Willkommen auf meinem Star Trek-Blog! Seit ungefähr Anfang der 90er bin ich ein großer Star Trek-Fan, und irgendwann fing ich auch mal an, die Romane zu lesen. Dies soll ein Versuch sein, alle von mir geschriebenen Star Trek-Roman-Rezensionen einigermaßen kompakt zu präsentieren. Es würde mich freuen, wenn sich der eine oder andere bei meinen Bewertungen einen Tipp abholen kann. Wie man sehen kann, habe ich unter jede Rezension auch einzelne Aspekte wie Humor oder Spannung extra bewertet. Auch fehlte mir bei anderen Rezensionen immer der Hinweis, ob ein Star Trek-Roman auch für Nicht-Trekkies oder Neulinge geeignet ist oder nicht, deshalb gehe ich auch auf diesen Punkt ein.

Ich habe versucht, nicht allzuviel zu spoilern, aber absolute Spoiler-Allergiker möchte ich gleich darauf hinweisen, dass ich in fast jeder Rezi auch ein wenig auf den Inhalt des Buches eingehe. Ich finde es immer witzlos, wenn man rein gar nichts über das Thema eines Buches erfährt.

Ein Wort noch zu den verwendeten Fotos: Ich hätte die Cover auch einscannen können, fand aber die Idee mit den Fotos irgendwie schöner, gerade weil sie so dilettantisch aussehen ;-)
Kommentare, Tipps oder auch Rezensionswünsche sind jederzeit willkommen!

Und nun viel Spaß beim Stöbern!
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Sonntag, 13. Juni 2010

Offenbarung 2


S.D. Perry

DS9 8.02, erschienen bei Cross Cult

(250 S., Original: Avatar Book 2)

Teil 2 des inoffiziellen Serienstarts zur 8. DS9-Staffel erzählt die Handlung aus dem Vorgänger nahtlos weiter. Erfreulicherweise verzichtet die Autorin darauf, nochmal ausführlich auf die Ereignisse aus Teil 1 einzugehen - den sollte man sowieso gelesen haben.

Die Echtheit des uralten bajoranischen Buches mit all seinen unheilvollen Prophezeihungen steht genauso zur Debatte wie die Glaubwürdigkeit des angeblichen Jem'Hadar-Botschafters Kitana'klan. Während eine vereinigte Armada aus Schiffen der Föderation, der Klingonen und Romulaner darauf wartet, in den Gammaquadranten vorzudringen, besucht die Enterprise E die Station Deep Space Nine, um den kürzlich entdeckten Drehkörper zu überreichen. Plötzlich überschlagen sich die Ereignisse, und die düsteren Prophezeihungen scheinen sich zu bestätigen...

Obwohl die Handlung spannend und mitreißend ist, liegt die wahre Stärke der Autorin in den Figurenbeschreibungen. Jede einzelne der bekannten Figuren ist genau getroffen und auch die neuen Charaktere sind so lebendig geschildert, dass man sich sofort auf sie einlässt. Besonders eindrucksvoll ist die neue Stationskommandantin Kira Nerys dargestellt, in deren Haut man wahrlich nicht stecken möchte. Zuerst die Trennung von Odo, der Verlust ihrer Freundin Reyla, die unglaubliche Verantwortung um das Wohl der Bewohner von DS9, die schwierige Gratwanderung zwischen ihrem tiefen Glauben und gesundem "Menschen"verstand... Die Art, wie sie diese Bürde meistert, nötigt Respekt ab und zeigt, dass sie eine wahrhaft würdige Nachfolgerin von Captain Sisko ist. Ich möchte betonen, dass ich Kira Nerys in der TV-Serie nie leiden konnte, aber jetzt endlich könnte sie mir tatsächlich ans Herz wachsen.
Der Auftritt der TNG-Crew ist ebenfalls gut in Szene gesetzt und wirkt passend und nicht wie viele andere Crossover an den Haaren herbeigezogen. Besonders spannend verlief das längst überfällige Aufeinandertreffen mit Jean-Luc Picard und Ro Laren, die einst sein Vertrauen missbrauchte. Die Handlung hält einige Wendungen bereit, die sicherlich noch viel überraschender gewesen wären, wenn ich nicht schon die Fortsetzung in Form des Heyne-Romans "Der Abgrund" gelesen hätte. Das Buch steckt wieder einmal voller Querverweise auf die Star Trek-Serien und -Romane. Mich als "Vanguard"-Fan hat besonders die Erwähnung der Pennington-Schule (S. 224) gefreut :-)

Alles in allem ist "Offenbarung 2" ein toller Roman und konnte sich gegenüber dem Vorgänger noch mal steigern. Mir persönlich war das bajoranische Religionsgedöns ein wenig zu präsent, aber das ist auch das einzige, was ich hier auszusetzen habe. Auf jeden Fall macht das Buch Lust auf neue, spannende Geschichten mit der DS9-Crew.

5/5

Charaktere getroffen? *****
Spannung: ****
Humor: **
Action: ****
Gefühl: ****
originelle Handlung? ****
Anspruch: *****



Vorwissen nötig?
Klar muss man Teil 1 kennen, und Deep Space Nine sowieso.

Offenbarung 1


S.D. Perry

DS9 8.01., erschienen bei Cross Cult

(281 S., Original: Avatar Book 1)

Juhu, endlich eine neue Deep Space Nine-Staffel, wenn auch "nur" in Buchform! Das Serienfinale ließ ja so viele offene Fragen zurück, dass sich eine Fortsetzung geradezu anbot. Nachdem der Heyne-Verlag vor einigen Jahren verwirrenderweise mit "Der Abgrund" bereits einen Roman der sogenannten 8. Staffel in Deutschland veröffentlichte, bringt Cross Cult die Relaunch-Serie endlich vollständig und in der richtigen Reihenfolge heraus.

Das Ende der TV-Serie brachte für die kriegsgebeutelte Raumstation Deep Space Nine einschneidende Veränderungen. Nur noch wenige Mitglieder der Stammbesetzung sind geblieben, und diese müssen DS9 erstmal wieder auf Vordermann bringen. Die neue Stationsleiterin Kira Nerys bekommt ausgerechnet die aufmüpfige Ex-Maquisardin Ro Laren als Sicherheitschefin vor die Nase gesetzt, und zwischen den beiden Frauen kracht es ganz gewaltig. Auch Julian Bashir und Ezri Dax haben ihren ersten Streit, während Nog aufgrund des maroden Zustandes der Station in Arbeit versinkt. Die schwangere Kassidy Yates versucht sich widerwillig in ihrer Rolle als Hoffnungsträgerin der bajoranischen Gläubigen zurechtzufinden, und Jake Sisko stößt auf eine uralte Prophezeihung, die ihm seinen Vater zurückbringen könnte. Ein Mordfall auf dem Promenadendeck ist noch nichts gegen das Unheil, das bald darauf geschieht: Die Station und die Defiant werden von Jem'Hadar-Schiffen angegriffen und schwer beschädigt...

Als Leser muss man sich erst mal mit der neuen Situation auf Deep Space Nine vertraut machen. Der ruhige Anfang des Romans ist daher sehr hilfreich, um die neuen Eindrücke auf sich wirken zu lassen. Die Autorin legt viel Wert auf ausführliche Figurenbeschreibungen. Die bekannten Charaktere werden treffend beschrieben und konsequent weiterentwickelt. Auch die unbekannten Figuren wie den Andorianer Shar und die Bolianerin Jast sind so lebendig charakterisiert, dass sie mir schnell ans Herz wuchsen. Die Autorin bügelt auch geschickt einen Fehler der Serie "The Next Generation" aus, indem sie erklärt, warum Ro Laren als einzige Bajoranerin ihren Ohrring am linken Ohr trägt. Durch Quarks Flirtversuche gegenüber Ro erhält die Geschichte glücklicherweise auch eine gewisse Leichtigkeit, da der Roman ansonsten angesichts des katastrophalen Zustandes der Station um einiges bedrückender wäre.
Die Story selbst konnte mich nicht so sehr mitreißen. Der Auftritt der Enterprise E hat mich als TNG-Fan zwar gefreut, wirkt allerdings ein wenig bemüht und hat auch keinen entscheidenden Einfluss auf die Geschichte. Das Hauptmanko des Romans ist die Tatsache, dass es sich hierbei um einen waschechten Cliffhanger handelt. Zahlreiche Handlungsfäden werden begonnen, aber nicht ein einziger zu Ende geführt. Deshalb fällt es mir schwer, dieses Buch zu bewerten, ohne den zweiten Teil zu kennen. Es wäre vom Umfang her leicht möglich gewesen, beide Teile in einem einzigen Buch zu veröffentlichen - nur lässt sich durch eine Teilung nun mal mehr Geld verdienen. Ich hoffe sehr, dass das kein neuer Trend ist. Wer schon den Roman "Der Abgrund" gelesen hat, dürfte angesichts des hier auftretenden Jem'Hadar ein wenig verwirrt sein. Mal sehen, ob der nächste Roman Licht ins Dunkel bringt...

Fazit: Der Anfang der achten Staffel ist vielversprechend, die Figuren gut getroffen. Dadurch, dass im Gegensatz zu den früheren Star Trek-Romanen nicht ständig am Ende die Ausgangssituation wieder hergestellt werden muss, erhält dem Roman noch einen zusätzlichen Kick. Leider erzählt das Buch keine richtige Geschichte, sondern ist nur der Neuanfang für weitere Handlungsfäden, und das ist definitiv ein dicker Minuspunkt. Am Ende reicht es in meiner persönlichen Bewertung ganz knapp für vier Punkte.

4/5


Charaktere getroffen? ****
Spannung: **
Humor: **
Action: ***
Gefühl: ***
originelle Handlung? ****
Anspruch: ****

Vorwissen nötig?
Ja, absolut. War es in den späteren DS9-Staffeln im TV schon für Quereinsteiger schwer, sich in der Serie zurechtzufinden, so gilt dies genauso für die 8. Staffel in Buchform.

Freitag, 11. Juni 2010

Sektion 31: Der dunkle Plan


S.D. Perry


TOS Nr. 106, erschienen bei Heyne

(224 S., Original: Cloak)

Die Sektion 31-Reihe ist eine vierteilige, serienübergreifende Romanserie, die bei TOS beginnt und bei Voyager endet. Da die Geheimorganisation Sektion 31 nur in den TV-Serien Deep Space Nine und Enterprise vorkommt, war ich vor allem auf den Classic-Teil gespannt, um zu erfahren, wie Sektion 31 zu Kirks Zeiten agierte. Leider war ich von diesem Roman doch ziemlich enttäuscht, weil die Story nur mal kurz am eigentlichen Thema vorbeischrammt.

Alles beginnt damit, dass Kirk und seine Leute den automatischen Notruf eines Starfleet-Schiffes auffangen, das unkontrolliert durch das All rast. Das Schiff kann gerade so gestoppt werden, leider ist die komplette Crew tot. Es scheint einen Zusammenhang mit dem Geheimauftrag zu geben, bei dem Kirk und Spock eine romulanische Tarnvorrichtung gestohlen hatten (siehe TOS-Folge "Die unsichtbare Falle"). Spock nimmt Kontakt mit der romulanischen Kommandantin auf, die er damals hereingelegt hatte. Kirk muss währenddessen den Fall an seinen Freund Gage Darres abgeben, und McCoy erfährt, dass er an einer tödlichen Blutkrankheit leidet...

Der Roman bietet zwar nette Unterhaltung im Krimi-Stil, war aber letztendlich nicht das, was ich mir unter dem Aufhänger "Sektion 31" erhofft habe. Die Bezüge zu diversen TOS-Folgen und später auch zu Voyager sind gelungen, leider kommt nur selten so etwas wie Spannung auf. Besonders enttäuscht war ich von dem Handlungsstrang um McCoys Krankheit, der eine extrem schwache Auflösung erfuhr und wohl nur dazu gedacht war, das sowieso schon nicht gerade umfangreiche Büchlein zumindest auf über 200 Seiten zu strecken. Wenigstens lässt sich der Roman dadurch zeitlich gut einordnen; er spielt nämlich kurz vor der Folge "Der verirrte Planet", in der eben jene Krankheit thematisiert wird.

 Die Autorin neigt außerdem zu ziemlich gestelzten Formulierungen: Manche Stellen im Buch waren pures Geschwafel, ich bin manchmal fast eingeschlafen dabei. Kleine Kostprobe gefällig?

 "Sein Gesichtsausdruck - Sorge und Anteilnahme; die Zuneigung in seinen Augen glänzte wie geschliffenes Dilithium - war rührend, aber unangebracht."

Oder wie wäre es damit?

"Sein ungewöhnliches Bemühen, nicht an sie zu denken, erforderte Komplentation." (schon klar...)

Oder die komplette Seite 89, hier nur ein kleiner Auszug:

"Am Morgen hatte Spock einen Vortrag über die Energie-Wahrscheinlichkeit im Subraum und die Möglichkeiten ihrer Identifizierung angehört. Er erinnerte sich an mehrere wissenschaftliche Artikel über die Anwendung von Impuls-Analysen bei Subraum-Schichten und war keineswegs davon überzeugt, dass es sich dabei um wissenschaftlich stichhaltige Methoden handelte. Doch der Hauptsprecher ging logisch an dieses Thema heran und die übrigen Wissenschaftler leisteten ebenfalls sehr fundierte Diskussionsbeiträge, woraufhin Spock eine Änderung seiner bisherigen Meinung in Erwägung zog. Der Captain ging schon nach kurzer Zeit, wodurch er die Darlegung sehr hörenswerter Standpunkte versäumte". (....bla bla...)

Warum es in meiner Bewertung doch noch gerade so für eine "Drei" gereicht hat? Weil die Autorin die Charaktere wirklich exzellent getroffen hat. Man erkennt jede bekannte Figur sofort wieder, und auch die unbekannten Personen sind größtenteils gut dargestellt (mit Ausnahme von Bendes Ketteract vom Typ "böser fanatischer Wissenschaftler"). Hinzu kommt, dass wirklich jedes Mitglied der Stammcrew seinen persönlichen Moment bekommt, um zu glänzen. Und die Sache mit McCoys Krankheit war deshalb so unbefriedigend, gerade WEIL seine Gedanken und Gefühle so wunderbar beschrieben wurden, und dann DIESE Auflösung...

Die kluge und präzise Art, wie Kirk und Co. Licht ins Dunkel bringen, hat mir auch gut gefallen. Dies und die gelungenen Charakterisierungen machen aus "Der dunkle Plan" schließlich doch noch einen akzeptablen Roman. Trotzdem hoffe ich sehr, dass der zweite Teil eine gewaltige Steigerung mit sich bringt...

3/5

Charaktere getroffen? *****
Spannung: *
Humor: *
Action: **
Gefühl: ***
originelle Handlung? **
Anspruch: ****

Vorwissen nötig?

Meiner Meinung nach braucht man schon einiges an Vorwissen, weil sich die Autorin auf bestimmte Folgen bezieht. Wer gar keine Star Trek-Kenntnisse hat, könnte da überfordert sein.