Willkommen auf meinem Star Trek-Blog! Seit ungefähr Anfang der 90er bin ich ein großer Star Trek-Fan, und irgendwann fing ich auch mal an, die Romane zu lesen. Dies soll ein Versuch sein, alle von mir geschriebenen Star Trek-Roman-Rezensionen einigermaßen kompakt zu präsentieren. Es würde mich freuen, wenn sich der eine oder andere bei meinen Bewertungen einen Tipp abholen kann. Wie man sehen kann, habe ich unter jede Rezension auch einzelne Aspekte wie Humor oder Spannung extra bewertet. Auch fehlte mir bei anderen Rezensionen immer der Hinweis, ob ein Star Trek-Roman auch für Nicht-Trekkies oder Neulinge geeignet ist oder nicht, deshalb gehe ich auch auf diesen Punkt ein.

Ich habe versucht, nicht allzuviel zu spoilern, aber absolute Spoiler-Allergiker möchte ich gleich darauf hinweisen, dass ich in fast jeder Rezi auch ein wenig auf den Inhalt des Buches eingehe. Ich finde es immer witzlos, wenn man rein gar nichts über das Thema eines Buches erfährt.

Ein Wort noch zu den verwendeten Fotos: Ich hätte die Cover auch einscannen können, fand aber die Idee mit den Fotos irgendwie schöner, gerade weil sie so dilettantisch aussehen ;-)
Kommentare, Tipps oder auch Rezensionswünsche sind jederzeit willkommen!

Und nun viel Spaß beim Stöbern!
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Sonntag, 21. August 2011

Der verwundete Himmel

Diane Duane

TOS Nr. 13, erschienen bei Heyne

(281 S., Original: The Wounded Sky)

Die Enterprise wird mit dem hochmodernen Inversionsantrieb ausgerüstet, der es möglich macht, im wahrsten Sinne des Wortes zu neuen Galaxien aufzubrechen. Das erste Ziel des Schiffes ist die Kleine Magellansche Wolke. Während des Fluges mit dem neuen Antrieb macht fast die gesamte Crew die merkwürdige Erfahrung, dass ihre Persönlichkeiten mit denen anderer Crewmitglieder oder sogar mit der Enterprise selbst verschmelzen. Doch das ist nicht das Schlimmste: Innerhalb der Kleinen Magellanschen Wolke scheint die Zeit stillzustehen, die Gesetze der Physik werden außer Kraft gesetzt. Schuld daran ist der Inversionsantrieb...

Diane Duanes Romane gehören eindeutig zu den anspruchsvolleren Werken unter den Star Trek-Büchern. Bei "Der verwundete Himmel" wird das bereits beim Lesen des alleresten Abschnitts klar:

"Das Problem beim Warten im Weltraum, um ein Raumschiff vorbeikommen zu sehn, liegt daran, daß ein Schiff, wenn es sich im Warp-Antrieb befindet, kaum vorhanden ist. Der Anderraum, in den das Warp-Feld es einbettet, ist eben anders; ein benachbartes, alternatives Universum, in dem die Naturgesetze anders sind, wo das Licht sich viele tausendmal schneller bewegt als in dem Universum, in dem die sechshundertdreiundachtig Spezies der Menschen beheimatet sind. Ein Raumschiff im Warp trägt eine Schale dieses Anderraums mit sich, so daß es sich in ihr mit vielfacher Lichtgeschwindigkeit durch das Analog-Universum bewegt, ohne überhaupt wirklich in unserem Universum zu sein oder gegen seine kaum meßbar niedrige Lichtgeschwindigkeit anzukämpfen. Innerhalb des Schiffes sind die Sensoren natürlich darauf kalibriert, die leichten Abweichungen des anders-universalen Sternenlichtes zu korrigieren, das alle Menschenrassen so störend finden. Außerhalb des Schiffes ist alles, was von dessen Passieren zu sehen ist, ein Zittern von Sternenlicht, da der Raum selbst erschüttert wird, sich wellt und langsam wieder glättet. Im Herzen dieses Schimmerns mag sich ein sehr schwacher, fahler Abglanz von Licht zeigen, nicht einmal ein Bild. Eine Impression, eine Andeutung, vielleicht nur eine Illusion."

Eines steht fest: Ich werde nie einen Diane-Duane-Roman im Original lesen...

"Der verwundete Himmel" war der erste Star Trek-Roman der Autorin und rückt die gesamte Crew als Gemeinsschaft stark in den Vordergrund. Die flachen Hierarchien, der vertraute Umgang miteinander und der deutlich erkennbare gegenseitige Respekt erzeugen eine angenehme, familiäre Atmospäre. Dieses Buch beinhaltet auch den ersten Auftritt von wiederkehrenden Figuren wie Herb Tanzer oder Lia Burke. Typischerweise treten in Diane-Duane-Büchern sehr exotische Aliens auf - hier sind es also die Hamalki, eine spinnenartige Spezies. Eine von ihnen ist die Wissenschaftlerin K't'lk, die den Inversionsantrieb entwickelt hat und die Crew auf ihrer Mission begleitet. K't'lk gibt zwar die ganze Zeit einen unverständlichen wissenschaftlichen Kauderwelsch von sich, ist aber auf Grund ihrer umgänglichen und offenen Art eine sehr sympathische Figur, die ich gerne noch einmal wiedergesehen hätte.  *

Der Roman beginnt in gemächlichem Tempo, aber auch dies ist man schon gewöhnt. Also wartete ich geduldig auf die Stelle im Buch, an dem die Handlung Fahrt aufnimmt. Leider sollte dieser Moment nie kommen. Die Enterprise-Crew schwafelte ununterbrochen über die traumartigen Erlebnisse während des Inversionsantriebes, und das auf eine unerträglich ausschweifende und gestelzte Art. Zwischendurch tauchte dann doch mal eine Stelle im Buch auf, an der ich dachte, es könnte doch noch ganz spannend werden: Man plant nämlich eine Untersuchung jenseits der Kleinen Magellanschen Wolke, trotz der drohenden Gefahr, dort in der festgefrorenen Zeit gefangen zu sein. Aber statt des erhofften packenden Abenteuers folgte nur noch mehr esoterisches Psychogebrabbel, das sich für mich wie die Beschreibung eines Drogentrips las. Ich fand überhaupt keinen Zugang zu dieser Geschichte und kämpfte irgendwann nur noch darum, den Roman irgendwie hinter mich zu bringen.  

Die schlechte Übersetzung tut ihr Übriges, um den ohnehin schon spärlich vorhandenen Lesespaß zusätzlich zu trüben. Mal abgesehen davon, ständig auf Anglizismen wie "Starship", "Star Base", "Maelstrom" und auf Kreationen wie "Navo-Computer" zu stoßen, scheint der Übersetzer auch ein echtes Faible für Bindestriche zu haben. Der Text ist gespickt mit Substantiven, die ohne Bindestrich zweifellos schöner aussehen würden: "Warp-Antrieb", "Energie-Verlust", "Ruder-Konsole" (autsch!), "Brücken-Crew", "Photonen-Torpedos", "Büro-Komplex", "Impuls-Triebwerke" etc. Da bekommt man Lust, das Buch in die nächste Müll-Tonne, - ähm, Mülltonne zu schmeißen!


Erwähnenswert wäre da noch ein Widerspruch gegen den offiziellen Kanon: Auf Seite 182 erinnert sich Kirk daran, früher mal einem Buckelwal begegnet zu sein. Tja, als Star Trek-Romanautor hat man es wirklich nicht leicht. Wie soll man im Jahre 1983 darauf kommen, dass diese Spezies nur wenig später für ausgestorben erklärt wird?

Fazit: Es tat mir noch nie so leid wie hier, einem Star Trek-Roman eine negative Gesamtbeurteilung zu verpassen, weil ich weiß, dass dieses Buch eigentlich gar nicht schlecht ist. Es liegt allein an mir, da ich überhaupt keinen Draht zu psychologischen Themen habe und mir das Buch schlichtweg zu hoch ist. Die Ansätze finde ich ausgesprochen interessant und auch die Chemie zwischen den Charakteren stimmt, aber die Umsetzung geriet so anstrengend und teilweise regelrecht unlesbar, dass ich sehr froh war, als ich das Buch endlich durchhatte.

*) Wie CuxTrekkie völlig richtig bemerkte, gibt es in "Spocks Welt" und "The Empty Chair" noch weitere Auftritte der sympathischen Glasspinne (siehe Kommentare). Vielen Dank für den Hinweis!

2,5/5

Charaktere getroffen? ****
Spannung: *
Humor: **
Action: **
Gefühl: ***
originelle Handlung? ****
Anspruch: *****

Vorwissen nötig?
Geht wohl auch für "normale" Bücherwürmer, sofern sie etwas für spirituelle Themen und Psychologie übrig haben.

Sonntag, 5. Dezember 2010

Spocks Welt

Diane Duane

TOS Nr. 32, erschienen bei Heyne

(396 S., Original: Spock's World)

Auf Vulkan werden Stimmen laut, die für den Austritt des Planeten aus der Föderation plädieren. Eine Volksabstimmung soll über den weiteren Verbleib Vulkans in der Föderation entscheiden, aber vorher sollen Personen unterschiedlichster Herkunft im "Saal der Stimmen" über das Für und Wider zu Wort kommen. Auch Kirk, Spock und McCoy sind eingeladen, im Saal der Stimmen an das Publikum zu appellieren. Die Befürworter des Sezession scheinen die Oberhand zu gewinnen, zumal einflussreiche Parteien im Hintergrund die Strippen ziehen.

Wer schon ein paar ältere Star Trek-Romane gelesen hat, mag sich nun zu Recht fragen, was an dieser Handlung eigentlich spannend sein soll. Kein Leser wird wohl ernsthaft annehmen, Vulkan könnte wirklich aus der Föderation austreten, da derartig einschneidende Wendungen in der Geschichte des Star Trek-Universums damals einfach nicht möglich waren, sondern am Ende immer die Ausgangssituation wiederhergestellt werden musste. Diane Duane brachte es dennoch fertig, aus diesem Roman etwas ganz Besonderes zu machen. Die Haupthandlung ist zwar vorhersehbar, liest sich aber trotzdem sehr angenehm, was vor allem auch an der perfekten Chemie zwischen den Charakteren liegt. Typisch für Duanes Romane ist eine gewisse Kaffeekränzchen-Stimmung an Bord der Enterprise, wobei die Freundschaft und der gegenseitige Respekt der Crewmitglieder untereinander deutlich zum Ausdruck kommen. Durch den Auftritt wiederkehrender Charaktere wie Herb Tanzer oder Naraht wird auch eine schöne Kontinuität innerhalb der verschiedenen Duane-Romane geschaffen, wobei ich feststellen muss, dass meine Lesereihenfolge nicht gerade glücklich gewählt war.

So interessant die Rahmenhandlung auch ist, verblasst sie doch neben jenen Kapiteln, die einen Einblick in die bewegte Geschichte Vulkans bieten. Ich habe vorher schon den Roman "Die Romulaner" gelesen, das ja ebenfalls mit Geschichtskapiteln aufwarten kann, welche ich allerdings über weite Strecken ziemlich dröge fand. Erfreulicherweise sind es in "Spocks Welt" gerade diese Kapitel, die das Buch aus der Masse der anderen ST-Romane herausheben. Anders als in "Die Romulaner" wird keine kontinuierliche Geschichte erzählt, sondern die Entwicklung Vulkans anhand scheinbar zufälliger Episoden dargestellt. Der Leser kann die Geburt des Planeten selbst, die allerersten Bewohner, die Katastrophe, die zu einer radikalen Veränderung des Klimas führte und die immer gewalttätigeren Auseinandersetzungen der verschiedenen Clans miterleben. All diese kleinen Episoden veranschaulichen dem Leser deutlich, warum eine neue Ära des Friedens, eingeleitet durch Surak, bitter nötig war. Darüber hinaus sind die Ausflüge in die Vergangenheit sehr fesselnd und hochinteressant und verleihen dem Roman eine Klasse, an die nicht viele Star Trek-Romane heranreichen. Ich mochte auch die Darstellung Suraks, dessen Geschichte überraschend unspektakulär, dafür um so realistischer ist. In "Spocks Welt" ist er ein sehr unscheinbarer Charakter und gar nicht der weise, charismatische Anführer, den ich vor Augen hatte. Ich kann mich generell nicht so recht mit Heldenverehrungen anfreunden, deshalb finde ich die Beschreibung Suraks als relativ normalen Kerl recht angenehm. Die einzige Figur, die ich kaum wiedererkannte, ist Spocks Vater Sarek, der hier viel zu emotional rüberkam. Ich kann mir beim besten Willen keinen Sarek vorstellen, der sich auf Grund eines Witzes vor Lachen kaum noch einkriegen kann!

Fazit: Besonders Vulkanierfans werden mit diesem Roman ihre helle Freude haben, wird doch ihr Lieblingsvolk so ausführlich und tiefgründig beschrieben wie nirgendwo sonst. Die Geschichtskapitel bestechen mit einer Detailverliebtheit, die einen ganz eigentümlichen Reiz entfaltet und dennoch nicht in die anstrengende Schwafelei ausartet, die für die anderen Werke der Autorin typisch ist. Auch wenn Diane Duanes Darstellung der Vulkanier in der Zwischenzeit vor allem durch die Serie "Enterprise" überholt wurde, ist es sehr lobenswert, eine so beliebte Spezies mit einem ausführlichen kulturellen Hintergrund auszustatten, vor allem wenn es auf so fesselnde und anspruchsvolle Weise geschieht wie hier. Von mir gibt es daher volle Punktzahl für diesen ganz besonderen Star Trek-Roman!


5/5

Charaktere getroffen? ***
Spannung:  **
Humor: **
Action: *
Gefühl: ***
originelle Handlung? ****
Anspruch: *****

Vorwissen nötig?
Eigentlich reicht es aus, wenn man ein paar Folgen und Filme mit der TOS-Crew gesehen hat. Schön wäre es natürlich, wenn eine dieser Folgen "Amok Time" und einer dieser Filme "Star Trek III" war.

Sonntag, 3. Oktober 2010

Dunkler Spiegel

Diane Duane 

TNG Nr. 35, erschienen bei Heyne

(393 S., Original: Dark Mirror)

Die TOS-Folge "Ein Parallel-Universum"/"Mirror, Mirror" zählt zweifellos zu den absoluten Höhepunkten der Serie. In dieser Folge wurde ein Außenteam um Captain Kirk zufälligerweise auf die Enterprise des Spiegeluniversums gebeamt, deren Besatzung unserer vertrauten Crew zwar auf den ersten Blick glich, aber von Machtgier, Misstrauen und Brutalität geprägt war. Am Ende gab der Spiegel-Spock Anlass zur Hoffnung, in Zukunft einen humaneren Weg einzuschlagen. Wie dieser Roman zeigt, ist der Vulkanier nach vielversprechendem Beginn grandios gescheitert. Das Imperium der Menschen baute seine Macht stetig aus, und so namhafte Völker wie die Romulaner, Klingonen oder Ferengi wurden unterworfen oder gar vernichtet...

Wie bitte, und was ist mit der klingonisch-cardassianischen Allianz, die irgendwann mal die Überhand über das Imperium bekam? Tja, das stellte sich ja erst in der DS9-Folge "Die andere Seite" heraus -  ein Jahr, nachdem dieser Roman erschien. Wieder mal war Diane Duane schneller als der Kanon, genau wie in "Spocks Welt" und "Die Romulaner"!

Schieben wir das jetzt mal kurz zur Seite und gehen davon aus, dass das Menschen-Imperium nie besiegt wurde. Zu Beginn des Romans wird die "richtige" Enterprise in das Spiegeluniversum gezogen. Bald darauf wird ein Eindringling beim Ausspionieren der Waffensysteme geschnappt, der genauso aussieht wie ein Crewmitglied der Enterprise. Tatsächlich stammt der Spion vom Flaggschiff des Vereinigten Imperiums der Planeten - der I.S.S. Enterprise-D! Genau wie im uns vertrauten Universum wird jenes Schiff von Captain Jean-Luc Picard kommandiert, der hier freilich ein eiskalter Tyrann ist, umgeben von Offizieren, die jede Schwäche des Captains zu ihrem Vorteil ausnutzen würden. Während die Spiegelcrew die Besatzung der "richtigen" Enterprise durch sich selbst zu ersetzen versucht, beamen sich LaForge, Troi und später auch Picard heimlich auf das andere Schiff, um nach einer Möglichkeit zu suchen, wieder zurück in ihr Universum zu gelangen...

"Dunkler Spiegel" ist einer von diesen Star Trek-Romanen, die ich nur zu gern als Episode im TV gesehen hätte. Es wäre sicher ein Highlight von TNG gewesen und mindestens so gut wie die späteren DS9- und Enterprise-Ausflüge ins düstere Paralleluniversum. Nach einem verhaltenen Beginn, der durch das ausufernde wissenschaftliche Geschwätz recht anstrengend geriet (dazu später), entpuppte sich die Geschichte nach dem Aufeinandertreffen mit dem dunklen Pendant der Enterprise als nervenzerfetzender Thriller. Auch wenn sich zeigt, dass nicht alle Mitglieder der I.S.S. Enterprise abgrundtief böse sind - andere sind es dafür um so mehr. Am eindrucksvollsten erweist sich dabei überraschenderweise Counselor Trois Gegenstück. Selten zuvor gab es eine derart skrupellose, furchteinflößende Person wie die Spiegel-Troi, gegen die selbst die "Intendantin" Kira Nerys harmlos erscheint! Aber nicht nur die Spiegel-Crew ist toll geschildert, auch die vertrauten Charaktere sind bis aufs i-Tüpfelchen getroffen. Die Konfrontation mit ihren bösen Spiegelbildern ist für unsere Helden verständlicherweise extrem schockierend, und natürlich drängt sich ihnen die Frage auf, ob sie unter anderen Umständen nicht genauso wären. Ein besonderes Highlight sind dann noch die kurzen Ausschnitte aus Homers Ilias und Shakespeares Der Kaufmann von Venedig, die im Spiegeluniversum ein bisschen anders ausgehen - nur eines von vielen Details, die diesem Roman noch mal eine zusätzliche Klasse verleihen.

Ganz frei von Schwächen ist dieses Buch allerdings nicht. Zum Beispiel kommt am Anfang des Romans der delfinartige Wissenschaftler Hwiii an Bord, ein Experte für Hyperstrings. Fragt mich jetzt bloß nicht, was das sein soll, denn immer wenn Hwiii zu seinen seitenlangen Erklärungen ansetzte, klinkte sich mein Verstand aus. Und wer hätte das gedacht: Diese Hyperstrings werden später noch entscheidend zur Lösung des Problems beitragen. Hwiii, der Delfin, wäre ja ein interessanter Gastcharakter gewesen, aber durch sein unerträgliches wissenschaftliches Geschwafel verspielt er sich sämtliche Sympathiepunkte. Wenigstens gibt er ausgerechnet Will Riker einen unvergesslichen Rat mit auf den Weg: "Halten Sie den Schwanz steif."
Und dann muss man die Crew um ihre Kaltschnäuzigkeit bewundern. Kurz nachdem Picard und Co beschlossen haben, ihren höchst gefährlichen Plan in die Tat umzusetzen, geht Geordi erst mal mit einer hübschen Technikerin zum Picknick aufs Holodeck, und auch Riker und Worf gönnen sich einen Besuch in einer Holodeck-Oper. Was bitte sollte das?!?

Trotz dieser kleinen Mängel ist "Dunkler Spiegel" für mich einer der besten TNG-Romane überhaupt und eine klare Leseempfehlung meinerseits. Diese spannende, anspruchsvolle und philosophische Story erreicht ein Niveau, wie es nur selten innerhalb dieser Reihe zu finden ist. Mich stört es auch nicht, dass sich die Geschichte des Spiegeluniversums offziell in eine andere Richtung entwickelt hat. Jedenfalls hätte sie sich von mir aus gerne genauso entwickeln können wie in diesem Buch!

Fazit: Wer sich die Perlen der TNG-Reihe herauspicken möchte, kommt um diesen Roman nicht herum!


4,5/5

Charaktere getroffen? *****
Spannung: *****
Humor: **
Action: ***
Gefühl: ***
originelle Handlung? ****
Anspruch: **** 

Vorwissen nötig?
Sicher kommt auch jemand mit diesem Roman klar, der "Mirror, Mirror" nicht gesehen hat. Aber abgesehen davon, dass man sich diese geniale TOS-Episode ohnehin auf keinen Fall entgehen lassen sollte, ist es natürlich für das Lesen dieses Buches noch viel schöner, wenn man diese Folge kennt.

Mittwoch, 15. September 2010

Die Romulaner

Diane Duane, Peter Morwood

TOS Nr. 38, erschienen bei Heyne

(298 S., Original: The Romulan Way)

"Die Romulaner" ist alles andere als ein 08/15-Classic-Roman. In der ganzen Geschichte ist von der Enterprise-Crew weit und breit nichts zu sehen, abgesehen von Dr. McCoy. Die Hauptfigur ist aber auch er nicht, sondern eine Frau namens Arrhae ir-Mnaeha t'Khellian (oh je!) Diese arbeitet in der Villa eines reichen Romulaners und hat dort als leitende Hausangestellte sowohl den Haushalt als auch die übrige Dienerschaft fest im Griff. Ihr Weltbild gerät ins Wanken, als eines Tages im Hause ihres Herrn ein Gefangener versteckt wird - ein Mensch namens Leonard McCoy. Dieses Ereignis löst bei Arrhae ein Déjà-vu-Erlebnis aus, als ihr klar wird, dass sie keineswegs eine Rihannsu ist, sondern eine menschliche Agentin, die von der Sternenflotte nach ch'Rihan (bzw. Romulus) eingeschleust wurde. Innerlich hin- und hergerissen, droht ihre falsche Identität aufzufliegen...

Der zweite Teil von Diane Duanes "Rihannsu"-Zyklus findet, anders als der Vorgänger "Der Feind, mein Verbündeter", fast ausschließlich auf Romulus statt. Die Handlung ist eine gut geschriebene Agentenstory, die zwar sehr langsam aufgebaut ist, aber vor allem durch die fesselnden Charakterszenen und die intelligenten Dialoge überzeugen kann. Die Spannung ergibt sich vor allem durch die Aussichtslosigkeit der Lage, in der sich McCoy befindet, weniger durch die wenigen Actionszenen. Es ist sehr interessant, dass der Doktor hier mal auf sich allein gestellt ist, konnten wir ihn doch sonst fast immer nur im Dreierpack mit Kirk und Spock erleben. Ich habe zwar nicht so recht verstanden, warum ausgerechnet McCoy von der Sternenflotte auf die Suche nach der verschollenen Agentin geschickt wurde, aber nichtsdestotrotz freue ich mich über jeden Roman, in dem er eine größere Rolle spielt.

Die eigentliche Hauptperson Arrhae, die in Wirklichkeit Terise Haleakala-LoBrutto heißt (nochmal oh je!), ist sehr einfühlsam beschrieben worden. In ihren inneren Konflikt, als sie zwischen ihrer alten und ihrer neuen Identität entscheiden muss und dabei zwischen den Stühlen sitzt, konnte ich mich gut hineinversetzen. Die vielen komplizierten romulanischen Namen waren für mich allerdings eine Herausforderung; es war gar nicht so einfach,  H'daen tr'Khellian, Maiek tr'Annhwi, Nveid tr'AAnikh und all die anderen auseinanderzuhalten. Aber es wimmelt nicht nur vor zungenbrecherischer Namen, sondern auch vor Dutzenden Wörtern und ganzen Sätzen aus der Sprache der Rihannsu. Glücklicherweise ist hinten im Buch ein kleines Wörterbuch vorhanden, aber wer hat schon Lust, jedes unbekannte Wort nachzuschlagen?

Wie gesagt, die Handlung um Arrhae/Terisa und McCoy ist recht gelungen. Es ist jedoch nicht die Agentenstory, die diesen Roman aus der Masse der vielen anderen TOS-Romane heraushebt, sondern die Tatsache, dass die Romulaner hier einen sehr ausführlichen geschichtlichen Hintergrund erhalten. Man erfährt, wie sich eine stetig wachsende Gruppe Vulkanier von den Lehren Suraks distanzierte. Später verließen Tausende von ihnen, angeführt von Suraks ehemaligem Musterschüler S'task, ihren Heimatplaneten, um sich eine neue Heimat zu suchen. Nach vielen Jahren und stark dezimiert konnten sie endlich zwei unbewohnte Planeten finden, ch'Rihan und ch'Havran, von der Föderation später als Romulus und Remus bezeichnet. Das Romulanische Reich war geboren... 

Diese Geschichtskapitel wechseln sich mit der Haupthandlung ab, und ich muss zugeben, dass ich mich zuerst nicht so recht mit ihnen anfreunden konnte und sie am liebsten überblättert hätte, weil sie anfangs so trocken daherkamen wie mein ehemaliges Geschichtsbuch. Aber ab dem Zeitpunkt, an dem S'task und seine Anhänger Vulkan verließen, hat mich der "Geschichtsunterricht" doch noch gepackt. Ich persönlich kann es verschmerzen, dass sich die Romulaner und erst recht die Remaner später in TNG und den Filmen in eine andere Richtung entwickelten als beim Autorenehepaar Duane/Morwood, immerhin erschien der Roman bereits 1987. Für mich war es trotzdem sehr interessant und aufschlussreich, einen ausführlichen Blick auf das normale, alltägliche Leben der Rihannsu zu werfen.

Fazit:

1. Die Geschichte der Rihannsu beißt sich in der Zwischenzeit ganz gewaltig mit dem Kanon.

2. Außer McCoy ist niemand von der Enterprise dabei.

Könnt Ihr das verkraften? Dann viel Spaß mit diesem außergewöhnlichen, anspruchsvollen Roman - trotz einiger Längen lohnt er sich auf jeden Fall!

P.S: Weil es so selten geschieht, muss ich mal den Übersetzer loben: Auf memory-beta habe ich gelesen, dass in diesem Buch McCoys zweiter Vorname fälschlicherweise als "Edward" angegeben ist. In der deutschen Version heißt es korrekt "Leonard H. McCoy" - danke dafür.

4/5

Charaktere getroffen? ****
Spannung: ***
Humor: **
Action: **
Gefühl: **
originelle Handlung? *****
Anspruch: *****

Vorwissen nötig?
Als ich es damals gelesen habe, kannte ich "Der Feind - mein Verbündeter" noch nicht, was sich erst am Ende des Romans bemerkbar machte, weil dann nämlich Figuren aus jenem Roman auftauchten. Man muss den Vorgänger also nicht unbedingt kennen. Über die Romulaner erfährt man hier eine ganze Menge, aber man sollte sich auch ein bisschen mit den Vulkaniern auskennen.

Sonntag, 15. August 2010

Der Feind - mein Verbündeter

Diane Duane

TOS Nr. 18, erschienen bei Heyne

(351 S., Original: My Enemy, My Ally)

Habt ihr euch nicht auch schon immer gefragt, warum die Heimatwelten einer der faszinierendsten Star Trek-Spezies ausgerechnet Romulus und Remus heißen? Wieso sollten sie ausgerechnet nach einer alten irdischen Mythologie benannt worden sein? Die Autorin Diane Duane fand das wohl auch ein wenig seltsam, und so stattete sie die kriegerischen Verwandten der Vulkanier mit einem kulturellen Hintergrund aus, unter anderem mit einer Sprache. Also: Den Namen "Romulaner" erhielten sie natürlich von den Menschen, sie selbst nennen sich Rihannsu. "Der Feind - mein Verbündeter" ist der erste von fünf Romanen des Rihannsu-Zyklus, den Diane Duane über einen Zeitraum von 22 Jahren (!) geschrieben hat. Bisher sind nur die ersten beiden Teile auf deutsch erschienen.

Zum Inhalt: Die Enterprise-Crew langweilt sich gerade beim Auftrag, Ionenfluss-Messungen durchzuführen, als sie zusammen mit anderen Schiffen zur Neutralen Zone abkommandiert werden. Grund für den unerwarteten Einsatz: Die erhöhte romulanische Aktivität im Grenzbereich erscheint der Sternenflotte verdächtig. Ein plötzlich auftauchendes Rihannsu-Schiff versetzt alle in Alarmbereitschaft, als ein zweites romulanisches Kriegsschiff auf der Bildfläche erscheint und das erste zerstört. Es ist die legendäre "Blutschwinge", und deren Kommandantin Ael nimmt Kontakt zu Kirk auf. Sie eröffnet dem überraschten Captain, dass die Crew eines vulkanischen Schiffes von Romulanern gefangengenommen wurde und nun als Versuchskaninchen für grausame Experimente missbraucht werden, mit dem Ziel, sich die mentalen Fähigkeiten der Vulkanier zunutze zu machen. Für die stolze Kriegerin Ael stellt dies ein schändliches Vergehen dar, und so überredet sie Kirk zu einem riskanten Plan: Sie möchte die Enterprise zum Schein kapern und so in die Neutrale Zone bringen, damit die Leute der Enterprise und der Blutschwinge gemeinsam die Vulkanier aus ihrer Gefangenschaft befreien können. Kirk lässt sich nach einigem Hin und Her darauf ein, muss aber bald erkennen, dass sein Vertrauen missbraucht wurde...

Dieser Roman ist vor allem auf Grund der differenzierten Sichtweise auf die Romulaner interessant. Schon bei ihrem allerersten Auftritt in der Folge "Spock unter Verdacht"/"Balance of Terror" waren sie nicht nur die simplen Bösewichter vom Dienst, sondern agierten nach einem Ehrenkodex. Und lange, bevor man bei Star Trek einen weiblichen Sternenflottencaptain sah, war bereits in der TOS-Folge "Die unsichtbare Falle"/"The Enterprise Incident" eine romulanische Schiffskommandantin zu sehen. Etwas aufregend Neues war die Figur der Ael mit all ihren komplexen Vorstellungen über Ehre und Moral also nicht. Nichtsdestotrotz sind die Interaktionen zwischen ihr und Kirk eine der Stärken des Romans. Obwohl sie angeblich so verschieden sind, ist die Beziehung zwischen den beiden von Respekt und vorsichtigem Vertrauen geprägt. Die Figur der Ael ist Diane Duane sehr gut gelungen; sie ist eine vielschichte, faszinierende und geheimnisvolle Person, bei der man genau wie Kirk im Unklaren ist, ob man ihr vertrauen kann oder nicht. Weitere Sympathiepunkte kann Fähnrich Naraht sammeln, der erste Horta in der Sternenflotte.

Des Weiteren hat mir gefallen, dass jedes Mitglied der Enterprise-Crew sehr kompetent und professionell rüberkam, so dass es Spaß machte, die Besatzung des Flaggschiffes der Föderation bei der Arbeit zuzu"sehen". Und die Harmonie ist nicht nur zwischen den Enterprise-Mitgliedern, sondern auch in den Gesprächen mit den Sternenflottenoffizieren der anderen Schiffe über den ganzen Roman hinweg spürbar. Tatsächlich erinnert das Aufeinandertreffen der verschiedenen Captains und deren Besatzungen an ein herzliches Wiedersehen alter Freunde, die sich lange nicht mehr gesehen haben.

Leider werden die positiven Eindrücke durch deutliche Schwächen zunichte gemacht. Der Roman hat viele verheißungsvolle Ansätze, die man auch ein bisschen spannender hätte umsetzen können, aber das Ergebnis war für mich letztendlich enttäuschend. Der Roman fängt schon mal sehr langsam an, zum Beispiel können wir eine 4-D-Schachpartie miterleben, die sich über sage und schreibe 14 Seiten hinzieht. Später gibt es dann sogar noch eine weitere Passage über 4-D-Schach! Zugegeben, es trägt sogar zu Handlung bei, aber ich konnte mir des öfteren ein Gähnen nicht verkneifen. Aber man liest weiter, in der Erwartung, dass die Geschichte langsam aber sicher auf einen furiosen Höhepunkt hinausläuft. Nach 50 Seiten kommt noch nichts, nach 100 Seiten immer noch nicht, dann hat man schon die Hälfte des Romans gelesen, und immer noch scheint sich die Geschichte noch ganz am Anfang zu befinden... Und plötzlich, nach ca. 250 Seiten geht es doch noch los. Auf einmal hagelt es Action ohne Ende, sogar eine einschneidende Wendung kommt vor, aber auch die temporeicheren Szenen bleiben flach und farblos. Vieles wird ewig aufgebauscht, um dann wirkungslos zu verpuffen. Weil aber die Romulaner bzw. Rihannsu einen sehr interessanten Hintergrund erhalten (der im Roman "Die Romulaner" von derselben Autorin noch wesentlich stärker ausgebaut wurde), und die Charaktere gut getroffen wurden, reicht es in meiner Bewertung trotzdem noch für eine "Drei".

Fazit: "Der Feind, mein Verbündeter" ist ein anspruchsvoller Star Trek-Roman, der trotz seiner Längen teilweise recht reizvoll ist. Leider bleibt am Ende das Gefühl zurück, dass hier viel Potenzial verschenkt wurde.

3/5

Charaktere getroffen? ****
Spannung: **
 Humor: **
 Action: ***
 Gefühl: **
 originelle Handlung? ***
 Anspruch: ****

Vorwissen nötig?
Sicher kann man sich die Handlung auch ohne großes Vorwissen zusammenreimen. Schön wäre es natürlich, zumindest ein paar TOS-Folgen gesehen zu haben, z.B. "Die unsichtbare Falle" oder "Horta rettet ihre Kinder".

Donnerstag, 10. Juni 2010

Die Befehle des Doktors


Diane Duane

TOS Nr. 57, erschienen bei Heyne

(304 S., Original: Doctor's Orders)

Für Lars, der mir dieses Buch auf unbestimmte Zeit überließ (Du willst es doch jetzt nicht wiederhaben, oder?)

Leonard McCoy ist einer meiner absoluten Lieblingsfiguren bei Star Trek, und dieser Roman war mein erster, in dem er die Hauptrolle spielte. Auch wenn "Die Befehle des Doktors" unter den Star Trek-Fans sehr beliebt ist, finde ich jeden anderen McCoy-Roman besser als diesen hier.

"Die Befehle des Doktors" ist meiner Meinung nach ein eher durchschnittlicher Star Trek-Roman der Classic-Serie. Die Enterprise befindet sich im Orbit eines Planeten mit dem schönen Namen "Fliegendreck", auf dem drei ganz unterschiedliche und ungewöhnliche Spezies leben. Diese sollen in die Föderation eintreten, allerdings gibt es noch gewaltige Verständigungsprobleme. Es geht vor allem darum, den Wortschatz dieser Lebensformen zu erlernen. Kirk überträgt McCoy das Kommando über die Enterprise, eigentlich nur, um diesen ein bisschen zu ärgern, während er sich auf dem Planeten mit einem intelligenten Felsblock unterhält. Der Captain merkt nicht, dass er zusammen mit diesem Felsblock durch die Zeit reist, während auf der Enterprise alles in heller Aufregung ist: Kirk verschwindet plötzlich von der Bildfläche, und McCoy als befehlshabender Offizier sieht sich auf einmal einem Klingonenkreuzer gegenüber. Dessen Anführer ist nicht sehr erfreut darüber, dass sein Außenteam ebenfalls auf dem Planeten verschwand. Als wäre das nicht genug, taucht plötzlich noch ein riesiges Piratenschiff auf...

Grundsätzlich finde ich es toll, dass hier mal McCoy die Hauptrolle spielt. Es ist schon lustig, wie sich der heillos überforderte Doktor wegen einer Schnapsidee Kirks plötzlich als Kommandant in einer brenzligen Situation wiederfindet, während der nichtsahnende Captain gemütlich mit dem Oberhaupt der ;At (so heißen die zeitreisenden Felsen) plaudert. Allerdings braucht dieser Roman zu lange, bis er in Fahrt gerät, und zwar geschlagene 200 Seiten. Erst als das gigantische Piratenschiff erscheint, kommt endlich Spannung auf. Das harmlose Geplänkel mit den Klingonen ist nämlich nicht wirklich aufregend, da der klingonische Captain fast noch unbeholfener als Pille ist. Der Roman ist recht humorvoll geschrieben, aber auf Dauer war ich von den flapsigen Sprüchen etwas genervt. Alles in allem ist das Buch ganz nett, aber nochmal muss ich es nicht lesen.

3/5

Charaktere getroffen? ***
Spannung: *
Humor: ****
Action: ***
Gefühl: **
originelle Handlung? ***
Anspruch:
*

Vorwissen nötig?
Die Figuren sollten einem nicht völlig fremd sein, aber man muss nicht die Serie rauf- und runtergesehen haben.