Willkommen auf meinem Star Trek-Blog! Seit ungefähr Anfang der 90er bin ich ein großer Star Trek-Fan, und irgendwann fing ich auch mal an, die Romane zu lesen. Dies soll ein Versuch sein, alle von mir geschriebenen Star Trek-Roman-Rezensionen einigermaßen kompakt zu präsentieren. Es würde mich freuen, wenn sich der eine oder andere bei meinen Bewertungen einen Tipp abholen kann. Wie man sehen kann, habe ich unter jede Rezension auch einzelne Aspekte wie Humor oder Spannung extra bewertet. Auch fehlte mir bei anderen Rezensionen immer der Hinweis, ob ein Star Trek-Roman auch für Nicht-Trekkies oder Neulinge geeignet ist oder nicht, deshalb gehe ich auch auf diesen Punkt ein.

Ich habe versucht, nicht allzuviel zu spoilern, aber absolute Spoiler-Allergiker möchte ich gleich darauf hinweisen, dass ich in fast jeder Rezi auch ein wenig auf den Inhalt des Buches eingehe. Ich finde es immer witzlos, wenn man rein gar nichts über das Thema eines Buches erfährt.

Ein Wort noch zu den verwendeten Fotos: Ich hätte die Cover auch einscannen können, fand aber die Idee mit den Fotos irgendwie schöner, gerade weil sie so dilettantisch aussehen ;-)
Kommentare, Tipps oder auch Rezensionswünsche sind jederzeit willkommen!

Und nun viel Spaß beim Stöbern!
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Montag, 4. Juli 2011

Mission Gamma 3: Kathedrale

Michael A. Martin, Andy Mangels

DS9 Nr. 7, erschienen bei Cross Cult

(376 S., Original: Cathedral)

Vorweg erst mal eine kleine Warnung: Falls Ihr Euch es zur Gewohnheit gemacht habt, vor dem Lesen des Buches erst mal nach den Cross-Cult-typischen Extras im Anhang des Buches zu schauen, dann lasst es bleiben. Es sind keine da. Statt dessen könnte Euer Blick ungewollt auf den letzten Satz des Romans fallen (so ging es mir jedenfalls), und der ist wirklich ein echter Spoiler.

Zum Inhalt: Bajors Beitritt zur Föderation steht unmittelbar zuvor. Gleichzeitig geht die Wahl des neuen Kai in die heiße Phase. Ausgerechnet zu diesem heiklen Zeitpunkt erscheint die Bevölkerung Bajors gespaltener denn je. Kira wird ungewollt zur Ikone einer neuen Glaubensgemeinschaft, während sie weiterhin offiziell geächtet wird. Es kommt zu zwei überraschenden Wendungen: Die eine ist für das bajoranische Volk ein Anlass zur Freude, die andere ein großer Schock...

Fernab von Deep Space Nine setzt die Defiant ihre Erforschung des Gamma-Quadranten fort. Man stößt auf auf ein heftiges Gefecht zweier Alienraumschiffe und eilt dem unterlegenen Schiff zu Hilfe. Unterdessen sind Ezri Dax, Julian Bashir und Nog mit einem Shuttle unterwegs und entdecken ein riesiges, rätselhaftes Objekt, das halb in einem Dimensionsriss steckt. Zurück auf der Defiant machen alle drei Offiziere seltsame Veränderungen durch: Ezri stößt den Symbionten ab, Nog wächst ein neues Bein, und Julian verliert seine überragenden Fähigkeiten, die mit der genetischen Aufwertung einher gingen, und entwickelt sich in den geistig minderbemittelten Jules Bashir zurück. Um diese Veränderungen wieder rückgängig zu machen, ist ein neuerlicher Kontakt mit dem als "Kathedrale" bezeichneten Objekt nötig, aber die Gegner der zuvor geretteten Aliens wissen dies zu verhindern...

Auch der dritte "Mission Gamma"-Band bleibt dem Stil der Miniserie treu: Der eine Teil der Handlung führt die politischen Entwicklungen kontinuierlich weiter, während der andere eine klassische Entdeckergeschichte erzählt. Im Gegensatz zum Vorgängerroman ist diesmal die "Gamma"-Story sehr packend und hochinteressant. Die unheimliche "Kathedrale" an sich ist schon faszinierend genug; noch spannender allerdings sind die Auswirkungen des Artefaktes auf Ezri, Nog und Bashir. Vor allem die Veränderung, die der Doktor durchmacht, sind sehr eindrucksvoll und ergreifend geschildert. Wie er versucht, trotz der rapiden Verschlechterung seiner geistigen Fähigkeiten den letzten Rest seiner Würde zu bewahren, geht ziemlich an die Nieren. Der Roman offenbart dem Leser eine Vorstellung davon, wie die vertrauten Figuren sich entwickelt hätten, wenn die Geschichte ein wenig anders verlaufen wäre. Dies ist ausgesprochen reizvoll und lässt fast vergessen, dass die beiden neuen Spezies, denen man hier begegnet, wieder mal ziemlich uninteressant sind.

Die "Alpha"-Szenen haben es bei mir diesmal ungleich schwerer, auch wenn der tränenreiche Handlungsstrang um Shars Bündnispartner gerade rechtzeitig in den Hintergrund rückt, ehe er so richtig zu nerven begann. Dafür dreht sich der Roman ausführlich um die politischen Verwicklungen Bajors, von jeher nicht mein Lieblingsthema bei Deep Space Nine, aber für die Kontinuität der Romanserie natürlich unumgänglich. Erfreulicherweise erwies sich der Bajoraner-Teil als ganz erträglich, zumal er durch den Auftritt einer meiner Lieblingscharaktere versüßt wurde.

Ein wenig enttäuschend gestaltet sich der Dauerflirt zwischen Quark und Ro Laren, der nun schon seit geraumer Zeit auf der Stelle tritt. Es gibt einfach kein Vor und Zurück in dieser "Beziehung", auch wenn die Szenen mit den beiden wieder mal sehr unterhaltsam sind und dem Roman ein wenig die Schwere nehmen. Auch die Begegnung zwischen Taran'atar und Vic Fontaine sorgt für einen der raren humorvollen Momente in diesem Roman. Das Ende ist nochmal ein echter Paukenschlag und hält eine faustdicke Überraschung parat - naja, zumindest wenn man nicht den letzten Satz zuerst gelesen hat...

Fazit: "Kathedrale" ist ein Roman der leisen Töne, der schwierige Themen geschickt meistert und auf unterhaltsame Weise präsentiert. Nach dem etwas enttäuschenden Vorgänger reicht dieser Roman wieder an die Klasse des ersten Teils heran. Bislang das beste Werk des Autorenduos Martin und Mangels!

P.S.: Außer mir interessiert es wahrscheinlich niemanden, aber ich persönlich finde es bemerkenswert, dass sich im 24. Jahrhundert anscheinend Goldammern und Eichelhäher bis nach New Orleans ausgebreitet haben; gegenwärtig jedenfalls haben sie es noch nicht auf den amerikanischen Kontinent geschafft. Erstaunlich ist es auch, dass ein so betagter Mann wie Joseph Sisko den schwer zu hörenden leisen Plaudergesang des Eichelhähers überhaupt wahrgenommen hat... (S. 361)

4,5/5

Charaktere getroffen? ****
Spannung: ***
Humor: **
Action: **
Gefühl: ****
originelle Handlung? **** 
Anspruch: ****

Vorwissen nötig?
Auf jeden Fall. Um diesen Roman nachvollziehen zu können, reicht es noch nicht mal aus, die Serie gesehen zu haben, sondern man sollte auch die Vorgängerromane kennen.

Sonntag, 22. Mai 2011

Das höchste Maß an Hingabe

Michael A. Martin, Andy Mangels

Enterprise Nr. 1, erschienen bei Cross Cult

(331 S., Original: The Last Full Measure)

Sieben Millionen Menschen ließen ihr Leben, als die Xindi aus heiterem Himmel die Erde angriffen. Da die Waffe, die das Massaker anrichtete, nur der Vorläufer für eine zweite, stärkere Version war, sucht die Enterprise-Crew fieberhaft nach der Heimatwelt der Xindi, um den Bau dieser Superwaffe zu verhindern. Unterstützung sollen die Sternenflotten-Offiziere durch die MACOs, kampferprobten Elitesoldaten, bekommen. Unter Archers Kommando begibt sich ein Außenteam per Fähre zum Raumhafen des Planeten Kaletoo, der regelmäßig von den Xindi aufgesucht wird. Währenddessen spürt man auf der Enterprise eine Abgasspur auf, die höchstwahrscheinlich von den Xindi stammt. Also startet Mayweather in Begleitung einiger MACO-Soldaten mit der zweiten Fähre, um diese Spur zu verfolgen...

Der erste Enterprise-Roman aus dem Hause Cross Cult ist ein Buch, in dem unheimlich wenig passiert. Ich kann mich nicht entsinnen, jemals einen Star Trek-Roman mit so wenig Handlung gelesen zu haben. Man sucht und sucht und jagt schließlich ein Treibstofflager der Xindi in die Luft, und das war's! Die Tatsache, dass die Story genau zwischen zwei aufeinanderfolgenden Episoden stattfindet (nämlich "Die Xindi" und "Die Anomalie"), lässt den Autoren halt extrem wenig Spielraum. Wollte man die Handlungsdichte in Romanen anhand einer Skala bewerten, läge "Das höchste Maß an Hingabe" bei 1 und  der Uralt-Roman "Schwarzes Feuer" als anderes Extrem bei 10.

Was findet sonst noch statt? Nun, ein Teil der Besatzung fällt ins Koma und wacht irgendwann wieder auf. Bedeutender ist allerdings etwas anderes: Das Außenteam um Captain Archer bekommt einen Händler in die Finger, der vermutlich mit den Xindi Geschäfte gemacht hat. Da dieser sich nicht gerade kooperativ verhält, sieht Archer keinen anderen Weg, als die Information aus dem Mann herauszuprügeln. Und das ist ein Aspekt, der mir absolut gegen den Strich geht. Auch wenn immer wieder betont wird, wie sehr Archer sich selbst dafür hasst und sich einzureden versucht, dass der Zweck die Mittel heiligt - das Letzte, was ich sehen oder lesen möchte, sind folternde Sternenflottenoffziere. Punktum.

Auf Grund der dünnen Handlung bleibt den Autoren praktisch nichts anderes übrig, als sich auf die Charaktere zu konzentrieren. Die Quintessenz dieses Romans kann man getrost mit "Sternenflotte vs. MACOs" zusammenfassen. Bereits in der Serie wurde überdeutlich, dass sich die Sternenflottenoffziere (abfällig "Zierfische" genannt) und die MACOs nicht besonders gut leiden können. Hier wird dieser Konflikt noch stärker herausgearbeitet, was am Anfang durchaus noch ganz interessant ist. Leider zieht sich dieses Thema permanent durch die gesamte Handlung, wird endlos ausgewalzt und bis zur Schmerzgrenze durchgekaut. Man ahnt sowieso von Beginn an, was kommen muss: Am Ende haben sich alle lieb, zumindest ein bisschen mehr als vorher. Die Kadettenromane lassen grüßen.

Bleiben wir noch ein wenig bei den MACOs. Als "Enterprise" im Fernsehen startete, fand ich den Großteil der Sternenflottenoffiziere eigentlich schon zu patriotisch, zu zackig, eben zu militärisch. Da haben mir diese kadavergehorsamen MACO-Militärhirnis mit chronischer Testosteron-Überproduktion wirklich noch gefehlt. Dementsprechend stößt die starke Konzentration auf das gespannte Verhältnis zwischen den "Haien" und den "Zierfischen" bei mir auf wenig Gegenliebe. Vor allem dann nicht, wenn ihnen Dialoge in den Mund gelegt werden, die direkt aus drittklassigen Actionfilmen zu stammen scheinen. Von Phrasen wie "Ich werde tun, was ich tun muss" oder "Sehen Sie zu, und lernen Sie" habe ich für Jahre genug. Ganz zu schweigen von Hintern, die versohlt, gerettet, aus der Schusslinie gezogen oder was auch immer werden. Nein, als Sympathieträger taugen die MACOs wirklich nicht, das gleiche gilt (zumindest in diesem Roman) auch für Folter-Archer. Mayweather hat hier mal mehr zu tun als üblich, er ist sogar die Hauptperson, bleibt aber so fade wie eh und je. Einzig Malcolm Reed kann ein paar Sympathiepunkte sammeln, indem er Archer auf den Kopf zusagt, dass er dessen Verhörmethoden nicht gutheißt. In einem schönen Rückblick in Reeds Kindheit und Jugend erfahren wir, dass seine kategorische Ablehnung jeglicher Folter durchaus einen persönlichen Hintergrund hat. Das ist vielleicht der beste Moment im gesamten Roman (der nur durch einen dusseligen Schreibfehler getrübt wird: "seinen schlafen Körper" - aaaargh!)

Habe ich eigentlich schon die Handlungsarmut erwähnt? Sie bringt nämlich noch einen weiteren unangenehmen Nebeneffekt mit: das "Wenig-Inhalt-muss-auf-möglichst-viele-Seiten-verteilt-werden"-Syndrom. Also wird geredet. Und geredet. Auch wenn in dreißig Sekunden alles in die Luft zu fliegen droht, wird immer noch diskutiert und argumentiert, was das Zeug hält. Und um noch ein paar mehr Seiten zu füllen, greifen die Autoren auf ständige Wiederholungen zurück. X-Mal ärgert sich Corporal Chang darüber, dass er in der Schwerelosigkeit nicht annähernd so gut zurechtkommt wie Mayweather. Dieser wiederum beruft sich alle Nase lang auf T'Pols Befehl, "angemessen, logisch und vernünftig" zu handeln. Man sollte sich wirklich mal den Spaß machen, eine Strichliste zu führen! Als Krönung des Ganzen ist das neunzehnte und letzte Kapitel wenig mehr als eine Zusammenfassung dessen, was vorher im Buch geschehen ist. Wenn man also Zeit sparen möchte, reicht es aus, dieses eine Kapitel zu lesen!

Aber halt, es geht noch weiter - nämlich mit dem Epilog. Wer empfindlich gegen Spoiler ist, sollte jetzt aufhören zu lesen, aber das MUSS jetzt einfach raus: Trip wird am Ende der 4. Staffel gar nicht sterben! Und nein, der Roman entstand nicht vor dem Serienfinale, sondern erst danach. Ich kann nicht ganz nachvollziehen, wieso sich die Autoren zu diesem massiven Eingriff in den Kanon entschlossen, zumal es absolut nichts zur Handlung des Romans beiträgt. Trip tut im Buch fast die ganze Zeit über nichts weiter, als bewusstlos auf der Krankenstation zu liegen, und wird gegen Ende mal eben aus dem Totenreich geholt? Was sollte das?

Bei soviel Geschimpfe muss ich aber zumindest noch lobend erwähnen, dass der Roman nie wirklich langweilig wird, obwohl eigentlich kaum etwas passiert. Manchmal kommt sogar so etwas wie Spannung auf. Dafür gibt es am Ende noch ein Zusatzpünktchen, aber mehr ist leider nicht drin.

Fazit: In Ansätzen unterhaltsam, aber die Hälfte der Seiten hätte es auch getan. Freilich wäre es dann ein sehr dünner Roman geworden, wenn auch ein ungleich besserer.

2/5

Charaktere getroffen? ***
Spannung: **
Humor: **
Action: ****
Gefühl: **
originelle Handlung? *
Anspruch: *

Vorwissen nötig?
Vieles kann man sich zusammenreimen, sofern man (wie ich übrigens auch) kein Enterprise-Experte ist. Große Ansprüche stellt der Roman also nicht an den Leser.

Freitag, 11. Juni 2010

Sektion 31: Die Verschwörung

Michael A. Martin, Andy Mangels

TNG Nr. 69, erschienen bei Heyne

(377 S., Original: Rogue)

Dieser Roman ist der 2. Teil der Sektion 31-Reihe und spielt kurz vor den Ereignissen des 8. Kinofilms. Die Regierung des Planeten Chiaros IV kann sich entscheiden, ob die Chiarosaner der Föderation oder dem romulanischen Imperium angehören wollen. Die Föderation kann das starke Interesse der Romulaner an dem strategisch unbedeutenden Planeten nicht ganz nachvollziehen, aber es weckt natürlich ihr Misstrauen. Picard begegnet seinen alten Freunden aus Akademie-Zeiten wieder, Vizeadmiral Marta Betanides und Commander Cortin Zweller. Doch die Freude währt nur kurz, weil schnell klar wird, dass Zweller etwas verheimlicht. Unterdessen steht Lt. Hawk (der im 8. Kinofilm von den Borg assimiliert wurde) vor der schwierigsten Entscheidung seines Lebens: Soll er sich der äußerst zwielichtigen Geheimorganisation Sektion 31 anschließen oder nicht?

Nachdem ich vom 1. Teil mehr oder weniger enttäuscht war, hoffte ich auf im Nachfolgeroman auf eine Steigerung. Das ist zum größten Teil auch gelungen. Endlich erfahren wir mehr über Sektion 31, und die Handlung besticht durch ihre Komplexität und das hohe Tempo. Nach ungefähr der Hälfte des Buches geht dem Roman ein wenig die Puste aus, kann aber am Ende nochmal Fahrt aufnehmen. Besonders Datas Konfrontation mit der romulanischen KI ist ein originelles und spannendes Element. Die Charaktere sind nicht so gut getroffen wie beim Vorgänger, was anscheinend sowieso eine Schwäche des Autorenduos Mangels/Martin zu sein scheint. Picard verhält sich manchmal untypisch und lächelt in meinen Augen ein wenig zu oft in Situationen, wo er sonst ernst bleiben würde. Auch Lt. Hawk bleibt ein wenig blass, so dass seine Homosexualität wohl das einzige sein wird, was mir von ihm im Gedächtnis bleibt.


Fazit: "Die Verschwörung" ist ein solider Star Trek-Roman, der recht unterhaltsam ist und immerhin gegenüber dem Vorgänger zulegen konnte. Ein absolutes Highlight ist das Buch allerdings nicht.

3,5/5

Charaktere getroffen? **
Spannung: ***
Humor: *
Action: ***
Gefühl: **
originelle Handlung? ***
Anspruch: ****

Vorwissen nötig?

Ja. Dieser Roman ist nichts für absolute Neulinge.

Der rote König


Michael A. Martin, Andy Mangels

Titan Nr. 2, erschienen bei Cross Cult

(356 S., Original: The Red King)

Der erste Teil "Titan 1 - Eine neue Ära" endete damit, dass die U.S.S. Titan in die 200 000 Lichtjahre entfernte Kleine Magellanische Wolke geschleudert wurde. Dort lebt die entfernt mit den Menschen verwandte Neyel-Kolonie, deren letzter Kontakt zur Föderation schon Jahrzehnte zurück liegt. Nun werden die gegenüber Fremden nicht gerade aufgeschlossenen Neyel von einer geheimnisvollen Raumanomalie bedroht. Captain Riker versucht alles, die Neyel und andere Bewohner dieser Galaxie zu retten, doch selbst mit Hilfe der romulanischen Kommandantin Donatra, deren Schiff es ebenfalls hierher verschlagen hat, scheint dieses Unternehmen aussichtslos zu sein...

Mit diesem Roman konnte ich leider nicht so richtig warm werden. Die Story kommt nie wírklich in die Gänge. Die Autoren hätten sich vielleicht mal darauf einigen sollen, worauf sie ihr Hauptaugenmerk richten: Auf die Anomalie, auf die Kultur der Neyel, auf die Rettungsaktion der Titan - darum sollte es doch eigentlich in diesem Roman gehen. Statt dessen wird die Handlung immer wieder auseinandergerissen, weil die Autoren noch unbedingt die vielen kleinen persönlichen Beziehungen der Akteure unterbringen wollten: Riker und Donatra, Riker und Frane, Riker und Troi, Tuvok und Akaar, Vale und Jaza, Donatra und Suran...Es scheint so, als wäre ihnen beim Schreiben an einer x-beliebigen Stelle des Romans eingefallen: "Jetzt müssen wir mal wieder Ranul erwähnen. Und über Dr. Ree haben wir auch schon lange nichts mehr geschrieben. Ach ja, Melora Pazlar ist ja auch noch da." Es ist ungefähr so, hätte man viele einzelne Puzzleteile, die sich einfach nicht zu einem einheitlichen Bild zusammenfügen lassen. Der eigentlichen Handlung wird dadurch immer wieder der Wind aus den Segeln genommen, und das Potenzial der Geschichte, das durchaus vorhanden ist, verpufft ganz einfach. Leider können auch die "Außerirdischen" nichts reißen, da sie an Farblosigkeit kaum zu überbieten sind. Da nützen auch heroische Rettungsaktionen und tragische Opfer nichts, wenn der Funke beim Lesen einfach nicht überspringen will.

Ich kann nur hoffen, falls diese Autoren nochmal einen Titan-Roman schreiben, dass sie sich wieder auf eine Hauptstory bzw. auf wenige interessante Personen konzentrieren, anstatt mit aller Macht jeden einzelnen der Mulitkulti-Crew in dem Buch unterzubringen. Mit dem ersten Teil haben Michael Martin und Andy Mangels bewiesen, dass sie es viel besser können. Dann doch lieber einen der alten Star Trek-Romane lesen, von denen viele um Längen besser sind.

Fazit: Ganz ehrlich? Überspringt den zweiten Teil der Titan-Reihe einfach. Ihr verpasst nicht das Geringste! Der dritte Teil ist dafür um so besser, versprochen!

2/5

Charaktere getroffen? ***
Spannung: **
Humor: **
Action: ***
Gefühl: **
originelle Handlung? **
Anspruch: ***

Vorwissen nötig?
Ja, auf jeden Fall. Man sollte den Vorgänger gelesen haben und sich allgemein mit Star Trek recht gut auskennen.

Donnerstag, 10. Juni 2010

Eine neue Ära


Michael A. Martin, Andy Mangels

Titan Nr. 1, erschienen bei Cross Cult

(379 S., Original: Taking Wing)

Endlich ist es so weit: William T. Riker, der ewige 1. Offizier von Captain Picard, hat doch noch sein eigenes Kommando. Dieser Roman ist der Auftakt einer neuen Reihe über Captain Riker und seiner Crew auf der U.S.S. Titan. Die Handlung findet kurz nach den Ereignissen in "Nemesis" statt. Gleich zu Beginn seiner Mission wird Riker mit einem äußerst schwierigen Auftrag konfrontiert: Er soll in das romulanische Imperium fliegen, um dort zwischen verschiedenen verfeindeten romulanischen und remanischen Fraktionen zu verhandeln. Falls Riker als Botschafter versagt, droht ein Bürgerkrieg auf Romulus...

Dieser hervorragend geschriebene Roman ist ein Geschenk für Trekker. Er enthält genau die richtige Mischung aus einer anspruchsvollen Politstory, sensiblen Charakterbeschreibungen und spektakulären Weltraumschlachten. Zudem gibt es ein Wiedersehen mit alten Bekannten sowie jede Menge Querverweise auf frühere Episoden, gewisse Star Trek- Vorkenntnisse sollte man allerdings schon mitbringen. Hervorzuheben ist die gelungene Aufmachung des Buches, vor allem die Bilder von der U.S.S. Titan. Die Autoren gehen sehr ausführlich auf die vielen neuen Figuren der teilweise äußerst exotischen Crew ein. Ich freue mich übrigens, dass es auch ein Angehöriger meiner Lieblings-Star Trek-Rasse in die Sternenflotte geschafft hat - es gibt tatsächlich einen cardassianischen Kadetten an Bord der Titan. Mein persönlicher Favorit der neuen Crew ist aber der dinosaurierähnliche Dr. Ree - ich bin sehr gespannt, was wir in den Nachfolgeromanen noch über den sympathischen Doktor erfahren! Riker selbst macht als Captain seine Sache wirklich gut, und das Schöne ist, dass ich seine Figur im Roman auch total wiedererkenne - auch hier haben die Autoren bei der Charakterisierung gute Arbeit geleistet. Was mich ein bisschen störte, war die Tatsache, dass immer wieder Ereignisse aus früheren Romanen erwähnt wurden, die z.T. bisher nicht auf Deutsch erschienen sind. Zwar kann man die Handlung auch ohne dieses Wissen nachvollziehen, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Und das Ende ist - nun ja, etwas eigenartig, bzw. es ist eigentlich gar kein richtiges Ende, sondern ein Cliffhanger. Wer wissen will, wie es weitergeht, der muss halt den Nachfolgeroman lesen. Und genau das werde ich tun - dieser Roman macht Appetit auf weitere Abenteuer mit der Crew der Titan!

4/5

Charaktere getroffen? ***
Spannung: ***
Humor: **
Action: ***
Gefühl: **
originelle Handlung? ***
Anspruch:
***

Vorwissen nötig?
Obwohl es sich um eine neue Reihe handelt, ist meiner Meinung nach einiges an Vorwissen notwendig. Der Roman bezieht sich stark auf den 10. Film, deshalb sollte zumindest den kennen.