Willkommen auf meinem Star Trek-Blog! Seit ungefähr Anfang der 90er bin ich ein großer Star Trek-Fan, und irgendwann fing ich auch mal an, die Romane zu lesen. Dies soll ein Versuch sein, alle von mir geschriebenen Star Trek-Roman-Rezensionen einigermaßen kompakt zu präsentieren. Es würde mich freuen, wenn sich der eine oder andere bei meinen Bewertungen einen Tipp abholen kann. Wie man sehen kann, habe ich unter jede Rezension auch einzelne Aspekte wie Humor oder Spannung extra bewertet. Auch fehlte mir bei anderen Rezensionen immer der Hinweis, ob ein Star Trek-Roman auch für Nicht-Trekkies oder Neulinge geeignet ist oder nicht, deshalb gehe ich auch auf diesen Punkt ein.

Ich habe versucht, nicht allzuviel zu spoilern, aber absolute Spoiler-Allergiker möchte ich gleich darauf hinweisen, dass ich in fast jeder Rezi auch ein wenig auf den Inhalt des Buches eingehe. Ich finde es immer witzlos, wenn man rein gar nichts über das Thema eines Buches erfährt.

Ein Wort noch zu den verwendeten Fotos: Ich hätte die Cover auch einscannen können, fand aber die Idee mit den Fotos irgendwie schöner, gerade weil sie so dilettantisch aussehen ;-)
Kommentare, Tipps oder auch Rezensionswünsche sind jederzeit willkommen!

Und nun viel Spaß beim Stöbern!
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Samstag, 2. April 2011

Das Rätsel der Fazi

Dean Wesley Smith, Kristine Kathryn Rusch

Enterprise Nr. 2, erschienen bei Heyne

(250 S., Original: By the Book)

"Das Rätsel der Fazi" ist der erste reguläre Enterprise-Roman nach dem obligatorischen Buch zum Pilotfilm, und die Handlung spielt auch kurz nach diesen Ereignissen - genauer gesagt nach der vierten Folge "Geistergeschichten".

Captain Archer und seine Crew freuen sich auf den Erstkontakt mit den Fazi, die auf der Nordhalbkugel des gleichnamigen Planeten leben. Bevor es soweit ist, beschäftigt sich Hoshi näher mit deren Sprache und findet heraus, dass die Kommunikation mit den Fazi starren Regeln unterworfen ist. Entgegen der Warnungen Hoshis und T'Pols besteht Archer auf eine schnelle Kontaktaufnahme. Es kommt, wie es kommen muss: Das erste Aufeinandertreffen mit der fremden Spezies geht gründlich daneben, als Archer unabsichtlich gegen das Protokoll verstößt. Auch der erneute Versuch scheitert. In der Zwischenzeit hat man entdeckt, dass es auf der Südhalbkugel noch eine weitere intelligente Spezies gibt - die Hipon. Ein Außenteam trifft sich mit den spinnenartigen Wesen, in der Annahme, dieses Treffen könne nur besser als mit den Fazi ablaufen - ein großer Irrtum...

Bei diesem Roman greift man wieder mal die Star Trek-typische Aufteilung in eine A- und eine B-Handlung zurück. Die Haupthandlung über den unerwartet heiklen Erstkontakt könnte man sich problemlos auch als TV-Episode aus der ersten Staffel vorstellen. Noch ist die Aufregung groß, wenn die Enterprise-Crew einer fremden Spezies begegnet. Noch vermittelt die menschliche Crew einen vorschnellen und naiven Eindruck, so dass man ahnt, warum später die Oberste Direktive eingeführt wurde. Noch wird T'Pol als notorische Spaßbremse angesehen, deren Loyalität unklar ist. Die Aufbruchstimmung und erwartungsvolle Vorfreude, die dem Serienstart anhaftete, ist durchaus auch in diesem Roman zu spüren. Dass die Charaktere nicht besonders plastisch dargestellt wurden, ist angesichts des frühen Erscheinungszeitpunktes verständlich. Trotzdem muss ich sagen, dass Jonathan Archer hier eine ziemlich unglückliche Figur macht, indem er die Bedenken seiner Offiziere herunterspielt, seiner Neugier und Ungeduld freien Lauf lässt und sich auf dem Planeten wie ein Elefant im Porzellanladen benimmt. Man verspürt fast Mitleid mit der armen Hoshi, die sich so gründlich mit der Kultur der Fazi auseinandersetzt, nur damit ihr Captain auf ihre Meinung pfeift und alles vermasselt.

Allzuviel erfährt man von den Fazi nicht, nur dass sie sehr strikte Etikette besitzen und bis ins kleinste Detail organisiert sind. Ein wenig interessanter ist da schon die andere Spezies, die Hipon, was nicht nur an ihrem furchterregendem Äußeren, sondern vor allem an ihrer ungewöhnlichen Art zu kommunizieren liegt. Trotzdem kommen auch die Hipon sehr kurz. Angesichts der oberflächlichen Beschreibungen beider Spezies interessierte mich dann auch die Erklärung nicht mehr, warum sie sich so rigoros voneinander abschotteten. Irgendwie wurde ich beim Lesen das Gefühl nicht los, ähnlich gelagerte Geschichten schon öfter gesehen oder gelesen zu haben.

Originell hingegen ist die B-Handlung: Mehrere Enterprise-Mitglieder nehmen allabendlich an einem alten Science-Fiction-Rollenspiel teil, das sich um den Kampf der tapferen Erdlinge gegen die bösen Marsianer dreht. Man merkt deutlich, dass die beiden Autoren bei den Rollenspiel-Passagen den größten Spaß beim Schreiben dieses Romans hatten. Diese unbeschwerten Spielabende verbreiten die gleiche entspannte Stimmung wie die legendären Pokerpartien an Bord der Enterprise-D. Obwohl ich herzlich wenig von Rollenspielen verstehe, hatte ich fast das Gefühl, den Spielern über die Schulter zu sehen und ihre kleinen Triumphe oder Dramen hautnah mitzuerleben. Wirklich aufregend ist zwar auch diese Nebenhandlung nicht, bringt aber frischen Wind in die Geschichte. Ein wahrlich glückliches Händchen bewiesen die Autoren mit der Entscheidung, Elizabeth Cutler zu einer der Hauptfiguren zu machen. Immerhin tauchte sie nach der Folge "Geistergeschichten" noch zwei weitere Male auf und kam dabei so sympathisch rüber, dass sie sogar einer sporadischen Enterprise-Zuschauerin wie mir im Gedächtnis blieb. Unglücklicherweise blieb es bei drei Auftritten, weil die Darstellerin bereits kurze Zeit später mit nur 36 Jahren verstarb. In "Das Rätsel der Fazi" stiehlt Cutler jedenfalls allen die Show und ist von allen Figuren diejenige, mit der man sich am meisten identifizieren kann.

Positiv fiel mir weiterhin auf, dass man genau wie in der deutschen Synchronisation das Wort "Ensign" statt des sonst üblichen "Fähnrich" benutzte, damit hätte ich wirklich nicht gerechnet. Allerdings griff man bei "Crewman" dann wieder auf den deutschen Begriff "Besatzungsmitglied" zurück.
Eine Kleinigkeit wäre mir garantiert entgangen, wenn ich nicht zufälligerweise unmittelbar vor der Lektüre dieses Romans "Geistergeschichten" gesehen hätte. In dieser Folge gab es einen kleinen Transporterunfall, als Crewman Novakovich mitten in einem Sturm auf das Schiff gebeamt wurde und anschließend Zweige und Sand in seiner Haut steckten. Im Roman wurde sein russischer Nachname nicht nur der deutschen Transkription angepasst (in Nowakowitsch), auch sein Vorname änderte sich von Ethan zu Alex.

Fazit: Wenn ich meinen Gesamteindruck dieses Buches mit einem Wort zusammenfassen müsste, wäre "nett" wohl am zutreffendsten. Obwohl noch nicht mal in den wenigen Actionszenen Spannung aufkommen will, liest sich der Roman locker weg und weiß durchaus zu unterhalten. Während der eigentliche Hauptplot wohl keinen Star Trek-Fan hinterm Ofen hervorlocken kann, hat das Werk aber durch die originelle Rollenspiel-Nebenhandlung ein wahres Ass im Ärmel. Letztendlich ist dies aber zu wenig, um einen nachhaltig positiven Eindruck zu hinterlassen, so dass "Das Rätsel der Fazi" unter den Star Trek-Romanen nur im Mittelfeld landet.

3/5

Charaktere getroffen? **
Spannung: **
Humor: **
Action: **
Gefühl: ***
originelle Handlung? ***
Anspruch: *

Vorwissen nötig?
Die Serie befindet sich hier noch ganz am Anfang, also kann der Roman auch von jemandem ohne Vorkenntnisse gelesen werden.

Samstag, 12. Juni 2010

Die Flucht


Dean Wesley Smith, Kristine Kathryn Rusch

Voyager Nr. 2, erschienen bei Heyne

(234 S., Original: The Escape)

Kurz nachdem es die U.S.S. Voyager in den Delta-Quadranten verschlagen hat, benötigt man bereits dringend Ersatzteile. Der selbsternannte Fremdenführer Neelix meint, auf dem Planeten Alcawell fündig zu werden, gibt allerdings verschämt zu, dass es dort spuken würde. Natürlich fliegen sie trotzdem zu dem Planeten, wo sich tatsächlich eine Unzahl verlassener Shuttles befindet. Torres, Kim und Neelix sollen eines davon untersuchen - und sind kurz darauf spurlos verschwunden. Statt dessen taucht plötzlich ein Fremder auf, und der teilt der entsetzten Janeway Folgendes mit: Ihre vermissten Leute befinden sich ca. 300 000 Jahre in der Vergangenheit, und durch die strengen Vorschriften der "Zeitkontrolle" ist es praktisch unmöglich, sie wieder zurückzuholen...

Na bitte - es geht doch! "Die Flucht" beweist, dass es tatsächlich möglich ist, zu einem sehr frühen Zeitpunkt der Serie einen spannenden Roman zu schreiben. Ganz im Gegensatz zu einigen anderen Star Trek-Romanen übrigens, die ebenfalls recht bald nach dem jeweiligen Pilotfilm erschienen...
Die Autoren machen es hier genau richtig: Da sie zu dem Zeitpunkt noch nicht besonders viel über die Figuren wussten, gehen sie bei den Charakterisierungen nicht allzu sehr in die Tiefe. Sie gehen lieber auf Nummer Sicher und beschreiben lediglich das, was schon im Pilotfilm offensichtlich war: dass Torres aufbrausend ist, Tuvok dagegen ruhig und logisch, oder dass Neelix eine Quasselstrippe ist... So unterläuft ihnen noch nicht einmal ein Fehler, als Seska auftaucht, zu diesem Zeitpunkt ja noch als bajoranisches Crewmitglied getarnt. Der einzige Fauxpas betrifft den Holodoc, der hier Zimmerman heißt, so wie es ursprünglich geplant war.

Anstatt auf die Personen einzugehen, konzentrieren sich die beiden Autoren auf eine interessante Zeitreisestory, die so originell, raffiniert, spannend und witzig zugleich ist, dass ich diese Geschichte nur allzugern als TV-Episode gesehen hätte. Es wäre ein Highlight der gesamten Serie gewesen! Ich mag übrigens auch, dass hier nichts künstlich in die Länge gezogen wird. Die Voyager braucht Ersatzteile, Neelix macht seinen Vorschlag, und schwupps - sind sie auch schon im Orbit des Planeten - auf Seite 20! Durch die kurzen Kapitel lässt sich das Buch schnell durchlesen, das finde ich ebenfalls sehr angenehm. Die Aliens sind so sympathisch beschrieben, dass ich sie trotz ihrer geradezu absurden Bürokratie sofort mochte. Zeitreisegeschichten liebe ich sowieso, und "Die Flucht" gehört zu den originellsten, die ich jemals gelesen habe.

Fazit: Der erste reguläre Voyager-Roman (nach dem Buch zum Pilotfilm) ist von Anfang bis Ende gelungen - deshalb gibt es von mir volle Punktzahl!

5/5

Charaktere getroffen? **
Spannung: ****
Humor: ***
Action: ***
Gefühl: *
originelle Handlung? ****
Anspruch: ***

Vorwissen nötig?

Nein. Dieser Roman ist für alle zu empfehlen, die sich für Zeitreisestorys begeistern können, ob nun Star Trek-Fan oder nicht.

Freitag, 11. Juni 2010

Sektion 31: Der Schatten

Dean Wesley Smith, Kristine Kathryn Rusch

Voyager Nr. 21, erschienen bei Heyne

(264 S., Original: Shadow)

"Der Schatten" ist der vierte und letzte Teil der serienübergreifenden Sektion 31-Reihe. Auch im Delta-Quadranten hat die Geheimorganisation der Föderation ihre Spuren hinterlassen, wenn auch eher unfreiwillig.

Die Besatzung um Captain Janeway beobachtet gerade die bevorstehende Kollision zweier Sonnen, als auf einmal ein gewaltiges Raumschiff auftaucht. Es ist die Traveler, ein Kolonieschiff der Rhawn. Da der Heimatplanet der Rhawn durch die Sonnenkollision dem Untergang geweiht ist, ist die Traveler die einzige Überlebensmöglichkeit der sage und schreibe 800 Millionen starken Besatzung. Leider verfügt das Schiff nicht über den Warpantrieb und ist zu langsam, um der Katastrophe zu entfliehen. Natürlich versuchen Janeway und ihre Crew, die Rhawn zu retten. Unterdessen muss Seven of Nine feststellen, dass jemand ihr offensichtlich nach dem Leben trachtet...

Auf mich machte "Der Schatten" einen durchwachsenen Eindruck. Das Buch lässt sich angenehm lesen, und hat man erstmal den gemächlichen Einstieg überstanden, ist der Roman durchaus spannend und kurzweilig. Positiv ist weiterhin, dass man einen großen Teil der Handlung aus der Sicht der Rhawn mitbekommt. Der "Kollisions-Countdown" ist ein originelles Element und sorgt fast ein bisschen für ein Echtzeit-Gefühl. Leider hat der Roman aber auch gravierende Schwächen. Da wäre zum einen die Tatsache, dass sich gleich 800 Millionen Rhawn an Bord der Traveler befinden. Du lieber Himmel - 800 Millionen Personen auf einem Raumschiff??? Das übersteigt leider meine Vorstellungskraft, das sind mindestens zwei Nullen zuviel. Ärgerlich ist auch die Arroganz, die die Voyager-Crew gegenüber den technisch unterlegenen Rhawn an den Tag legt. Und damit meine ich nicht nur Seven, die ja immer ein wenig überheblich daherkommt. Vieles wird aus der Sicht des Kaisers Aetayn dargestellt, der allerdings eine dermaßen passive Figur ist, dass es schwer fällt, so etwas wie Verständnis für ihn zu entwickeln. Sektion 31 kommt in diesem Roman leider viel zu kurz, was vielleicht auch daran liegt, dass die Handlung im weit entfernten Delta-Quadranten stattfindet. Vergleicht man "Der Schatten" dann noch mit seinem grandiosen Vorgänger "Der Abgrund", verliert der Voyager-Roman auf ganzer Linie. Trotzdem habe ich mich für 3 Sterne entschieden, da der 4. Teil immerhin flüssig zu lesen ist und an keiner Stelle langweilig ist.

Fazit: "Der Schatten" symbolisiert mit seinen Höhen und Tiefen die komplette Sektion 31-Reihe, wo sich ebenfalls Licht und Schatten die Waage halten. Ich finde es interessant, dass die beiden Romane, die sich stärker mit der Geheimorganisation beschäftigen, auch innerhalb der Reihe herausragen: der ziemlich gute TNG-Roman "Die Verschwörung" und ganz besonders der starke Deep Space Nine-Teil "Der Abgrund". Die anderen beiden Romane, wo Sektion 31 nur am Rande auftaucht, sind dagegen nur durchschnittlich. Die Story um Sektion 31 ist daher in meinen Augen noch lange nicht ausgereizt - ich hätte gern noch mehr über die Hintergründe erfahren!

3/5
Charaktere getroffen? **
Spannung: ***
Humor: **
Action: ***
Gefühl: **
originelle Handlung? **
Anspruch: *

Vorwissen nötig?

Viel Vorwissen braucht man nicht, nur einen groben Überblick über die Serie Voyager im Allgemeinen. Das Thema Sektion 31 geht sowieso ziemlich unter.

Donnerstag, 10. Juni 2010

Invasion 2: Soldaten des Schreckens


Kristine Kathryn Rusch, Dean Wesley Smith


TNG Nr. 54, erschienen bei Heyne

(249 S., Original: Invasion! - The Soldiers of Fear)

Im zweiten Teil der "Invasion"-Serie bekommt es diesmal die Crew um Captain Picard mit den Furien zu tun, die schon Kirk und Co. das Leben schwer machten. Die dämonischen Furien kommen aus einem künstlich erzeugten Wurmloch und haben eine besonders perfide Waffe entwickelt: Einen Strahl, der die Besatzungsmitglieder der Enterprise mit ihren schlimmsten Ängsten konfrontiert. Die Panikattacken setzen große Teile der Crew außer Gefecht. Die einzige Möglichkeit scheint eine Kamikaze-Aktion zu sein...

Der 2. Teil fällt gegenüber dem Vorgänger deutlich ab. Das liegt zum einen daran, dass das Buch mit seinen gerade mal 248 Seiten ein bisschen zu knapp ausgefallen ist. Die Autoren hätten meiner Meinung nach ausführlicher über die Ängste der Crew berichten können. Der Gegner wird bei weitem nicht so gut charakterisiert wie beim Vorgänger. Kirks Widersacher war ein faszinierender, düsterer und vielschichtiger Charakter, Picards Gegner ist einfach nur eklig und böse. Außerdem wird der Verlauf der Handlung wie mit einem großen roten Pfeil angezeigt: Es kommt genau so, wie man es erwartet. Ich will den Roman nicht völlig schlecht machen, schließlich habe ich mich beim Lesen keine Sekunde gelangweilt. "Soldaten des Schreckens" ist enorm spannend, aber leider nicht so gut wie der erste Teil.

2,5/5

Charaktere getroffen: **
Spannung: ****
Humor: *
Action: ***
Gefühl: *
originelle Handlung? *
Anspruch: *

Vorwissen nötig?
Ein paar TNG-Folgen gucken, und schon kann's losgehen. Den 1. Roman der Invasionsreihe muss man nicht unbedingt kennen.