Jeffrey Lang, David Weddle
DS9 8.03, erschienen bei Cross Cult
(279 S., Original: Section 31 - Abyss)
Dieser Roman erschien bereits 2002 im Heyne-Verlag, obwohl die beiden direkten Vorgänger "Offenbarung 1" und "Offenbarung 2" nicht veröffentlicht wurden. Glücklicherweise kamen diese beiden Romane Jahre später dann doch noch beim Cross Cult-Verlag heraus, und auch "Der Abgrund" erschien noch einmal in einer Neuübersetzung. Ich hoffe, diese Rezension läuft jetzt nicht ZU sehr auf den Vergleich Cross Cult vs. Heyne heraus, aber da ich jetzt beide Romane sozusagen parallelgelesen habe, lässt es sich nicht ganz vermeiden.
Zum Inhalt: Dr. Bashir erhält eines Tages einen Auftrag der streng geheimen Organisation Sektion 31. Es geht darum, Ethan Locken ausfindig zu machen, eines ihrer ehemaligen Mitglieder. Locken wurde, genau wie einst Bashir, genetisch aufgewertet, züchtet auf einem Planeten mitten in den Badlands eine eigene Jem'Hadar-Armee heran und sieht sich als Khan Noonien Singhs Nachfolger. Natürlich macht sich Bashir zusammen mit Ro Laren, Ezri Dax und dem Jem'Hadar Taran'atar auf den Weg, um den Größenwahnsinnigen zu stoppen...
Auch wenn die "Verrückter-Wissenschaftler"-Story nach einem alten Hut klingt, ist dieser Roman ein ganz großes Highlight unter allen DS9-Romanen. Die Geschichte ist von Anfang bis Ende stimmig, die Actionszenen perfekt dosiert, das Spannungsniveau durchgehend hoch. Das Beste sind aber die wunderbar getroffenen Charaktere, allen voran natürlich Julian Bashir. Im Nachhinein muss man den Autoren der Serie Deep Space Nine zu der überraschenden Entscheidung gratulieren, aus dem naiv und übereifrig wirkenden Arzt einen genetisch aufgewerten "Supermenschen" zu machen. Dadurch bekam er genau die charakterliche Tiefe, die er vorher dringend nötig hatte, und machte eine Wandlung durch wie kaum eine andere Star Trek-Figur. "Der Abgrund" unterstreicht eindrucksvoll, wie vielschichtig Bashirs Charakter geworden ist. Überdrüssig, ständig sein Licht unter den Scheffel stellen zu müssen, erkennt er widerwillig in Ethan Locken einen Seelenverwandten - eine wirklich fesselnde Charakterstudie des Doktors!
Auch Ezri Dax gewinnt immer mehr an Profil und kann in der Zwischenzeit (fast) aus dem übergroßen Schatten der unvergesslichen Jadzia Dax heraustreten. Sogar in den grimmigen Jem'Hadar kann man sich gut hereinversetzen, dafür gebührt den beiden Autoren wirklich Respekt!
Der Bösewicht des Romans, Ethan Locken, ist ein sehr interessanter Gegenspieler, da er bei aller Besessenheit und Grausamkeit auch sehr sensibel und verletzlich dargestellt wurde. Die Dialoge zwischen ihm und Bashir sind einfach nur große Klasse.
Weniger überzeugen konnten mich dagegen die beiläufige Auflösung der Geschichte und der etwas uninspirierte Ingavi-Nebenplot. Beides war zwar immer noch interessant genug, um den guten Eindruck des Romans nicht zu ruinieren, aber das gewisse Etwas fehlte.
Als ich den Roman das erste Mal las, war ich (genau wie die meisten anderen) erstmal ganz erschlagen von den vielen Veränderungen, die sich nach dem Ende der Serie zugetragen hatten. Trotzdem hatte es "damals" (soll heißen: vor einem guten Jahr) für mich auch einen gewissen Reiz, mit den ganzen Neuerungen konfrontiert zu werden ("Wow - Ro Laren ist jetzt auf Deep Space Nine! Und außerdem ein Jem'Hadar! Seit wann ist dieser Vaughn Erster Offizier? Wieso ist die Station in einem so schlechten Zustand? Wieso ist Kira jetzt geächtet? Warum ist Jake Sisko verschwunden?...usw. usw.) Natürlich war es trotzdem sehr schön, jetzt Bescheid zu wissen, ohne das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Mir gefällt sehr, dass zwar einige Dinge ungelöst bleiben, die Haupthandlung aber in in sich geschlossen ist. So bleibt man neugierig auf den Nachfolgeroman, wird aber dennoch nicht von einem Cliffhanger auf die Folter gespannt.
Nachdem ich schon von der Heyne-Ausgabe dieses Romans begeistert war, ist es kein Wunder, dass mir das Buch in der Cross-Cult-Ausgabe mindestens genauso gut gefällt, und sogar noch ein bisschen mehr! Wie erwartet schneidet der kleinere Verlag beim direkten Vergleich besser ab, einfach weil man als Leser immer das Gefühl hat, dass die Verantwortlichen echte Star Trek-Fans sind. Christian Humbergs Stil ist nicht nur lockerer als der seines Heyne-Kollegen Andreas Brandhorst, sondern er hält sich auch enger an die deutsche Synchronisation ("Sternenflotte" statt "Starfleet", "Ketracel White" statt "Ketracel Weiß", "Hypospray" statt "Injektor" usw:) Außerdem konnte Brandhorst offensichtlich nichts mit dem Begriff "Deep Space Niners" anfangen, womit die Baseballmannschaft um Sisko aus der Folge "Wettkampf in der Holosuite" gemeint ist, und machte daraus "Kameraden von DS9". Überhaupt unterscheidet sich die Wortwahl der beiden überraschend deutlich voneinander. Gut zu lesen sind jedenfalls beide Ausgaben.
Das schlichtere Heyne- bzw. Originalcover gefällt mir persönlich besser als das neue Titelbild mit der Spiegel-Ezri, das ist aber letztendlich Geschmackssache.
Fazit: "Der Abgrund" ist so gut, dass es sich durchaus lohnt, es zweimal zu lesen, um beide Versionen zu testen. So oder so ist es einer der besten DS9-Romane überhaupt. Trotzdem schneidet Cross Cult bei mir besser ab, schon allein aus Sympathie! ;-)
5/5
Charaktere getroffen? *****
Spannung: ***
Humor: **
Action: ***
Gefühl: **
originelle Handlung? ***
Anspruch: ****
Vorwissen nötig?
Star Trek-Kenner bekommen es auch ohne Kenntnis der beiden Vorgängerromane hin, aber grundsätzlich würde ich jedem empfehlen, zuerst die "Offenbarung"-Romane zu lesen, zumal die beiden wirklich gut sind. Der Roman ist auch ein Teil der serienübergreifenden "Sektion 31"-Reihe. Diese muss man allerdings nicht kennen, um diesen Roman nachvollziehen zu können; sie kommen sowieso nicht annähernd an "Der Abgrund" heran.
Posts mit dem Label Jeffrey Lang werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Jeffrey Lang werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Dienstag, 5. Oktober 2010
Freitag, 11. Juni 2010
Sektion 31: Der Abgrund
David Weddle, Jeffrey Lang
DS9, erschienen bei Heyne
(312 S., Original: Section 31 - Abyss)
Hinweis: Als diese Rezension geschrieben wurde, waren noch keine weiteren Romane des DS9-Relaunches in Deutschland erschienen! Die Bewertung bezieht sich deshalb ausschließlich auf den Heyne-Roman, nicht auf die Cross-Cult-Variante. Ich lasse sie dennoch so stehen, denn die meisten Leser des Buches standen damals genauso ahnungslos da wie ich.
"Der Abgrund" ist ein ungewöhnlicher Star Trek-Roman, denn er gehört gleich zwei Serien an: Zum einen der serienübergreifenden Sektion 31-Reihe und zum anderen der sogenannten 8. Deep Space Nine-Staffel. Die Sektion 31-Romane sind sehr lose miteinander verbunden, so dass man sie getrost auch einzeln lesen kann. Anders sieht es mit der DS9-Relaunch-Serie (der 8. Staffel) aus: Hier haben wir eine kontinuierliche Handlung, und es ist wohl empfehlenswert, die Serie in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Dumm nur, dass "Der Abgrund" bisher der einzige in Deutschland erschienene Roman dieser 8. Staffel ist. Noch dümmer ist, dass es schon vor diesem Roman Bücher zur Relaunch-Serie gab, und sollte man nicht die englischen Originale gelesen haben, fehlt dem deutschen Leser das Vorwissen aus diesen Romanen. Liest man also den dritten Sektion 31-Teil, muss man erstmal viele Veränderungen als gegeben hinnehmen: Das Leben auf Deep Space Nine ist nach dem Ende der TV-Serie weitergegangen. Viele altbekannte Personen sind nicht mehr da, dafür sind neue dazugekommen, z.B. Commander Vaughn, der Jem'Hadar-Soldat Taran'atar und eine alte Bekannte aus TNG-Zeiten, die ehemalige Marquis Ro Laren. Zumindest Dr. Bashir ist noch da, und dieser erhält von einem Agenten der Sektion 31 einen wichtigen Auftrag: er soll das abtrünnige Sektion 31-Mitglied Dr. Ethan Locken ausfindig machen. Locken ist genau wie Dr. Bashir ein genetisch manipulierter Mensch, der sich auf einen Planeten in den unwirtlichen Badlands abgesetzt und eine eigene Jem'Hadar-Armee herangezüchtet hat. Er sieht sich selbst als der neue Khan und plant, mit Hilfe von genetisch aufgewerteten Übermenschen die Föderation zu übernehmen. Bashir macht sich zusammen mit Ezri Dax, Ro Laren und Taran'atar auf den Weg. Als ihr Runabout auf dem Planeten abstürzt, wird die Gruppe getrennt, und Bashir und Dax geraten in Gefangenschaft. Dr. Locken versucht, Bashir auf seine Seite zu ziehen, und Julien muss feststellen, dass er in Locken so etwas wie einen Seelenverwandten erkennt...
Wow - was für ein Roman! Obwohl man sich, wie oben bereits erwähnt, die fehlenden Vorkenntnisse mühsam zusammenreimen muss, ist "Der Abgrund" ein sehr starker Star Trek-Roman, der mich sofort in den Bann zog. Ich war vom ersten bis zum letzten Kapitel gefesselt, nirgendwo gibt es Durchhänger. Es passt einfach alles: Die Story ist raffiniert, das Spannungslevel durchgehend hoch, und wir erhalten einen eingehenden Blick auf die Denkweise der zwielichtigen Geheimorganisation Sektion 31. Die Charaktere sind allesamt sehr gut getroffen: Sowohl die bekannten Figuren als auch die Neuzugänge. Ich mochte vor allem den Jem'Hadar-Krieger, und wer Worf schon für grimmig gehalten hat, sollte erstmal Taran'atar kennenlernen... Dr. Locken kommt ebenfalls sehr überzeugend rüber. Einerseits ist er eiskalt und sadistisch, auf der anderen Seite wirkt er sehr verletzlich. Man kann ihn aus irgendeinem Grund nicht völlig unsympathisch finden, sondern entwickelt fast ein bisschen Verständnis für ihn. Auf jeden Fall ist er eine sehr komplexe Person und passt damit wunderbar zu der Serie Deep Space Nine, in der man fast keine Person in ein simples Gut-Böse-Schema pressen kann.
Fazit: Auch wenn ich den Voyager-Teil der Sektion 31-Reihe noch nicht vollständig gelesen habe*, kann ich doch mit gutem Gewissen sagen, dass der Deep Space Nine-Teil für mich der mit Abstand beste Roman der Sektion 31-Serie ist. Das Buch macht neugierig auf die anderen Romane der 8. Staffel, und erfreulicherweise passiert das Wunder doch noch: Der Cross Cult-Verlag bringt die Relaunch-Serie in Deutschland heraus - juhu! Auch dieser Roman wird noch mal neu aufgelegt. Dass er auch ohne die fehlenden Informationen auf der ganzen Linie überzeugt, zeigt deutlich, wie großartig dieser Roman geschrieben wurde. Die fünf Sterne hat er sich mehr als verdient.
(*) Wie gesagt, die Rezi ist schon eine Weile her! Natürlich habe ich in der Zwischenzeit auch den Voyager-Teil gelesen und rezensiert.
.
5/5
Charaktere getroffen? *****
Spannung: ****
Humor: **
Action: ***
Gefühl: **
originelle Handlung? ***
Anspruch: ****
Vorwissen nötig?
Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwierig es ist, das Buch ohne Kenntnis der Vorgängerromane zu lesen. Irgendwie klappt es trotzdem, aber dennoch sollte man die ersten beiden Relaunch-Bücher gelesen haben. Wer gar keine Ahnung von Star Trek hat, lässt lieber die Finger davon.
DS9, erschienen bei Heyne
(312 S., Original: Section 31 - Abyss)
Hinweis: Als diese Rezension geschrieben wurde, waren noch keine weiteren Romane des DS9-Relaunches in Deutschland erschienen! Die Bewertung bezieht sich deshalb ausschließlich auf den Heyne-Roman, nicht auf die Cross-Cult-Variante. Ich lasse sie dennoch so stehen, denn die meisten Leser des Buches standen damals genauso ahnungslos da wie ich.
"Der Abgrund" ist ein ungewöhnlicher Star Trek-Roman, denn er gehört gleich zwei Serien an: Zum einen der serienübergreifenden Sektion 31-Reihe und zum anderen der sogenannten 8. Deep Space Nine-Staffel. Die Sektion 31-Romane sind sehr lose miteinander verbunden, so dass man sie getrost auch einzeln lesen kann. Anders sieht es mit der DS9-Relaunch-Serie (der 8. Staffel) aus: Hier haben wir eine kontinuierliche Handlung, und es ist wohl empfehlenswert, die Serie in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Dumm nur, dass "Der Abgrund" bisher der einzige in Deutschland erschienene Roman dieser 8. Staffel ist. Noch dümmer ist, dass es schon vor diesem Roman Bücher zur Relaunch-Serie gab, und sollte man nicht die englischen Originale gelesen haben, fehlt dem deutschen Leser das Vorwissen aus diesen Romanen. Liest man also den dritten Sektion 31-Teil, muss man erstmal viele Veränderungen als gegeben hinnehmen: Das Leben auf Deep Space Nine ist nach dem Ende der TV-Serie weitergegangen. Viele altbekannte Personen sind nicht mehr da, dafür sind neue dazugekommen, z.B. Commander Vaughn, der Jem'Hadar-Soldat Taran'atar und eine alte Bekannte aus TNG-Zeiten, die ehemalige Marquis Ro Laren. Zumindest Dr. Bashir ist noch da, und dieser erhält von einem Agenten der Sektion 31 einen wichtigen Auftrag: er soll das abtrünnige Sektion 31-Mitglied Dr. Ethan Locken ausfindig machen. Locken ist genau wie Dr. Bashir ein genetisch manipulierter Mensch, der sich auf einen Planeten in den unwirtlichen Badlands abgesetzt und eine eigene Jem'Hadar-Armee herangezüchtet hat. Er sieht sich selbst als der neue Khan und plant, mit Hilfe von genetisch aufgewerteten Übermenschen die Föderation zu übernehmen. Bashir macht sich zusammen mit Ezri Dax, Ro Laren und Taran'atar auf den Weg. Als ihr Runabout auf dem Planeten abstürzt, wird die Gruppe getrennt, und Bashir und Dax geraten in Gefangenschaft. Dr. Locken versucht, Bashir auf seine Seite zu ziehen, und Julien muss feststellen, dass er in Locken so etwas wie einen Seelenverwandten erkennt...
Wow - was für ein Roman! Obwohl man sich, wie oben bereits erwähnt, die fehlenden Vorkenntnisse mühsam zusammenreimen muss, ist "Der Abgrund" ein sehr starker Star Trek-Roman, der mich sofort in den Bann zog. Ich war vom ersten bis zum letzten Kapitel gefesselt, nirgendwo gibt es Durchhänger. Es passt einfach alles: Die Story ist raffiniert, das Spannungslevel durchgehend hoch, und wir erhalten einen eingehenden Blick auf die Denkweise der zwielichtigen Geheimorganisation Sektion 31. Die Charaktere sind allesamt sehr gut getroffen: Sowohl die bekannten Figuren als auch die Neuzugänge. Ich mochte vor allem den Jem'Hadar-Krieger, und wer Worf schon für grimmig gehalten hat, sollte erstmal Taran'atar kennenlernen... Dr. Locken kommt ebenfalls sehr überzeugend rüber. Einerseits ist er eiskalt und sadistisch, auf der anderen Seite wirkt er sehr verletzlich. Man kann ihn aus irgendeinem Grund nicht völlig unsympathisch finden, sondern entwickelt fast ein bisschen Verständnis für ihn. Auf jeden Fall ist er eine sehr komplexe Person und passt damit wunderbar zu der Serie Deep Space Nine, in der man fast keine Person in ein simples Gut-Böse-Schema pressen kann.
Fazit: Auch wenn ich den Voyager-Teil der Sektion 31-Reihe noch nicht vollständig gelesen habe*, kann ich doch mit gutem Gewissen sagen, dass der Deep Space Nine-Teil für mich der mit Abstand beste Roman der Sektion 31-Serie ist. Das Buch macht neugierig auf die anderen Romane der 8. Staffel, und erfreulicherweise passiert das Wunder doch noch: Der Cross Cult-Verlag bringt die Relaunch-Serie in Deutschland heraus - juhu! Auch dieser Roman wird noch mal neu aufgelegt. Dass er auch ohne die fehlenden Informationen auf der ganzen Linie überzeugt, zeigt deutlich, wie großartig dieser Roman geschrieben wurde. Die fünf Sterne hat er sich mehr als verdient.
(*) Wie gesagt, die Rezi ist schon eine Weile her! Natürlich habe ich in der Zwischenzeit auch den Voyager-Teil gelesen und rezensiert.
.
5/5
Charaktere getroffen? *****
Spannung: ****
Humor: **
Action: ***
Gefühl: **
originelle Handlung? ***
Anspruch: ****
Vorwissen nötig?
Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwierig es ist, das Buch ohne Kenntnis der Vorgängerromane zu lesen. Irgendwie klappt es trotzdem, aber dennoch sollte man die ersten beiden Relaunch-Bücher gelesen haben. Wer gar keine Ahnung von Star Trek hat, lässt lieber die Finger davon.
Donnerstag, 10. Juni 2010
Das Unsterblichkeitsprinzip
Jeffrey Lang
TNG Nr. 76, erschienen bei Heyne
(344 S., Original: Immortal Coil)
Kennt jemand noch Commander Bruce Maddox? Das war der Typ, der unseren Lieblingsandroiden Data in der TNG-Folge "Wem gehört Data?" (2. Staffel) zerlegen wollte, was er ja Gott sei Dank nicht durfte. Nach vielen Jahren hat er es endlich geschafft, seinen eigenen Prototypen zu entwickeln. Dabei hatte er Hilfe eines gewissen Dr. Waslowick und von Reginald Barcley, den wir ja auch noch aus der Serie kennen. Plötzlich stürzt das Labor ein, wobei Waslowick getötet wird und Maddox ins Koma fällt. Der Prototyp wird zerstört, und nicht nur er, sondern auch noch weitere (deaktivierte) Androiden der Soong-Reihe, die auch im Labor waren. Als die Enterprise E eintrifft, stellt Data Untersuchungen an und stößt bald auf einige Ungereimtheiten...
"Das Unsterblichkeitsprinzip" ist einer der letzten TNG-Romane von Heyne. Die Geschichte ist zeitlich zwischen dem 8. und dem 9. Kinofilm angesiedelt. Endlich steht hier mal Data im Vordergrund, was meines Wissens in den Romanen nicht allzu häufig der Fall war. Und das tollste ist: Er darf sich hier mal so richtig verlieben, und zwar in die neue Sicherheitschefin Rhea Adams, denn schließlich hat Data ja nun seinen Emotionschip. Dieser Roman ist sehr komplex und greift weit in der Star-Trek-Geschichte zurück. Den Lesern wird hier ziemlich viel abverlangt, nämlich dass er sich sowohl bei Classic als auch in TNG sehr gut auskennt - wer nur mal gelegentlich die Serien gesehen hat, ist hier mit Sicherheit überfordert! Dem Star Trek-Fan ist z B. Dr. Noonien Soong natürlich ein Begriff, aber kann er auch etwas mit den Namen Roger Korby, Flint oder Juliana Tainer anfangen? Der Autor greift hier viele Handlungsfäden auf, die in den Serien begonnen wurden, es gibt immer wieder große Zeitsprünge, und die Handlung wird ziemlich verwirrend. Als dann plötzlich auch noch der Computer M-5 ins Spiel kam, war ich schon kurz vor der Kapitulation - wenn da nicht die Lovestory mit Data gewesen wäre. Wann immer Rhea Adams auftaucht, die ich sofort in mein Herz schloss, erhielt dieser komplizierte Roman eine wunderbare Leichtigkeit. Schade, dass Data den Emotionschip so spät erhalten hat, denn ich bin mir sicher, dass er mit diesem Chip in den Büchern öfter im Vordergrund gestanden hätte. Es ist nun mal nicht einfach, die Handlung aus der Sicht einer Maschine zu beschreiben.
Fazit: Der Autor Jeffrey Lang war vielleicht etwas zu ehrgeizig mit diesem breit angelegten Roman, aber durch die Data-Story ist "Das Unsterblichkeitsprinzip" insgesamt ein sehr gelungener TNG-Roman. Und was ich unbedingt noch erwähnen wollte: Gäbe es eine Abstimmung für das schönste Cover eines Star Trek-Romans, wäre das hier mein klarer Favorit!
4/5
Charaktere getroffen? ***
Spannung: **
Humor: **
Action: ***
Gefühl: ***
originelle Handlung? ***
Anspruch: ****
Vorwissen nötig?
Definitiv ja! Sowohl bei TOS als auch bei TNG ist echtes Fachwissen gefragt.
TNG Nr. 76, erschienen bei Heyne
(344 S., Original: Immortal Coil)
Kennt jemand noch Commander Bruce Maddox? Das war der Typ, der unseren Lieblingsandroiden Data in der TNG-Folge "Wem gehört Data?" (2. Staffel) zerlegen wollte, was er ja Gott sei Dank nicht durfte. Nach vielen Jahren hat er es endlich geschafft, seinen eigenen Prototypen zu entwickeln. Dabei hatte er Hilfe eines gewissen Dr. Waslowick und von Reginald Barcley, den wir ja auch noch aus der Serie kennen. Plötzlich stürzt das Labor ein, wobei Waslowick getötet wird und Maddox ins Koma fällt. Der Prototyp wird zerstört, und nicht nur er, sondern auch noch weitere (deaktivierte) Androiden der Soong-Reihe, die auch im Labor waren. Als die Enterprise E eintrifft, stellt Data Untersuchungen an und stößt bald auf einige Ungereimtheiten...
"Das Unsterblichkeitsprinzip" ist einer der letzten TNG-Romane von Heyne. Die Geschichte ist zeitlich zwischen dem 8. und dem 9. Kinofilm angesiedelt. Endlich steht hier mal Data im Vordergrund, was meines Wissens in den Romanen nicht allzu häufig der Fall war. Und das tollste ist: Er darf sich hier mal so richtig verlieben, und zwar in die neue Sicherheitschefin Rhea Adams, denn schließlich hat Data ja nun seinen Emotionschip. Dieser Roman ist sehr komplex und greift weit in der Star-Trek-Geschichte zurück. Den Lesern wird hier ziemlich viel abverlangt, nämlich dass er sich sowohl bei Classic als auch in TNG sehr gut auskennt - wer nur mal gelegentlich die Serien gesehen hat, ist hier mit Sicherheit überfordert! Dem Star Trek-Fan ist z B. Dr. Noonien Soong natürlich ein Begriff, aber kann er auch etwas mit den Namen Roger Korby, Flint oder Juliana Tainer anfangen? Der Autor greift hier viele Handlungsfäden auf, die in den Serien begonnen wurden, es gibt immer wieder große Zeitsprünge, und die Handlung wird ziemlich verwirrend. Als dann plötzlich auch noch der Computer M-5 ins Spiel kam, war ich schon kurz vor der Kapitulation - wenn da nicht die Lovestory mit Data gewesen wäre. Wann immer Rhea Adams auftaucht, die ich sofort in mein Herz schloss, erhielt dieser komplizierte Roman eine wunderbare Leichtigkeit. Schade, dass Data den Emotionschip so spät erhalten hat, denn ich bin mir sicher, dass er mit diesem Chip in den Büchern öfter im Vordergrund gestanden hätte. Es ist nun mal nicht einfach, die Handlung aus der Sicht einer Maschine zu beschreiben.
Fazit: Der Autor Jeffrey Lang war vielleicht etwas zu ehrgeizig mit diesem breit angelegten Roman, aber durch die Data-Story ist "Das Unsterblichkeitsprinzip" insgesamt ein sehr gelungener TNG-Roman. Und was ich unbedingt noch erwähnen wollte: Gäbe es eine Abstimmung für das schönste Cover eines Star Trek-Romans, wäre das hier mein klarer Favorit!
4/5
Charaktere getroffen? ***
Spannung: **
Humor: **
Action: ***
Gefühl: ***
originelle Handlung? ***
Anspruch: ****
Vorwissen nötig?
Definitiv ja! Sowohl bei TOS als auch bei TNG ist echtes Fachwissen gefragt.
Abonnieren
Posts (Atom)