Willkommen auf meinem Star Trek-Blog! Seit ungefähr Anfang der 90er bin ich ein großer Star Trek-Fan, und irgendwann fing ich auch mal an, die Romane zu lesen. Dies soll ein Versuch sein, alle von mir geschriebenen Star Trek-Roman-Rezensionen einigermaßen kompakt zu präsentieren. Es würde mich freuen, wenn sich der eine oder andere bei meinen Bewertungen einen Tipp abholen kann. Wie man sehen kann, habe ich unter jede Rezension auch einzelne Aspekte wie Humor oder Spannung extra bewertet. Auch fehlte mir bei anderen Rezensionen immer der Hinweis, ob ein Star Trek-Roman auch für Nicht-Trekkies oder Neulinge geeignet ist oder nicht, deshalb gehe ich auch auf diesen Punkt ein.

Ich habe versucht, nicht allzuviel zu spoilern, aber absolute Spoiler-Allergiker möchte ich gleich darauf hinweisen, dass ich in fast jeder Rezi auch ein wenig auf den Inhalt des Buches eingehe. Ich finde es immer witzlos, wenn man rein gar nichts über das Thema eines Buches erfährt.

Ein Wort noch zu den verwendeten Fotos: Ich hätte die Cover auch einscannen können, fand aber die Idee mit den Fotos irgendwie schöner, gerade weil sie so dilettantisch aussehen ;-)
Kommentare, Tipps oder auch Rezensionswünsche sind jederzeit willkommen!

Und nun viel Spaß beim Stöbern!

Sonntag, 12. Februar 2012

Das Prometheus-Projekt

Sondra Marshak, Myrna Culbreath

TOS Nr. 10, erschienen bei Heyne

(218 S., Original: The Prometheus-Design)

Auf dem Planeten Helvan kommt es zu unerklärlichen Gewaltausbrüchen. Um diesen auf den Grund zu gehen, mischen sich Kirk seine Crew inkognito unters Volk und müssen bald feststellen, genau wie die Helvaner als Versuchskaninchen für die Experimente einer übermächtigen fremden Spezies herhalten zu müssen. Da Kirk unter den Auswirkungen dieser Experimente leidet, bekommt er von der Sternenflotte den hochrangigen Vulkanier Savaj vor die Nase gesetzt, der ihn in Windeseile zum Ersten Offizier degradiert und Spock zum neuen Captain ernennt. Trotz des nun folgenden Kompetenzgerangels müssen Kirk, Spock und Savaj zusammenarbeiten, um sich der Kontrolle durch die fremden Beobachter zu entziehen.

Manchmal reicht schon der allererste Satz aus, um einen aussagekräftigen Eindruck auf die folgende Geschichte zu erhalten. In "Das Prometheus-Projekt" lautet er so:

 "Die Feuer-Präsenz stellte das Präkagnon ein." 

Wer an dieser Stelle den Drang verspürt, das Buch sofort wieder zurück ins Regal zu stellen, der sollte dies tun. Der Roman wird nicht besser! Obwohl er mit seinen gerade mal 218 Seiten nach einer kurzen Lektüre aussieht, so kostete es mich viele, viele Wochen, mich durch dieses verquaste Machwerk zu ackern.
Überdeutlich merkt man dem Roman an, wie sehr die Autorinnen von Kirk und insbesondere Spock besessen sind, so dass sie keine noch so peinliche Gelegenheit auslassen, ihre Helden in Szene zu setzen. So kann es schonmal vorkommen, dass die beiden halbnackt und mit Hörnern auf dem Kopf im Zweikampf gegeneinander antreten müssen. Wieso die Hörner, fragt ihr? Ganz einfach, weil sich Kirk und Spock ja immerhin als Helvaner (was für ein origineller Name!) tarnen mussten. Na gut, eigentlich nur, weil es doch viel schicker aussähe, immerhin wirkt ein gehörnter Vulkanier nun so richtig satanisch... Laut Aussage dieses Buches gehören Kirk und Spock zu den besttrainierten Männern der Galaxis - na sicher doch. Jeder, der bei TOS mal Zweikämpfe zwischen den beiden gesehen hat, wird diese Aussage wohl stark anzweifeln.

Über viel zu viele Seiten hin versucht Savaj zu beweisen, wie haushoch überlegen die Vulkanier den Menschen sind. Diese Szenen sind so unglaublich bescheuert und nervtötend, dass man es kaum in Worte fassen kann. Das Verhalten von Spock und Savaj grenzt schon stark an Rassismus und lässt z.B. Soval aus der Serie "Enterprise" im Vergleich dazu wie einen herzensguten Menschenfreund erscheinen. Als Krönung des Ganzen kommt in dieser Geschichte der "vulkanische Kommandomodus" zum Einsatz:

"[...] Doch kann dieser vulkanische Kommando-Modus, einmal eingesetzt, nicht wieder ausgeschaltet werden. Noch kann man sich ihm ungestraft widersetzen. Ein Kommandant in diesem Modus verlangt sofortigen, bedingungslosen Gehorsam bis ins kleinste Detail. Jeder, der seinem Denkprozeß nicht folgen kann, muß seinen Befehlen folgen - exakt. Er ist nicht zu Erklärungen verpflichtet."
(S. 108)

Wie glaubwürdig ist es, dass die Sternenflotte die Möglichkeit eines derart despotischen Kommandostils zulässt? Auch wenn das Benehmen der beiden Vulkanier später erklärt wird, wirft es doch ein sehr negatives Bild auf ihre Rasse. Dummerweise wirkt Spock hier gar nicht so überlegen intelligent, wie dieses Buch weismachen will, als er beispielsweise einen ganzen Arm voller Pilze sammelt und erst dann testet, ob sie überhaupt essbar sind. Kirk wiederum als leuchtendes Exemplar seiner Spezies erträgt mannhaft die Demütigungen ihm gegenüber und knutscht die ach so überlegenen außerirdischen Damen gefügig. Genauso peinlich ist übrigens die allzu aufgesetzt wirkende Anti-Tierversuchs-Botschaft. Ganz ehrlich - soviel Fremdschämen während der Lektüre eines Star Trek-Romans hatte ich vorher noch nie erlebt.

Schwerer als alles andere wiegt der knochentrockene und teilweise völlig unverständliche Schreibstil. Was soll man zum Beispiel mit Phrasen wie "Der Alien-Effekt war total" anfangen? Jede gelesene Seite kam einem zähen Kampf gleich, und wie sehr hätte ich mich ausnahmsweise über eine Auflockerung in Form der normalerweise eher lästigen Maggi-Werbeseiten gefreut.

Verständlicherweise lieferten der Übersetzer und die Lektoren (sofern es welche gab) eine lustlose Arbeit ab: Andorianer wurden zu Andoranern, Stonn zu Stinn und Amanda zu Mamanda (letzteres finde ich eigentlich ganz witzig).

Immerhin haben mir Sondra Marshak und Myrna Culbreath die Entscheidung abgenommen, ob ich auch noch die Star Trek-Romane des Goldmann-Verlages sammeln sollte. Die Antwort lautet "NEIN!", denn dann lauerten auch noch die berühmt-berüchtigten "Phoenix"-Romane aus der Feder der beiden Damen auf mich. Es ist schon schlimm genug, dass ich mit "Tödliches Dreieck" noch ein weiteres Werk der Autorinnen vor mir habe.

Fazit: Ich denke, die Botschaft ist klar verständlich: Dieses Buch kann ich keinesfalls weiterempfehlen, es sei denn, jemand möchte unbedingt seine Ausdauer auf die Probe stellen.


0,5/5

Charaktere getroffen? *
Spannung: *
Humor: *
Action: **
Gefühl: *
originelle Handlung? *
Anspruch: ***

Vorwissen nötig?
Zumindest den ersten Film sollte man mal gesehen haben.

Kommentare:

  1. Bravo, Ameise! Sich durch diesen Roman zu wühlen und trozdem detailgenau und absolut treffend zu rezensieren, das ist schon mal eine reife Leistung!Mir hat er auch nicht gefallen, einzig McCoy erfährt hier seine Würdigung als gleichwertig agierender dritter Part im "Triumvirat". Das wars dann aber auch schon wieder, der Rest ist abgehobenes Geschwafel.L.G. Morgaine.

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    1. P.S.: Der Rest des Romans natürlich!!!!M.

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