Willkommen auf meinem Star Trek-Blog! Seit ungefähr Anfang der 90er bin ich ein großer Star Trek-Fan, und irgendwann fing ich auch mal an, die Romane zu lesen. Dies soll ein Versuch sein, alle von mir geschriebenen Star Trek-Roman-Rezensionen einigermaßen kompakt zu präsentieren. Es würde mich freuen, wenn sich der eine oder andere bei meinen Bewertungen einen Tipp abholen kann. Wie man sehen kann, habe ich unter jede Rezension auch einzelne Aspekte wie Humor oder Spannung extra bewertet. Auch fehlte mir bei anderen Rezensionen immer der Hinweis, ob ein Star Trek-Roman auch für Nicht-Trekkies oder Neulinge geeignet ist oder nicht, deshalb gehe ich auch auf diesen Punkt ein.

Ich habe versucht, nicht allzuviel zu spoilern, aber absolute Spoiler-Allergiker möchte ich gleich darauf hinweisen, dass ich in fast jeder Rezi auch ein wenig auf den Inhalt des Buches eingehe. Ich finde es immer witzlos, wenn man rein gar nichts über das Thema eines Buches erfährt.

Ein Wort noch zu den verwendeten Fotos: Ich hätte die Cover auch einscannen können, fand aber die Idee mit den Fotos irgendwie schöner, gerade weil sie so dilettantisch aussehen ;-)
Kommentare, Tipps oder auch Rezensionswünsche sind jederzeit willkommen!

Und nun viel Spaß beim Stöbern!

Samstag, 8. Januar 2011

Die Terroristen von Patria

Simon Hawke

TOS Nr. 79, erschienen bei Heyne

(281 S., Original: The Patrian Transgression)

Die Enterprise eskortiert Botschafter Jordan, einen alten Freund Kirks, zum Planeten Patria, um dessen Aufnahme in die Föderation voranzutreiben. Die Zustände auf Patria sprechen jedoch dagegen: Die Regierung befindet sich in einem ständigen Krieg gegen terroristische Rebellen. Diese wurden allem Anschein nach von den Klingonen mit neuartigen Energiewaffen versorgt, die gegenüber den Projektilwaffen der Polizei haushoch überlegen sind. Schnell stellt sich heraus, dass Patrias Aufnahme in die Föderation nur ein Vorwand ist, um ebenfalls an moderne Waffen heranzukommen und sich somit der Rebellen endgültig entledigen zu können. Auch die Tatsache, dass die Regierung über eine Elitetruppe von Gedankenpolizisten verfügt, die durch einen chirurgischen Eingriff telepathische Fähigkeiten besitzen und nach eigenem Ermessen für Recht und Ordnung sorgen, verursacht bei Kirk und Co. ziemliches Unbehagen. Während einige Mitglieder der Enterprise, unter anderem Kirk, Spock, McCoy und Chekov, den Botschafter für einige Tage nach Patria begleiten, bleibt die Enterprise unter Scottys Kommando im Orbit des Planeten und muss plötzlich mit einem orionischen Kreuzer fertig werden...

Zugegeben, ein Paradebeispiel für Einfallsreichtum ist dieses Buch nicht gerade. So einiges von dem, was man hier liest, kommt einem unheimlich bekannt vor. Auf Patria gibt es also zwei sich bekriegende Parteien, von denen eine von den Klingonen mit fortschrittlichen Waffen beliefert wird. Na, wo hat man das schon mal gesehen? Richtig, natürlich in der TOS-Episode "Der erste Krieg". Und wie schon so oft tritt hier ein Föderationsbotschafter auf, der bei der Mission eher hinderlich als fördernd ist. Auch das Konzept der Gedankenpolizei ist in der Literatur keineswegs neu - den bekanntesten Vertreter stellt zweifellos der Roman "1984" dar. Auch wenn sich Autor Simon Hawke alle Mühe gibt, das Szenario auf dem Planeten düster und trostlos zu gestalten - an George Orwells genialen Klassiker kommt diese Geschichte natürlich nicht mal im Entferntesten heran. Dazu ist sie einfach nicht spannend und, wie schon gesagt, nicht originell genug. Oh, und Spocks Entführung war ja wohl nichts anderes als Effektheischerei. Sie hätte ja leidlich spannend werden können, aber doch nicht ein paar Seiten vor dem Ende...

Auch wenn jetzt der Eindruck entsteht, ich könnte diesem Roman nicht allzuviel abgewinnen, muss ich doch zugeben, dass ich ihn wirklich mag. Sogar so sehr, dass ich mir die positiven Aspekte für den Schluss aufgehoben habe, um sie besser wirken zu lassen. Obwohl die Story eigentlich nur Durchschnitt ist, kann der Roman an anderer Stelle punkten, nämlich in erster Linie mit sehr guten Figurenbeschreibungen. Vor allem Kirk und McCoy sind einfach wunderbar getroffen (siehe unten), aber auch Scott kann als vorübergehender Kommandant der Enterprise glänzen. Positiv ist mir auch die starke Einbindung zweier "Redshirts" aufgefallen, nämlich Sicherheitsoffizierin Trish Jacob und Kommunikationsspezialist Andrew Muir, die es ganz nebenbei und völlig unspektakulär schaffen, an wichtige Information über die Gedankenpolizei zu kommen und das Ende des Romans nicht nur zu überleben, sondern auch eine lobende Erwähnung in Kirks Logbucheintrag zu erhalten. Dazu muss ich allerdings bemerken, dass der Autor diesen Roman zwei Personen namens Andy und Trish widmete.

Eine Sache, die mir an diesem Roman besonders gut gefällt, sind die hervorragenden Dialoge zwischen Kirk und McCoy. Wenn man an das berühmte Triumvirat aus der Originalserie zurückdenkt, fällt einem zuerst die tiefe Freundschaft der beiden so unterschiedlichen Figuren Kirk und Spock sowie die herrlichen Wortgefechte zwischen Spock und Pille ein. Die Kombination Kirk und McCoy kam weniger häufig vor, obwohl es in der Serie und den Filmen immer sehr starke Szenen waren. In diesem Roman wird Spock ein wenig in den Hintergrund gerückt, was aber überhaupt nicht stört, da das Duo Kirk/McCoy in diesem Roman einfach brilliert. Und da wir schon bei McCoy sind: Hier darf er ein Techtelmechtel mit Botschafter Jordans hübscher Assistentin Kim Wing haben, was dazu führt, dass der gute Doktor schon mal einen Noteinsatz seiner Enterprise-Kollegen verpasst. Die Szene, als die Affäre der beiden auffliegt, ist an Situationskomik kaum zu überbieten. Erfreulich ist hier die realistische und "erwachsene" Herangehensweise an diese Romanze, weil sich McCoy und Wing nicht gleich bis über beide Ohren ineinander verlieben und damit die Glaubwürdigkeit der Handlung strapazieren, sondern einfach nur die kurze gemeinsame Zeit genießen wollen.
Kirk geht zwar in Sachen Liebe mal leer aus, darf aber immerhin in einer herrlichen Show-Klopperei à la "American Gladiators" als Actionheld glänzen. Lustig ist auch die Stelle, wo sich die Führungsoffiziere der Enterprise mit den Speisen und Getränken der Patrianer vertraut machen müssen. Szenen wie diese lassen die mangelnde Kreativität in diesem Roman vergessen und sorgen dafür, dass man sich als Leser bestens unterhalten fühlt.

Die neuen Charaktere können ebenfalls fast alle überzeugen, allen voran der patrianische Gedankenpolizist Iano, dessen Motive fast die ganze Zeit über unklar sind.  Einzig Botschafter Jordan macht eine mehr als schwache Figur, und seine Einsicht am Ende nach dem Motto "Na gut, ich werde mich bessern" kommt arg gefällig daher. Sollte ich noch erwähnen, dass das Bild der Orioner wieder mal Opfer des offiziellen Kanons wurde? Jedenfalls konnte ich in der Serie "Enterprise" bei keinem einzigen männlichen Orioner das angeblich für diese Spezies so typische "mähnenhafte schwarze Haar" entdecken.

Fazit: Zwar ist dieser Roman nur Durchschnitt, aber immerhin guter Durchschnitt. Wer einfach nur ein kurzweiliges Abenteuer mit der Classic-Crew sucht, der kann hier getrost zugreifen.

3,5/5

Charaktere getroffen? ****
Spannung: ***
Humor: **
Action: ***
Gefühl: **
originelle Handlung? **
Anspruch: ***

Vorwissen nötig?
Nicht wirklich. Es reicht, ein paar Classic-Folgen zu kennen.

Kommentare:

  1. Moin Ameise,

    Deine Rezension hat mich tatsächlich neugierig gemacht. Hab daraufhin gleich das Buch aus meiner Sammlung herauskramen wollen, nur um zu merken, dass ich es gar nicht besitze... :(
    Allerdings muss ich mal kurz nachfragen: Meinst Du wirklich "Der erste Krieg"? In der legendären Mugato-Episode gab meiner Erinnerung nach gar keinen Föderationsbotschafter.
    Oder meintest Du "Krieg der Computer"? Da kann ich mich allerdings nicht an Klingonen erinnern...
    Nichtsdestotrotz ist Dir wiedereinmal gelungen, meine Neugier zu wecken und schon allein dafür danke ich als oller McCoy-Anhänger von ganzem Herzen...

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  2. Hallo Turon,

    sieht so aus, als hätte ich mich ein wenig missverständlich ausgedrückt. Die Parallele zu "Der erste Krieg" bezieht sich nicht auf den Botschafter, sondern nur auf die Waffenlieferung durch die Klingonen und die Frage, ob die Föderation ihrerseits die andere Partei mit Waffen beliefern soll, um das Gleichgewicht wiederherzustellen.

    Für die Sache mit dem Botschafter hatte ich keine spezielle Folge im Hinterkopf, aber wenn ich mich an irgendwelche Föderationsbotschafter erinnere, waren sie doch oft eher unsympathische, selbstgefällige Typen...genau wie in diesem Roman. Und jetzt, wo Du es erwähnst: Robert Fox aus "Krieg der Computer" ist ein gutes Beispiel für diese Spezies...

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