Willkommen auf meinem Star Trek-Blog! Seit ungefähr Anfang der 90er bin ich ein großer Star Trek-Fan, und irgendwann fing ich auch mal an, die Romane zu lesen. Dies soll ein Versuch sein, alle von mir geschriebenen Star Trek-Roman-Rezensionen einigermaßen kompakt zu präsentieren. Es würde mich freuen, wenn sich der eine oder andere bei meinen Bewertungen einen Tipp abholen kann. Wie man sehen kann, habe ich unter jede Rezension auch einzelne Aspekte wie Humor oder Spannung extra bewertet. Auch fehlte mir bei anderen Rezensionen immer der Hinweis, ob ein Star Trek-Roman auch für Nicht-Trekkies oder Neulinge geeignet ist oder nicht, deshalb gehe ich auch auf diesen Punkt ein.

Ich habe versucht, nicht allzuviel zu spoilern, aber absolute Spoiler-Allergiker möchte ich gleich darauf hinweisen, dass ich in fast jeder Rezi auch ein wenig auf den Inhalt des Buches eingehe. Ich finde es immer witzlos, wenn man rein gar nichts über das Thema eines Buches erfährt.

Ein Wort noch zu den verwendeten Fotos: Ich hätte die Cover auch einscannen können, fand aber die Idee mit den Fotos irgendwie schöner, gerade weil sie so dilettantisch aussehen ;-)
Kommentare, Tipps oder auch Rezensionswünsche sind jederzeit willkommen!

Und nun viel Spaß beim Stöbern!

Sonntag, 21. August 2011

Der verwundete Himmel

Diane Duane

TOS Nr. 13, erschienen bei Heyne

(281 S., Original: The Wounded Sky)

Die Enterprise wird mit dem hochmodernen Inversionsantrieb ausgerüstet, der es möglich macht, im wahrsten Sinne des Wortes zu neuen Galaxien aufzubrechen. Das erste Ziel des Schiffes ist die Kleine Magellansche Wolke. Während des Fluges mit dem neuen Antrieb macht fast die gesamte Crew die merkwürdige Erfahrung, dass ihre Persönlichkeiten mit denen anderer Crewmitglieder oder sogar mit der Enterprise selbst verschmelzen. Doch das ist nicht das Schlimmste: Innerhalb der Kleinen Magellanschen Wolke scheint die Zeit stillzustehen, die Gesetze der Physik werden außer Kraft gesetzt. Schuld daran ist der Inversionsantrieb...

Diane Duanes Romane gehören eindeutig zu den anspruchsvolleren Werken unter den Star Trek-Büchern. Bei "Der verwundete Himmel" wird das bereits beim Lesen des alleresten Abschnitts klar:

"Das Problem beim Warten im Weltraum, um ein Raumschiff vorbeikommen zu sehn, liegt daran, daß ein Schiff, wenn es sich im Warp-Antrieb befindet, kaum vorhanden ist. Der Anderraum, in den das Warp-Feld es einbettet, ist eben anders; ein benachbartes, alternatives Universum, in dem die Naturgesetze anders sind, wo das Licht sich viele tausendmal schneller bewegt als in dem Universum, in dem die sechshundertdreiundachtig Spezies der Menschen beheimatet sind. Ein Raumschiff im Warp trägt eine Schale dieses Anderraums mit sich, so daß es sich in ihr mit vielfacher Lichtgeschwindigkeit durch das Analog-Universum bewegt, ohne überhaupt wirklich in unserem Universum zu sein oder gegen seine kaum meßbar niedrige Lichtgeschwindigkeit anzukämpfen. Innerhalb des Schiffes sind die Sensoren natürlich darauf kalibriert, die leichten Abweichungen des anders-universalen Sternenlichtes zu korrigieren, das alle Menschenrassen so störend finden. Außerhalb des Schiffes ist alles, was von dessen Passieren zu sehen ist, ein Zittern von Sternenlicht, da der Raum selbst erschüttert wird, sich wellt und langsam wieder glättet. Im Herzen dieses Schimmerns mag sich ein sehr schwacher, fahler Abglanz von Licht zeigen, nicht einmal ein Bild. Eine Impression, eine Andeutung, vielleicht nur eine Illusion."

Eines steht fest: Ich werde nie einen Diane-Duane-Roman im Original lesen...

"Der verwundete Himmel" war der erste Star Trek-Roman der Autorin und rückt die gesamte Crew als Gemeinsschaft stark in den Vordergrund. Die flachen Hierarchien, der vertraute Umgang miteinander und der deutlich erkennbare gegenseitige Respekt erzeugen eine angenehme, familiäre Atmospäre. Dieses Buch beinhaltet auch den ersten Auftritt von wiederkehrenden Figuren wie Herb Tanzer oder Lia Burke. Typischerweise treten in Diane-Duane-Büchern sehr exotische Aliens auf - hier sind es also die Hamalki, eine spinnenartige Spezies. Eine von ihnen ist die Wissenschaftlerin K't'lk, die den Inversionsantrieb entwickelt hat und die Crew auf ihrer Mission begleitet. K't'lk gibt zwar die ganze Zeit einen unverständlichen wissenschaftlichen Kauderwelsch von sich, ist aber auf Grund ihrer umgänglichen und offenen Art eine sehr sympathische Figur, die ich gerne noch einmal wiedergesehen hätte.  *

Der Roman beginnt in gemächlichem Tempo, aber auch dies ist man schon gewöhnt. Also wartete ich geduldig auf die Stelle im Buch, an dem die Handlung Fahrt aufnimmt. Leider sollte dieser Moment nie kommen. Die Enterprise-Crew schwafelte ununterbrochen über die traumartigen Erlebnisse während des Inversionsantriebes, und das auf eine unerträglich ausschweifende und gestelzte Art. Zwischendurch tauchte dann doch mal eine Stelle im Buch auf, an der ich dachte, es könnte doch noch ganz spannend werden: Man plant nämlich eine Untersuchung jenseits der Kleinen Magellanschen Wolke, trotz der drohenden Gefahr, dort in der festgefrorenen Zeit gefangen zu sein. Aber statt des erhofften packenden Abenteuers folgte nur noch mehr esoterisches Psychogebrabbel, das sich für mich wie die Beschreibung eines Drogentrips las. Ich fand überhaupt keinen Zugang zu dieser Geschichte und kämpfte irgendwann nur noch darum, den Roman irgendwie hinter mich zu bringen.  

Die schlechte Übersetzung tut ihr Übriges, um den ohnehin schon spärlich vorhandenen Lesespaß zusätzlich zu trüben. Mal abgesehen davon, ständig auf Anglizismen wie "Starship", "Star Base", "Maelstrom" und auf Kreationen wie "Navo-Computer" zu stoßen, scheint der Übersetzer auch ein echtes Faible für Bindestriche zu haben. Der Text ist gespickt mit Substantiven, die ohne Bindestrich zweifellos schöner aussehen würden: "Warp-Antrieb", "Energie-Verlust", "Ruder-Konsole" (autsch!), "Brücken-Crew", "Photonen-Torpedos", "Büro-Komplex", "Impuls-Triebwerke" etc. Da bekommt man Lust, das Buch in die nächste Müll-Tonne, - ähm, Mülltonne zu schmeißen!


Erwähnenswert wäre da noch ein Widerspruch gegen den offiziellen Kanon: Auf Seite 182 erinnert sich Kirk daran, früher mal einem Buckelwal begegnet zu sein. Tja, als Star Trek-Romanautor hat man es wirklich nicht leicht. Wie soll man im Jahre 1983 darauf kommen, dass diese Spezies nur wenig später für ausgestorben erklärt wird?

Fazit: Es tat mir noch nie so leid wie hier, einem Star Trek-Roman eine negative Gesamtbeurteilung zu verpassen, weil ich weiß, dass dieses Buch eigentlich gar nicht schlecht ist. Es liegt allein an mir, da ich überhaupt keinen Draht zu psychologischen Themen habe und mir das Buch schlichtweg zu hoch ist. Die Ansätze finde ich ausgesprochen interessant und auch die Chemie zwischen den Charakteren stimmt, aber die Umsetzung geriet so anstrengend und teilweise regelrecht unlesbar, dass ich sehr froh war, als ich das Buch endlich durchhatte.

*) Wie CuxTrekkie völlig richtig bemerkte, gibt es in "Spocks Welt" und "The Empty Chair" noch weitere Auftritte der sympathischen Glasspinne (siehe Kommentare). Vielen Dank für den Hinweis!

2,5/5

Charaktere getroffen? ****
Spannung: *
Humor: **
Action: **
Gefühl: ***
originelle Handlung? ****
Anspruch: *****

Vorwissen nötig?
Geht wohl auch für "normale" Bücherwürmer, sofern sie etwas für spirituelle Themen und Psychologie übrig haben.

Kommentare:

  1. »K't'lk […] ist […] eine sehr sympathische Figur, die ich gerne noch einmal wiedergesehen hätte.«

    Dann solltest Du mal wieder » Spock's World« oder »The Empty Chair« (Nach-Nachfolger von »My Enemy, My Ally«) von der selben Autoren lesen :)

    Ich fand den Roman auch ambitioniert, aber irgendwie schlecht verdaulich.

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  2. War K't'lk bei "Spocks Welt" etwa auch dabei? Ist mir wohl entgangen... Und "Empty Chair" werde ich wohl auslassen, solange es keine Übersetzung gibt. Ich finde die Romane der Autorin schon auf Deutsch nicht unbedingt leicht zu verstehen...

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  3. Hallo Ameise, über den Blog von turon47 habe ich Deinen gefunden und freue mich, dass Du schon so viele alte TOS-Romane besprochen hast. Oft bin ich absolut Deiner Meinung. So z. B. wenn es um die liebevolle und extrem detailverliebte Schilderung einer anderen Zivilisation in "Uhuras Lied" geht oder um die interessant und fesselnd geschilderte Vater-Sohn-Beziehung in "Sohn der Vergangenheit". Beide Bücher gehören auch zu meinen Favoriten unter den Romanen, die in den frühen 80er Jahren erschienen sind. Allerdings mag ich auch "Der verwundete Himmel":

    Ich habe auch nicht unbedingt einen Draht zu psychologischen Themen, aber die Grundidee des Buches, dass man eine Reise zu weit entfernten Sternen unternehmen will und dabei letztlich bei sich selbst ankommt, die gefällt mir ausgesprochen gut. Eigentlich ist das doch (zumindest in meinen Augen) eine Konstante in Star Trek: Es gibt dauernd ein Problem, eine Herausforderung oder ein Abenteuer, aber zugleich auch immer eine persönliche Ebene, die einzelne oder mehrere Charaktere direkt betrifft und die irgendwie mit den Ereignissen verknüpft ist. Vielleicht wollte Duane es auch so anlegen, in späteren Romanen scheint das ja auch geklappt zu haben, hat hier aber einfach übertrieben? Über weite Teile des Textes geht es auch aus meiner Sicht zu vordergründig um das Innenleben der Crew und die eigentliche Handlung, die diese Abschnitte tragen sollte, tritt dabei immer weiter zurück. Hinzu kommt noch, dass die ständige Erforschung des Innenlebens teilweise sehr sentimental und kitschig ausgefallen ist.

    Das lange Geschwafel mag ich aber trotzdem! Ich weiß zwar auch nicht, ob ich die teilweise recht krude Vermischung der unterschiedlichsten Konzepte aus Religion, Mythologie, Philosophie, Physik, Mathematik, Esoterik und eigener Phantasie nun besonders schlau und hintergründig oder eher wirr und unstrukturiert finden soll, aber irgendwie macht sie mir trotzdem Spaß. Es stecken einfach viele unterschiedliche Denkansätze und Ideen drin, die ich spannend finde ...

    Hm ... am Anfang des Textes hatte ich mir vorgenommen, für eine bessere Bewertung zu plädieren, aber ich habe eben noch mal ein paar Abschnitte gelesen und muss zugeben, dass es sehr darauf ankommt, ob man dieses ewige Gerede über Gott und die Welt mag. Ich kann mit den 2,5 Punkten wohl doch leben. ;-)

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  4. Hallo Christian,

    Wow, Dein Kommentar ist ja schon eine Rezension für sich! ;-)

    2,5 Punkte bedeuten bei mir in Worten ausgedrückt "geht gerade noch"; als schlecht mag ich den Roman nicht bezeichnen, nur weil ich ihn höchstwahrscheinlich nicht kapiert habe. Wie Du schon sagst, ist das "Geschwafel" in den späteren Romanen erträglicher bzw. verständlicher. Man muss der Autorin zugute halten, dass ihr Schreibstil nicht einer gewissen Poesie entbehrt, nur war es für mich in diesem Roman einfach zuviel Bla Bla und zuwenig Handlung. Mit Technobabble wäre ich irgendwie noch klargekommen, aber diese metaphysischen Themen, die hier aufgeworfen werden, liegen mir leider überhaupt nicht. Scheinbar ging es nicht nur mir so: Meine Mitleserin z.B. hat mittendrin das Handtuch geworfen. Andere wiederum zählen diesen Roman zu ihren Lieblings-ST-Büchern. Es ist übrigens keineswegs ausgeschlossen, dass ich mir dieses Buch nochmal vornehme, wenn ich eines schönen Tages meine philosophische Ader entdecke... ;-)

    Freut mich, dass Dir der Roman gefallen hat, und vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar!

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  5. Vielen Dank für die Rückmeldung. Ja, mein Kommentar ist wirklich etwas lang geworden ... vielleicht habe ich einfach eine Schwäche für umfangreiches Geschwafel?! :D

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  6. Ich habe nochmal nachgelesen: In »Spocks Welt« tritt K's't'lk in der Debatte um den Verbleib Vulkans in der Föderation als erste Rednerin (gegen die Abspaltung) auf – mit der schönen Begründung, dass es auf Vulkan Sitte sei, der am wenigsten humanoiden Spezies zuerst das Rederecht einzuräumen :).

    Natürlich ist K's't'lk nicht K't'lk, aber als sie (K's'…) in »Swordhunt« Ael t'Rllaillieu (Frau Duane scheint eine Vorliebe für ausgefallene Namen zu haben :)) durch Kirk vorgestellt wird, erwähnt sie, dass sie sich mal in seinem Quartier reproduziert hätte … und auf Memory Alpha steht, dass das 's' was mit Scotty zu tun hat (?). Es wird also bestimmt noch ein Buch nach »Der verwundete Himmel« und vor »Spocks Welt« geben, in dem dieser Vorfall genauer erklärt wird (¿Tochter? ¿Klon? ¿Phœnix aus der Asche?); andererseits sollte man manche Dinge vielleicht besser der Fantasie überlassen ;).

    Auf jeden Fall ist es schön zu realisieren, dass es auch in den »alten« Romanen durchaus etwas Kontinuität gab, wenn auch nur Autor-spezifische.

    PS: Auch von mir nocheinmal ein großes Lob für diesen schönen Blog!

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