Willkommen auf meinem Star Trek-Blog! Seit ungefähr Anfang der 90er bin ich ein großer Star Trek-Fan, und irgendwann fing ich auch mal an, die Romane zu lesen. Dies soll ein Versuch sein, alle von mir geschriebenen Star Trek-Roman-Rezensionen einigermaßen kompakt zu präsentieren. Es würde mich freuen, wenn sich der eine oder andere bei meinen Bewertungen einen Tipp abholen kann. Wie man sehen kann, habe ich unter jede Rezension auch einzelne Aspekte wie Humor oder Spannung extra bewertet. Auch fehlte mir bei anderen Rezensionen immer der Hinweis, ob ein Star Trek-Roman auch für Nicht-Trekkies oder Neulinge geeignet ist oder nicht, deshalb gehe ich auch auf diesen Punkt ein.

Ich habe versucht, nicht allzuviel zu spoilern, aber absolute Spoiler-Allergiker möchte ich gleich darauf hinweisen, dass ich in fast jeder Rezi auch ein wenig auf den Inhalt des Buches eingehe. Ich finde es immer witzlos, wenn man rein gar nichts über das Thema eines Buches erfährt.

Ein Wort noch zu den verwendeten Fotos: Ich hätte die Cover auch einscannen können, fand aber die Idee mit den Fotos irgendwie schöner, gerade weil sie so dilettantisch aussehen ;-)
Kommentare, Tipps oder auch Rezensionswünsche sind jederzeit willkommen!

Und nun viel Spaß beim Stöbern!

Mittwoch, 24. November 2010

Puppen

David Niall Wilson

Voyager Nr. 13, erschienen bei Heyne

(266 S., Original: Chrysalis)

So, jetzt ist es soweit. Es gibt einen Star Trek-Roman, der das Kunststück fertigbringt, NOCH schlechter als "Corona" zu sein. Aus diesem Grund sehe ich mich gezwungen, zum ersten Mal einem Roman die negativste Bewertung zu verleihen, die es auf diesem Blog gibt, nämlich einen halben Punkt!

Die Voyager befindet sich (wieder mal) auf der Suche nach Nahrungsmitteln und steuert deshalb den Planeten Urrytha an, wo es laut Neelix essbare Pflanzen geben soll. Zwar stellt man fest, dass die Sensordaten auf irgendeinem Grund beeinträchtigt werden, aber trotzdem beamt sich Captain Janeway mit einigen Mitgliedern ihrer Crew auf den Planeten. Schnell trifft man auf Einheimische, die friedlich zu sein scheinen. Als ein bajoranischer Fähnrich beim Kontakt mit einem bestimmten Blütenstaub namens Ambiana ins Koma fällt, lehnen die Urrythaner jegliche Hilfe ab - ganz im Gegenteil: Sie beneiden die Bewusstlose um ihren Zustand. Für die streng religiösen Urrythaner gibt es kein höheres Ziel, als mit Hilfe des Ambiana in Harmonie mit der "Einen Stimme" zu geraten und den "Langen Schlaf" zu erreichen (was immer das auch heißen mag...) Jedenfalls hindern die Bewohner des Planeten das Voyager-Außenteam daran, ihrem Crewmitglied zu helfen.

Zuerst die positiven Aspekte: Dies ist David Niall Wilsons einziger Star Trek-Roman.

Ansonsten... ähm... hmmmm....

Na gut, dann eben die schlechten: Oh Mann, ich verzeihe einem Star Trek-Roman ja so einiges. Er darf von mir aus gerne ein bisschen albern, unlogisch, uneins mit dem Kanon und sogar völlig hirnrissig sein, solange er nur einen klitzekleinen Unterhaltungswert besitzt. Aber dieses Machwerk hier ist dermaßen langweilig, dass ich beim Lesen auch ganz ohne Ambiana nur knapp dem "Langen Schlaf" entging. Eigentlich ging mir alles an diesem Roman auf den Geist, ob es nun das quälend langsame Tempo, die Abstinenz jeglicher Spannung, das seitenlange esoterische Geschwafel oder die erstaunliche Leblosigkeit sämtlicher Charaktere war. Zugegeben, mit spirituellen oder religiösen Themen tue ich mich ohnehin schwer, aber ein Roman wie "Schwert des Damokles" beweist, dass sogar ich so etwas durchaus reizvoll finden kann. Wenn es aber so unfassbar dröge wie in "Puppen" präsentiert wird, wird die Lektüre für mich allerdings zur Folter.

Schlimmer noch als das ohnehin schon total uninteressante Thema ist die Darstellung der Voyager-Crew, die völlig lethargisch und naiv agiert. Okay, die Handlung findet ungefähr zum Zeitpunkt der zweiten Staffel statt, aber das ist noch lange kein Grund, sämtliche Protagonisten so haarsträubend falsch zu charakterisieren. Janeway, eigentlich eine Frau der Tat, fällt vor allem durch ihre ständige Unentschlossenheit unangenehm auf. Von Beginn an ist sie am Zögern und am Zaudern, dass sich ein unbedarfter Leser fragen muss, wie sie überhaupt das Kommando über ein Raumschiff bekommen konnte. Der Rest der Crew kommt nicht viel besser weg: Ein hilfloser Chakotay, eine dauerbekiffte Kes, ein heulender (!) Tuvok und ein nerviger Neelix (also noch mehr als üblich) - nein, das ist nicht die Voyager-Crew, die ich kenne!

Die Dialoge sind dermaßen schlecht, dass sie schon fast wieder gut sind. Beispiele gefällig?

Janeway: "Kim..."
Kim: "Ja, Captain?"
Janeway: "Wir holen sie zurück. Seien Sie unbesorgt. Und hören Sie auf, sich schuldig zu fühlen."
Kim: "Ich versuch's, Captain."

***

Janeway: "Setzen Sie die Arbeit fort, Doktor. Ich möchte diesen Planeten verlassen, sobald wir Kayla gefunden haben. Ist das klar?"
Doktor: "Ja."

***

Neelix: "Kes darf dort unten auf keinen Fall allein sein."
Chakotay: "Kes ist nicht allein, Neelix. Sie ist zusammen mit Paris im Shuttle".


(ein paar Seiten später...)

Neelix: "Ich kann nicht zulassen, dass sie (Kes) allein mit den Urrythanern fertig werden muß."
Chakotay: "Sie ist nicht allein, Neelix. Paris leistet ihr Gesellschaft."

***

Schlimm, oder?

Irgendwann im letzten Drittel des Buches erwacht der Planet übrigens zum Leben, was fatale tektonische Auswirkungen zur Folge hat. Wer jetzt hofft, die Geschichte nähme auf der Zielgeraden endlich mal Fahrt auf, den muss ich leider enttäuschen. Was dann nämlich folgt, ist ein endloses verschwurbeltes Geschwafel über die "Eine Stimme" und die Reaktionen darauf. Allzuviel habe ich davon nicht mitbekommen, weil ich dann längst in eine Art Dämmerzustand verfallen war. Ab und zu drängte sich mir aber doch die Frage auf, auf welchem Trip sich der Autor beim Verfassen dieser Zeilen eigentlich befand.

Fazit: Ein so schlechtes Buch wie "Puppen" ist mir schon lange nicht mehr untergekommen. Eigentlich hatte ich schon nach dem ersten Kapitel die Nase voll. Die belangslosen Konflikte mit den völlig uninteressanten Aliens waren mir absolut schnurz, das esoterisch-verbrämte Weltbild der Urrythaner sowieso. Das einzige, was mich an diesem Roman interessierte, war die Anzahl der Seiten, die noch vor mir lagen. Von daher: Wenn Ihr Euch fest vorgenommen habt, alle Star Trek-Romane von Heyne und Cross Cult zu lesen, so wie ich, müsst Ihr da wohl leider durch. Alle anderen sollten einen großen Bogen um diesen Roman machen.

So, und nun zurück ins Regal mit diesem Buch, auf dass es für ewig darin verstaube...


0,5/5

Charaktere getroffen? *
Spannung: *
Humor: *
Action: **
Gefühl: *
originelle Handlung? *
Anspruch: *

Vorwissen nötig?
Zwar kann auch ein totaler Star Trek-Neuling dieses Buch lesen, aber aus den oben genannten Gründen würde ich dringend davon abraten. Schließlich soll niemandem die Lust auf eine Unmenge anderer und viel besserer ST-Romane verdorben werden.

Kommentare:

  1. Min Ameise,

    hab mich hämisch über Deine Rezension gefreut. Vielleicht bin ich ja nur schadenfroh, abba ich find's schon irgendwie lustig, dass auch Du einen Roman so herunterputzen kannst. Sehr unterhaltsam!

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  2. Danke!

    Die ganze angestaute Wut musste ja irgendwie raus - jetzt geht's mir dafür umso besser!

    ;-)

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  3. Hi,

    erstmal ein Lob an dich und deinen Blog. Ich besitze selbst auch so ziemlich alle Star Trek-Bücher die auf deutsch erschienen sind und kann deinen Bewertungen zum größten Teil nur beipflichten.
    Aber was ich eigentlich sagen wollte: Wenn du diesen Roman schon schlimm fandest, dann freue dich schonmal auf den DS9-Roman "Das Böse", denn das ist der wohl mit Abstand schlechteste, langweiligste und belangloseste Star Trek-Roman, den ich je anfing zu lesen... und auch der einzigste, den ich, bei aller Mühe, nicht zu Ende gebracht habe. Ich freue mich schon darauf seine Meinung zu hören.
    Bis dahin... weiter so!

    Gruß, Marko

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  4. Hallo Marko,

    vielen Dank, es freut mich sehr, dass mein Blog bei Dir so gut ankommt! Vor "Das Böse" habe ich mich bisher immer gedrückt, allein schon weil es von K.W. Jeter geschrieben wurde, durch dessen Roman "Die Station der Cardassianer" ich mich regelrecht hindurchprügeln musste. Weil ich aber vorhin gerade wieder einen ST-Roman ausgelesen und nachgegrübelt habe, welches Buch das nächste sein sollte, habe ich nun beschlossen, es hinter mich zu bringen: "Das Böse" wartet als nächstes auf mich (Nomen est omen?)

    Bin fest entschlossen, es durchzustehen...

    Beste Grüße,
    Ameise

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  5. Danke für die Warnung, Ameise. Ich hatte das Buch im Regal gesehen, und mich aufgrund der Beschreibung hinten für Star Trek: Titan 1-3 entschieden...

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