actionszenen begraben. Interessant sind lediglich die New-Frontier-typischen romanübergreifenden Handlungsstränge, so dass beim Leser trotz der schwächelnden Handlung genug Interesse für den vierten Teil geweckt wird.

2,5/5

Charaktere getroffen? **
Spannung: ***
Humor: ***
Action: ****
Gefühl: **
originelle Handlung? **
Anspruch: **

Vorwissen nötig?
Weil "Zweifrontenkrieg" nur mit einem mäßigen Cliffhanger endete und einige Ereignisse aus den Vorgängerromanen kurz erklärt werden, könnte "Märtyrer" auch als eigenständiger Roman funktionieren.

Mittwoch, 16. Februar 2011

Zweifrontenkrieg

Peter David

New Frontier Nr. 2, erschienen bei Cross Cult

(314 S., Original: The Two-Front War, End Game)

"Ich würde diese Schweinehunde gerne aus dem Weltraum pusten!"

Der allererste Satz dieses Buches, gesprochen natürlich von Haudrauf-Captain Mackenzie Calhoun, lässt bereits die ungefähre Richtung der Handlung erahnen. Der zweite "New Frontier"-Band legt nämlich gegenüber dem Vorgänger enorm an Action zu, und dank des Cliffhanger-Endes wird der Leser ohne Umschweife mitten ins Geschehen geworfen.

Die Excalibur, die kurz zuvor die Passagiere eines flugunfähigen Flüchtingsschiffs aufgenommen hatte, wird von einem nelkaritischen Raumschiff bedroht. Die heikle Situation erhält eine überraschende Kehrtwendung, als die sich die Kommandantin und Sprecherin der Nelkariten nach ihrer Kapitulation bereit erklärt, den Flüchtlingen Exil zu gewähren. Calhoun traut dem Frieden nicht, die überglücklichen Flüchtlinge jedoch nehmen das Angebot an und lassen sich auf den nahen Heimatplaneten der Nelkariten beamen. Natürlich war das Misstrauen des Captains gerechtfertigt, denn das angebliche Exil entpuppt sich als Falle. Die Nelkariten fordern Sternenflottentechnologie gegen das Leben ihrer Geiseln, und Calhoun muss erkennen, dass sie es todernst meinen.
Unterdessen sind der ehemalige thallonianische Thronfolger Si Cwan und der Sicherheitschef Zak Kebron in Gefangenschaft geraten. Beide werden nach Thallon gebracht, wo Cwan wegen Mordes der Prozess gemacht werden soll. Allerdings hat nicht er den Mord begannen, sondern Calhoun...

Alter Schwede, geht es hier zur Sache! Diesem Werk kann man bestimmt nicht vorwerfen, an irgendeiner Stelle zäh oder langatmig zu sein. Zugegeben, Peter David Zutaten sind sowohl bewährt als auch vergleichsweise simpel: Viel Action, hier und da ein paar blutige Szenen, reichlich Humor, ein bisschen Sex und der klassische Showdown. Aber hey - es funktioniert bestens! Bestes Beispiel hierfür ist der Handlungsstrang, der sich mit Cwans und Kebrons Gefangennahme beschäftigt. Unzählige Male haben wir so etwas schon gesehen oder gelesen: Man schicke zwei völlig verschiedene Typen auf eine gemeinsame Mission, lasse sie nach Herzenslust streiten, bis irgendwann der Moment kommt, an dem sie sich gegenseitig den Hintern retten müssen. Nein, originell ist die unfreiwillige Zusammenarbeit zwischen Si Cwan und der Ein-Mann-Armee Kebron nicht unbedingt, macht aber ungeheuren Spaß zu lesen.

Während bei den Cwan/Kebron-Szenen der Humor überwiegt, geht es im Calhoun-Handlungsstrang deutlich düsterer und spannender zu. Der Captain muss hier seine erste große Bewährungsprobe als Kommandant der Excelsior bestehen und trifft mit der Nelkaritin Laheera auf eine Gegnerin, die mindestens genauso kaltschnäuzig ist wie er selbst. Schließlich darf Mac Calhoun am Ende noch mal voll und ganz M'k'n'zy sein und in einem Zweikampf auf Leben und Tod eine alte Rechnung begleichen. Seltsamerweise läuft er nie Gefahr, unsympathisch rüberzukommen, obwohl er sich (jedenfalls im zweiten New-Frontier-Roman) als eine Art Supercaptain erweist, dem einfach alles gelingt. Als perfektes Gegengewicht zum unkonventionellen Raubein Calhoun erweist sich die Musteroffizierin Shelby, und die Dialoge zwischen den beiden sprühen nur so vor Wortwitz und Sarkasmus. Man darf gespannt sein, wie sich das Verhältnis zwischen den beiden weiterentwickelt!

Erfreulicherweise erweist sich der Roman nicht ausschließlich als literarisches Popkornkino, sondern gibt dem Leser die Möglichkeit, das Seelenleben der Hauptpersonen genauer kennenzulernen. In "Zweifrontenkrieg" konzentriert sich Peter David vor allem auf die vulkanische Ärztin Dr. Selar. Diese hat ein kleines Problem: Unerwartet und fünf Jahre zu früh kündigt sich ihr Pon Farr an. Weil die gute Selar normalerweise selbst nach vulkanischen Maßstäben ein Musterbeispiel an Logik und Selbstdisziplin ist, stellt es für den Leser ein fast schon voyeuristisches Vergnügen dar, wie sich ihre emotionslose Fassade langsam in Luft auflöst und Selar widerwillig erkennen muss, dass es zwischen ihr und Burgoyne 172 gewaltig knistert. Der Autor beweist großes Einfühlungsvermögen an der Stelle, als Selar bewusst wird, dass sie nicht nur einen Liebhaber braucht, sondern auch eine gute Freundin. Die unbeholfene Art und Weise, wie die Ärztin sich zu diesem Zweck ihrer halbvulkanischen Kollegin Soleta anvertraut, lässt sie wesentlich verletzlicher erscheinen als ihr bloßes Bedürfnis nach Sex. Dieser leise Moment ist für mich die stärkste Szene inmitten des Actionspektakels!

Die Seiten vergingen wie im Flug und ich war mir schon sicher, dass ich dem Roman die volle Punktzahl geben würde - und dann kam das Ende. Okay, in Peter-David-Romanen gab es schon einige haarsträubende Dinge zu lesen, sei es der mampfende Borgkubus aus "Heldentod", der Zweikampf zwischen Picard und Locutus auf einem fahrenden Güterzug in "Ich, Q" oder die zombiehafte Klon-Armee in "Die Tochter des Captain". Aber DAS hier übertrifft an Absurdität wirklich alles. Wer es gelesen hat, wird wissen, was ich meine. Und ja, ich habe natürlich die Anspielung auf Gene Roddenberry verstanden -  ich find's trotzdem albern. Aus diesem Grund ging der sicher geglaubte fünfte Punkt leider flöten.

Fazit: "Zweifrontenkrieg" ist der unterhaltsamste und temporeichste Star Trek-Roman, den ich in den letzten Monaten gelesen habe. Ich brauchte nur einen Tag dafür, und das soll bei meinem üblicherweise eher langsamen Lesetempo wirklich etwas heißen. Wenn der lächerliche Schluss nicht wäre, hätte der Roman leicht einer meiner absoluten Favoriten sein können. Mein Tipp: Einen Tag lang alle Termine sausen lassen, Füße hoch, etwas zum Knabbern in Reichweite und das Buch genießen - und nach 300 Seiten aufhören zu lesen.

4/5


Charaktere getroffen? ***
Spannung: *****
Humor: ***
Action: *****
Gefühl: ***
originelle Handlung? **
Anspruch: **

Vorwissen nötig? Klar, dass Band 1 Pflicht ist.

Montag, 7. Februar 2011

Kartenhaus

Peter David

New Frontier Nr. 1, erschienen bei Cross Cult

(310 S., Original: House of Cards / Into the Void)

Auf dem Planeten Xenex kann sich die einheimische Bevölkerung unter der Führung des erst 19jährigen M'k'n'zy von Calhoun aus der Knechtschaft durch die technisch überlegenen Danteri befreien. Kurz darauf macht M'k'n'zy Bekanntschaft mit dem damaligen Stargazer-Captain Picard, der sofort das Potenzial des jungen Mannes erkennt und ihn überredet, in die Sternenflotte einzutreten.
20 Jahre später: Das Thallonianische Imperium kontrollierte einst den gesamten Sektor 221-G, aber seit seiner Zerschlagung herrschen dort chaotische Zustände. Die Sternenflotte beschließt, ein Raumschiff in dieses Gebiet zu entsenden, um sich ein Bild über die Lage zu verschaffen und humanitäre Hilfe zu leisten. Bei der Wahl nach einem geeigneten Captain wirft Picard seinen ehemaligen Schützling ins Rennen. Dieser nennt sich in der Zwischenzeit Mackenzie Calhoun und ist einigermaßen mit dem Sektor 221-G vertraut, da sich sein Heimatplanet Xenex an dessen Grenze befindet. Picards Vorschlag stößt vor allem bei Admiral Jellico auf wenig Gegenliebe, entspricht der raubeinige Haudegen Calhoun so gar nicht dem Idealtyp eines mustergültigen Sternenflottenoffiziers. Auch wenn sich Jellico geschlagen geben muss, kann er dennoch einen kleinen Triumph feiern, indem er seine eigene Favoritin Elizabeth Shelby als Ersten Offizier einsetzt. Nachdem sich die, wie Calhoun es ausdrückt, "zusammengewürfelte" Crew eingefunden hat, kann die Reise der Excalibur beginnen, aber der Start gestaltet sich von Anfang an holprig...

Da ist sie also, die Cross-Cult-Variante jener Romanreihe, die ich bisher mehr oder weniger ignoriert habe. "New Frontier" war völliges Neuland für mich, denn die Heyne-Ausgaben habe ich nie gelesen, und die Originale schon gar nicht. Beim Lesen stellte ich dann zu meinem Erstaunen fest, dass die wenigsten Figuren in diesem Roman wirklich neu waren. Wie es für einen Star Trek-Ableger fast schon Tradition ist, erhält die neue Serie im ersten Teil Starthilfe von vertrauten Charakteren wie der TNG-Crew, Spock, Jellico und Nechayev. Abgesehen von diesen "Gaststars" finden sich auch innerhalb der Excalibur-Stammbesetzung mit Elizabeth Shelby, Dr. Selar und Robin Lefler gleich drei bekannte Gesichter aus The Next Generation. Angenehm überrascht war ich von der Tatsache, dass zur Crew auch drei Mitglieder gehören, die schon in Peter Davids Kadetten-Dreiteiler "Worfs erstes Abenteuer", "Mission auf Dantar" und "Überleben" mit von der Partie waren. Da soll noch einer behaupten, die Kadettenromane würden sich nicht lohnen!

Der erste Teil des Romans, "Kartenhaus", widmet sich in erster Linie den Charakteren. Wie es für viele seiner Romane typisch ist, entführt Peter David den Leser in die Vergangenheit, um die Vorgeschichte des zukünftigen Excalibur-Captains und einiger anderer Charaktere zu erzählen. Diese Geschichten sind so spannend geschrieben, dass man sich nur schwer vom Roman losreißen kann. Sehr unterhaltsam liest sich auch die Debatte über das Pro und Contra der Ernennung Calhouns zum Captain der Excalibur.

Auch im zweiten Teil, als das eigentliche Abenteuer beginnt, besteht die größte Stärke des Romans aus dem Konfliktpotenzial, das die Figuren mitbringen. Am interessantesten ist sicherlich die Beziehung zwischen dem ruppigen Calhoun, der meistens auf die Regeln pfeift, und der ehrgeizigen und extrem "sternenflottigen" Shelby. Diese Konstellation wird sicher in der Zukunft noch für reichlich Zündstoff sorgen! Auch eine echte Buddy-Story darf nicht fehlen, als ausgerechnet der stoische Sicherheitschef Zak Kebron und der blinde Passagier Si Cwan auf eine gemeinsame Mission geschickt werden, obwohl sie sich nicht ausstehen können. Als krassen Kontrast dazu kann man eine witzige Szene mit der TNG-Crew erleben, die noch mal die typisch familiäre Atmosphäre der Serie aufkommen lässt. Diese Charaktermomente sind weit interessanter als die eigentliche Haupthandlung, die sich um die Begegnung mit einem abgeschossenen Flüchtlingsschiff dreht.

Bei Peter Davids Romanen kann man eigentlich immer bedenkenlos zugreifen, da kaum ein anderer Star Trek-Autor so unterhaltsame Geschichten liefert wie er, ohne in irgendeiner Form die Charaktere zu vernachlässigen. Auch in ruhigen Momenten kommen eigentlich nie Längen auf. Manchmal jedoch erscheinen einige Dinge ein wenig hanebüchen.
 Erstens: Xenex gehört nicht gerade zu den Planeten, die häufig Besuch von der Sternenflotte erhalten. Welch ein grandioser Zufall, dass es ausgerechnet Picard hierher verschlägt, der in dem jungen M'k'n'zy den geborenen Sternenflottenoffizier erkennt, obwohl dieser ihm von der Art her kein bisschen ähnelt.

 Zweitens: So sehr ich Spock auch mag, dient sein Auftritt ein wenig zu auffällig dem Zweck, den Roman zu "veredeln". Zur Handlung trägt er jedenfalls nicht unbedingt bei.

 Drittens: Wieso müssen Calhoun und Shelby unbedingt ein ehemaliges Liebespaar sein? Ihre völlig unterschiedlichen Auffassungen von Sternenflottenregeln, gepaart mit ihren egozentrischen Persönlichkeiten, bieten eigentlich genug Konfliktstoff. Dass sie beide auch noch verlobt waren, wirkt ein wenig an den Haaren herbeigezogen.

 Fazit: Trotz der angesprochenen kleinen Schwächen ist "Kartenhaus" ein packender Roman, den ich mit dem größten Vergnügen gelesen habe. Auch wenn die Geschichte im zweiten Teil ein wenig abfällt, ist die Handlung mit all ihren interessanten Charakteren so vielversprechend, dass man eigentlich nichts lieber tun möchte, als sofort den nächsten Band zu lesen - dem Cliffhanger-Ende sei Dank!

4,5/5

Charaktere getroffen? ****
Spannung: **
Humor: ***
Action: **
Gefühl: ***
originelle Handlung? ***
Anspruch: ***

Vorwissen nötig?
Ich denke, trotz der vielen bekannten Figuren kann man sich als Neuling durchaus mal an der neuen Serie versuchen. Freilich sollte man dann am Ball bleiben und auch die Nachfolgeromane lesen...