Dayton Ward, Kevin Dilmore, David Mack, Marco Palmieri
Vanguard Nr. 6, erschienen bei Cross Cult
(470 S., Original: Declassified)
Endlich, endlich geht sie weiter, die beste Star Trek-Romanserie der letzten Jahre, wenn auch anders als gewohnt: Statt einer normalen Romanfortsetzung werden hier vier Kurzgeschichten erzählt, die sich zwar alle um die Raumstation 47 alias Vanguard drehen, sonst aber nicht allzuviel miteinander zu tun haben. Keine schlechte Idee - immerhin war die Serie von Anfang an in mehrere Handlungsfäden an den verschiedensten Schauplätzen angesiedelt.
"Beinahe Morgen" von Dayton Ward ist sozusagen ein Prequel, da es noch vor dem ersten Band "Der Vorbote" spielt. Der Bau der Station ist noch nicht komplett abgeschlossen, und nach und nach finden sich Personal, Händler und auch so einige zwielichtige Zeitgenossen ein. Das ungewöhnlich starke Interesse der Klingonen an dieser Weltraumregion weckt das Misstrauen der Sternenflotte: Sollten sie etwa auch hinter dem geheimnisvollen Meta-Genom her sein?
Die erste Geschichte ist ruhig, unspektakulär und erzählt im Grunde kaum etwas Neues, ist aber als kleine Gedächtnisauffrischung ganz nützlich. Es ist ja auch schon eine gefühlte Ewigkeit her, als die Saga ihren Anfang nahm, noch niemand eine leise Ahnung über die Hintergründe des Meta-Genoms hatte, Diego Reyes noch der Stationskommandant war und T'Prynn noch von der bösartigen Katra ihres Ex-Verlobten gepeinigt wurde. Die neuen Bewohner der Station müssen sich erst einmal beschnuppern, die ersten Beziehungen bilden sich, und nicht alle Personen erweisen sich als vertrauenswürdig. Das ist durchaus ganz reizvoll; mehr jedenfalls als die Handlung, die unaufgeregt vor sich hinplätschert und sehr abrupt endet, so dass man am liebsten gleich noch mal "Der Vorbote" lesen würde.
Kevin Dilmores Beitrag, "Schlechte Nachrichten", dreht sich ganz um den Reporter Tim Pennington. Dieser hat gerade seinen größten Triumph als Journalist gefeiert, indem er in Reyes' Auftrag streng geheime Informationen veröffentlichte. Nun nimmt eine ehrgeizige junge Kollegin mit Tim Kontakt auf und überredet ihn dazu, gemeinsam mit ihr auf dem Schiff des Gangsterbosses Ganz nach brisanten Informationen für die nächste große Story zu suchen. Schon sehr bald stellt sich die Aktion als noch gefährlicher heraus als befürchtet...
Diese Spionagestory wäre ja ganz spannend, wenn sie nicht so belanglos wäre. Belanglos deshalb, weil wir am Anfang des vierten Romans zwar erfuhren, dass Tim schwer an T'Prynns Zustand zu knabbern hatte, von einem unliebsamen Zwischenfall mit den Orionern aber keine Rede war. Es fällt auch schwer, Interesse für Penningtons neue Komplizin Amity Price zu entwickeln, denn auch sie wurde später mit keiner Silbe erwähnt. Folglich schien das Abenteuer an Bord der Omari-Ekon keinen bleibenden Eindruck auf Tim gemacht zu haben, was mir beim Lesen dann ganz genauso ging. Das Ende der Geschichte stellt unter diesen Umständen auch keine Überraschung dar. So bleibt der zweite Teil des Buches dann wohl hauptsächlich auf Grund der Ich-Perspektive im Gedächtnis, die bei Star Trek-Romanen Seltenheitswert hat. Wenigstens erfährt man hier den wahren Grund, warum Tim kurze Zeit darauf ausgerechnet T'Prynn hilft, die ja immerhin einst seine Karriere ruinierte.
"Die letzten edlen Männer" von Marco Palmieri sind eigentlich zwei Geschichten, die sich kapitelweise abwechseln. Die eine ist nun endlich die langersehnte Fortsetzung des fünften Romans. Rana Desai und Ezekiel Fisher sollen zu einem Planeten in der Taurus-Region fliegen, der von Menschen kolonisiert wurde und in Zukunft nicht mehr von Sternenflottenschiffen angeflogen wird. Die Bewohner wären etwaigen Angriffen der Klingonen oder Tholianer schutzlos ausgeliefert und sollen deshalb evakuiert werden. Außerdem haben Desai und Fisher den Auftrag, die Leiche des Sternenflottenoffziers Aole Miller zu bergen, der dort aus bislang ungeklärten Gründen ums Leben kam.
Währenddessen erfahren wir in Rückblicken von einer anderen Mission, die neun Jahre zuvor stattfand. Damals kam die U.S.S. Dauntless einer Föderationskolonie zu Hilfe, die von den Klingonen besetzt wurde. Im Orbit des Planeten angekommen, fand man die Lage unerwartet friedlich vor, was sofort Reyes' Misstrauen weckte: Warum kooperierten die Klingonen mit den Kolonisten, anstatt sie wie üblich einfach zu unterwerfen?
Die dritte Kurzgeschichte konzentriert sich zum großen Teil auf Fisher und Desai, die beiden Personen, die Diego Reyes am nächsten stehen und nun darunter leiden, dass ihr Freund bzw. Geliebter für sie so nah und doch so fern ist. Die Nebenstory bringt ein unerwartetes Wiedersehen mit Hallie Gannon, die man als Leser eigentlich schon längst geistig abgehakt hat, weil sie bereits im ersten Roman das Zeitliche segnete. Beide Handlungsstränge sind zwar nicht unbedingt spannend, aber zumindest rätselhaft, und verbreiten eine ganz eigentümliche, melancholische Stimmung. Zwar lässt sich das alles ganz prima lesen, nur ist mir absolut entgangen, welchen Zusammenhang diese beiden Handlungen haben sollen. Gibt es denn überhaupt einen?
"Und die Sterne blicken herab" spielt ungefähr sechs Monate nach "Vor dem Fall" und erzählt von Cervantes Quinn und seiner Partnerin Bridget "Bridy Mac" McLellan, die in einem Geheimauftrag der Sternenflotte unterwegs sind. Weil das Jinoteur-Muster von einem orionischen Frachter aufgezeichnet wurde, sollen Quinn und Bridy dessen Sensorlogbücher stehlen. Eine hochgefährliche Mission, die sich noch zuspitzt, als ihnen der Gangsterboss Ganz einen Kopfgeldjäger auf den Hals schickt...
Wie eigentlich fast vorherzusehen war, kommt das große Highlight des Romans zum Schluss. Nicht umsonst ist David Mack momentan sozusagen der Superstar unter den Trekautoren. Gekonnt brennt er ein rasantes und hochgradig spannendes Actionfeuerwerk ab, das gleichzeitig sowohl humorvoll als auch abgrundtief tragisch ist. Endlich mal eine Geschichte zum Eintauchen, die man atemlos in einem Rutsch durchlesen kann, aber leider viel zu schnell vorbei ist. Dieser vierte Teil ist wirklich große Klasse, auch wenn ich meinem Vanguard-Liebling Quinn ein besseres Schicksal gegönnt hätte...
Fazit: Ich muss gestehen, abgesehen von der letzten Geschichte reißt mich der sechste Vanguard-Band nicht unbedingt vom Hocker. Diese Reihe lebte zwar schon immer davon, dass die Handlung an vielen Orten und von vielen Personen getragen wurde, aber dennoch war es immer EINE Geschichte, eine runde Sache. Die vier Kurzgeschichten hingegen wirken etwas aus dem Zusammenhang gerissen und können den Zauber nicht so ganz hervorrufen, wie es die Vorgänger vermochten. "Enthüllungen" ist zwar kurzweilig und alles andere als enttäuschend, aber den hohen Standart der anderen Vanguard-Romane kann es nicht halten. Im Grunde wirkt das Buch wie ein Appetithäppchen, das die Vorfreude auf den nächsten "richtigen" Roman erst recht anheizt. Also heißt es wieder warten...
3,5/5
Charaktere getroffen? ****
Spannung: **
Humor: **
Action: ****
Gefühl: ***
originelle Handlung? ****
Anspruch: ***
Vorwissen nötig?
Dieses Buch könnte durchaus für Leute interessant sein, die noch keinen Vanguard-Roman gelesen haben und nun in die Serie hineinschnuppern möchten. Zumindest für die erste Geschichte braucht man ja auch keinerlei Vorwissen. Was die anderen Storys betrifft, erhält man zumindest mal einen groben Überblick. Einen Versuch ist es jedenfalls wert. Unnötig zu erwähnen, dass Vanguard-Kenner den Geschichten sehr viel besser folgen können.
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Montag, 15. August 2011
Sonntag, 13. Juni 2010
Offene Geheimnisse
Dayton Ward, Kevin Dilmore
Vanguard Nr. 4, erschienen bei Cross Cult
(400 S., Original: Open Secrets)
Der mittlerweile vierte Teil der tollen "Vanguard"-Reihe erzählt die vielen begonnenen Handlungsfäden der Vorgänger nahtlos weiter. Nach dem Verschwinden des Jinoteur-Systems scheint die Gefahr durch die Shedai für das erste gebannt. Commodore Diego Reyes muss sich vor Gericht verantworten, während Admiral Nogura das Kommando über die Raumstation 47 bzw. Vanguard übernimmt. Dr. M'Benga kümmert sich derweil um T'Prynn, die am Ende des dritten Romans ins Koma fiel. Gemeinsam mit Tim Pennington bringt M'Benga seine Patientin nach Vulkan, wo eine unorthodoxe Behandlung durch einen vulkanischen Heiler ihr helfen könnte. Außerdem schafft es Ming Xiong schon wieder, in Schwierigkeiten zu geraten: Diesmal wird er von den Klingonen entführt, die sich von dem jungen Wissenschaftler neue Erkenntnisse über das Meta-Genom erhoffen...
Die Inhaltsangabe lässt es schon vermuten: Auch im vierten Teil wird die Handlung an vielen Schauplätzen vorangetrieben, was man vielleicht schon als Markenzeichen der Serie sehen kann. Trotz der vielen kurzen Kapitel, die meist nur ein paar Seiten lang sind, und den anschließenden Szenenwechseln kommt "Offene Geheimnisse" meist sehr ruhig daher. Nachdem besonders die Teile 2 und 3 ein unglaublich hohes Tempo mit viel Action und Spannung an den Tag legten, schalten die Autoren hier ein paar Gänge zurück und lassen erstmal ein wenig Ruhe einkehren. An sich ist diese Vorgehensweise sehr lobenswert, aber die vergleichsweise handlungsarme Geschichte hätte locker auch mit weniger Seiten auskommen können. Es ist zwar interessant, das Gerichtsverfahren um Commodore Reyes mitzuverfolgen, aber spannend ist es nicht, zumal man wenig Neues über seinen Charakter erfährt. Genauso ist es auch mit T'Prynn: Die Szenen auf Vulkan haben zweifellos ihren Reiz, aber eine T'Prynn, die fast den ganzen Roman über im Koma liegt, kann auf Dauer nicht fesseln. Aber wenigstens wird sie ENDLICH mal von der bösartigen Katra ihres Verlobten Sten befreit. (Hey, Spoilervorwürfe sind unfair - irgendwann musste es ja mal passieren!) Nachdem sich der innere Kampf T'Prynn vs. Sten über alle vier Romane hinzog, ging mir dieses dauernde "Unterwirf dich!" (bzw. "Unterwerfe dich!", wie es im zweiten Roman in eigenwilligem Deutsch hieß), ziemlich auf den Geist. Ich bin gespannt, wie es mit der katralosen Vulkanierin weitergeht!
Der größte Wermutstropfen für mich persönlich war aber die fast vollständige Abwesenheit von Cervantes Quinn. Dieser liebenswerte Verlierer war von Anfang an meine Lieblingsfigur bei den Vanguard-Romanen und tauchte hier nur mal kurz in einem einzigen Kapitel auf - und dieser Roman hat ganze 60 Kapitel!
Durch die tollen Vorgängerromane wurde die Messlatte sehr hoch gelegt, an die der vierte Teil nicht ganz heranreichte. Trotzdem ist "Offene Geheimnisse" weit davon entfernt, nur durchschnittlich zu sein. Man staunt immer wieder, mit welcher Leichtigkeit die Autoren es schaffen, die Ereignisse dieses Romans in das "offizielle" Star Trek-Universum einzufügen. Das Auftauchen von "realen" Figuren aus TV-Folgen und Kinofilmen wie dem oben erwähnten Dr. M'Benga, Dr. Carol Marcus oder dem Klingonen Chang sorgt einerseits für eine gewisse Vertrautheit und gibt andererseits diesen Charakteren mehr Hintergrund. Das Schöne ist, dass der Auftritt der wenigen bekannten Figuren nicht wie an den Haaren herbeigezogen wirkt, sondern immer passend zur Handlung ist.
Insgesamt macht der Roman den Eindruck eines langen Anlaufs für den fünften Teil, der sicher wieder an Tempo zulegen wird. Obwohl er nicht ganz mit den anderen Vanguard-Romanen mithalten kann, bietet auch "Offene Geheimnisse" Unterhaltung auf hohem Niveau. Da diese Reihe eine echte Fortsetzungsserie ohne abgeschlossene Handlung ist, kommt man sowieso nicht um den vierten Teil herum. Dieser schürt auf jeden Fall die Vorfreude auf Teil 5, zumal dann auch endlich wieder Quinn dabei ist!
Fazit: Trotz einer kleinen Verschnaufpause und ein paar Seiten zuviel ist "Offene Geheimnisse" immer noch ein sehr unterhaltsames Buch. Star Trek-Fans, die Fortsetzungs-Romane mit offenen Enden nicht scheuen, sollten dieser tollen Serie unbedingt eine Chance geben.
4/5
Charaktere getroffen? ****
Spannung: ***
Humor: **
Action: ***
Gefühl: ****
originelle Handlung? ***
Anspruch: *****
Vorwissen nötig?
Auf jeden Fall muss man die Vorgänger kennen. Wenn man diese kennt, funktioniert die Reihe wahrscheinlich auch für Nicht-Trekker, aber Star Trek-Kenner sind auf Grund der vielen Anspielungen klar im Vorteil.
Freitag, 11. Juni 2010
Rufe den Donner
Kevin Dilmore, Dayton Ward
Vanguard Nr. 2, erschienen bei Cross Cult
(437 S., Original: Summon the Thunder)
"Rufe den Donner" ist der zweite Teil um die Raumstation 47 alias Vanguard. Die Handlung des Vorgängerromans "Der Vorbote" wird hier nahtlos fortgesetzt. Starfleet versucht noch immer, im Taurussystem dem Geheimnis des Meta-Genoms auf die Spur zu kommen, was auch die Klingonen und Tholianer auf den Plan ruft. Erstmals mischen auch die Romulaner mit, von den anderen Spezies unbemerkt. Bei einer Außenmission werden diverse Starfleet-Offiziere und Wissenschaftler von einem unglaublich mächtigen Alien dahingemetzelt, auch ein paar Klingonen erleiden nur wenig später auf einem anderen Planeten dasselbe Schicksal. Eine uralte Spezies ist hier am Werk, die sich gegen jeden Eindringling rigoros verteidigt...
Der Roman besticht genau wie sein Vorgänger durch viele kleine Einzelstories, die sich geschickt zu einem einheitlichen Puzzle zusammenfügen. Das so etwas auch grandios daneben gehen kann, musste ich im 2. Teil der "Titan"-Reihe erleben. Hier allerdings funktioniert es perfekt. Die vielschichtigen Charaktere sind wunderbar beschrieben und mir in der Zwischenzeit richtig ans Herz gewachsen. Die Handlung ist genauso vielseitig wie die Figuren: Die Action nimmt im Vergleich zum ersten Teil noch einmal zu, und manche Szenen könnten durchaus auch in einem Horrorroman bestehen. Zwischendurch gibt es aber auch dank meiner absoluten Vanguard-Lieblingsfigur, dem heruntergekommenen Glücksritter Cervantes Quinn, immer wieder Passagen, die einfach nur zum Schreien komisch sind. Zusammen mit dem gescheiterten Reporter Tim Pennington und dem nervigen Zakdorn Armnoj muss er einen äußerst riskanten Job für den Gangsterboss Ganz erledigen. (Wehe, irgendeinem Autor fällt es ein, Quinn in einem der Nachfolgeromane das Zeitliche segnen zu lassen!) Im Vorgängerroman erhielt die Vanguard-Crew ja noch Schützenhilfe von Kirk und Spock. Aber schon nach einem Roman haben sich die neuen Figuren dermaßen gut etabliert, dass mir erst hinterher auffiel, dass die Enterprise-Crew diesmal gar nicht dabei war.
Leider wird das Lesevergnügen durch die vielen Rechtschreibe- und besonders durch die Grammatikfehler merklich getrübt. Zweimal wurden auch mal Personen verwechselt. Keine Ahnung, womit der Lektor während des Korrekturlesens beschäftigt war. Normalerweise reite ich nicht auf soetwas herum, aber die Syntax-Aussetzer überschreiten mühelos jede Toleranzgrenze. Es ist sehr schade, dass sich der Cross Cult-Verlag einerseits so viel Mühe gibt mit der hochwertigen Aufmachung des Romans und dem Bonusmaterial, welches nur in der deutschsprachigen Ausgabe enthalten ist, und anderseits den guten Eindruck durch ein derartig schlampiges Lektorat verdirbt. Nur aus diesem Grund ziehe ich einen Punkt ab. Trotz dieses Schönheitsfehlers ist auch der zweite Teil ein äußerst gelungener Roman, der gegenüber dem Vorgänger auch noch den Vorteil hat, dass man nicht erst die Figuren kennenlernen musste. "Rufe den Donner" macht auf jeden Fall Lust auf mehr!
4/5
Charaktere getroffen? ****
Spannung: *****
Humor: ****
Action: *****
Gefühl: **
originelle Handlung? ****
Anspruch: *****
Vorwissen nötig?
Eigentlich nicht, sofern man den 1. Roman kennt. Star Trek-Kenner haben aber garantiert mehr davon.
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