Willkommen auf meinem Star Trek-Blog! Seit ungefähr Anfang der 90er bin ich ein großer Star Trek-Fan, und irgendwann fing ich auch mal an, die Romane zu lesen. Dies soll ein Versuch sein, alle von mir geschriebenen Star Trek-Roman-Rezensionen einigermaßen kompakt zu präsentieren. Es würde mich freuen, wenn sich der eine oder andere bei meinen Bewertungen einen Tipp abholen kann. Wie man sehen kann, habe ich unter jede Rezension auch einzelne Aspekte wie Humor oder Spannung extra bewertet. Auch fehlte mir bei anderen Rezensionen immer der Hinweis, ob ein Star Trek-Roman auch für Nicht-Trekkies oder Neulinge geeignet ist oder nicht, deshalb gehe ich auch auf diesen Punkt ein.

Ich habe versucht, nicht allzuviel zu spoilern, aber absolute Spoiler-Allergiker möchte ich gleich darauf hinweisen, dass ich in fast jeder Rezi auch ein wenig auf den Inhalt des Buches eingehe. Ich finde es immer witzlos, wenn man rein gar nichts über das Thema eines Buches erfährt.

Ein Wort noch zu den verwendeten Fotos: Ich hätte die Cover auch einscannen können, fand aber die Idee mit den Fotos irgendwie schöner, gerade weil sie so dilettantisch aussehen ;-)
Kommentare, Tipps oder auch Rezensionswünsche sind jederzeit willkommen!

Und nun viel Spaß beim Stöbern!

Montag, 7. November 2011

Fremde vom Himmel

Margaret Wander Bonanno

Die Anfänge Nr. 2, erschienen bei Heyne

(480 S., Original: Strangers from the Sky)

"Fremde vom Himmel" - so lautet der Titel eines Buches, das im späten 23. Jahrhundert für Furore sorgt. Immerhin widerspricht es der allgemein gängigen Geschichte des ersten Kontaktes zwischen den Menschen und einer außerirdischen Rasse. Offiziell trafen die Menschen zum ersten Mal auf Aliens, als ein Raumschiff von der Erde Alpha Centauri erreichte. Und nun schlägt "Fremde vom Himmel" ein wie eine Bombe, indem es eine völlig andere Version erzählt. Laut diesem Buch fand der tatsächliche Erstkontakt schon früher statt, als ein vulkanisches Raumschiff in den Pazifik stürzte und zwei der Insassen gerettet werden konnten.
 Nach langem Zureden ist es Dr. McCoy endlich gelungen, Admiral Kirk zum Lesen dieses Buches bewegen - und bereut es kurze Zeit schon wieder: Zwar ist sein bester Freund sofort Feuer und Flamme für den Roman, allerdings in einem ungesunden Ausmaß, das schon an Besessenheit grenzt. Kirk glaubt sich an die Ereignisse in diesem Buch erinnern zu können, so als wäre er damals dabei gewesen, und dass die Sache in einer Katastrophe endete. Nach und nach zweifelt Kirk an seinem Verstand, bis Spock ihm mitteilt, ganz ähnliche Visionen zu haben. Mittels Gedankenverschmelzung versuchen die beiden, die verborgenen Erinnerungen wieder ans Tageslicht zu bringen. Ausgangspunkt der gemeinsamen "Reise" in die Vergangenheit ist die Zeit, als Kirk gerade das Kommando über die Enterprise bekam und mit seinem neuen Ersten Offizier Spock zunächst nicht ganz glücklich war...

Wie man sich anhand der Inhaltsangabe schon denken kann ist dieser Roman in der Zwischenzeit natürlich hoffnungslos veraltet. Nicht nur der offzielle Star Trek-Kanon setzte die Ereignisse dieses Buches mit dem achten Kinofilm gnadenlos außer Kraft, sondern auch das wirkliche Leben. In dieser Geschichte, die sich größtenteils im Jahr 2045 abspielt, sind beispielsweise die Ostblockstaaten noch genau so sozialistisch wie anno 1987, dem Erscheinungsjahr des Buches. Wer sich nicht darauf einlassen kann oder will, dem entgeht einer der lesenswertesten TOS-Romane überhaupt. Denn ob überholt oder nicht: Die Handlung dieses Buches ist so dicht, originell und gut durchdacht wie in kaum einem anderen Star Trek-Roman. "Fremde vom Himmel" ist enorm kurzweilig und unterhaltsam, so dass man das Buch trotz seiner verhältnismäßig hohen Seitenzahl zügig durchlesen kann. Der Aufbau der Geschichte ist sehr geschickt gemacht und trotz der recht komplexen Struktur gut nachvollziehbar. Was Star Trek-Romane für mich so reizvoll macht ist unter anderem die Möglichkeit, die Serien und Filme durch Geschichten zu bereichern, die auf dem Bildschirm bzw. der Kinoleinwand kaum zu realisieren wären. "Fremde vom Himmel" hat mit seiner breit angelegten Rahmenhandlung und den vielen Schauplätzen definitiv Kinoformat, nur eben in Romanform.

Die Geschichte spielt sich in drei verschiedenen Zeiten ab: im Jahr 2045, in der Zeit zwischen dem ersten und dem zweiten Film und unmittelbar vor der Episode "Die Spitze des Eisbergs". Zu den Hauptprotagonisten des Romans zählen neben Kirk und Spock daher Figuren aus eben jener Folge: Gary Mitchell, Dr. Elizabeth Dehner und Lee Kelso. Auffällig ist hierbei das sehr freundschaftliche, fast schon kumpelhafte Verhältnis zwischen dem damals blutjungen Captain und seiner Crew, mit Ausnahme von Spock. Wie man erfährt, konnten sich Kirk und Spock am Anfang ihrer gemeinsamen Dienstzeit nicht besonders gut leiden; eine interessante Parallele zum 11. Kinofilm. Während der Reise in die Vergangenheit lernt Kirk dann, Spock zu vertrauen, bis sich diese einzigartige Freundschaft zwischen den beiden entwickelt - hier für meinen Geschmack ein wenig zu sehr! Man lasse sich nur mal folgenden Ausschnitt auf der Zunge zergehen (S. 471):

Spock trat näher heran - eine hilfsbereite, schützende Präsenz. "Es war eine starke Stimulation notwendig, um unsere Reminiszenzen zu reaktivieren." 
 "Mir ist kalt", stieß Kirk hervor, von sich selbst überrascht. Er wandte sich dem Kamin zu, entzündete ein Feuer. Spock blieb neben ihm, um seine Seele zu wärmen.

Anhänger der K/S-Fanstorys dürften ihre helle Freude daran haben...

Und damit wären wir auch schon bei den Schwächen des Romans. Nein, es sind nicht die Kanon-Widersprüche, die meine Begeisterung ein wenig dämpfen, sondern etwas wesentlich Schlimmeres: Die Charaktere sind meiner Meinung nach sehr unglaubwürdig dargestellt. Spock wirkt gefühlsduselig, Kirk zu unbeherrscht, Kelso scheint einfach alles zu können. Ganz am Anfang werden zwei Tangfarmer namens Yoshi und Tatya vorgestellt, die zunächst sehr gut beschrieben werden und große Teile der Handlung tragen, aber gegen Ende hin immer mehr in der Bedeutungslosigkeit versinken. "Fremde vom Himmel" hat ein sehr simples Gut-Böse-Schema: Es gibt nur das eine oder das andere, ohne Grauzonen. Entweder sind die Figuren edel, hilfreich und gut (wie z.B. Spocks Vorfahr Jeremy Grayson) oder aber Schurken der übelsten Sorte, die in einem James-Bond-Film nicht stereotyper sein könnten. Die einzige, leider unrühmliche Ausnahme stellt Melody Sawyer dar. Sie steht zwar eigentlich auf der Seite der "Guten", nervt aber total mit ihrer engstirnigen Sichtweise und ihrem Rassismus.

Kritik muss sich auch der Heyne-Verlag gefallen lassen. Der Name der Autorin besteht aus drei Wörtern, und man hat es tatsächlich fertiggebracht, auf dem Cover jedes einzelne von ihnen falsch zu schreiben ("Margret Wonder Bonano" statt "Margaret Wander Bonanno")! Wenigstens auf dem Buchrücken steht der Name dann korrekt da.

Trotz der Kritikpunkte muss man dem Roman zugutehalten, dass er auf jeden Fall ein ganz besonderer Star Trek-Roman ist, den man nicht so schnell wieder vergisst. Und ganz ehrlich - meiner Meinung nach steht der hier beschriebene Erstkontakt jenem im achten Film in nichts nach. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass die Reaktionen auf Außerirdische auf der Erde ungefähr so ausfallen könnte wie in dieser Geschichte. Schön finde ich übrigens noch, dass die "Aliens" zur Abwechslung mal nicht in den USA landen, sondern im Südpazifik, und dass die Ehre des Erstkontakts einem Japaner und einer Ukrainerin zuteil wird. Originelle Ideen wie das "Buch-im-Buch"-Konzeptes und des rückwärts durch die Zeit reisenden Ägypters werten das Buch gehörig auf. Erfreulicherweise sind auch die Szenen, die ohne die bekannten Charaktere auskommen, sehr interessant; etwas, das längst nicht in jedem Star Trek-Roman der Fall ist.

Fazit: Wenn man den Kanon einfach mal ausblenden kann, würde ich dieses Werk jedem trekbegeisterten Bücherwurm empfehlen. Punktabzug gibt es lediglich für die ziemlich platten Charakterbeschreibungen.

4/5

Charaktere getroffen? **
Spannung: *****
Humor: **
Action: ****
Gefühl: ***
originelle Handlung? *****
Anspruch: ****

Vorwissen nötig?
 Man sollte sich schon etwas genauer mit TOS auskennen und insbesondere die Folge "Die Spitze des Eisbergs" gesehen haben. Denn auch wenn das Buch inzwischen überholt ist, hielt sich die Autorin sehr genau an den damals gültigen Kanon und ließ zahlreiche Elemente aus der Serie und den Filmen in den Roman einfließen.

Montag, 26. September 2011

Full Circle

Kirsten Beyer

Voyager, erschienen bei Simon & Schuster

(561 S.)

Ich weiß noch genau, wie es für mich war, als die letzte "Voyager"-Folge "Endspiel" erstmals bei Sat 1 lief. Die ganze Zeit war ich völlig hingerissen von diesem packenden Zweiteiler, aber als sich die Sendezeit bedrohlich dem Ende näherte und sich Captain Janeways Crew immer noch im Delta-Quadranten befand, stellte ich mir die bange Frage, wie um alles in der Welt die Geschichte in den paar Minuten noch zu einem angemessenen Abschluss gebracht werden sollte. Und zack - auf einmal erreichte die Voyager wieder den heimatlichen Alpha-Quadranten, und damit war die Serie vorbei. Das war also der Moment, dem man sieben Staffeln lang entgegenfieberte. Und nun?

Wie schon bei anderen Star Trek-Serien auch, wurde erfreulicherweise auch VOY in Romanform weitererzählt. In vier Romanen von Christie Golden erlebten die Crewmitglieder neue Abenteuer. Und dann... starb Kathryn Janeway. Noch nicht mal in einem "Voyager"-Roman, sondern in "Heldentod" aus der TNG-Reihe. Kurze Zeit später wirbelten die Ereignisse aus "Destiny" die Star Trek-Bücherwelt gehörig durcheinander. Wieder stellte sich die Frage: Und nun? Wie ging es jetzt mit der Voyager und ihrer Crew weiter?

Sicher hatten es die Romane, die sich unmittelbar an die spektakuläre "Destiny"-Trilogie anschlossen, nicht gerade einfach. Captain Picards Crew widmete sich in "Den Frieden verlieren" der humanitären Hilfe, die Titan kehrte in "Stürmische See" sehr schnell wieder zum Forschungsalltag zurück, und mit "Einzelschicksale" erlebten wir eine sachliche Sichtweise aus Politikerperspektive auf die Auswirkungen der verheerenden Borg-Schlacht. Kirsten Beyer ging die Sache ein wenig anders an. Statt die Handlung ihres "Voyager"-Romans ebenfalls direkt an die "Destiny"-Trilogie anknüpfen zu lassen, erzählt sie eine komplexe Geschichte, die sich über den Zeitraum von drei Jahren hinzieht,  die Handlungsstränge aus den Vorgängerromanen aufgreift und das Geschehen vor, während und nach "Destiny"einschließt. Dabei springt die Handlung in der Zeit vor und zurück, und wer bei so etwas leicht den Überblick verliert (wie ich zum Beispiel), sollte sich beim Lesen besser ein paar Notizen machen. Es lohnt sich auf jeden Fall!

Schon der Epilog hat es in sich: In einem Restaurant in Venedig wartet Chakotay auf Janeway, mit der er sich verabredet hat, doch sie taucht nicht auf. Von ihrem ehemaligem Verlobten muss Chakotay erfahren, dass Kathryn tot ist.
Knapp zwei Jahre zuvor (2378):  Die alte Stammbesatzung arbeitet noch einmal zusammen, um B'Elannas und Toms kleine Tochter Miral, die laut einer Prophezeihung eine Art Messias für das klingonische Volk sein soll, vor zwei rivalisierenden Sekten zu beschützen. Danach trennen sich die Wege der meisten wieder, um erst wieder zu einem tragischen Anlass zusammenzufinden: Kathryn Janeways Trauerfeier.

Damit wäre knapp die Hälfte des recht umfangreichen Romanes vorbei und wir wieder beim Anfang des Buches, aber eigentlich geht es jetzt erst richtig los. Die Zeit fliegt nun dahin, und zwischendurch kommt es immer wieder zu Rückblicken, wodurch das Tempo deutlich anzieht und der Leser mehr als vorher gefordert wird. Im ersten Teil war der Roman ein reines "Voyager"-Abenteuer, das die Handlung der Vorgängerromane weitererzählte. Ab jetzt jedoch fügt sich das Geschehen nahtlos in die Ereignisse anderer ST-Romanreihen ein, insbesondere natürlich denen von "Destiny". Im zweiten Band der Trilogie konnte man ja schon erfahren, dass auch die Voyager an vorderster Front gegen die Borg kämpfte und schwer beschädigt aus der Schlacht hervorging. Wer jetzt ausufernde Raumschiff-Ballerszenen erwartet, irrt: Mehr als alles andere stehen die Charaktere im Vordergrund. Kirsten Beyer trifft jede einzelne der bekannten Figuren perfekt und stellt deren Seelenleben so anschaulich dar, dass man als Leser so richtig schön mitfühlen, oder in diesem Fall, mitleiden kann. "Full Circle" ist gerade deshalb ein Roman, der einen streckenweise ganz schön runterzieht. Die Grundstimmung ist sehr bedrückend und manchmal regelrecht deprimierend. Je weiter ich las, umso stärker kam bei mir der Gedanke auf, die Voyager wäre wohl besser im Delta-Quadranten geblieben. Für fast alle Charaktere brachte die Heimkehr kein Glück, ganz im Gegenteil. Ausgerechnet Harry Kim, wohl derjenige, der sich am allermeisten auf die Rückkehr in den Alpha-Quadranten freute, zieht am Ende verbittert Bilanz:

"It's not right. And no matter how I try to look at it, it's never going to be right again. It doesn't make any sense. It's like I had this life, and then I somehow wandered down the wrong path and ended up in some alternate reality."

Wenn man sich die Handlung von "Full Circle" so ansieht, kann man ihm da nur beipflichten. Harry selbst: lebensgefährlich verletzt und von seiner Verlobten verlassen. Janeway: tot. Chakotay: körperlich und seelisch ein Wrack. Seven: ebenfalls psychisch in einem desolaten Zustand. Paris und Torres: aus Angst um ihre Tochter zu einer verzweifelten Maßnahme gezwungen. Tuvok: verlor seinen Sohn (siehe "Destiny 3"). Einzig der Doktor brachte sein Leben nach dem unfreiwilligen Aufenthalt im Delta-Quadranten recht gut auf die Reihe.

Ja, der Roman ist deprimierend, aber er ist gut - verdammt gut sogar. Die "Voyager"-Romanserie ist bis auf wenige Ausnahmen ja eher von bestenfalls mittelmäßigen Werken geprägt, aber "Full Circle" ist ein echter Hammer. Es ist eines jener Bücher, die einen völlig gefangennehmen; eines jener Werke, bei denen man sich den Feierabend herbeisehnt, um endlich weiterlesen zu können. Die emotionale Wucht der Geschichte haut einen förmlich um, und mehr als einmal hatte ich beim Lesen einen dicken Kloß im Hals. Zwar hat der erste, etwas zu klingonenlastige Teil des Buches eine leichte Überlänge, aber dafür ist die zweite Hälfte schlichtweg zum Niederknien. Ganz ehrlich: Schon allein dieser Roman würde die Veröffentlichung der VOY-Relaunchreihe in Deutschland rechtfertigen (kleiner Wink mit dem Zaunpfahl an den Cross Cult-Verlag). Als einziger Roman im Kielwasser von "Destiny" kommt "Full Circle" ähnlich episch und mitreißend wie die Borg-Trilogie daher, mit dem Vorteil, dass Kirsten Beyer ein noch besseres Gespür für die Charaktere aufbringt als ihr Kollege David Mack. Dieses Buch wird sicher auch ST-Romanleser begeistern, die sich normalerweise nicht so recht für "Voyager" erwärmen können. Obwohl er vorwiegend von starken Charaktermomenten und großen Emotionen geprägt wird, weist er auch einen beachtlichen Spannungsbogen auf. Bemerkenswert sind noch die clever aufgebaute Handlung und der sehr einfühlsame Schreibstil.

Lange Rede, kurzer Sinn: "Full Circle" ist wirklich ganz großes Kino und für mich einer der besten Star Trek-Romane überhaupt. Unbedingt empfehlenswert!
 .
5/5

Charaktere getroffen? *****
Spannung: ****
Humor: *
Action: ***
Gefühl: *****
originelle Handlung? ****
Anspruch: *****

Vorwissen nötig?
Da ich die Vorgängerromane nicht kenne, kann ich behaupten, dass man diese auch nicht unbedingt gelesen haben muss, um "Full Circle" zu verstehen. Pflicht hingegen sind die "Destiny-Trilogie" und "Heldentod".

Sonntag, 21. August 2011

Der verwundete Himmel

Diane Duane

TOS Nr. 13, erschienen bei Heyne

(281 S., Original: The Wounded Sky)

Die Enterprise wird mit dem hochmodernen Inversionsantrieb ausgerüstet, der es möglich macht, im wahrsten Sinne des Wortes zu neuen Galaxien aufzubrechen. Das erste Ziel des Schiffes ist die Kleine Magellansche Wolke. Während des Fluges mit dem neuen Antrieb macht fast die gesamte Crew die merkwürdige Erfahrung, dass ihre Persönlichkeiten mit denen anderer Crewmitglieder oder sogar mit der Enterprise selbst verschmelzen. Doch das ist nicht das Schlimmste: Innerhalb der Kleinen Magellanschen Wolke scheint die Zeit stillzustehen, die Gesetze der Physik werden außer Kraft gesetzt. Schuld daran ist der Inversionsantrieb...

Diane Duanes Romane gehören eindeutig zu den anspruchsvolleren Werken unter den Star Trek-Büchern. Bei "Der verwundete Himmel" wird das bereits beim Lesen des alleresten Abschnitts klar:

"Das Problem beim Warten im Weltraum, um ein Raumschiff vorbeikommen zu sehn, liegt daran, daß ein Schiff, wenn es sich im Warp-Antrieb befindet, kaum vorhanden ist. Der Anderraum, in den das Warp-Feld es einbettet, ist eben anders; ein benachbartes, alternatives Universum, in dem die Naturgesetze anders sind, wo das Licht sich viele tausendmal schneller bewegt als in dem Universum, in dem die sechshundertdreiundachtig Spezies der Menschen beheimatet sind. Ein Raumschiff im Warp trägt eine Schale dieses Anderraums mit sich, so daß es sich in ihr mit vielfacher Lichtgeschwindigkeit durch das Analog-Universum bewegt, ohne überhaupt wirklich in unserem Universum zu sein oder gegen seine kaum meßbar niedrige Lichtgeschwindigkeit anzukämpfen. Innerhalb des Schiffes sind die Sensoren natürlich darauf kalibriert, die leichten Abweichungen des anders-universalen Sternenlichtes zu korrigieren, das alle Menschenrassen so störend finden. Außerhalb des Schiffes ist alles, was von dessen Passieren zu sehen ist, ein Zittern von Sternenlicht, da der Raum selbst erschüttert wird, sich wellt und langsam wieder glättet. Im Herzen dieses Schimmerns mag sich ein sehr schwacher, fahler Abglanz von Licht zeigen, nicht einmal ein Bild. Eine Impression, eine Andeutung, vielleicht nur eine Illusion."

Eines steht fest: Ich werde nie einen Diane-Duane-Roman im Original lesen...

"Der verwundete Himmel" war der erste Star Trek-Roman der Autorin und rückt die gesamte Crew als Gemeinsschaft stark in den Vordergrund. Die flachen Hierarchien, der vertraute Umgang miteinander und der deutlich erkennbare gegenseitige Respekt erzeugen eine angenehme, familiäre Atmospäre. Dieses Buch beinhaltet auch den ersten Auftritt von wiederkehrenden Figuren wie Herb Tanzer oder Lia Burke. Typischerweise treten in Diane-Duane-Büchern sehr exotische Aliens auf - hier sind es also die Hamalki, eine spinnenartige Spezies. Eine von ihnen ist die Wissenschaftlerin K't'lk, die den Inversionsantrieb entwickelt hat und die Crew auf ihrer Mission begleitet. K't'lk gibt zwar die ganze Zeit einen unverständlichen wissenschaftlichen Kauderwelsch von sich, ist aber auf Grund ihrer umgänglichen und offenen Art eine sehr sympathische Figur, die ich gerne noch einmal wiedergesehen hätte.  *

Der Roman beginnt in gemächlichem Tempo, aber auch dies ist man schon gewöhnt. Also wartete ich geduldig auf die Stelle im Buch, an dem die Handlung Fahrt aufnimmt. Leider sollte dieser Moment nie kommen. Die Enterprise-Crew schwafelte ununterbrochen über die traumartigen Erlebnisse während des Inversionsantriebes, und das auf eine unerträglich ausschweifende und gestelzte Art. Zwischendurch tauchte dann doch mal eine Stelle im Buch auf, an der ich dachte, es könnte doch noch ganz spannend werden: Man plant nämlich eine Untersuchung jenseits der Kleinen Magellanschen Wolke, trotz der drohenden Gefahr, dort in der festgefrorenen Zeit gefangen zu sein. Aber statt des erhofften packenden Abenteuers folgte nur noch mehr esoterisches Psychogebrabbel, das sich für mich wie die Beschreibung eines Drogentrips las. Ich fand überhaupt keinen Zugang zu dieser Geschichte und kämpfte irgendwann nur noch darum, den Roman irgendwie hinter mich zu bringen.  

Die schlechte Übersetzung tut ihr Übriges, um den ohnehin schon spärlich vorhandenen Lesespaß zusätzlich zu trüben. Mal abgesehen davon, ständig auf Anglizismen wie "Starship", "Star Base", "Maelstrom" und auf Kreationen wie "Navo-Computer" zu stoßen, scheint der Übersetzer auch ein echtes Faible für Bindestriche zu haben. Der Text ist gespickt mit Substantiven, die ohne Bindestrich zweifellos schöner aussehen würden: "Warp-Antrieb", "Energie-Verlust", "Ruder-Konsole" (autsch!), "Brücken-Crew", "Photonen-Torpedos", "Büro-Komplex", "Impuls-Triebwerke" etc. Da bekommt man Lust, das Buch in die nächste Müll-Tonne, - ähm, Mülltonne zu schmeißen!


Erwähnenswert wäre da noch ein Widerspruch gegen den offiziellen Kanon: Auf Seite 182 erinnert sich Kirk daran, früher mal einem Buckelwal begegnet zu sein. Tja, als Star Trek-Romanautor hat man es wirklich nicht leicht. Wie soll man im Jahre 1983 darauf kommen, dass diese Spezies nur wenig später für ausgestorben erklärt wird?

Fazit: Es tat mir noch nie so leid wie hier, einem Star Trek-Roman eine negative Gesamtbeurteilung zu verpassen, weil ich weiß, dass dieses Buch eigentlich gar nicht schlecht ist. Es liegt allein an mir, da ich überhaupt keinen Draht zu psychologischen Themen habe und mir das Buch schlichtweg zu hoch ist. Die Ansätze finde ich ausgesprochen interessant und auch die Chemie zwischen den Charakteren stimmt, aber die Umsetzung geriet so anstrengend und teilweise regelrecht unlesbar, dass ich sehr froh war, als ich das Buch endlich durchhatte.

*) Wie CuxTrekkie völlig richtig bemerkte, gibt es in "Spocks Welt" und "The Empty Chair" noch weitere Auftritte der sympathischen Glasspinne (siehe Kommentare). Vielen Dank für den Hinweis!

2,5/5

Charaktere getroffen? ****
Spannung: *
Humor: **
Action: **
Gefühl: ***
originelle Handlung? ****
Anspruch: *****

Vorwissen nötig?
Geht wohl auch für "normale" Bücherwürmer, sofern sie etwas für spirituelle Themen und Psychologie übrig haben.